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Dienstag, 29. November 2011

Die Ökonomie des Kreativen

Heute ist es soweit: Das europäische Amt für Betrugsbekämpfung kommt zu uns, um die Verwendung der EU-Gelder zu prüfen. Doch greift eine Untersuchung der rechtmäßigen Nutzung regionaler Wirtschaftsförderung nicht viel zu kurz? Die viel wichtigeren Fragen wären doch: Wie passen einseitig ausgerichtete Mittel und eine akademische Einrichtung zusammen? Wie viel Zweckgebundenheit vertragen freiheitliche Wahrheitssuche und schöpferisches Wirken?

Aufschluss hierüber gibt ein Fundstück aus dem vermeintlich wohl freiesten Bereich: den Künsten. Wir wünschen Euch viel Spaß bei folgenden Ausschnitten aus einem Inkubator-Antrag:

Projekte mit der Kreativwirtschaft im Bereich der visuellen Kunst haben von der Besonderheit des Wertbildungsprozesses bzw. der Wertbildungskette der künstlerischen Produktion auszugehen. In der Literatur wird in diesem Zusammenhang der Begriff des ästhetischen oder auch symbolischen Werts, teilweise auch des symbolischem Kapitals gebraucht. Der ökonomische Wert der Kunst beruht typischerweise nicht auf dem Maß investierter Arbeit durch individuelle Künstler oder auf den Kosten für das eingesetzte Material, sondern vielmehr auf komplexen Bewertungsprozessen im Rahmen einer arbeitsteiligen Struktur mit zahlreichen Beteiligten. Im Prinzip ist es durchaus möglich, beispielsweise mit Materialkosten im Bereich von lediglich drei- oder vierstelligen monetären Größen und der individuellen Arbeitszeit eines Produzenten – eines Mikrounternehmers – , die sich auf weniger als eine Woche beläuft, Produkte zu generieren, die auf dem Markt – typischerweise mit Verzögerung – Preise etwa in sechsstelliger Höhe erzielen. Solche Effekte sind in der speziellen Ökonomie der Kunst schwer zu prognostizieren. Deshalb wird in der ökonomischen Literatur (vgl. z.B. Richard E. Caves, Creative Industries, Cambridge, Mass. Harvard University Press 2000) auch von der „nobody knows“-Eigenschaft symbolischer Güter ausgegangen.

Im Feld der Produktion von Unikaten, in „deep pocket markets“, entsprechen Preise dem Marktwert, im Gegensatz zum kulturellen Massenmarkt bzw. dem Markt von Multiples, in dem der Preis mit der Menge zu multiplizieren ist (vgl. Hans Abbig, The Exceptional Economy of the Arts, Amgsterdam University Press 2002). Im Kontext der im Rahmen des CVA-Projekts vor allem maßgeblich an der Herstellung von Unikaten orientierten künstlerischen Produktion ist von einer Konversion des ästhetischen Werts bzw. des über Bewertungsprozesse erworbenen symbolischen Kapitals in ökonomisches Kapitals bzw. in Preise, die sich am Markt erzielen lassen, auszugehen. Dabei geht es primär um ein entsprechendes Potential, da sich hohe Preise in einer Ökonomie des lange Zyklus, in dem der „time lag“ eine entscheidende Rolle spielt, typischerweise erst mit Verzögerung erzielen lassen. Eine solche Ökonomie ist für den Kunstmarkt charakteristisch. (vgl. Pierre Bourdieu, The Rules of Art. Stanford University Press 1996) [1]

Zur Einschätzung der Region Lüneburg und dessen nutzbares Potential für die Kreativwirtschaft schreiben die Autor_innen:
Die Erhöhung der internationalen Sichtbarkeit der führenden kreativwirtschaftichen Institutionen der Region in Verbindung mit einem entsprechenden künstlerischen Angebot und Kreativkapital erhöht deren Attraktivität und damit auch die der Region. Mit Hilfe von künstlerischer Produktion und Künstlern lassen sich Sichtbarkeitseffekte erzielen, die im Vergleich zu gängiger kommerzieller Werbung mit geringen Kosten und hoher geographischer Reichweite verbunden sind. Die Erhöhung der Sichtbarkeit macht die Region speziell für potentielle Investoren mit höherem kulturellen und ökonomischen Kapital bzw. für kreativwirtschaftliche Gruppen inkl. Symbolproduzenten, die für Wertbildungsprozesse entscheidend sind, interessanter. Der medial induzierte Tourismuszuwachs der jüngeren Zeit (der ARD „Rote Rosen“-Soap-Effekt in der Stadt Lüneburg) wird lediglich von sehr temporärer Dauer sein. Er stützt sich auf Gruppen mit bescheidenem kulturellen und ökonomischen Kapital, die nicht als Investoren in Frage kommen. Über die Maßnahme des CVA-Projekts ergeben sich potentiell Effekte im Sinne der Theorie der weichen Standortfaktoren wie des Konzepts des Optionsnutzen. Die Region hat im kulturellen Bereich jenseits von visueller Kunst (Musik, Theater, Literatur) lediglich schwache lokale und regionale Reichweiten aufzuweisen und kein erkennbares Entwicklungspotential weder für transregionale Sichtbarkeit noch für eine entsprechende Anziehungskraft für ökonomisch interessante externe Gruppen.

