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Samstag, 5. November 2011

Absolventenjahrbuch absurd

Erstmals soll es in diesem Jahr ein Absolventenjahrbuch an der Leuphana Universität Lüneburg geben. Alle Absolventen können sich darin eintragen und ein Teil davon werden. Das Marketing schildert die Vorteile wie folgt:
Ihre Vorteile auf einen Blick:
- Sie haben eine schöne Erinnerung an die Studienzeit
- Sie präsentieren sich frühzeitig attraktiven Arbeitgebern
- Sie erreichen hochinteressante, potenzielle Arbeitgeber aus allen Branchen und Bereichen
- Das Absolventenbuch ermöglicht es Ihnen, mit Kommilitoninnen und Kommilitonen in Kontakt zu bleiben
- Sie nutzen eine effiziente Ergänzung zu kostenintensiven Initiativ-Bewerbungen [1]
Moment, Initiativ-Bewerbung und Präsentation bei Arbeitgebern? Eine interessante Aussage. Die Marketingabteilung führt aus:
Sie erhalten so nicht nur ein Jahrbuch ihres Abschlusssemesters, sondern können auch einen effizienten Bewerbungskanal für Ihre berufliche Zukunft nutzen, der von immer mehr Unternehmen und Organisationen zum gezielten Recruiting von Berufseinsteigerinnen und -einsteigern genutzt wird. [1]
Immer mehr Unternehmen nutzen also das Jahrbuch zum Recruiting. Eine erstaunliche Aussage, wo dieses doch erstmalig erscheint. Aber sicherlich ist das nur missverständlich formuliert und im Allgemeinen bei Jahrbüchern so. Klar, dass die Fachschaft BWL bei so viel Arbeitsmarktorientierung jubelt und das Jahrbuch gleich empfiehlt. [2] Jetzt bitten wir nur noch um die Beantwortung einer Frage: Als Absolvent im Bereich Lehramt GHR und LBS nutzt mir das was?

[1] http://www.leuphana.de/alumniportal/veranstaltungen/graduiertenfeier/absolventenbuch-2011.html
[2] http://www.leuphana.de/fsfb2.html
LeuphanaWatch dankt für den Hinweis und die treffliche Frageformulierung.

Montag, 8. August 2011

LBS-Studenten auf 180: Leuphana, es reicht!

Die Studenten im 2. Semester LBS Sozialpädagogik sind sauer. Zu einer Klausur ist ihr Prüfer einfach nicht erschienen (Lünepost berichtete) und das war nicht das erste Problem in dieser Veranstaltung. Ein Betroffener berichtet:
Im zweiten Semester ist die Vorlesung "Sozialpsychologie" vorgesehen. Als wir am ersten Termin, den 5.April, vergeblich auf einen Lehrbeauftragten warteten, bekamen wir auf Anfrage die Info, dass es noch keinen gäbe für diese Veranstaltung. Ohne uns vorher darüber in Kenntnis zu setzen! Die nächsten 2 Termine etwa mussten weiterhin ohne neue Infos ausfallen, bis man uns sagte, die Vorlesung würde im Mai und Juni in vier Blockseminaren (Mittwochs 14.15-19.45) stattfinden.

Der erste Prüfungstermin, Dienstag der 19.7. um 14.15, stand seit langem fest und über QIS waren wir bereits angemeldet. Wie dem Zeitungsartikel zu entnehmen ist, war der Prüfer nicht auffindbar, wir setzten uns mit Prüfungsamt, Studiengangsleitung, etc in Verbindung, bis der Prüfer endlich auftauchte. Er schob die Schuld auf organisatorische Fehler, er habe nicht gewusst, dass er für das Erstellen der Klausur (und scheinbar auch das Beaufsichtigen) zuständig wäre. Nachdem er die Klausur zunächst auf 16 Uhr anstetzen wollte, um in der Zwischenzeit eine zu erstellen, machte uns das Prüfungsamt einen Strich durch die Rechnung, denn die Klausur müssten sie ja vorher einsehen. Davon habe der Prüfer auch nichts gewusst. Wir einigten uns also auf Donnerstag, den 28.7. für einen Ausweichtermin und gingen davon aus, dieser finde auch dementsprechend statt. (1)
Erst gab es keinen Dozenten, dann fand die Veranstaltung an anderen Terminen statt und schließlich fiel noch die Klausur aus. Über Lehraufträge gibt es viele Geschichten zu erzählen, aber schlimmer konnte es nicht kommen. Da hatten sich die LBS-Studenten leider geirrt:
Als der Prüfer am zweiten Termin, Donnerstag den 28.7., wieder ca 45min zu spät erschien und nur auf der Matte stand, nachdem ihn ein Kommilitone nach 15minütigem Warten anrief, hatten die meisten Studierenden die Schnauze voll. Die Entschuldigung des Prüfers war, dass er diesmal schlichtweg den Termin vergessen hat und nachdem er den Anruf erhielt, die Klausuren noch kopieren musste.

