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Sonntag, 1. April 2012

Wir sind dann mal weg!

Nach knappen zwei Jahren und einer intensiven Diskussion im Team wird mit dieser Mitteilung LeuphanaWatch eingestellt.

Der Watchblog für die Leuphana Universität Lüneburg startete wenige Monate nach den europaweiten Protesten der Studenten für eine bessere Bildung. LeuphanaWatch verstand sich von Anfang an als Plattform für eine kritische Begleitung der Entwicklung der Hochschullandschaft und der Veränderungen an der Leuphana Universität Lüneburg im Besonderen. Diese Kommunikationsplattform ist, was Reichweite und Themensetzung angeht, ein Erfolgsprojekt. Ohne größere Eigenwerbung stiegen die Zugriffszahlen über den Zeitraum beständig. Doch damit wurden wir auch Teil des „Systems Leuphana.“ LeuphanaWatch diente immer mehr als Kanal für die geäußerte Kritik. Diese umfängliche Kritik hat dazu beigetragen, die Leuphana Universität Lüneburg zu dem zu machen, was sie heute ist. Das gilt im Positiven wie im Negativen.

Die für uns entscheidenden Fragen lauten: Kann Kritik helfen, ein System zu stabilisieren? Hilft unsere Arbeit, Leuphana zu stabilisieren? Um eine Antwort darauf zu finden ist zentral, welche Funktionen die über LeuphanaWatch geäußerte Kritik derzeit in Bezug auf die Leuphana Universität Lüneburg erfüllt.

1) LeuphanaWatch entschärft heikle Punkte
Kritik weist frühzeitig auf Themen hin, die sich für das Gesamtkonzept Leuphana Universität Lüneburg zu einem Problem entwickeln könnten. Die Forderungen der kritischen Geister werden teils aufgegriffen. Aber dabei werden sie um ihren Kern beraubt und in das System eingebaut, gegen welches sie sich eigentlich wenden. Die Kritik verhindert dadurch die schlimmsten Auswüchse einer Ideologie, bevor diese sich in ihrer Summe unübersehbar zu einem unhaltbaren Zustand verdichten. Sie ermöglicht ein Nachsteuern in Details und ein strategisches Lernen durch das Präsidium, bevor die Qualität und Quantität der Zumutungen die Akzeptanz des Gesamtkonstruktes insgesamt zerstören.

2) LeuphanaWatch bezeugt Pluralität
Intern und extern entsteht der Eindruck, es gebe eine inhaltliche Diskussion innerhalb der Leuphana Universität Lüneburg über den richtigen Kurs, über zentrale Grundsatzfragen. Die "lebhafte Demokratie" lässt aber nur vermeintlich grüßen. Es gibt sie längst nicht mehr. Nur noch einige wenige Einzelpersonen sind verblieben, die über unwichtige Detailfragen hinaus klar und kritisch Stellung beziehen. Die Leuphana Universität Lüneburg rühmt sich gleichzeitig damit, einen offenen Diskurs zu führen, Engagement zu fördern. Die vorgebliche Pluralität stärkt das Präsidium. Und sie entkräftet gleichzeitig die Kritik derer, die auf zunehmende Vereinheitlichung und Verarmung des Diskurses warnend hinweisen. Die vermeintliche Akzeptanz der Vielfalt, wie sie z.B. die Existenz von LeuphanaWatch ausstrahlt, verbirgt diese hässliche Fratze. Dabei gerät in der leuphanisierten Institution längst zum Staatsfeind Nr. 1, wer grundlegende Veränderungen am ideologischen Konzept einfordert.

3) LeuphanaWatch beruhigt das Gewissen seiner Leser
Wer heute noch an der Leuphana Universität Lüneburg arbeitet, hat sich längst zwischen Dienst nach Vorschrift als Symbol der Ablehnung und dem Arrangement mit der derzeitigen Konzeption eingeordnet. Wen dann doch Gewissensbisse plagen, für den gibt es eine Lösung. Er kann sich schnell bestätigen lassen, dass andere ja schon etwas tun. Dass die eigenen Zweifel nicht unbegründet sind. LeuphanaWatch zeigt, dass es immer noch Widerstandsnester gibt. Das eigene Risiko wird durch das Abtauchen aus der internen wie externen Debatte minimiert. Jeder Einzelne kann sich zurück lehnen, das eigene Outing bleibt verzichtbar. Unser Team aber wollte Kritiker unterstützen, nicht deren Aufgaben übernehmen.

Unbeabsichtigt erfüllen wir eine Aufgabe, die nicht mit unseren Zielen vereinbar ist. Dem stehen keine ausreichenden inhaltlichen Erfolge gegenüber. Sicherlich, fast ganz Lüneburg und halb Niedersachsen rümpfen mindestens die Nase, wenn sie den Namen Holm Keller hören. Private Geschäfte, ein nicht immer geschicktes Auftreten und zuletzt ein Korruptionsverdacht haben ihre Spuren hinterlassen. An anderen Hochschulen im Land gilt das Lüneburger Führungspersonal schon jetzt wahlweise als Witznummer oder Absurdität. Wenn man solche Effekte außen vor lässt, sieht die Bilanz kritischer Arbeit düster aus.

In der ersten Amtszeit von Präsident Spoun sind viele Veränderungen gekommen. Beispielhaft seinen hier ein neues Studienmodell, der Zentralcampus mit einem Leuchtturm, die Binnenorganisation, die Neuausrichtung mit vier Initiativen und natürlich die Marke "Leuphana" genannt. Zu all diesen Veränderungen hagelte es Kritik. Eine den örtlichen Gegebenheiten angepasste Strategie konnte oft nicht erkannt werden. Jedoch hat in all diesen Punkten die Kritik nicht dazu geführt, dass sich die Entwicklungsrichtung verändert hat. Vielmehr wurden die einzelnen Maßnahmen in Detailfragen verbessert. So wird das neue Zentralgebäude z.B. jetzt ein ganz ansehnliches Energiekonzept vorzeigen. Wie mit einem Gelände ohne weitere Entwicklungsflächen umzugehen ist, ist aber viel zu unumstritten. Damit auch, ob dieses Zentralgebäude in seiner geplanten Form tatsächlich zukunftsweisend ist? Grundlegende Fragen werden übersehen, wenn das Augenmerk nur noch auf die Ausrichtung der Dächer und die entsprechenden Flächen für Solarzellen gerichtet wird. In anderen Fällen ist es nicht anders, Detailfragen verstellen den Blick aufs große Ganze.