Im Rahmen der Ausstellungstätigkeit mit Hochkreativen der Preisverleihungen sowie des Gastprogramms mit besonders innovativen Produzenten werden Vertreter regionaler KMU (Inhaber, Manager) als Teil der regionalen ökonomischen Eliten gezielt angesprochen (Zielgruppe Netzwerk III). Zu den diagnostizierten Schwächen der Region zählt nicht zuletzt die geringe „Toleranz“ im Sinne des 3 T-Modells des Regionalökonomen Richard Florida. Geringe Toleranz meint in diesem Zusammenhang insbesondere auch ein geringes Maß an Toleranz gegenüber der Abweichung von ausgetretenen Pfaden und gegenüber dem Neuen, d.h. ein Defizit auf der Ebene des subjektiven Innovationspotentials, das auf Einstellungen, Mentalitäten und Habitus zurückzuführen ist. Von der Auseinandersetzung mit Produzenten, die der „Tradition des Neuen“ verpflichtet sind und dabei über Durchsetzungspotential auf einer internationalen Ebene verfügen, ist eine Verringerung dieser mentalen Innovationsbarrieren zu erwarten [1]

Haben bisher noch Einige an einer reinen Ökonomisierung von Bildung gezweifelt, so dürfte sie diese strategische Ausrichtung an reinen Kapitalkriterien erstaunen. Die Einstufung nach Kriterien des Marktes diskreditiert nicht nur die Region Lüneburg, sondern auch das, worum es hier doch eigentlich gehen sollte: Kultur und Künste.

LeuphanaWatch sagt: Die zweckgebundene, mit der Auflage der Wirtschaftsförderung verbundene Finanzierung von dem, was einmal Forschung und nicht nur Suche nach Vertriebswegen war, greift unzulässig in die Universität ein. Welche grundlegende Ausrichtung wird den Studierenden mit diesem absoluten Wert der Rentabilität als Wissenschaft verkauft?

[1] Textauszüge aus einem EU-Großprojektantrag, Teilmaßnahme „Projekte mit der Kreativitätswirtschaft“. LeuphanaWatch bedankt sich für den Hinweis per Mail.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Wirtschaft kritisiert Innovationsinkubator

Der EU-Innovationsinkubator der Leuphana Universität Lüneburg steht unter heftigem Beschuss. Die regionale Wirtschaft und die Wirtschaftsförderer sind sauer, denn viele merken nichts von den Millionen aus Brüssel. Deren Zweckbestimmung ist jedoch die regionale Wirtschaftsförderung im ehemaligen Regierungsbezirk Lüneburg. Die Kritik der Wirtschaft ist für die Leuphana Universität Lüneburg besonders brisant, da im Falle einer Zweckentfremdung von EU-Fördermitteln deren Rückzahlung drohen könnte.

Das Hamburger Abendblatt zitiert aus einem ihm vorliegenden Sitzungsprotokoll:
„Die Wirtschaftsförderer sehen mit Sorge, dass die Leitung des Inkubators die Einbindung der kommunalen Ebenen anscheinend nicht als einen wesentlichen Erfolgsfaktor für das Gelingen des Inkubators ansieht“ [1]
Dazu passt, dass nach Aussagen aus der region bekannt ist, dass mehr große oder überregionale Unternehmen im Inkubator beteiligt sind. Die Teilnehmer bemängeln laut Hamburger Abendblatt weiter, dass es mittlerweile massive Vertrauensprobleme zwischen regionaler Wirtschaft und der Leitungsebene des Inkubator gebe. Dieser wird ausdrücklich vorgehalten, sie sei an einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe nicht interessiert. [1] Die Leitung des Inkubators liegt bei Vizepräsident Holm Keller [2], dessen illustre Leuphana-Karriere mit den Äußerungen der Wirtschaftsvertreter um einen Kritikpunkt reicher sein dürfte.