Über dieses Ärgernis haben sich zwei Kommilitonen zusammengetan und einen Brief an die Verantwortlichern verfasst. (1)
In ihrem Brief (siehe 1. Kommentar) finden die Betroffenen deutliche Worte: Leuphana habe ein Organisationsproblem. Der zuständige Professor wurde durch einen Lehrauftrag ersetzt (LeuphanaWatch berichtete über dieses Phänomen), die Studenten fordern einen neuen Prof. Jeder könne Fehler machen, aber das stereotype Geloben von Besserung durch die Leuphana Universität Lüneburg sei unerträglich. Die Verfasser enden mit einem Appell:
Die Leuphana mit ihrem narzisstischen Wunsch in die Riege der Eliteuniversitäten aufgenommen zu werden, mit Hilfe eines opulenten Zentralgebäudes, als ein Symbol ihrer Qualität und Selbstgefälligkeit, erwirkt in uns nur Unverständnis. Die Qualität einer Universität lässt sich nicht daran bemessen, wie „zwielichtig“ Vizepräsidenten gehalten werden oder augenscheinlichen Nepotismus Einzug in den universitären Korpus nimmt. Erst wenn ein jeder Student, eine jede Studentin das Gefühl inne hat, dass die Universität sich gut um die studentischen Belange und Bedürfnisse kümmert, erst dann empfinden wir solch narzisstisches Getue, wie den Wunsch das Wort „Elite“ vor dem eigenem Namen führen zu können, als verdient. (Brief)

(1) Vielen Dank für die Informationen, die wir per eMail erhalten haben.

Montag, 25. Juli 2011

Zulassungstest nicht mehr in Stein gemeißelt

Der Zulassungstest für den Leuphana-Bachelor und das Lehramt durfte bislang nicht wiederholt werden. Wer einen schlechten Tag hatte und folglich keinen Studienplatz bekam, konnte bei einem neuen Anlauf im nächsten Jahr den Test nicht mehr mitmachen. Es zählte die Punktzahl des Vorjahres. Diese unverständliche Härte mag dem Leistungsgedanken entsprungen sein, der manchmal zur Karrikatur seiner selbst zugespitzt wird. Man soll für die Bewerbung an der Leuphana Universität Lüneburg alles geben und auf den Tag topfit und bestens vorbereitet sein. Das entspricht zwar hehren Vorstellungen der hohen Herren, nicht immer aber dem Leben. Zu oft können Dinge dazwischen kommen und sei es eine Krankheit.

Jetzt folgt die Bestrafung nicht mehr in der Endlosschleife. Wer keinen Studienplatz erhält, kann den Zulassungstest im nächsten Jahr wiederholen, wenn er mit seiner Punktzahl nicht zufrieden ist. Das haben der ASTA und die Fachschaft Kulturwissenschaften erreicht. Der ASTA meldet:
Der Zulassungstest zu den Major-Studiengängen und zum Lehramt darf ab sofort (seit Beschluss am 22.6.) und auch rückwirkend wiederholt werden. Das heißt, dass alle, die bereits in den Vorjahren den Test abgelegt haben, um sich zu bewerben, diesen jetzt wiederholen dürfen.

