Montag, 8. August 2011

LBS-Studenten auf 180: Leuphana, es reicht!

Die Studenten im 2. Semester LBS Sozialpädagogik sind sauer. Zu einer Klausur ist ihr Prüfer einfach nicht erschienen (Lünepost berichtete) und das war nicht das erste Problem in dieser Veranstaltung. Ein Betroffener berichtet:
Im zweiten Semester ist die Vorlesung "Sozialpsychologie" vorgesehen. Als wir am ersten Termin, den 5.April, vergeblich auf einen Lehrbeauftragten warteten, bekamen wir auf Anfrage die Info, dass es noch keinen gäbe für diese Veranstaltung. Ohne uns vorher darüber in Kenntnis zu setzen! Die nächsten 2 Termine etwa mussten weiterhin ohne neue Infos ausfallen, bis man uns sagte, die Vorlesung würde im Mai und Juni in vier Blockseminaren (Mittwochs 14.15-19.45) stattfinden.

Der erste Prüfungstermin, Dienstag der 19.7. um 14.15, stand seit langem fest und über QIS waren wir bereits angemeldet. Wie dem Zeitungsartikel zu entnehmen ist, war der Prüfer nicht auffindbar, wir setzten uns mit Prüfungsamt, Studiengangsleitung, etc in Verbindung, bis der Prüfer endlich auftauchte. Er schob die Schuld auf organisatorische Fehler, er habe nicht gewusst, dass er für das Erstellen der Klausur (und scheinbar auch das Beaufsichtigen) zuständig wäre. Nachdem er die Klausur zunächst auf 16 Uhr anstetzen wollte, um in der Zwischenzeit eine zu erstellen, machte uns das Prüfungsamt einen Strich durch die Rechnung, denn die Klausur müssten sie ja vorher einsehen. Davon habe der Prüfer auch nichts gewusst. Wir einigten uns also auf Donnerstag, den 28.7. für einen Ausweichtermin und gingen davon aus, dieser finde auch dementsprechend statt. (1)
Erst gab es keinen Dozenten, dann fand die Veranstaltung an anderen Terminen statt und schließlich fiel noch die Klausur aus. Über Lehraufträge gibt es viele Geschichten zu erzählen, aber schlimmer konnte es nicht kommen. Da hatten sich die LBS-Studenten leider geirrt:
Als der Prüfer am zweiten Termin, Donnerstag den 28.7., wieder ca 45min zu spät erschien und nur auf der Matte stand, nachdem ihn ein Kommilitone nach 15minütigem Warten anrief, hatten die meisten Studierenden die Schnauze voll. Die Entschuldigung des Prüfers war, dass er diesmal schlichtweg den Termin vergessen hat und nachdem er den Anruf erhielt, die Klausuren noch kopieren musste.

Über dieses Ärgernis haben sich zwei Kommilitonen zusammengetan und einen Brief an die Verantwortlichern verfasst. (1)
In ihrem Brief (siehe 1. Kommentar) finden die Betroffenen deutliche Worte: Leuphana habe ein Organisationsproblem. Der zuständige Professor wurde durch einen Lehrauftrag ersetzt (LeuphanaWatch berichtete über dieses Phänomen), die Studenten fordern einen neuen Prof. Jeder könne Fehler machen, aber das stereotype Geloben von Besserung durch die Leuphana Universität Lüneburg sei unerträglich. Die Verfasser enden mit einem Appell:
Die Leuphana mit ihrem narzisstischen Wunsch in die Riege der Eliteuniversitäten aufgenommen zu werden, mit Hilfe eines opulenten Zentralgebäudes, als ein Symbol ihrer Qualität und Selbstgefälligkeit, erwirkt in uns nur Unverständnis. Die Qualität einer Universität lässt sich nicht daran bemessen, wie „zwielichtig“ Vizepräsidenten gehalten werden oder augenscheinlichen Nepotismus Einzug in den universitären Korpus nimmt. Erst wenn ein jeder Student, eine jede Studentin das Gefühl inne hat, dass die Universität sich gut um die studentischen Belange und Bedürfnisse kümmert, erst dann empfinden wir solch narzisstisches Getue, wie den Wunsch das Wort „Elite“ vor dem eigenem Namen führen zu können, als verdient. (Brief)

(1) Vielen Dank für die Informationen, die wir per eMail erhalten haben.

Kommentare:

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  3. Ende des ungekürzten und unveränderten Briefes.

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  4. In der Tat ein sehr ärgerliches Problem, habe volles Verständnis für die Wut der Studierenden in diesem Studiengang. Aber: Wer da zurücktreten muss, ist doch ganz klar: zunächst einmal darf dieser Dozent nicht mehr an der Leuphana Uni unterrichten. Und dann muss die Studiengangsleitung zurücktreten. Es ist ja nicht das erste Mal, dass es in diesem Studiengang Probleme gibt, das gab es auch schon in den Zeiten vor Spoun. Man kann Spoun nicht vorwerfen, dass er aus der Leuphana eine überregional bekannte, sehr gute Uni machen will. Aber man kann ihm vorwerfen, dass er den LBS-Saustall nicht ausmistet. Frau Ruwisch müsste auch ihren Hut nehmen, wenn sich herausstellt, dass sie dafür verantwortlich ist. Es ist keine Überraschung, dass genau in der Bildungs-Fakultät passiert.

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  5. Der Brief wurde auf Bitten der Verfasser vorerst entfernt. Wir hoffen ihn in Kürze wieder einstellen zu können.