Bei der Landesregierung soll bereits ein vertraulicher Beschwerdebrief der Landkreise Rotenburg und Osterholz vorliegen. Nach Aussagen der Wirtschaftsförderung aus Osterholz hätten die dortigen Unternehmen vom Innovationsinkubator der Leuphana Universität Lüneburg bislang nichts gemerkt. Im Landkreis Harburg ist die Lage ähnlich. Bei der Wirtschaftsförderung im Landkreis Stade ist der Inkubator gar gänzlich unbekannt. [1]

Die Linken haben jetzt eine Anfrage im Landtag gestellt, da ihrer Auffassung nach die Zielgruppe des EU-Großprojekts nicht wie erhofft profitiert. [1]

Das Hamburger Abendblatt kommentiert:
"Der Unmut über den Innovations-Inkubator in der Region ist nachvollziehbar. Hier werden scheinbar Millionen aus Brüssel in ein Projekt gesteckt, bei dem die Zielgruppe offenbar leer ausgeht. Andere Projekte, die viel näher an ihrer Zielgruppe arbeiten und in kürzerer Zeit greifbarere Ergebnisse präsentieren können, müssen um jeden Cent kämpfen, wenn denn überhaupt Geld aus Brüssel fließt. Beim näheren Hinsehen drängt sich der Gedanke auf, der Innovations-Inkubator könnte ein Prestige-Objekt der Leuphana sein, für das die EU verdammt tief in die Tasche greift." [3]
LeuphanaWatch hat eine Idee, wohin die Millionen fließen könnten. Bereits zuvor berichteten wir über das Projekt Fernsehen 2.0, welches von Timon Beyes, einem Bekannten des Vizepräsidenten Holm Keller und des Präsidenten Sascha Spoun, geleitet wird. Auf dem Campus kursieren zahlreiche Gerüchte darüber, dass in Kürze weitere Mittel in das Projekt gepumpt werden sollen. Bereits jetzt ist die Ausstattung im Vergleich zu anderen mehr als üppig.

[1] Hamburger Abendblatt, 18.10., "Inkubator steht in der Kritik"
http://www.abendblatt.de/region/lueneburg/article2062914/Inkubator-steht-in-der-Kritik.html
[2] http://www.leuphana.de/ueber-leuphana/organisation/praesidium.html
[3] Hamburger Abendblatt, 18.10.,"Der Unmut ist berechtigt. Kommentar"
http://www.abendblatt.de/region/lueneburg/article2062913/Der-Unmut-ist-berechtigt.html

Dienstag, 3. Mai 2011

Koalitionen auf Zeit

Kommentar

Vergleicht man die aktuelle Position der Universität mit der Diskussion bei der Neuausrichtung im Sommersemester 2008 muss ein verwunderliches Phänomen festgestellt werden: Studierende und Dozenten positionieren sich inzwischen entgegengesetzt.
Damals waren die Fronten in etwa klar. Aus jenen Bereichen, welche von der Schließung ihrer Studiengänge betroffen waren ist der größte Widerstand gekommen. Sowohl von den Dozenten wie den Studierenden. Es betraf insbesondere die Sozialpädagogik, die naturwissenschaftliche Bereiche der Lehrerbildung wie der Umweltwissenschaften. Auch am Standort Suderburg herrschte Unzufriedenheit. Hingegen waren die Ingenieure aus Volgershall wie die Wirtschaftswissenschaften die stärkste Stütze des Präsidiums.

Heute ist die Situation völlig anders. Zu den stärksten Befürwortern gehören Studierende der Wirtschaftswissenschaften wie Dozenten der Nachhaltigkeitswissenschaften. Hingegen ist der Widerstand beim AStA-Umfeld geblieben. Hier sind Studierende der Umweltwissenschaften nach wie vor Überproportional stark vertreten. Zu den kritischen Stimmen sind inzwischen auch Dozenten der Wirtschaftswissenschaften hinzugekommen. Es muss bezweifelt werden, dass die Unterstützer einer sofortigen Wiederwahl von Holm Keller wie auch der Gegner tatsächlich gemeinsame Ziele haben. Vielmehr bilden sich Koalitionen, welche ganz unterschiedliche Ziele verfolgen. Diese jedoch besser erreichbar sehen mit oder ohne Holm Keller auf der Position als Vizepräsident.