Und darum muss es gehen: Die durch Prof. (HSG) Dr. Sascha Spoun und Holm Keller angestoßenen Veränderungen basieren auf einem grundlegend anderen Menschenbild. Laut diesem müssen Studenten zu ihrem Glück gezwungen werden (um nachher die Gesellschaft retten zu können) und Wissenschaftler durch umfangreiche Reglementierung und Kontrolle in Forschung und Lehre getrieben werden (zu Weltruhm). Wer dieses Menschenbild adaptiert, kann damit auch die Veränderungen als notwendige Bausteine nachvollziehen. Wem dieses Menschenbild fremd ist werden die viel gepriesenen Verbesserungen jedoch ein Schritt in die völlig falsche Richtung sein.

Was hat die Kritik der letzten Jahre also erreicht?

Eine Hochschulleitung, die fester im Sattel sitzt als je zuvor (die Angst vor dem universitären Exitus lässt grüßen). Sie hat ihre Ziele durchsetzen können und in zentralen Fragen keine Abstriche hinnehmen müssen. Mit dem entsprechenden Druck wurde alles erreicht. Die Institution ist nun fast vollständig leuphanisiert. Die Studentenschaft hat komplett durchgewechselt. Es gibt unzähliges neues Personal, welches jeweils kein lokales Wissen und keinen Erfahrungsschatz mit dem Leitungspersonal hat. Auch fehlt oft die Unabhängigkeit, um Grundsatzkritik zu äußern - befristete Verträge und finanzielle Abhängigkeiten sind die Stichpunkte. Die Gremien sind fast vollständig um Kritiker bereinigt, der ASTA auf "Dialogkurs", die Verwaltung umgekrempelt und in Schlüsselpositionen mit Gefolgsleuten besetzt. Bis auf Einzelpersonen scheint niemand mehr grundsätzliche Fragen aufzuwerfen.

Und dann wäre da noch LeuphanaWatch. Unser Team legt den Finger in offene Wunden und prangert Missstände an. Ein letzter Außenposten, auf den sich kritische Geister zurückgezogen haben. Uns gelingt es nicht, quasi nebenbei die oft angemahnten, ausgefeilten Alternativkonzepte vorzulegen. Aber wir zeigen auf, wo Handlungsbedarf besteht - immerhin. Keine Frage, damit kommen wir an. Unter den im letzten Jahr durchschnittlich 500-600 Besuchern täglich sympathisiert sicherlich ein größerer Teil mit unseren Positionen. Wir werden gelesen, sind öffentlich wahrnehmbar.

Ab heute möchten wir nicht länger als stabilisierendes Korrektiv und zugleich Feigenblatt bereitstehen. Mit unserem Schritt möchten wir einen ungeschönten Blick ermöglichen. Auf eine Institution, die sich im aktuellen "Bildungsmarkt" einigermaßen passabel, zumindest aber Aufsehen erregend schlägt. Aber die sich gleichzeitig des Kerns dessen entledigt hat, was Universität ausmachen sollte: der Förderung des freien, kritischen und von ökonomischen Zwängen losgelösten Denkens über selbstkonstruierte Grenzen hinaus. Zum Wohle der Allgemeinheit und nicht einzelner Interessen(gruppen) versteht sich.

Wir danken allen Lesern und Kommentatoren, die uns in den vergangenen Monaten die Treue gehalten haben. Das gesamte Team von LeuphanaWatch wünscht Euch und Ihnen für die Zukunft alles Gute. Der Universität in Lüneburg und ihren Mitgliedern wünschen wir die richtigen Erkenntnisse und den Mut, eigene Konsequenzen daraus zu ziehen.

Wir sind dann mal weg!

Samstag, 31. März 2012

Kein Hauch von 68: Auswege (3/3)

LeuphanaWatch beendet mit einem letzten Teil seine Reihe über den Essay "Kein Hauch von 68" [1] der Senatoren Maset und Steinert im Magazin "Kultur & Gespenster" [2]. Sie unternehmen einen "zweistimmigen Versuch zur unlustigen / irrsinnigen / wahnwitzigen Lage an den deutschen Hochschulen" [1] am Beispiel der Leuphana Universität Lüneburg. LeuphanaWatch berichtete bereits über die von den Senatoren beobachtete Übernahme der Hochschulen und über Leuphana als Viagra der Exzellenzinitiative. Im letzten Teil der Reihe geht es nun um Fluchträume für kritische Geister und die Frage, wie fatale Entwicklungen korrigiert werden können.

Auswege

Die Senatoren beschreiben zunächst noch einmal den derzeitigen Gefühlszustand vieler Menschen in der deutlichen Hochschullandschaft und dessen Konsequenzen.
"Diese Handlungsohnmacht lässt selbst gewillte Geister in Reglosigkeit erstarren. So bleibt der Sturm auf die Ministerien bisher aus und die inhaltlich-politischen Aushandlungen finden zugunsten ökonomischer Lösungen nicht statt. Die eigene Unsicherheit und die fremde Übermacht sind mittlerweile so groß, dass Wissenschaftler zu bloßen Theoretikern mutieren, die kritische Inhalte als Lehrstoff rezitieren, aber nicht mehr auf die Handlungsebene übertragen. Das macht geistige Errungenschaften gleichgültig und zu konsumierbaren Häppchen. In den Seminarräumen lernen die Studierenden, wie sich der praktische Anspruch in Luft auflöst, während Diskurse auf Aussagen fremder Köpfe beschränkt bleiben. Intellektualität kann hier verbreitet nur noch in einem mentalen Untergrund überleben, da sie sonst von den »Weltgestaltern« als »kreatives Potenzial« technokratisch erfasst und outputmäßig vernutzt wird." [3]
Maset und Steinert verweisen auf "Nicht-Sichtbarkeit" und "Nicht-Identifizierbarkeit" als mögliche Handlungsmaximen. Darin sehen sie für Intellektuelle im aktuellen Umfeld die einzige Überlebenschance [3]. Perspektivisch kann das jedoch nicht zufrieden stellen. Es sind deshalb Lösungen gefragt. Die Verfasser entwickeln daher fünf Ansätze. LeuphanaWatch stellt sie vor:

