Mit ihrem Leserbrief in der Landeszeitung hat Frau Garbe eine Diskussion öffentlich gemacht, welche schon länger auf dem Campus geführt wird. Was ist die Zukunft vom Lehramt?
Es gibt eine ganze Reihe von Indizien, welche Skeptiker des aktuellen Präsidiums dazu anleiten, von einer völligen Streichung von Lehramt in wenigen Jahren auszugehen. Hierbei muss besonders erwähnt werden:
- Das Lehramt wird ins Rote Feld verschoben
- Frau Prof. Dr. Garbe wurde kein einziges Angebot unterbreitet, nicht einmal ein schlechtes, um sie hier zu halten.
- Die Berufung von neuen Professuren dauerte in der Initiative Lehrerbildung besonders lange. Monatelang wurde alleine zwischen der Fakultät und dem Präsidium über den Ausschreibungstext gestritten. Nach dem die Ausschreibungen dann fast ein Jahr später wie in der Initiative Nachhaltigkeit erfolgte werden im jetzigen Sommersemester scheinbar noch nicht einmal alle Probevorträge gehalten.
- Es heißt, dass es nur auf fünf Jahre befristete Professuren (W2) geben soll. Damit wird vermutet, dass bis 2016 Leuphana sich von allen Personen wieder trennen kann.
- Viele der Professuren sind für zwei Initiativen einsetzbar. Bei einer Streichung von Lehramt könnten die Personen im Bereich Kultur oder Nachhaltigkeit weiter eingesetzt werden.
- Die Lehrerbildung der drittmittelschwächste Bereich der Universität ist.
- Die typische Kariere eines Absolventen in Bereich Lehrbildung ist nun mal die eines Lehrers. Doch Lehrer zählen seit Jahren nicht mehr zur zukünftigen Elite unserer Gesellschaft. Mit hohen Spendengeldern der „old boys“ kann in diesem Bereich nicht gerechnet werden
- Bei der Neuausrichtung soll das Präsidium schon einmal den Anlauf unternommen haben, Lehramt in Frage zu stellen. Damals wurde es von Hannover genötigt, hier Lehramt zu erhalten. So wurde damals dann Sozialpädagogik dicht gemacht.
- Mangelfächer, wie Physik wurden geschlossen. Die Bildung eines eigenen Profils im Bereich Lehrbildung ist nicht erkennbar. Dies steht im Widerspruch zu der Strategie einer Unternehmerischen Hochschule, wie sie in allen anderen Bereichen gefahren wird.
- Eine Stiftungsratsitzung ist kurzfristig ausgefallen, nachdem es neue Minister in Hannover in diesem Frühjahr gab. Hier scheint der Zeitplan heftig durcheinander gekommen zu sein.
- Das Lehramt in das Leuphana-Studienmodell nicht hinein passt. Es nicht durch frei kombinierbare Minor und Major abgebildet werden kann.
Dies alles sind keine harten Fakten. Manche Sachverhalte könnten auch anders gedeutet werden. Doch in der Summe sind es doch erdrückend viele Indizien. Diese können auch nicht durch eine klare Aussage des Präsidiums so schnell entkräftet werden. Hatten sich doch auch schon früher „Komplettgerüchte“ plötzlich bewahrheitet.
Was den Autor sehr nachdenklich macht sind jetzt nicht so Punkte, wie der Umzug ins Rote Feld. Es kann ja im Umkehrschluss kaum davon ausgegangen werden, dass WP/WR durch ihre Verlagerung zum Campus in ihrer Zukunft deutlich gestärkt wären. Vielmehr gibt es das strukturelle Problem mit dem Studienmodell. Auch wenn hier das Collage Anpassungen an die örtliche Gegebenheiten nehmen musste, das Konzept aus St. Gallen nicht 1:1 übernommen werden konnte, ist Lehramt einfach überhaupt nicht integrierbar. Sondern es läuft völlig parallel. Diese Trennung wurde noch stärker, dass nur noch ganze Module und nicht mehr einzelne Veranstaltungen für andere Studiengänge geöffnet werden dürfen. [1] Lehramt passt nicht in Leuphana. Das wurde auch schon dem Standort Suderburg zum Verhängnis. Betrachtet man weiterhin die vorherrschende Geldnot, was die grundständige Lehre betrifft, welche durch die Eigenanteile, welche für Fördergelder erbracht werden müssen sich sogar noch verschärft, wird es wohl alleine an Hannover bzw. den Landtagsabgeordneten aus dieser Region liegen, ob das Lehramt langfristig bleiben darf.
[1] vgl. §7 Abs. 2 Satz 2 der RPO für Masterprogramme an der Graduate School (http://www.leuphana.de/fileadmin/user_upload/VERWALTUNG/praesidium/intern/intern2010/Gazette_07_10.pdf)