Geht es um mehr oder weniger Elite? Ist eine humanistische Ausbildung heute vollkommen durchdrungen vom Gedanken der Nachhaltigkeit oder ist das Modul „Wissenschaft trägt Verantwortung“ die maximale Zumutung, sich mit einer derartigen modischen Ideologie zu beschäftigen?

Wo soll mit Sascha Spoun und Holm Keller die Universität in vier Jahren stehen? Welchen Ruf werden die Absolventen dieser Universität dann haben? Werden sich die Dozenten zukünftig andere Studierende aussuchen? Bzw. wie bewerten es die Studierende, dass ihre Dozenten sich ihrer Positionierung nicht anschließen?

Ohne Frage droht jedoch der aktuelle Diskurs einen deutlich langfristigeren Vertrauensschaden an dieser Universität zu hinterlassen. Spaltet das Thema eben nicht, wie damals bei der Neuausrichtung, verschiedene Bereiche der Universität sondern trifft viele einzelne Lehrveranstaltungen, in welche Dozenten und Studierende eine konträre Position zum Thema Wiederwahl haben.

Unabhängig, wie das Präsidium am Ende aussehen wird: Durch die überaus heftig geführten Meinungsbildungsprozessen droht ein tiefer Riss durch diese Universität. Dieser wird jedoch nicht um die tatsächliche Inhalte der Universität geführt sondern nur um die Köpfe, welche eine Rolle einnehmen.

Egal, wer am Ende Vizepräsident ist: Die Frage, ob an der Leuphana eine zukünftige Elite ausgebildet werden soll, welche die Welt verändern wird und/oder die Leuphana für eine Nachhaltige Entwicklung, auch in der Betriebswirtschaftslehre, steht, ist damit nach wie vor völlig offen.

Die Koalitionäre werden nach der Wahl jedoch feststellen, dass sie völlig unterschiedliche Ziele verfolgen. Ein gemeinsames Umsetzen gleicher Ideen mit den derzeitigen Partnern kaum möglich sein werden. Denn ein gemeinsames Programm verfolgt weder die Koalitionäre der einen, noch der anderen Seite.

Vielleicht wird es Zeit, dass der AStA sich zu dem Studienmodell der Leuphana positioniert. Sich dann vielleicht auch mit dem Namen des Studienmodells identifizieren kann. Andererseits sollten sich die nach ihrer eigenen Lehrphilosophie am Wettbewerb orientierten Betriebswirte fragen, wie sie aus sich selbst hinaus aus dem durchschnittlichen Mittelmass hinaus kommen. Hier bedarf es doch tatsächlich zuerst ein qualitatives Wachstum damit im Anschluss auch ein quantitatives Wachstum wieder erfolgen kann. Ein Biotopschutz mag ja für Orchideenfächer gelten, bestimmt jedoch nicht für die BWL.

Bei sonstiger guten Reputation ist Lüneburg weder von dem gut vernetzten Finanzjongleur abhängig bzw. stürzt mit, falls selbiger sich dann doch verhoben haben sollte.

Freitag, 18. März 2011

Freundschaftsdienste beim Fernsehen 2.0?

Vor Kurzem berichteten wir über die Frage, wie viel Lüneburg im Innovationsinkubator steckt. In diesem Zusammenhang stellten wir fest, dass das Kompetenz-Tandem "Fernsehen 2.0" von externen Wissenschaftlern geleitet wird. Ursprüngliche Idee war, dass von den EU-Millionen Wissenschaftler aus Lüneburg profitieren. Nicht einmal die Kooperationspartner kommen aus der Region. Grund genug, das Fernsehen 2.0 unter die Lupe zu nehmen.

Das Kompetenz-Tandem wird geleitet von Gastprofessor Michael Ballhaus und dem internationalen Gastwissenschaftler Dr. Timon Beyes. Wer sind diese Menschen und wieso bekommen sie ein Tandem geschenkt?

Michael Ballhaus ist ein bekannter Kameramann, wie Wikipedia zu berichten weiß. Vizepräsident Holm Keller holte ihn zunächst für die Startwoche 2009 als Jurymitglied an die Leuphana Universität Lüneburg, um ihn im März 2010 zum Gastprofessor zu machen. Von einer Tätigkeit in Sachen Fernsehen 2.0 war in der Pressemitteilung der Universität noch nicht die Rede. Schon im Oktober 2010 war das anders, der Mann aus dem "illustren Bekanntenkreis Holm Kellers"(1) konnte sich ein finanziell gut gepolstertes Tandem an Land ziehen.
Wir fragen uns, ob sich die Leuphana Universität Lüneburg mit einem großen Namen schmücken will, oder ob hier alte Bekannte ein Auskommen erhalten.