1) Wissenschaft zurück in die Gesellschaft
Pierangelo Maset und Daniela Steinert fordern, dass Wissenschaft (wieder) zu einem gesamtgesellschaftlichen Thema werden muss. Dabei sei die Verankerung in der Gesellschaft zu thematisieren.
"Um Hochschulen nicht zur Zuchtanstalt einer gleichförmigen Elite verfallen zu lassen, muss die Diskussion um die gesellschaftliche Verankerung von Hochschulen zwischen Staatsferne, Autonomie und Wirtschaftseinfluss aufgenommen werden – um sie denjenigen zu entreißen, die mit dem Kampfbegriff der Autonomie die Angst vor staatlichen Übergriffen schüren, um sich selbst Vorteile zu verschaffen." [3]

2) Worthülsen enttarnen, neue Begriffe und freie Organisationen schaffen
Eine besondere Bedeutung wird der Entzauberung der leuphanisierten Sprache beigemessen. Dabei muss es darum gehen, angemessene Begriffe zu finden. Sie sollen Ziele beschreiben und nicht verschleiern.
"Fight Newspeak! Was an den Hochschulen (und im gesamten Bildungswesen) passiert, müssen wir neu zu benennen lernen: Die Vokabeln des New Management sind sprachkritisch auseinanderzunehmen. Neue Begriffe sind zu finden, um die Verhältnisse zu beschreiben und für neue Aushandlungen zu öffnen." [3]
Die Verfasser denken an Begriffe wie "Neuausrichtung", die beispielsweise mit "Übernahme" übersetzt werden könnten [4].

3) Fluchtlinien für den Geist
Widerständigem Handeln muss ein Sinn zugeordnet werden. Er muss über ein in der aktuellen politischen Lage absehbares Scheitern hinausreichen.
»Solange der Widerstand keine absehbaren Chancen hat, faktisch neue Bedingungen zu setzen, die das politische System zur Veränderung zwingen, solange es allenfalls das System zwingt, auf die in ihm eingebauten Zwangsmechanismen zurück zu greifen, stehen alle Aktionen in der Ambivalenz zwischen Willensbekundung und Systemveränderung. In der gegenwärtigen Phase kommt es darauf an, diese Ambivalenz zu stabilisieren und ihr dadurch ein Veränderungspotential abzugewinnen. Die Ambivalenz stabilisieren: das bedeutet, den Widerstand mit einem Selbstbewusstsein führen und das Widerstandspotential mit einem Selbstbewusstsein ausstatten, das es erlaubt, die Bereitschaft zum Widerstand auch über dessen voraussehbares Scheitern hinweg zu retten.« [5]
Ei "noch in den Spiegel schauen können" könnte als Anstoßmotivation herhalten.

4) Das Außen suchen
Als Schlüssel zur Lösung der verfahrenen Lage sehen Maset und Steinert den Weg in die Öffentlichkeit. Nur durch diese könne gesellschaftlicher Druck entstehen, der von außen Veränderungen erzwingt.
"In einem geschlossenen, dogmatischen System führt nur der Weg in die Öffentlichkeit zu einem Wandel, da jeder interne Partizipationsversuch an den Machtstrukturen scheitert. (...) Denn die größte Chance liegt in externem – politischem und zivilgesellschaftlichem – Druck: Die Totalität des Systems wird untergraben, indem die Marke Schaden zu nehmen droht. Auf diesem Weg ist es möglich, den Profilierungszwang gegen sich selbst auszuspielen." [6]

5) Neue Formen von Meuten und Schwärmen
"Arm, aber sexy!" Was für die Hauptstadt gilt, könnte auch an Hochschulen zur Leitidee werden. Das mag überraschen, aber die Verfasser meinen:
"Unter den derzeitigen Umständen sollten die Bildungsinstitutionen lieber offensiv das Hohelied der Armut anstimmen und sich von der hinterhältigen, geistestötenden und spießigen Unternehmens- und Exzellenz-Ausrichtung abwenden. Denn diese ist nichts anderes als eine Sackgasse. Außerdem: Ein guter, geistreicher Satz pro Semester ist wichtiger als das Drittmittel-Geflacker der Technokraten, aus deren Projekten nur in den seltensten Fällen interessante Forschung entsteht." [7]
Ein geändertes Verhältnis zum Streben nach Drittmitteln reicht allerdings nicht aus. Maset und Steinert fordern mehr, nämlich Eigeninitiative. Was innerhalb des Bildungssystems nicht mehr möglich sei, müsse temporär außerhalb organisiert werden.
"Wo es nötig ist, den Geist zu retten, müssen sich Forschende, Lehrende und Studierende sowie Schüler und Menschen aller Gesellschaftsbereiche zusammenschließen, um in freien Organisationen das wiederzubeleben, was das Bildungssystem einzulösen nur noch verspricht: einen partizipativen, offenen und diskursiven Raum, der Bewusstsein ermöglicht." [8]

Fazit:
Mit all ihren Vorschlägen möchten die Senatoren dabei helfen, ein Widerstandsgefühl zu schaffen. Dieses ist schließlich Grundvoraussetzung dafür, dass nötige Veränderungen überhaupt thematisiert werden. Und die Möglichkeit von Veränderungen ist Anlass zu Hoffnung. Denn:
"Ein Zurückfinden zur Wissenschaft in ihrer unteilbaren Eigenschaft als kritische Praxis bietet den Boden für die Überwindung der unternehmerischen Hochschule." [8]

Nachweise
[1] Pierangelo Maset / Daniela Steinert: Kein Hauch von 68, in: Kultur & Gespenster, Ausgabe 13 "Stabile Seitenlage", Winter 2012, S. 65 - 83
[2] http://www.kulturgespenster.de
[3] Seite 81
[4] Seite 81 f.
[5] Worte der "Politischen Universität Frankfurt von 1968", zitiert nach Seite 82
[6] Seite 82
[7] Seite 82 f.
[8] Seite 83

Freitag, 30. März 2012

Leuphana-Denkerei: unter Freunden

Die Leuphana Universität Lüneburg kooperiert mit der Denkerei, dem Amt für Arbeit an unlösbaren Aufgaben und Maßnahmen der hohen Hand in Berlin. Die derzeit scheinbar recht einseitige Nutzenverteilung dieser Kooperation ist überaus pikant. Über den Kooperationsvertrag entschied allen Anschein nach das Präsidium. Senat und andere Gremien wurden erst nach Abschluss informiert (1). Vizepräsident Holm Keller soll eine entscheidende Rolle bei der Einfädelung des Deals gespielt haben (2). Und das, wo im Personal der Denkerei alte Bekannte von Keller anzutreffen sind! Es ist eine Konstellation, die für Gesprächsstoff sorgen könnte. Dabei ist es nicht der erste Fall, in dem personelle Überschneidungen ans Licht kommen.