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  6. Ganz klar ist, dass seit Herr Spouns Antritt die Zahl der Lehrbeauftragten rasant zugenommen hat. Es ist geradezu albern, zugleich von "Qualität" zu sprechen und im nächsten Atemzug in manchen Bereichen über 50% der Lehre durch nicht festangestelltes Personal abdecken zu wollen.

    Nicht nur, dass dies Lehre inhaltlich zerfasert, für die Studierenden die Zahl an Prüfer_innen reduziert, keine anständige Betreuung geleistet werden kann, auch ist es zum Einen mit hohem Verwaltungsaufwand verbunden (Leute müssen ständig neu gefunden und eingeplant werden) und vor allem nennt sich das die Prekarisierung von Akademiker_innen. Solche Personalpolitik mag billig für die Universität sein, es hat aber den rießen Nachteil, dass die Lehrbeauftragten kaum Geld bekommen, viele Jobs auf einmal erledigen müssen und es demnach zu Unzuverlässigkeiten kommen kann. Immerhin wissen die Menschen am Ende der Vorlesungszeit nicht einmal, ob sie weiter beschäftigt werden. Dass das für die vielgepriesene Qualität natürlich zur Farce ist und die Studis darunter leiden, scheint den Präsidenten nicht zu interessieren - ebenso wenig, wie die Tatsache, dass man eine solche Personalpolitik wohl kaum als nachhaltig oder sozial gerecht bezeichnen kann! (Liebe zukünftige Akademiker_innen, freut Euch auf Eure Zukunft)

    Oft wurde das schon angemahnt und immer noch steigt die Zahl der Lehrbeauftragten (kann man ja auch mit Studiengebühren finanzieren, noch besser). So ist das eben, wenn man mit "kleinen Gruppengrößen" angeben möchte, weil sich das besser verkauft, als neue Festangestellte. Das ist die kurzfristige Denke des Marketings.
    Und wenn man fürs eigene Prestige ein neues Studiensystem im Hauruckverfahren einführt, schneller neue Studiengänge schließt und erschafft, als mensch gucken kann, kommt es eben dazu, dass man schließlich massenhaft Kapazitäten benötigt, aber nicht genügend Geld für all die verschiedenen Studienabschlüsse hat.

    Der Hohn am Ende: Herr Spoun betreibt seit Jahren diese Mangelwirtschaft und behauptet dann in der FAZ: die Studierenden der AUSLAUFENDEN Studiengänge seien Schuld daran - denn die Studierenden sollen schließlich noch gut zu Ende studieren können. Vielen Dank für die Gnade, nicht gleich rausgeworfen zu werden - grüßt die Altstudentin, die in den meisten Studienbereichen jetzt in Überblicksseminaren mit Bachelorstudierenden sitzen darf, die nichts mit den Vertiefungen zu tun haben, die in ihrem Hauptstudium vorgesehen und ihrer Prüfungsordnung verankert sind. Und dabei habe ich noch nicht einmal die durchschnittliche Semesteranzahl meines Studiengangs erreicht!

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  7. ich denke zunehmend darüber nach, meine kinder später lieber selbst zu unterrichten.
    ... wie komme ich bloß gerade darauf?

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  8. @ Anonym 10. August 2011 16:16

    Klar, dass ein solches Ereignis ärgerlich ist. Jetzt die Ursachenkette an allen Enden auf Spoun zu reduzieren, geht aber mal wieder deutlich an der Realität vorbei.
    Sinn und Zweck von lehraufträgen war es nie, dass jemand daraus seinen Lebensunterhalt finanzieren sollte. Vielmehr war es angedacht, den Unterricht mit Experten aus der Praxis anzureichern. Die Herausbildung hauptamtlicher Lehrbeauftragter ist doch der realitätsfernen Lebens- und Berufsplanung mit mangelnden Chancen am Arbeitsmarkt geschuldet. Da bleibt für die Betroffenen nicht mehr viel übrig, als sich mit Lehraufträgen durchs Leben zu hangeln. Dass dadurch keine Qualität entsteht, weil es den Lehrbeauftragten an Motivation und Erfahrung mangelt, liegt auf der Hand.
    Wenn man dann noch anschaut, welche Themen durch Lehraufträge teilweise abgedeckt werden, bleiben keine Zweifel offen. Wenn für Interkulturellen Bauchtanz zu Tamburin-Klängen Geld da ist, muss man sich über die Lücken an anderen Stellen nicht beklagen.

    Aber zurück zur Ausgangsproblematik. Früher hat man als Student bei einer vergleichbaren Problematik noch anders gedacht und das Problem selbst in die Hand genommen. Wenn die eigene Universität eine Vorlesung oder ein Fach nicht abdecken konnte, ist man eben an eine andere Universität gegangen und hat sich die Scheine dort geholt. Dass war zugegebenerweise nicht immer einfach und bequem, aber es hat geklappt. Den Horizont hat es auch erweitert.

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  9. @Anonym

    genau, endlich endgültige Privatisierung - dass aus den Steuergeldern nicht Marketing-Abteilungen bezahlt werden, sondern anständige Lehre ist schließlich nicht zu beklagen, vielmehr sollen doch bitte alle selber sehen, wie sie an ihre notwendigen Scheine kommen.

    Wie armselig ist das denn bitte?
    Und übrigens: wenn Jede/r doch selbst das Sand im Getriebe ist, dann bleibt auch jeder Uni eine eigene Personalpolitik überlassen und erst Recht die eigene Haushaltsführung - auch ohne bis zu 80 Prozent Lehraufträge (Modul Wissenschaft hat Geschichte)!

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