Dr. Timon Beyes ist als internationaler Gastwissenschaftler dabei. Die Homepage weiß:
Vor „Fernsehen 2.0“ war der Soziologe und Betriebswirt als Senior Lecturer an der Universität St. Gallen, Schweiz, tätig. Letzte Buchveröffentlichungen: „Parcitypate: Art and Urban Space“ (mit Sophie-Thérèse Krempl and Amelie Deuflhard; Niggli, 2009), „Finden und Erfinden: Die Entstehung des Neuen“ (mit J. Mittelstraß; Berlin University Press 2009); in Vorbereitung: „Anstand“ (mit J. Metelmann; Berlin University Press 2011). (2)
Was die Homepage der Leuphana Universität Lüneburg nicht für wichtig hält ist Folgendes:
Dr. Timon Beyes studierte erst BWL in St. Gallen. Dann arbeitete er gemeinsam mit Universitätspräsident Sascha Spoun an der Neukonzeption der Lehre der dortigen Hochschule (Prototyp für das Leuphana Studienmodell) (3). Damit nicht genug. Beyes war in St. Gallen für die Betreuung von Haniel-Stipendiaten zuständig und organisierte die Haniel seminars (4). Zur Haniel Stiftung unterhält auch Sascha Spoun enge Verbindungen. Auch Holm Keller und Stararchitekt Daniel Libeskind sind für Beyes keine Unbekannten. Gemeinsam mit Keller, Spoun und Libeskind schrieb er das Buch "die Stadt als Perspektive" (5).

Ballhaus und Beyes, zwei Menschen, die gute Verbindungen zur Führungsetage dieser Universität haben. Beide kommen sie neu nach Lüneburg und haben wenig später optimal ausgestattete Stellen und ein gigantisches Forschungsbudget. Ihr Kompetenz-Tandem umfasst sagenhafte dreieinhalb Jahre Projektlaufzeit, 26 wissenschaftliche Mitarbeiter(innen), vier Doktorand(inn)en, zwei Postdoktorand(inn)en (6). Für das Projekt steht ein Budget von rund 6 Mio. Euro zur Verfügung (7).

Im Vergleich dazu muten die Budgets der anderen Tandems geradezu mikrig an:
Vernetze Versorgung: 10 wiss. Mitarbeiter (8)
Biokerosin: 2,7 Mio. Euro (9)
Internetbasierte Interventionen: keine Angaben

Wir resümieren:
  • Beim Führungspersonal hat das Fernsehen 2.0 nichts mit der Universität zu tun.
  • Die Kooperationspartner sind allesamt nicht aus dem Konvergenzgebiet, das von der EU gefördert wird.
  • Viele Lüneburger Professoren würden sich über ein Kompetenz-Tandem für ihre Forschung sehr freuen.
Trotzdem wird das Projekt Fernsehen 2.0 massiv und deutlich stärker als andere Tandems gefördert.

Versorgen Präsident Spoun und Vizepräsident Keller hier alte Freunde?


Quellen:
(1) univativ Nr. 63 - Seite 24; http://www2.leuphana.de/univativ/?page_id=44
(2) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/fernsehen/team-fernsehen-20.html
(3) http://www.prisma-hsg.ch/heft/details/1322
(4) http://www.haniel.de/irj/go/km/docs/haniel_documents/hcw/public/stiftung/Kooperationen/Interview%20Timon%20Beyes_d.pdf
(5) http://www.amazon.de/Stadt-Perspektive-Konstruktion-urbaner-Räume/dp/3775718028
(6) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/fernsehen.html
(7) http://www.zeit.de/2010/30/Privat-TV-Lueneburg?page=1
(8) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/vernetzte-versorgung.html
(9) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/biokerosin.html

Montag, 7. März 2011

Wie viel Lüneburg ist im Innovationsinkubator?