Denkerei-Denker und Philosoph Peter Sloterdijk leitet die staatliche Hochschule für Gestaltung (HfG) in Karlsruhe (3). Diese ist mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) eng verbandelt, welches von Denkerei-Kollege Peter Weibel geleitet wird (4). Beide Personen sind keine Unbekannten, waren gemeinsam mit Vizepräsident Holm Keller bei der Bewerbung der Stadt Karlsruhe zur europäischen Kulturhauptstadt 2010 aktiv (5). Keller holte sie dann auch in die Berufungskommission für Daniel Libeskind an die Leuphana Universität Lüneburg, als zuverlässige Personen nötig waren (ohne Libeskind kein Audimax). Der ASTA schrieb dazu:
"Alle drei externen Mitglieder (dieser Berufungskommission, LW) haben schon mit Daniel Libeskind gemeinsame Projekte durchgeführt: Der Philosoph Peter Sloterdijk mit Spoun, Keller und Libeskind an der Uni St. Gallen. Peter Weibel mit Keller und Libeskind bei der Bewerbung von Karlsruhe zur Kulturhauptstadt 2010. (...) (6)"
Karlsruhe scheint die entscheidende Schnittstelle zu sein. An der HfG betrieb auch Daniel Libeskind ein "Research Studio" (7) und war dort Professor (8). Es erscheint wahrscheinlich, zumindest nicht ausgeschlossen, dass Keller aus seiner Zeit in Karlsruhe auch Ober-Denker Bazon Brock kennt. Der leitet dort einen Studiengang und bildet mit Sloterdijk und Weibel zusammen "Profi-Bürger" aus (9, 10). Auch Denkerei Mitgründer Wolfgang Ullrich hat eine Professur an der Hochschule in Karlsruhe (11).

Fast entsteht der Eindruck, ein paar untereinander bekannte Personen hätten sich gemeinsam mit ihrer Denkerei nach Berlin aufgemacht. Als Privatvergnügen quasi, alles selber und privat bezahlt (10). Aber warum dann die Kooperation mit der Leuphana Universität Lüneburg und nicht mit der Hochschule in Karlsruhe? Die hätte sich doch angeboten, wo das Spaß-Amt die Ergänzung eines ihrer Studiengänge sein soll. Vielleicht sieht man in Karlsruhe so viel Überschneidung zwischen öffentlichen Funktionen und privatem Vergnügen nicht so gern? Hinzu kommt, dass Bazon Brock nach eigener Aussage bislang immer nur Geld von "ein paar Freunden" bekommen hat (10). Die Leuphana Universität Lüneburg mit ihrer scheinbar indirekten finanziellen Unterstützung der Denkerei erwähnte Brock in einem Interview zur Eröffnung des Amtes nicht (10). Warum?

LeuphanaWatch fragt: Ist Bazon Brock da ein Fehler unterlaufen und er hat die Kooperation glatt vergessen (obwohl sie sogar an der Fassade in Berlin steht)? Vielleicht zählt die Leuphana Universität Lüneburg jetzt auch schon zum Freundeskreis? Oder wird die Unterstützung gar als persönlicher Beitrag von Holm Keller zum Projekt gewertet?

Belege:
(1) Das legt das Protokoll des Senats vom 16.11.2011, Punkt 3.7 nahe.
(2) LeuphanaWatch dankt für den Hinweis. Keller trat auch bei der Eröffnung für die Leuphana Universität Lüneburg auf (siehe http://www.bazonbrock.de/werke/detail/?id=2575).
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Staatliche_Hochschule_f%C3%BCr_Gestaltung_Karlsruhe
(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Zentrum_f%C3%BCr_Kunst_und_Medientechnologie
(5) http://www1.karlsruhe.de/Aktuell/News05/jury_2010.htm
(6) http://www.asta-lueneburg.de/fileadmin/images/asta2_0/sonderausgabe_campusentwicklung_online.pdf - Seite 32
(7) http://www.hfg-karlsruhe.de/features/daniel-libeskind-research-studio.html
(8) http://daniel-libeskind.com/daniel
(9) http://de.wikipedia.org/wiki/Bazon_Brock
(10) http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1622358/
(11) http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Ullrich_%28Kunsthistoriker%29

Mittwoch, 28. März 2012

Leuphana-Denkerei: einseitige Kooperation

Zum Jahresanfang berichtete LeuphanaWatch über die "Denkerei / Amt für Arbeit an unlösbaren Aufgaben und Maßnahmen der hohen Hand" und warf einige dringliche Fragen auf. Beantwortet sind sie nicht, aber es gibt neue. Sie rücken das Spaß-Amt nicht gerade in besseres Licht.

Im Dezember 2011 fand die Eröffnung statt, von der einige Bilder im Internet verfügbar sind (1). So zerren beispielsweise zwei Männer an einem verknoteten Seil. Ein dritter versucht mit einem Schwert das Seil zu durchtrennen. Ein Mann mit schwarzem Rollkragenpullover, Polizeimütze und (scheinbar?) einem umhängenden Holzkreuz filmt angestrengt (2). "Experimentelle Geschichtsschreibung" nennen das die "Denker vom Dienst". Ist es der wissenschaftliche Anspruch der Leuphana Universität Lüneburg? Immerhin geht sie in ihrer Denkerei einer weltbewegenden Frage nach: "Konnte Alexander der Große den gordischen Knoten mit einem Schwert durchschneiden?" (2) Anwesend sind auch einige "Größen" aus Lüneburg, wie die Fotos belegen (1).