Hierzu beschließt die Auswahlkommission College: „Ein bereits abgelegter Zulassungstest am Leuphana College steht einer erneuten Testteilnahme nicht entgegen. Ein altes Testergebnis aus dem/den Vorjahr/en kann auch für ein neues Bewerbungsverfahren auf Antrag des Bewerbers bzw. der Bewerberin angerechnet werden. Wird der Zulassungstest mehrfach abgelegt, zählt für die Bewerbung um einen Studienplatz das jeweils aktuellste Ergebnis.“

Ein besonderer Dank gilt der Fachschaft Kulturwissenschaften und Janna Ehrlich, die vom StuPa ensendet worden ist. ASTA
Das Ergebnis des Zugangstests ist nicht mehr in Stein gemeißelt. Und das ist auch gut so.

Samstag, 23. Oktober 2010

Zentralgebäude, Studienmodell und Raumbedarf

Der AStA hat im Sommer ja an einer Dokumentation zum Audimax gearbeitet. Dieser Kommentar möchte die Arbeit würdigen jedoch auch in einem entscheidenden Punkt widerlegen. Höchstens, es geht bei der Diskussion um den Raumbedarf auch um die Hinterfragung des Leuphana-Studienmodells.   

Um die derzeitige Bemühungen zu der Weiterentwicklung der Universität Lüneburg zu einer Campusuniversität nachvollziehen zu können muss sich mit dem Studienmodell im College beschäftigen. Das College baut darauf auf, dass mit einer geringen Anzahl von Major und frei kombinierbaren Minor eine Vielzahl von Studiengängen von jedem einzelnen Studierenden kreiert werden kann. Zudem kann aus einer Vielzahl von Komplementärveranstaltungen frei gewählt werden. Durch diese hohe Wahlmöglichkeit kommt es zu einer großen Durchmischung der Studierenden in den Veranstaltungen. Um jetzt die Pausen nicht nur mit dem Überbrücken der Distanz zwischen verschiedenen  Standorten zu verlieren würde eine Universität der kurzen Wege, eine Campusuniversität, die Situation für Lehrende und Lernende deutlich verbessern.
Nach dem bekannt ist, dass mittelfristig sich alles auf dem Campus konzentrieren soll, versuchen möglichst viele Institute und Forschungsprojekte auch auf dem Campus Scharnhorststraße (Campus) untergebracht zu sein. Dies führt heute schon zu einer erheblichen Raumnot auf dem Campus. Da auf Grund des Studienmodells, z. B. im Leuphana-Semester, alle Studierende parallel Gruppenräume benötigen kommt es punktuell auch immer wieder zu der Situation, dass kein einziger Raum mehr auf dem Campus frei ist. In anderen Zeitfenstern fehlen hingegen Hörsäle in der Größenordnung 100 bis 250 Personen. Ganze Jahrgänge sitzen in schlauförmige Seminarräume. Im letzten Drittel ist dabei kaum noch etwas von der Präsentation zu erkennen und die Akustik leidet darunter.
Hingegen ist derzeit im Roten Feld und in Volgershall die Raumsituation deutlich entspannter. Jedoch möchte keiner dorthin versetzt werden, da diese „Abschiebung“ häufig emotional mit der baldigen Schließung des Studienganges verbunden wird. Besteht zum Beispiel bei den Ingenieuren die Angst, dass falls keine Maschinenhalle auf dem Campus errichtet wird dies auch bedeutet, dass ihr Studiengang geschlossen wird. Auch bei Lehramt wurde der Umzug ins Rote Feld als ein Indiz gesehen, dass Lehramt geschlossen wird.
Ein Studienmodell, welches den Studierenden anbietet sich ein sehr individuelles Studium aus einigen Bausteinen nach dem Baukastenprinzip zusammen zu setzten und gleichzeitig von nur einer überschaubarer Größe von Lehrenden bedient werden soll bedarf demnach eine Campusuniversität.
Doch welcher Raumbedarf ergibt sich daraus?
Einerseits werden mehr Gruppenarbeits-, Seminarräume und Hörsäle gebraucht wie in der Vergangenheit vor dem Leuphana-Studienmodell. Dies ist begründet in der Parallelität der einzelnen Unterrichtsformen. Ist aus den wenigen Informationen, welcher der Öffentlichkeit zu dem Zentralgebäude zur Verfügung steht, zwar ersichtlich, dass hier Gruppenarbeitsräume erstellt werden sollen so ist bis jetzt von lediglich einem Hörsaal mit 1300 Plätzen die Rede. Kann dieser Hörsaal denn geteilt werden? Können in diesem Hörsaal auch naturwissenschaftliche Fächer (Rauchabzug, feuerfeste Unterlage) unterrichtet werden? Die größere Kohorte von Studierenden im Major Umweltwissenschaftler hat etwa noch keinen Hörsaal, in welchem sie im nächsten Sommer unterrichtet werden kann. Soll die unglückliche Situation mit den sehr schlauchartigen Seminarräumen auf dem Campus der Vergangenheit angehören müssten auch von diesen welchen erstellt werden, welche breiter, jedoch nicht so tief sind. Sollte das Audimax nicht geteilt werden können besteht auf jeden Fall noch der Bedarf auch von Räumlichkeiten in der Größenordnung zwischen 70 bis 250 Plätze. Auch besteht der Bedarf an freien Räumlichkeiten, welche von Referats- und Lerngruppen genutzt werden können. Für andere ist selbst in der Bibliothek noch zu viel Trubel und benötigen Stillarbeitsräume. Andere benötigen Aufenthaltsräume in den Pausen in der kalten Jahreszeit bzw. an Regentagen.
Derzeit wird öffentlich Diskutiert, dass eine Universität, welche deutlich weniger Studierende habe, auch deutlich weniger Räume brauchen würde. Dies ginge jedoch nur, falls man wie früher auch wieder bis 22 Uhr unterrichten würde und das Studienmodell auflöst um den parallelen Bedarf von Gruppenarbeitsräumen wie von Hörsälen umzukehren.
Betrachten wir in einem nächsten Schritt die Büroflächen für die Dozenten. Wie mehrfach zu lesen konnte in den letzten Jahren das Betreuungsverhältnis zwischen Studierende und Dozenten deutlich verbessert werden. Das sinken der Studierendenanzahl war demnach nicht mit einer starken Schrumpfung im Bereich der Dozenten verbunden. Vielmehr ist die Universität bemüht, die Forschung deutlich zu vergrößern. Das Drittmittelaufkommen soll deutlich gesteigert werden. Jede Neuberufung soll schon in erheblichen Maße Drittmittel mitbringen. Dies trifft selbst bei Juniorprofessuren zu. Drittmittelforschung bedarf jedoch auf jeden Fall Platz. Platz für neue Apparaturen, Arbeitsplätze für Mitarbeiter. Sollte es der Professional-School gelingen, weitere laufende Weiterbildungsstudiengänge aufzubauen werden auch hier zur Betreuung Mitarbeiter benötigt.
Kommt jetzt noch hinzu, dass aus Gründung der Unterhaltungskosten eine Trennung von zwei Bausünden der Vergangenheit erfolgen soll ist mit einem erheblichen Mehrbedarf an Nutzfläche auf dem Campus zu rechnen.