Der Innovationsinkubator ist die Zukunftschance für die Leuphana Universität Lüneburg. Viel Geld steckt darin und es wird in eine ganze Reihe von Projekten und Maßnahmen gesteckt. Darunter befinden sich als Kernelement mehrere sogenannte "Kompetenztandems":
Kompetenztandems sind Projekte zur forschungsbasierten Geschäfts-entwicklung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Leuphana und regionale Unternehmen arbeiten gemeinsam daran, innovative Geschäftsideen innerhalb von bis zu drei Jahren zur Marktreife zu entwickeln. Fragestellungen aus der Praxis können so umsetzungsorientiert gelöst und anschließend wirtschaftlich verwertet werden. (1)
Im Intranet der Leuphana Universität Lüneburg gibt es eine entscheidende Information, die von der Homepage verschwunden ist:
Innerhalb des Großprojektes Innovations-Inkubator bieten die Kompetenztandems Professorinnen und Professoren der Leuphana Universität die Möglichkeit, eigene Forschungsvorhaben anwendungsorientiert umzusetzen.
Gemeinsam mit Kooperationspartnern aus der Wirtschaft und internationalen Forschungspartnern können innovative Geschäftsideen innerhalb von bis zu drei Jahren zur Marktreife entwickelt werden. Die wissenschaftliche Leitung der mit durchschnittlich 2,1 Mio. Euro geförderten Projekte liegt bei den Lehrstuhlinhaberinnen und Lehrstuhlinhabern der Leuphana. (2)
In einem Kompetenztandem arbeiten demnach Wissenschaftler aus Lüneburg mit internationalen Partnern und regionalen Unternehmen zusammen. Die Leitung liegt bei einem Lüneburger Professor.

Ist das wirklich so?

Auf der Homepage der Leuphana Universität Lüneburg sind bislang 4 Tandems zu finden:

Bei dem Tandem Biokerosin (3) ist alles wie es sein soll. Es wird von Lüneburger Professoren geleitet. Die anderen Tandems weisen Besonderheiten auf:

Internetbasierte Gesundheitsinterventionen
wird geleitet von den Lüneburger Professoren Sieland und Funk.
Kooperationspartner aus der Wirtschaft ist die in der Schweiz angesiedelte makora AG. Sie soll ihren deutschen Firmensitz im Konvergenzgebiet ansiedeln. (4)
LeuphanaWatch fragt: Wird sie hier auch Steuern zahlen und Menschen anstellen oder nur pro forma ein Briefkastenbüro unterhalten?

Vernetzte Versorgung
wird geleitet von Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Wulf Rössler und einer internationalen wissenschaftlichen Partnerin. Wirtschaftspartner ist ein Unternehmen aus Seevetal / Hittfeld (5)
LeuphanaWatch fragt: Wer ist Prof. Rössler? Den findet man weder im Uni-Telefonbuch, noch in mystudy.

Fernsehen 2.0
wird geleitet von Gastprofessor Michael Ballhaus und dem internationalen Gastwissenschaftler Dr. Timon Beyes. (6)
Kooperationspartner aus der Wirtschaft sind Google, Hamburg 1, ein deutscher und ein amerikanischer Medienverlag. (7)
LeuphanaWatch fragt: Wo ist hier der Lüneburger Professor, der das Projekt leitet? "In Anbindung an das Institut für Kultur und Ästhetik Digitaler Medien" ist eine schöne Formulierung, aber dieses Projekt wird von externem Führungspersonal betrieben. Hilft das der Universtät? Und nebenbei: Die Unternehmen sind aber nicht gerade aus dem Fördergebiet der EU. Da fließen EU-Subventionen in amerikanische Unternehmen. Ob das im Sinne der Förderung ist?


Quellen:
(1) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems.html
(2) http://www.leuphana.de/intranet/inkubator-intranet/kompetenztandems.html
(3) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/biokerosin.html
(4) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/internettherapie.html
(5) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/vernetzte-versorgung.html
(6) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/fernsehen/team-fernsehen-20.html
(7) http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/article4814792/Wie-Lueneburg-das-Fernsehen-neu-erfindet.html
http://www.zeit.de/2010/30/Privat-TV-Lueneburg?page=2

Dienstag, 1. März 2011

Wider der Plastikwörter

Im Rahmen der Causa Guttenberg ist ein Imagefilm [1] bekannt geworden, in welchem der Verteidigungsminister einen kurzen Auftritt hat.

Die Universität Bayreuth selbst hat ihn inzwischen vom Netz genommen. Allerdings nicht, da in dem Film Aussagen fallen, wie dass die Lehre von „jungen und motivierte Professoren“ gehalten werde oder die Universität „jung und aufstrebend“ sei. „Das Plus, welches wir hier produzieren“ sei gefragt. „Es gibt eine Vielzahl von Veranstaltungen, wo Studierende potenzielle Arbeitgeber kennen lernen können“. Sondern, da der bekannteste Absolvent sich als ein Betrüger [2] erwiesen hat, dem die Universität aufgesessen sei.
Mit diesen Aussagen erinnert der Imagefilm unweigerlich an einen Anderen: Leuphana 21 [3].