Jeden Monat eine Veranstaltung, das scheint das Motto des "Amtes für Arbeit an unlösbaren Aufgaben und Maßnahmen der hohen Hand" zu sein. Januar: "Imaging Sciences" mit Ausstellung "Bombs and Candies." Handgranaten mit Bonbons. Februar: "literarische Aktion" im "Schaltjahr der Theorie-Geschichte". März: "Bewegungen gen Mitternacht" (3). Hat schon Personal der Leuphana Universität Lüneburg eine Veranstaltung angeboten? Bislang nicht. Werden die Veranstaltungen auf der offiziellen, leuphanisierten Webseite der Denkerei (4) beworben? Bislang nicht. Auch in mystudy finden sich keine Hinweise. Veranstaltungen der Denker vom Dienst in Lüneburg sind bislang ebenfalls unbekannt (5).

Es stellt sich dringend die Frage, welchen Nutzen die Leuphana Universität Lüneburg bislang von ihrer Kooperation mit der Berliner Denkerei am Oranienplatz hat. Da hilft es auch nicht, dass über mystudy auf die Januar-Veranstaltung in Berlin hingewiesen wurde (6). Kann eine eMail nur zwei Tage vor dem Termin der über zweihundert Kilometer entfernten Veranstaltung mehr als eine Alibifunktion erfüllen? Vielleicht mag der reiselustige Holm Keller kurzfristig in die Hauptstadt fliegen. Für alle Normalsterblichen ist nicht einmal mehr der Sparpreis der Bahn zu buchen.

Im Senat hieß es zu den Vorteilen für die Leuphana Universität Lüneburg im Herbst 2011:
"Die Kooperation (...) eröffnet (...) die Möglichkeit, in Veranstaltungen in der Bundeshauptstadt auf Arbeiten unserer Universität aufmerksam zu machen. Sie ermöglicht den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unserer Universität darüber hinaus, gemeinsame Forschungs- und Transferprojekte auf den Weg zu bringen. (7)"
Bislang ist davon nichts zu sehen. Welche Verpflichtungen die Leuphana Universität Lüneburg übernommen hat, wurde erst aus der Antwort auf eine darauf folgende Anfrage deutlich:
"(Name entfernt, LW) berichtet, dass er aus vertraulichen Quellen erfahren habe, dass im Rahmen der Eröffnung der Leuphana Repräsentanz „Die Denkerei“ in Berlin drei Stellen eingerichtet wurden und fragt in diesem Kontext an, ob diese Stellen durch die Leuphana Universität Lüneburg alimentiert werden?
P Spoun antwortet, dass die Leuphana Universität keine Stellen in der Denkerei einrichtet. Die Leuphana Universität zahlt für die Nutzung der Räumlichkeiten in Berlin keine Miete, übernimmt aber als Gegenleistung die Verwaltung der Drittmittel für das „Amt für Arbeit an unlösbaren Problemen und Maßnahmen der hohen Hand“. (8)"
Die Leuphana Universität Lüneburg richtet also keine Stellen in der Denkerei ein. Werden denn in Lüneburg neue Stellen nötig? Unbeantwortet! De facto erspart die Leuphana Universität Lüneburg jedenfalls der Denkerei wohl nicht unerhebliche Personalkosten. Und das Amt für Arbeit an unlösbaren Aufgaben hat anscheinend einen weiteren, ganz entscheidenden Vorteil.
"Allerdings gibt die Lüneburger Hochschule nicht nur ihren guten Namen (...), sondern auch steuersparende Anerkennung: Durch den "Anschluss an die Leuphana" sei "die Gemeinnützigkeit des Amtes bekundet", erklärte Bazon Brock auf einer Internetseite. (9)"
Die "Denker im Dienst" der Denkerei am Oranienplatz scheinen also auch noch kräftig Steuern zu sparen, wenn die Informationen der HAZ stimmen. Für sie sind die Vorteile der Kooperation also ziemlich greifbar. Das Gegenteil ist für die Leuphana Universität Lüneburg bislang der Fall.

Belege:
(1) http://www.bazonbrock.de/werke/detail/?id=2575 / Für Fotos auf den Pfeil in der unteren, rechten Ecke klicken.
(2) http://www.bazonbrock.de/werke/detail/?id=2575§id=2270#sect
(3) http://www.bazonbrock.de/arbeit-an-unloesbaren-problemen/
(4) http://www.leuphana.de/denkerei
(5) mystudy enthält dazu keinerlei Hinweise. Auf der Webseite (4) ist nichts vermerkt.
(6) eMail vom 24.01.2012 "[Newsletter "Präsidium"] Veranstaltung in der Denkerei: Imaging Sciences"
(7) Protokoll des Senats vom 16.11.2011, Punkt 3.7
(8) Protokoll des Senats vom 07.12.2011, Punkt 4.2
(9) "Lüneburg hebt ab. Universität Leuphana lässt künftig in Berlin denken - während zu Hause die Korruptionsprüfer anklopfen", Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ), 26./27.11.2011, Seite 1

Dienstag, 27. März 2012

Die Leuphana-Audimax-Marke

Manchmal sind gar nicht viele Worte nötig, um den Sinn und die grundlegende Ideologie eines Projekts zu beschreiben. Die Beschreibung des im April stattfindenden Seminars "Landmark Architecture" von Holm Keller und Daniel Libeskind ist in dieser Hinsicht ein Glücksfall. Selten ist die Hauptfunktion des geplanten Audimax so klar dargestellt worden.
In den letzten Jahren wurden für verschiedenste Unternehmen und Institutionen „Leuchtturm-Gebäude“ errichtet - Gebäude mit eigenständiger Strahlkraft, oft nach Entwürfen namhafter Architekten. In der Regel beeinflusst ein derartiges Gebäude, spätestens mit der Inbetriebnahme, die Marke des Bauherrn bzw. Hauptnutzers. Auch das Zentralgebäude der Leuphana Universität ist ein großer öffentlicher Neubau, den unsere Universität errichtet in Zusammenarbeit mit der Europäischen Union, der Bundesrepublik Deutschland, dem Land Niedersachsen, Landkreis und Hansestadt Lüneburg, der evangelischen und katholischen Kirche sowie den jüdischen Gemeinden Niedersachsens. Es entsteht ein modernes nachhaltiges Universitätsgebäude mit überregionaler Bedeutung.