Falls die Stadt und der Landkreis eine Stadthalle auf der Fläche der Universität wünschen darf ein derartiger Raum sicherlich in diesem Rahmen mit erstellt werden. Jedoch sollte es dann auch die Aufgabe der Stadt sein den Unterhalt eines derartigen Raumes wie den hierfür notwendigen Parkplätzen zu bezahlen. Wie die Bewirtschaftung einer Stadthalle schön gerechnet werden und zu lasten der Universität oder eines Partner verlagert werden kann ist schon verwunderlich. Auch dass sich die Stadt Lüneburg, statt einem gewünschten Raum für 3000 Personen einen Multifunktionsraum für 1200 Personen aufbinden lässt bleibt ihr Geheimnis. Auch, weshalb sie sich mit einer deutlich niedrigeren Studierendenanzahl zufrieden gibt als in der „Strategischen Rahmenplanung“ ins Auge gefassten 10.000 Studierende (derzeit knappe 7000). Möglicherweise mag sie am Ende nicht Verantwortlich für das Scheitern der Neuausrichtung der Universität sein.

Fasst man diese Aspekte alle zusammen muss geschlussfolgert werden, dass das Zentralgebäude sogar viel zu klein ist. Es gerade mal den beengten aktuellen Bedürfnissen gerecht wird und keine Puffer schafft für neue Forschungsprojekte wie der weiteren Entwicklung der Universität. Hält die Universität es abwegig weitere Stiftungsprofessuren gewinnen, Studiengänge in der Professional School aufbauen oder weitere Drittmittel akquirieren zu können? Von Platz für universitärnahe Ausgründungen ganz zu schweigen.

Für neu zu errichtende Gebäude ist es dringend erforderlich, einmal ehrlich über den tatsächlichen Raumbedarf zu sprechen. Ein Raumbedarf, welcher sich nicht an irgendwelchen Durchschnittszahlen orientiert sondern berücksichtigt, dass an dieser Universität ein völlig anderes Studienmodell gefahren wird. Ein Raumbedarf, welcher den absehbaren Raumbedarf der nächsten 6-8 Jahren mindestens schon mit einschließt. Dafür müsste die Diskussion über die Inhalte jedoch noch einmal geführt werden. Welche Majors soll es denn Mittelfristig geben? Die Neuausrichtung der Universität ist mit dem Bericht der wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen und der anschließenden Diskussion jedoch noch nicht abgeschlossen. Kann sich etwa ein Schmalspur-Leuphana-Bachelor-Ingenieur gegen die wieder gegründete Diplomingenieure der technischen Universitäten behaupten? Oder sollte dieser Major in einen Minor umgewandelt werden? Wie können sich große Major, in deren Bereichen es jedoch verhältnismäßig wenig Drittmittel gibt, weiterhin rechtfertigen? Im nächsten Schritt sollte die Diskussion stattfinden, wo der Platz auf dem Campus ist für eine möglicherweise genötigte Maschinenhalle oder etwa ökologische Versuchsflächen oder allgemein den technischen- und naturwissenschaftlichen Laboren? Möchte die Universität auf ihrem Campus auch weiterhin ein Sportfeld und sommerliche Chill-out-Flächen haben ist eben nur ein sehr begrenzter Platz vorhanden. Den einzig in die Höhe kann auf dem Campus noch weiterer Raum geschaffen werden. Raum, welcher für ein innovatives Studienmodell wie die Forschungsinitiativen und den zentralen Einrichtungen (z. B. ZDemo) dringend benötigt wird. Das geplante Zentralgebäude mit den hierfür notwendigen Parkflächen ist jedoch zu klein. Schließlich möchte sich, in den Worten von Herrn Zühlsdorff,  Leuphana nicht nur auf den Weg machen zu einer zukunfts- und wettbewerbsfähigen Universität der Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts, sondern auch dort ankommen. Dies bedarf jedoch nicht Zink, Glas und Beton allein sondern auch die gesellschaftliche Diskussion über den Raumbedarf und den dahinter liegenden Inhalten von Forschung und Lehre.

Wie überhaupt ins Auge gefasst werden kann, auf dem Campus noch ein Hotel oder ein weiteres Studierendenheim zu erstellen kann nicht nachvollzogen werden. Muss ja etwa auch die Bibliothek dringend ausgebaut und sollen die Interessen von Fledermäuse und der Haubenlerche auch noch berücksichtigt werden. So ist langfristig ja doch absehbar, dass die Einkaufzeile einem mehrgeschossigen Bau weichen muss und Studentenwohnheime auf dem Campus in Büroflächen überführt werden. 

Samstag, 14. August 2010

Posten des Dekans noch unbesetzt

In allen vier zukünftigen Fakultäten fanden konstituierende Sitzungen statt. Als zukünftige Dekane wurden Prof. Wein, Prof. Ruck und Prof. Pez in den Fakultäten 2, 3 und 4 gewählt.

Hingegen ist der Posten in Fakultät 1 leer geblieben. Hier stellt sich weiterhin die Frage, ob etwa einer der aktuell neu berufenen Professoren sofort zum Dekan einer für ihn völlig unbekannten Universität aufsteigen soll? Oder ob dann doch eine externe Fakultätsleitung vom Präsidium eingesetzt werden muss.

Die an dieser Stelle erwähnte Hürde, dass für den Dekan keine Lehrdeputatskürzung mehr vorgesehen sein soll, scheint laut Gerüchten wieder vom Tisch zu sein [1].

Die weitere Entwicklung der Fakultät Lehren und Lehren bleibt somit spannend. Hierfür kann in diesem Fall aber mal nicht das Präsidium verantwortlich gemacht werden. Vielmehr muss aus dem eigenen, im Augenblick sehr geschrumpften Kreis, ein geeigneter Kandidat gefunden werden.