Dieser hatte auf dem Campus in Lüneburg einige Diskussionen ausgelöst [4].
Die Plastikwörter gleichen sich in den beiden Filmen. Doch wenn sich die unbekannten Studierenden in Lüneburg sorgen machten, dass ihre Universität sich zu einer unternehmerische Universität wandeln könnte scheint dieser Wandel in Bayreuth schon längst erfolgt. Scheint man sich in Bayreuth als Aufsichtsratsmitglied eines wichtigen Sponsors ja eine „summa cum laude“ erkaufen zu können [5].

Nach dem auch an der Leuphana Universität Lüneburg Wirtschaftsrecht studiert werden kann liegt es im Auge des Betrachters, welche der beiden Universitäten den besseren Ruf hat.

[1] http://www.youtube.com/watch?v=AQzwQA0PRHA
[2] http://www.youtube.com/watch?v=6cDZuQBtpVA&feature=related
[3] http://www.youtube.com/watch?v=43vhUC5_1xA
[4] http://www.zeit.de/campus/online/2007/47/leuphana-satire
[5] http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/doktortitel-fuer-den-uni-sponsor/3878432.html

Samstag, 3. Juli 2010

Studentische Vollversammlung

Überraschend aktivistisch startet die Amtsperiode des neuen Studierenden Parlamentes. Es wird unmittelbar zu einer Vollversammlung eingeladen:
>>>>>> Di, 6.7.2010 – 12 Uhr – Hörsaal 1 <<<<<< In den letzten 3 Tagen sind kritische Informationen bekannt geworden, die eine schnelle Information & Reaktion benötigen. Zusammengesetzt ergeben diese Infos für uns ein hässliches Bild: • Lehramt wankt gewaltig: Wir berichten über den Stand der Berufungen und was das für die Akkreditierung bedeutet (Master / Berufseinstieg, Zukunft des Studiengangs) • Das Audimax mit Hotel und kostenpflichtigem Parken kommt: schon in den nächsten Tagen soll die Entscheidung fallen (welche Wirkung hatte die Unterschriftenaktion mit 2500 Unterschriften im Herbst?) • Die Mensa wird privatisiert, das Vamos kommt weg: warum das tatsächlich kein Scherz ist und wie es dazu kommt [1]


Auch wenn es das Anliegen von Leuphana-Watch ist aktuell zu informieren liegen uns leider noch keine Hintergrundinformationen vor. Den regelmäßigen Leser dieser Seiten dürften die Themen jedoch nicht völlig überraschend. Zu Lehramt berichteten wir [2]. Dank hier um die inhaltlichen Ergänzungen unserer Leser.
Verwunderlicher ist der nächste Tagesordnungspunkt. Seit dem Ratsbeschluss im Herbst 2009 war bekannt, dass ein Hotel mit Parkhaus auf den letzten Erweiterungsflächen des Campus Scharnhorststraße gebaut werden soll. Bei wem soll jetzt noch eine Entscheidung fallen?
Doch was bedeutet eine Privatisierung einer Mensa? Soll es dann zukünftig keine Studierendenpreise mehr geben? Oder soll ein gewinnorientiertes Unternehmen ein Wettbewerb verzerrendes Subventionsmonopol im Bereich Systemgastronomie erhalten? Soll so die Privatisierung der öffentlichen Daseinsfürsorge aussehen? Korrupte Politiker ermöglichen Privatunternehmen Monopolrechte und damit reichlich Gewinne zu Lasten der öffentlichen Hand und den Angehörigen der Universität.
Auf diesem Wege könnte Leuphana jedoch das Ziel erreichen einer Elite-Universität zu werden. Die Kinder der Mittel- und Unterschicht werden sich die Lebenshaltungskosten schlicht nicht mehr leisten können. Dann sind endlich die Kinder der Oberschicht mit ein paar wenigen handverlesenen Stipendiaten unter sich. Den notwendigen Status und Habitus bringen die zukünftigen Studierenden dann schon von selbst mit.
Vielleicht könnten den Studierenden der Essenszuschuss auch direkt ausbezahlt werden. Dann könnten Sie unter den Anbietern frei wählen und es könnte ein Wettbewerb um Qualität und Preis entstehen. Von derartigen marktkonformen Modellen ist in Zeiten von Studiengebühren jedoch nicht auszugehen.

[1] Dienstag Vollversammlung - Lehramt geht, Audimax kommt?; Email über Listserver der Universität, 2. Juli, 20 Uhr
[2] http://leuphanawatch.blogspot.com/2010/06/geruchte-um-die-streichung-von-lehramt.html

Dienstag, 11. Mai 2010

Für deine Karriere

Großer Auflauf im Hörsaalgang. "FOR YOUR CAREER. JOBMESSE" ist in großen Buchstaben auf leuphana-roten Bannern zu lesen. Die lange angekündigte Arbeitgebermesse im Hörsaalfoyer findet statt. Organisiert haben sie die Mitarbeiterinnen des Career Service, für die viele Vorbereitungsarbeit ist man ihnen zu Dank verpflichtet.

Eine ganz ansehnliche Reihe von Unternehmen sind erschienen, von Allianz über Deloitte, Otto und Tschibo bis Werum. [1] Ein Traum, viele Große sind dabei. "Schön, dass meine Universität sowas für mich macht" - denkt Max 'BWL' Mustermann. Er kann sich freuen, denn denn so beeindruckend die Namen der anwesenden Unternehmen sind, so eindrucksvoll ist auch der Blick in die Messebroschüre. Dort liest man vor allem:
Unternehmen x, Branche y, Fachrichtungen: Wirtschaftswissenschaften [1]
Auch als Wirtschaftsinformatiker ist man gut beraten und darf netzwerken, denn einige Unternehmen interessieren sich auch für diese Personengruppe. Und netzwerken ist erklärtes Ziel, nur Leuphana nennt das etwas eleganter:
Der Dialog zwischen Studierenden / AbsolventInnen und Arbeitgebern steht im Mittelpunkt der Messe. Besucherinnen und Besucher haben die Möglichkeit, persönliche und nachhaltige Kontakte zu Personalverantwortlichen zu knüpfen und damit das Netzwerk für den eigenen Berufseinstieg zu erweitern. [2]
Andernorts scheint die nachhaltige Stimmung etwas getrübt: Ingenieure aus Volgershall sollen - so munkelt man - etwas enttäuscht gewesen sein, dass für sie mit AEROtec und Werum die Auswahl der Spitzenunternehmen etwas geringer ausgefallen ist. Eine vielleicht pessimistische Sichtweise, sind doch bedeutende Unternehmen aus der Region anwesend. Sie haben in der Vergangenheit gern auf Absolventen der Leuphana Universität Lüneburg zurückgegriffen, die Aussichten auf einen guten Job sollten also passabel sein.

Ganz anders geht es Tina Musterfrau. Während Max 'BWL' Mustermann im "Bewerber Café" [3] Bewerbungsgespräche führt, kann sie dort höchstens koffeinhaltige Heißgetränke konsumieren. Tina studiert Kulturwissenschaften. Und auf der Jobmesse herrscht für sie vor allem eins: gähnende Leere an interessierten Arbeitgebern. Ihren Kommilitonen aus den Umweltwissenschaften oder der Sozialpädagogik geht es kaum anders. Dabei wirbt die Leuphana doch auf ihrer Homepage auch mit "Recruiting"-Möglichkeiten in diesen Bereichen:
RECRUITING. Die Leuphana Universität Lüneburg bildet u.a. in folgenden Fachrichtungen Studierende aus: (...) Angewandte Kulturwissenschaften, Sozialpädagogik / Sozialarbeit, (...) Umweltwissenschaften. [4]
Interessierte Unternehmen fanden sich offenbar trotz des verlockenden Angebots keine - von einer Autovermietung abgesehen. Vielleicht hat niemand Interesse an derartigen Absolventen. Oder die Standgebühren von 300 - 500 Euro [5] schreckten soziale und kulturelle Einrichtungen, NGOs und kleine Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern einfach ab?

So blieb Tina Musterfrau und vielen anderen nur die Möglichkeit, bei InWent nach einem "Projektpraktikum" zu fragen oder sich gleich an einen anderen bekannten Stand zu begeben:

for your career: Hartz 4!


Quellen:
[1] http://www.leuphana.de/services/career-service/messe/fuer-studierende/aussteller2010.html
[2] http://www.leuphana.de/services/career-service/messe.html
[3] http://www.leuphana.de/services/career-service/messe/fuer-studierende/bewerber-cafe.html
[4] http://www.leuphana.de/services/career-service/messe/fuer-unternehmen/messebesucher.html
[5] http://www.leuphana.de/services/career-service/messe/fuer-unternehmen/reservierung.html