In diesem Seminar werden Studierende gemeinsam mit dem Architekten Daniel Liebeskind das Spannungsverhältnis von Institutionen- und Gebäudemarken anhand des Leuphana Zentralgebäudes beleuchten. Es werden die Erfolgspotentiale und Treiber der baulichen Markeninszenierung betrachtet, Zielgruppen zur Vermarktung von Architektur bestimmt, ein Marketing- und Merchandisingkonzept abgeleitet und zuletzt werden konkrete neuartige und zukunftsweisende Marketingmaßnahmen für öffentliche Großbauprojekte entwickelt.

Das Seminar richtet sich an Studierende, die konzeptionelle, gestalterische und praktische Fähigkeiten bündeln wollen. Gefordert werden Vorstellungsvermögen, Kreativität, Gestaltungswille und Teamgeist. Innerhalb des Seminars werden die Studierenden zielgruppenspezifische Marketingmaßnahmen für öffentliche Gebäude erarbeiten, Prototypen entwickeln und ihre Konzepte und Lösungen präsentieren. Dabei werden sie in ihrem kreativen Prozess von Daniel Libeskind und Holm Keller begleitet. Die Ideen und Konzepte des Seminars sollen in die Marketingaktivitäten zum neuen Zentralgebäude einfließen. (1)
LeuphanaWatch fragt: Hat eine Universität nichts besseres zu tun?

(1) https://mystudy.leuphana.de/personAnzeigen/?person_id=898

Samstag, 24. März 2012

Kein Hauch von 68: Viagra der Exzellenzinitiative (2/3)

LeuphanaWatch setzt seine Reihe über den Essay "Kein Hauch von 68" [1] der Senatoren Maset und Steinert im Magazin "Kultur & Gespenster" [2] fort. Sie unternehmen einen "zweistimmigen Versuch zur unlustigen / irrsinnigen / wahnwitzigen Lage an den deutschen Hochschulen" [1] am Beispiel der Leuphana Universität Lüneburg. LeuphanaWatch berichtete in der vergangenen Woche bereits über die von den Senatoren beobachtete Übernahme der Hochschulen. Dass beide Verfasser eine kritische Sichtweise haben dürfte hinlänglich bekannt sein. In dieser Woche steht daher mehr ihre Beobachtung der Situation an der Leuphana Universität Lüneburg im Fokus und weniger die Beurteilung selbiger. Es wird erneut versucht, durch Schlaglichter auf einzelne Passagen eine inhaltliche Annäherung an den Kern des umfangreichen Gesamttextes zu schaffen.

Das Viagra der Exzellenzinitiative
"Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich mitten auf einem Campus und sind umgeben von nagelneuen Luxuskarossen und eleganten Anzugtragenden, die mit einheitlichen Aktentaschen am makellos jungen Körper gen Hörsaal streben. Einlass auf dem Campus wurde Ihnen per identity card gewährt und beim Betreten des Hörsaals bekommen Sie nicht nur eine Gratis-Cola in die Hand gedrückt, sondern auch vor Beginn der Vorlesung einen bunten Werbespot aufs Auge.
Nun stellen Sie sich vor, dass diese verfilmte Satire (www.leuphana.de.vu) aus ursprünglich kritischer Feder stammt, aber vom amtierenden Präsidenten der Leuphana (Universität Lüneburg) als erfolgreiche >>virale Kommunikationsstrategie<< zugunsten der Bildungsanstalt gelobt wird. Vergegenwärtigen Sie sich, dass sich Menschen, die den Film als offizielles Hochschulmarketing interpretierten, locken ließen und sich erst daraufhin an der Hochschule bewarben. Wo befinden wir uns, dass eine solche Ironie das Versagen des deutschen Bildungssystems zugunsten elitärer Allüren dokumentiert?" [3]
Markanter lassen sich die Veränderungen der Leuphana Universität Lüneburg im Zuge der sogenannten "Neuausrichtung" - früher auch "Leuphanisierung" genannt - nicht darstellen. Diese Veränderungen verstehen Pierangelo Maset und Daniela Steinert "gemessen an diskursiven, demokratisch konstituierten Universitäten" als einen "Akt der feindlichen Übernahme." [3] Aber auf welchen Beobachtungen basieren ihre Beurteilungen und Analysen?

Die Senatoren weisen prominent auf das Spannungsfeld zwischen Freiheit und den vor allem organisatorischen Vorgaben der Leuphana Universität Lüneburg hin.
"Die Leuphana will eine wegweisende Einrichtung zur Gestaltung der Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts sein, eine Brutstätte von Exzellenz, eine Gemeinschaft, die im Zusammenhalt Großes erreichen will. Dem vermeintlich Freiheitlichen aber korreliert ein Fundament, welches reglementierende, außeruniversitäre Wertigkeiten in die Institution betoniert." [3]
Die vermeintlich freiheitliche Entwicklung wird in ein Zwangskorsett gezwängt. Die Persönlichkeit soll in mundgerechten Häppchen entwickelt werden. Die Vorgaben sollen "fehlerhafte" Entwicklungen verhindern und die Nutzung der Freiheit in eine festgelegte, eine "sinnvolle" Richtung lenken.
"Die emotional bindenden Kernbotschaften der Marke (Leuphana, LW) sprechen den Menschen individuell-persönlich an und erwecken den Schein einer freiheitlichen Selbstverwirklichung. Parallel dazu wird jedoch nicht nur die Zeit der Studierenden und Lehrenden durch getaktete Stundenpläne, überfrachtete Studiensysteme sowie ständige Leistungskontrollen rationiert und besetzt, sondern auch die Persönlichkeit als solche fest definiert: Kompetenzvorgaben zerteilen und reduzieren Menschen auf messbare >>skills<<, die in serviceorientierten und standardisierten Modulen erlernt werden." [4]
Die "Lenkung" der freiheitlichen Entfaltung sowohl von Studenten als auch von Dozenten sehen die Verfasser im Wesentlichen u.a. durch die Notwendigkeiten der Markenbildung begründet. Diese kann leicht scheitern, wenn zu viele Individuen ausscheren.
"(...) die gemeinsame Ausrichtung der Universitätsmitglieder [ist] Voraussetzung dafür, die Marke >>Leuphana<< einheitlich und somit glaubwürdig führen zu können. Die Achillesferse der unternehmerischen Hochschule ist somit der Spagat zwischen dem Versprechen einer persönlichen Entwicklung und der Notwendigkeit einer intakten Marke, alle Mitglieder müssen in den Kanon der propagierten Werte einsteigen." [4]
Um Probleme mit der aufwändig aufgebauten Marke Leuphana Universität Lüneburg zu vermeiden und die Zielsetzung der unternehmerischen Hochschule zu verwirklichen, findet eine grundsätzliche Wandlung des wissenschaftlichen Gemeinwesens statt.
"Die Hochschulleitung übernimmt weitestgehend die Handlungsmacht, macht den Fakultäten die bisherigen Hoheitsrechte wie beispielsweise Berufungen streitig, selektiert Fachbereiche nach Effizienzkriterien und zerstört durch den entstehenden internen Konkurrenzkampf die Wissenschaftsgemeinschaft." [5]
Im Sinne einer gezielten Steuerung von Entscheidungen muss auch die "Wunderwaffe" gesehen werden:
"Besonders kennzeichnend aber ist das Schüren der Angst vor einer Schließung der Universität. Diese Gefahr aber verleiht der Machtfrage messianische Züge." [6]
All dies kann nicht ohne Konsequenzen bleiben. Es wirkt sich auf dem Wege einer "weichen Steuerung" auf die Mitglieder der Hochschule aus.
"Die verfassungsrechtlich festgelegten Rechte und Pflichten der Freiheit von Forschung und Lehre werden dabei in der Praxis durch die informellen Regeln des Leistungsprinzips und der Gefolgschaft nach und nach außer Kraft gesetzt." [5]
Maset und Steinert wollen festgestellt haben, dass die Leistungskultur eindimensional auf das kapitalbringende Ergebnis ausgerichtet ist, aber als "System der Freiheit" umgedeutet wird [5]. Dieses vermeintlich freiheitliche System treibt absurde Blüten: Es führt zu einer Trennung zwischen den in Forschung und Lehre propagieren Inhalten und dem eigenen Handeln. Das verdeutlichen die Verfasser am Beispiel der Kunst an der Leuphana Universität Lüneburg.
"Was wird in einem System totaler Nutzbarmachung aus der Kunst? An der Leuphana entschwindet Kunst als kritische Bestandsaufnahme von Gesellschaft und Kultur zu einer Fata Morgana, was durch Begriffe wie >>Kreativitätswirtschaft<< (...) deutlich wird, in deren Wirrnissen sich auch viele der Lehrenden verstrickt haben." [6]
Als Beispiel verweisen Maset und Steinert auf einen Antrag auf Fördermittel des Innovationsinkubators, den LeuphanaWatch im vergangenen Herbst veröffentlichte. Weiter heißt es dann mit Bezug auf die Kunst, aber sicherlich mit einer auf andere Bereiche übertragbaren Bedeutung:
"Vorgeblich das Progressive propagiert, aber dann doch mitgeholfen, der (...) >>neoliberalen Invasion<< zum Erfolg zu verhelfen! (...) Die Doppelstrategie besteht darin, einerseits (...) als >>kritische Akteure<< mit avanciertem Bewusstsein aufzutreten, andererseits aber genau das mit zu fördern und zu verteidigen, was doch eigentlich im Zentrum ihrer Kritik stehen müsste." [7]
LeuphanaWatch meint: Es wäre interessant zu wissen, ob die Beobachtungen unabhängig von der persönlichen Bewertung von breiten Teilen der Leuphana Universität Lüneburg geteilt werden. Oder herrscht gar eine gänzlich andere Wahrnehmung vor und bereits die Beobachtungen sind Gegenstand des Streits zwischen den Fraktionen? Wie könnte eine gemeinsame Feststellung des Ist-Zustandes und der ablaufenden Mechanismen aussehen? Es sind solche Fragen, die zu beraten sein werden. Sonst wird es nicht gelingen auf eine Ebene der inhaltlichen Debatte zurückzufinden. Und die ist nach Monaten erbitterter Grabenkämpfe dringender denn je zu führen. Die Senatoren Maset und Steinert haben mit ihrem Diskussionsbeitrag einen Anstoß gegeben. Möge er aufgegriffen werden.

Im dritten und letzten Teil dieser Reihe geht es in der nächsten Woche um Fluchträume für kritische Geister und die Frage, wie fatale Entwicklungen korrigiert werden können.

LeuphanaWatch-Leseempfehlung:
Pierangelo Maset / Daniela Steinert: Kein Hauch von 68, in: Kultur & Gespenster, Ausgabe 13 "stabile Seitenlage", Winter 2012, S. 65 - 83 (erhältlich z.B. am Bahnhofskiosk, bei Unibuch, per online-Bestellung oder über die Fernleihe der Bibliothek)

Nachweise
[1] Pierangelo Maset / Daniela Steinert: Kein Hauch von 68, in: Kultur & Gespenster, Ausgabe 13 "Stabile Seitenlage", Winter 2012, S. 65 - 83
[2] http://www.kulturgespenster.de
[3] Seite 73
[4] Seite 74
[5] Seite 75
[6] Seite 78
[7] Seite 79

Freitag, 16. März 2012

Kein Hauch von 68: Übernahme der Hochschulen (1/3)

Der Präsident einer Hochschule freut sich über bundesweite Publicity, aber beim Blick in die aktuelle Ausgabe des Magazins "Kultur & Gespenster" [1] dürfte Sascha Spoun das Blut in den Adern gefrieren. Unter dem Titel "Kein Hauch von 68" [2] rechnen zwei Lüneburger Senatoren mit dem deutschen Hochschulwesen ab. Ihr Beispiel: die Leuphana Universität Lüneburg. Prof. Dr. Pierangelo Maset und die studentische Senatorin Daniela Steinert unternehmen einen "zweistimmigen Versuch zur unlustigen / irrsinnigen / wahnwitzigen Lage an den deutschen Hochschulen" [2]. Mit provokanten Thesen fassen sie durchaus pointiert, aber trefflich ihre Sicht der Dinge zusammen. LeuphanaWatch berichtet in einer kurzen Reihe über den lesenswerten Essay und versucht durch Schlaglichter auf einzelne Passagen eine inhaltliche Annäherung an den Kern des umfangreichen Gesamttextes.

Übernahme der Hochschulen

Zunächst widmen sich die Verfasser der allgemeinen Entwicklung des Hochschulsystems, welches sich nach ihrer Ansicht von der Öffentlichkeit kaum registriert dramatisch verändert.
"Weitgehend unbemerkt von einer größeren Öffentlichkeit oder lediglich Achselzuckend kommentiert, hat sich in den letzten Jahrzehnten ein einschneidender Wandel in unseren Bildungsinstitutionen vollzogen, ein Wandel, der für die zukünftige gesellschaftliche Entwicklung heftige Auswirkungen haben wird. Die Reformen, die im Zeichen des sogenannten Bologna-Prozesses gegenwärtig eine Überbietung aller Bürokratie-Albträume realisiert haben, verbanden konsequent das bürokratische italienische Hochschulsystem mit dem kontrollintensiven angelsächsischen. (...) Dabei hat die EU sich niemals auf ein gemeinsames - inhaltliches - Verständnis von >>Bildung<<, >>Wissenschaft<< oder etwa >>Qualität<< geeinigt. Vielmehr ist sie eben auch hier nur eines: eine Wirtschaftsgemeinschaft, die Strukturen Output-orientiert gestaltet und umformt." [3]
Derartige Veränderungen fassen Maset und Steinert unter dem Schlagwort der "unternehmerischen Hochschule" zusammen. Diese verdrängt Mitbestimmung sowie die Freiheit von Forschung und Lehre zunehmend durch Bürokratie und Verwertungslogik. Im Alltag ist der Wandel deutlich spür- und sichtbar:
"Im Zentrum der >>unternehmerischen Hochschule<< stehen nicht mehr vorrangig Erkenntnis und Wahrheitssuche, sondern zunehmend die Einwerbung von Mitteln und der Vertrieb der Marke sowie das gehetzte Ringen um mediale Aufmerksamkeit. Hart erarbeitete Steuergelder werden an peinliche Marketingabteilungen verteilt, die statt dem Ziel, einer chancengerechten Wissensvermittlung zu dienen, mit hohlen Werbeslogans ein >>Ringen um Talente<< entfesseln." [4]
Eine den Hochschulen bislang fremde Kultur hat Einzug gehalten, die eindeutig durch den Diskurs der BWL geprägt ist. Sie wird zwangsläufig zu einer Zerstörung des Zielbildes der "demokratischen Hochschule" führen.
"Exzellenz-Rhetorik, begleitet von durch BWL-Kennzahlen korrumpierte Forschung und Lehre halten ihren Einzug in die Hochschulen ebenso wie ununterbrochene Preisverleihungen und sinnwidrige Prestigeprojekte: (...) Von der Exzellenzinitiative bis zur Einäscherung eines freiheitlich-demokratischen Bildungswesens ist es jedoch nur noch ein kleiner Schritt. Ein Schritt, der stets begleitet ist von Kosten-Nutzen-Rechnungen, Stärken-Schwächen-Gegenüberstellungen und den viel zitierten >>Qualitätssicherungen<<." [5]
All das geht an den Angehörigen der deutschen Hochschulen nicht spurlos vorbei. Es finden grundsätzliche Neudefinitionen der Aufgaben und des Selbstverständnisses von Wissenschaftlern und Studenten statt. Die Senatoren formulieren so:
"Heute an einer Hochschule zu arbeiten heißt häufig, sich ununterbrochen mit Selbstmanagement zu befassen, gezwungen zu sein, zum Reputationssammler zu verkommen (...)." [6]
"Heute an einer Hochschule zu studieren heißt, im universitären Assessment-Center unentwegt Gesten nachzuahmen, um das Ich-Kapital als einzigartig und optimierungsfähig auszuweisen." [6]
Gerade für die Studenten beschränken sich die Auswirkungen nicht nur auf das Studium selbst, sondern wirken erheblich in das Verständnis des gesamten Lebensabschnitts und die persönliche Entwicklung hinein. Auch die studentische Vertretung wandelt sich grundlegend.
"Die Inflation von projekthaft organisiertem Engagement und der Wille zur >>Partizipation<< erstreckt sich weitestgehend auf nur bedingt selbst organisierte Angebote, die sich zum einen gut im Lebenslauf machen und zum anderen oft in pseudo-kritischer Manier einer fortschrittsgläubigen Selbstbeweihräucherung anheimfallen. Die Studierendenschaft als außerparlamentarische politische Kraft und als national vernetzte Actrice hat sich weitgehend von der Bühne verabschiedet." [7]
LeuphanaWatch findet: Es sind klare Worte, die zwei erfahrene Hochschulpolitiker hier äußern. Und sie sind überfällig. Die Debatte prägten bislang umfangreiche und (selbst)beweihräuchernde Auslassungen der Befürworter der stattfindenden Entwicklung. Dass nun weitere Akteure der Gegenseite ihren Hut mit Wucht in den Ring werfen, macht Mut für die Zukunft. Zumindest verspricht es die Möglichkeit, einem wichtigen Diskurs mehr Leben einzuhauchen. Es gehört in die öffentliche Diskussion, was derzeit an den deutschen Universitäten vonstatten geht. Schließlich betreffen die Veränderungen vordergründig nur die Hochschullandschaft, wirken sich tatsächlich aber in erheblichem Maße auf die Gesellschaft als Ganzes aus. Sie muss die demokratische Kontrolle über die Zielsetzungen im Hochschulwesen wiedererlangen - eine Bestandsaufnahme samt Diskussion sind erste Schritte auf diesem Weg. Der Essay aus Lüneburger Feder kann dazu beitragen und sollte weite Beachtung finden.

LeuphanaWatch-Leseempfehlung
Pierangelo Maset / Daniela Steinert: Kein Hauch von 68, in: Kultur & Gespenster, Ausgabe 13 "stabile Seitenlage", Winter 2012, S. 65 - 83 (erhältlich z.B. am Bahnhofskiosk, bei Unibuch oder per online-Bestellung)

Im zweiten Teil dieser Reihe geht es in der nächsten Woche um die Leuphana Universität Lüneburg als das "Viagra der Exzellenzinitiative" [8].

LeuphanaWatch dankt für den Themenhinweis.
[1] http://www.kulturgespenster.de
[2] Pierangelo Maset / Daniela Steinert: Kein Hauch von 68, in: Kultur & