Montag, 5. März 2012

Björn Adam: Tanz auf vielen Hochzeiten

Björn Adam ist Student der Leuphana Universität Lüneburg. In den vergangenen Wochen ist er als einer der Schlüsselakteure im Studentenparlament aufgefallen, als es um die hart umkämpfte Besetzung der ASTA Sprecher ging [1]. Der kuriose Kompromiss der Politiker beförderte Adam ganz nebenbei zum stellvertretenden ASTA Referenten für Öffentlichkeit und Presse. Aber wer ist dieser interessante junge Mann?

Björn Adam ist 22 Jahre alt und studiert nach eigener Auskunft Wirtschaftsrecht, Nachhaltigkeit und Business Administration an der Leuphana Universität Lüneburg und der Bifröst University in Island. [2, 3] Außerdem ist er "Unternehmer im Marketing" [2], ihm gehört die 2008 gegründete "Adam art design" [3].

Laut Selbstbeschreibung ist Adam im Studentenparlament aktiv [2]. Im Sommer 2011 wurde er erstmals ins STUPA gewählt [4], was ihn in der Landeszeitung vor einigen Wochen gleich zum erfahrenen Abgeordneten machte [5]. Als Parlamentsmitglied gehörte er dem Zentralausschuss an [6].

Die Wiederwahl ins Studentenparlament im Dezember letzten Jahres verpasste Adam jedoch. Direkt gewählt wurde er ausweislich des aktuellen Wahlergebnisses nicht mehr, sondern ist lediglich als Nachrücker seiner Liste "Grüner und autofreier Campus" aufgeführt [7]. Dennoch soll er als Verhandlungspartner eine wichtige Rolle spielen. LeuphanaWatch kann das nähere Wirken auf den Sitzungen nicht genau nachvollziehen, da die entsprechenden Protokolle nach wie vor nicht online zur Verfügung gestellt wurden [8]. Allerdings belegen mehrere eMails über einen Verteiler der Leuphana Universität Lüneburg das Engagement von Björn Adam. Es handelt sich um einen Schlagabtausch zwischen ihm und Parlamentsmitglied Daniela Steinert, welche die Gründung des neuen ASTA Referats mit Adam als Stellvertreter für ungültig hält [9].

Auch und vor allem außerhalb der Leuphana Universität Lüneburg bekleidet Björn Adam verschiedene Ämter. So ist er Mitglied im Stadtrat der Hansestadt Lüneburg [10] sowie im Kreistag des Landkreises [11]. In diesen Funktionen ist Adam in mehreren Ausschüssen der Komunalpolitik vertreten. Es handelt sich nach eigenen Angaben um:
  • Ausschuss für Raumordnung, Wirtschaft, Touristik, Verkehrsplanung und ÖPNV
  • Ausschuss für Umweltschutz, Landwirtschaft, Abfallwirtschaft, Agenda 21 u. Verbraucherschutz
  • Ausschuss für Raumordnung und Erneuerbare Energien [2]
Damit nicht genug. Hinzu kommt das Amt des ersten Vorsitzenden im Stadtjugendring Lüneburg [12].

LeuphanaWatch stellt fest: Jedes einzelne dieser Ämter würde andere Personen mitunter gut auslasten. Bei Björn Adam sind es ziemlich viele Ämter und übernommene Aufgaben gleichzeitig, ein Tanz auf vielen Hochzeiten. Hoffentlich sind es nicht zu viele. Es bleibt dem jungen Mann zu wünschen, dass er sich nicht verzettelt und vor allem nicht übernimmt. Schließlich muss er auch noch studieren.

[1] LeuphanaWatch dankt für den Hinweis.
[2] http://gruene-lueneburg.de/kreistagsfraktion/abgeordnete/bjoern-adam/
[3] http://www.adam-artdesign.de/uber-uns/
[4] http://www.asta-lueneburg.de/fileadmin/images/wahlen/Wahl_SoSe_2011/2011_06_06_Endgueltiges_Wahlergebnis.pdf
[5] Landeszeitung 20.01.12
[6] http://www.leuphana.de/stupa/ausschuesse.html, Stand vom 08.11.2011
[7] http://www.asta-lueneburg.de/fileadmin/images/wahlen/Wahl_WiSe_2011_12/2011-12-16_endgueltige_Festellung_Wahlergebnis.pdf
[8] Vergleiche http://www.leuphana.de/stupa/protokolle.html, abgerufen am 03.03.2012.
[9] Mehrere eMails vom 23.02.2012 über studierendenparlament.L@leuphana.de
[10] http://www.stadt.lueneburg.de/bi/pa021.asp
[11] http://www.lueneburg.de/desktopdefault.aspx/tabid-887/
[12] http://www.stadtjugendring-lueneburg.de/?page_id=14

Kommentare:

  1. Ich bin mir unsicher, was dieser Beitrag soll. Es hat immer ein gewisses Geschmäckle, sich so explizit auf eine Person zu beziehen, außer wenn sie konkret etwas verbockt hat. Wobei sich eine Person die auf so vielen Ebenen politisch aktiv ist halt gefallen lassen muss.
    Die Intention des Artikels ist, je nach Lesart, mehr oder weniger zwischen den Zeilen versteckt. Ja, Björn hat viele Ämter. Womöglich mag man dabei denken, dass er damit gut vernetzt ist. Einen Vorteil für die Institutionen kann ich dabei allerdings im bisherigen Wirken leider nicht erkennen. Andersherum kann man natürlich auch denken, dass er Ämter zum Teil um ihrer selbst willen hat. Ja, natürlich macht es Eindruck wenn man zu seiner Person eine Liste von derzeit aktiven Ämtern nennen kann. Dafür fließt im Gegenzug, wie der Artikel schreibt, weniger Arbeit in die einzelnen Ämter. Daür sind sie aber letztlich da, um Personen die sich engagieren wollen (oder politische Macht ausüben wollen, wertfrei gemeint) dafür die Legitimation zu geben. Wenn viele Ämter von einer einzelnen Person blockiert werden führt dies... drücken wir es ökonomisch aus, zu Ineffizienz. Ob dies allerdings bei Björn der Fall ist kann ich nicht beurteilen, dazu kenne ich sein unifernes Schaffen viel zu schlecht.

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  2. Wenn der StuPa-Abgeordnete bei der AStA-Sprecher_innenwahl einen Kandidaten unterstützt, der Studiengebühren nicht grundsätzlich ablehnt, was sagen denn das Grüne Parteimitglied, der Stadtrats- und Kreistagabgeordnete und der Sprecher des Stadtjugendrings dazu?

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  3. Es sind schon sehr gemischte Gefühle, mit denen ich hier Artikel über eine einzelne Person lese. Die Frage also ist: Wie damit umgehen, ohne dem Menschen zu schaden? Und: Möchte ich, dass mein Lebenslauf diskutiert wird, ohne dass die Umstände meiner Handlungen dabei eine Rolle spielen? Nein.

    Andererseits gibt es ja das, was man "Personen öffentlichen Interesses" nennt und dies dürften gerade PolitikerInnen unbedingt sein. Dann aber möchte ich gerne über politisches Handeln sprechen und über das Gerechtwerden der Ansprüche von WählerInnen. Insofern also über die Person als Amtsperson. Und da muss ich sagen: Es ist durchaus merkwürdig, dass Björn Adam Grünen-Politiker ist und im StuPa für eine vermeintlich "grüne" Liste sitzt. Zwar ist die Professionalität sicher bemerkenswert, mit der vor allem er strategisch/taktisch agiert, aber leider haben die bisherigen Inhalte der "grünen" Liste nichts mit grüner Politik zu tun.
    Was ich von Bündnis 90/Die Grünen bisher mitbekommen habe, ist ein erstaunliches Interesse an basisdemokratischen Prozessen, zumindest in den innerparteilichen Diskussionen, wohl der einzige Grund, warum ihre zwei Flügel wohl klarer innerhalb einer Partei getrennt sind, als dies irgendwo vergleichbar ersichtlich würde, und sie sich dennoch gemeinsam organisieren, gemeinsam Poltik machen. Gerade diese Partei entstand aus einer Bewegung, welche von offenen Debatten geprägt war, also durch ein klares Bekenntnis zum offenen Dialog und Inhalten im Gegensatz zu reinem Machtkalkül. Es bleibt zu hoffen, dass sich auch die "grüne" Liste im StuPa daran ein Beispiel nimmt und grundsätzliche Demokratiefragen nicht weiterhin mit einem Achselzucken abtut. Denn ansonsten erweist sie sich - mit Björn Adam als den richtigen, Taktik-erfahrenen Mann in der Hinterhand - tatsächlich mehr als unternehmerische, machtpolitische Netzwerkpartei als tatsächlich als vertrauenswürdige Liste einer grünen Hochschulpolitik.

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  4. Der öffentliche Diskurs auf den StuPa-Listserver ist ja völlig verstummt. Ist denn schon klar, wessen Rechtsauslegung sich am Ende durchsetzten wird? Jene von Björn, welcher alles als kein Problem ansieht und Daniela S. in Oberlehrermanier erzählt, wo sie jetzt wie Beschwerden einreichen könne? So rein vom Studiengang her (Wirtschaftsrecht) kann ja vermutet werden, dass seine Sichtweise nicht völlig falsch ist.

    Oder hat er sich zu weit aus dem Fenster gelehnt?

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    1. Ups, Herr Oberlehrer. Das ging aber in die Hose.

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  5. Hans-Peter Wodarz8. März 2012 um 22:52

    Es ist doch sehr interessant, wie sich manche Menschen die Mühe machen, das Leben und Wirken anderer Mitmenschen ganauestens unter die Lupe zu nehmen. Allen Betroffenen rate ich hiermit zur Freude über den WB, da man selbst erlebte Geschehnisse mit anderen Augen nocheinmal erleben darf. Vielmehr ist es ein eingefärbtes Tagebuch, wofür man dankbar sein sollte.

    Lieber Biörn, sei froh drum, denn nun musst du die Feder nicht selber schwingen. Weil die Verfasser keine Rechte an diesen Texten haben, kannst du sie vielmehr in deinen Memoiren nach deiner sehr erfolgreichen Karriere verwenden, ohne Konsequenzen zu fürchten. Ich möchte dich daher aufmuntern deine Arbeit fortzuführen und den WB stehts als stillen Begleiter zu verstehen. Die AutorInnen erweisen ihren Mitmenschen somit einen Dienst, ich hoffe nur, dass sie bei dieser Arbeit nicht ihre eigenen Leben vernachlässigen, denn über die schreibt wohl kaum jemand Tagebuch.

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