[1] http://leuphanawatch.blogspot.com/2010/07/wahl-der-dekane-in-3-von-4-fakultaten.html

Mittwoch, 21. Juli 2010

Heterogenität

Die Forschungsinitiative Bildungsforschung hat sich als Forschungsschwerpunkt der Umgang mit Heterogenität auf die Fahnen geschrieben [1]. Hierbei unterscheidet sie die Heterogenität Lehrenden wie die der Lernenden. Auch wird betont, dass es heterogene Lebenswelten gibt. Quasi wir Menschen wohl alle Individuen sind. Eine hoffentlich nicht ganz so überraschende Erkenntnis innerhalb der Bildungswissenschaften. Hier hört die Heterogenität jedoch noch nicht auf. Auch auf der Systemebene Schule gibt es Heterogenität. Nicht nur, dass es nach normativen Grundsätzen in verschiedenen Bundesländern unterschiedliche Schulsysteme gibt, welche nach einem Regierungswechsel auch jeweils geändert werden müssen. Jede einzelne Schule folgt einer eigenen Pfadabhängigkeit, hat ein eigenes gewachsenes Schulklima in der Schüler- und Lehrerschaft.
Dass Heterogenität heute noch ein Forschungsfeld ist, zu welchem es zu wenig Aussagen für die Lehrerbildung gibt mag verwundern. Insbesondere, falls durch diesen Schwerpunkt ein Alleinstellungsmerkmal für die Leuphana erarbeitet werden soll. Sollte ein homogenes Menschenbild nicht nur an anderen Universitäten längst überwunden sein sondern ist es in anderen Wissenschaften schon immer gewesen. Etwa wird in der Nationalökonomie von komparativen Kostenvorteilen und unterschiedliche Präferenzen einzelner Individuen oder ganzer Menschengruppen ausgegangen. In der ökonomischen Lebenswelt scheinen die Menschen schon immer heterogen gewesen zu sein. Der Umgang mit Heterogenität beschreibt sicherlich allgemein die Herausforderung, welche pädagogische Berufe gegenüber technischen Berufen wie etwa einem Werkzeugmacher hat. Jedoch wird damit sicherlich kein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Universitäten erarbeitet.
Sollte dies jedoch der tatsächliche Forschungsschwerpunkt sein könnte man erwarten, dass hierzu mindestens eine W3-Eckprofessur eingerichtet werden würde. Diese Professur würde dann ganz am Anfang berufen werden. Um diese Eckprofessur herum würden dann weitere, hierzu passende Personen berufen werden. Ganz anders ist das Vorgehen in dieser Wissenschaftsinitiative. In Bereich Psychologie wie Bildungswissenschaften wird jeweils eine W3-Professur benannt. Um diese werden dann zwei weitere W1/2 Professuren gelegt. In den Bildungswissenschaften lautet der Titel der Eck-Professur „Allgemeine Erziehungswissenschaft.“ Speziell zu Heterogenität soll hingegen nur eine W1/2 Stelle reichen. Zu Letzteren wird dann erst gar nicht für Probevorträge eingeladen. Nach einem Protokoll der Fakultätsübergreifenden Kommission Lehrerbildung (FKL) soll diese Professur nun als Verhandlungsmasse für andere Verfahren verwendet werden. Ein tatsächlicher Forschungsschwerpunkt würde anders behandelt werden!
So scheint es, dass die neuen Professuren mehr nach den Anforderungen der Akkreditierungsagentur besetzt werden. Hier die zukünftige Lehrer selbst weiter in einem verschulten System ausgebildet werden. Die Studierende in Kohorten nach der Semesteranzahl zusammengefasst und als eine homogene Masse behandelt werden. Die Menschen sollen sich an ein System anpassen. Wer dies besonders gut kann hat dann was gelernt.
Und die Wissenschaftsinitiative Bildungsforschung? Diese sollte, spätestens wenn die aktuellen Berufungen vorbei sind, in Klausur gehen und nach den eigenen komparativen Kostenvorteilen suchen. Sonst werden sie, trotz derzeitigen politischen Zusagen, in wenigen Jahren wieder in Frage gestellt. Durchschnittliche bis unterdurchschnittliche Bewertungen reichen nicht mehr zum Überleben. Die wettbewerbliche Auslese findet inzwischen auch auf der Systemebene statt.

[1] http://www.leuphana.de/w-initiativen/bildung/forschung.html

Samstag, 3. Juli 2010

Studentische Vollversammlung

Überraschend aktivistisch startet die Amtsperiode des neuen Studierenden Parlamentes. Es wird unmittelbar zu einer Vollversammlung eingeladen:
>>>>>> Di, 6.7.2010 – 12 Uhr – Hörsaal 1 <<<<<< In den letzten 3 Tagen sind kritische Informationen bekannt geworden, die eine schnelle Information & Reaktion benötigen. Zusammengesetzt ergeben diese Infos für uns ein hässliches Bild: • Lehramt wankt gewaltig: Wir berichten über den Stand der Berufungen und was das für die Akkreditierung bedeutet (Master / Berufseinstieg, Zukunft des Studiengangs) • Das Audimax mit Hotel und kostenpflichtigem Parken kommt: schon in den nächsten Tagen soll die Entscheidung fallen (welche Wirkung hatte die Unterschriftenaktion mit 2500 Unterschriften im Herbst?) • Die Mensa wird privatisiert, das Vamos kommt weg: warum das tatsächlich kein Scherz ist und wie es dazu kommt [1]


Auch wenn es das Anliegen von Leuphana-Watch ist aktuell zu informieren liegen uns leider noch keine Hintergrundinformationen vor. Den regelmäßigen Leser dieser Seiten dürften die Themen jedoch nicht völlig überraschend. Zu Lehramt berichteten wir [2]. Dank hier um die inhaltlichen Ergänzungen unserer Leser.
Verwunderlicher ist der nächste Tagesordnungspunkt. Seit dem Ratsbeschluss im Herbst 2009 war bekannt, dass ein Hotel mit Parkhaus auf den letzten Erweiterungsflächen des Campus Scharnhorststraße gebaut werden soll. Bei wem soll jetzt noch eine Entscheidung fallen?
Doch was bedeutet eine Privatisierung einer Mensa? Soll es dann zukünftig keine Studierendenpreise mehr geben? Oder soll ein gewinnorientiertes Unternehmen ein Wettbewerb verzerrendes Subventionsmonopol im Bereich Systemgastronomie erhalten? Soll so die Privatisierung der öffentlichen Daseinsfürsorge aussehen? Korrupte Politiker ermöglichen Privatunternehmen Monopolrechte und damit reichlich Gewinne zu Lasten der öffentlichen Hand und den Angehörigen der Universität.
Auf diesem Wege könnte Leuphana jedoch das Ziel erreichen einer Elite-Universität zu werden. Die Kinder der Mittel- und Unterschicht werden sich die Lebenshaltungskosten schlicht nicht mehr leisten können. Dann sind endlich die Kinder der Oberschicht mit ein paar wenigen handverlesenen Stipendiaten unter sich. Den notwendigen Status und Habitus bringen die zukünftigen Studierenden dann schon von selbst mit.
Vielleicht könnten den Studierenden der Essenszuschuss auch direkt ausbezahlt werden. Dann könnten Sie unter den Anbietern frei wählen und es könnte ein Wettbewerb um Qualität und Preis entstehen. Von derartigen marktkonformen Modellen ist in Zeiten von Studiengebühren jedoch nicht auszugehen.

[1] Dienstag Vollversammlung - Lehramt geht, Audimax kommt?; Email über Listserver der Universität, 2. Juli, 20 Uhr
[2] http://leuphanawatch.blogspot.com/2010/06/geruchte-um-die-streichung-von-lehramt.html

Sonntag, 20. Juni 2010

Gerüchte um die Streichung von Lehramt

Mit ihrem Leserbrief in der Landeszeitung hat Frau Garbe eine Diskussion öffentlich gemacht, welche schon länger auf dem Campus geführt wird. Was ist die Zukunft vom Lehramt?
Es gibt eine ganze Reihe von Indizien, welche Skeptiker des aktuellen Präsidiums dazu anleiten, von einer völligen Streichung von Lehramt in wenigen Jahren auszugehen. Hierbei muss besonders erwähnt werden:
- Das Lehramt wird ins Rote Feld verschoben
- Frau Prof. Dr. Garbe wurde kein einziges Angebot unterbreitet, nicht einmal ein schlechtes, um sie hier zu halten.
- Die Berufung von neuen Professuren dauerte in der Initiative Lehrerbildung besonders lange. Monatelang wurde alleine zwischen der Fakultät und dem Präsidium über den Ausschreibungstext gestritten. Nach dem die Ausschreibungen dann fast ein Jahr später wie in der Initiative Nachhaltigkeit erfolgte werden im jetzigen Sommersemester scheinbar noch nicht einmal alle Probevorträge gehalten.
- Es heißt, dass es nur auf fünf Jahre befristete Professuren (W2) geben soll. Damit wird vermutet, dass bis 2016 Leuphana sich von allen Personen wieder trennen kann.
- Viele der Professuren sind für zwei Initiativen einsetzbar. Bei einer Streichung von Lehramt könnten die Personen im Bereich Kultur oder Nachhaltigkeit weiter eingesetzt werden.
- Die Lehrerbildung der drittmittelschwächste Bereich der Universität ist.
- Die typische Kariere eines Absolventen in Bereich Lehrbildung ist nun mal die eines Lehrers. Doch Lehrer zählen seit Jahren nicht mehr zur zukünftigen Elite unserer Gesellschaft. Mit hohen Spendengeldern der „old boys“ kann in diesem Bereich nicht gerechnet werden
- Bei der Neuausrichtung soll das Präsidium schon einmal den Anlauf unternommen haben, Lehramt in Frage zu stellen. Damals wurde es von Hannover genötigt, hier Lehramt zu erhalten. So wurde damals dann Sozialpädagogik dicht gemacht.
- Mangelfächer, wie Physik wurden geschlossen. Die Bildung eines eigenen Profils im Bereich Lehrbildung ist nicht erkennbar. Dies steht im Widerspruch zu der Strategie einer Unternehmerischen Hochschule, wie sie in allen anderen Bereichen gefahren wird.
- Eine Stiftungsratsitzung ist kurzfristig ausgefallen, nachdem es neue Minister in Hannover in diesem Frühjahr gab. Hier scheint der Zeitplan heftig durcheinander gekommen zu sein.
- Das Lehramt in das Leuphana-Studienmodell nicht hinein passt. Es nicht durch frei kombinierbare Minor und Major abgebildet werden kann.

Dies alles sind keine harten Fakten. Manche Sachverhalte könnten auch anders gedeutet werden. Doch in der Summe sind es doch erdrückend viele Indizien. Diese können auch nicht durch eine klare Aussage des Präsidiums so schnell entkräftet werden. Hatten sich doch auch schon früher „Komplettgerüchte“ plötzlich bewahrheitet.
Was den Autor sehr nachdenklich macht sind jetzt nicht so Punkte, wie der Umzug ins Rote Feld. Es kann ja im Umkehrschluss kaum davon ausgegangen werden, dass WP/WR durch ihre Verlagerung zum Campus in ihrer Zukunft deutlich gestärkt wären. Vielmehr gibt es das strukturelle Problem mit dem Studienmodell. Auch wenn hier das Collage Anpassungen an die örtliche Gegebenheiten nehmen musste, das Konzept aus St. Gallen nicht 1:1 übernommen werden konnte, ist Lehramt einfach überhaupt nicht integrierbar. Sondern es läuft völlig parallel. Diese Trennung wurde noch stärker, dass nur noch ganze Module und nicht mehr einzelne Veranstaltungen für andere Studiengänge geöffnet werden dürfen. [1] Lehramt passt nicht in Leuphana. Das wurde auch schon dem Standort Suderburg zum Verhängnis. Betrachtet man weiterhin die vorherrschende Geldnot, was die grundständige Lehre betrifft, welche durch die Eigenanteile, welche für Fördergelder erbracht werden müssen sich sogar noch verschärft, wird es wohl alleine an Hannover bzw. den Landtagsabgeordneten aus dieser Region liegen, ob das Lehramt langfristig bleiben darf.


[1] vgl. §7 Abs. 2 Satz 2 der RPO für Masterprogramme an der Graduate School (http://www.leuphana.de/fileadmin/user_upload/VERWALTUNG/praesidium/intern/intern2010/Gazette_07_10.pdf)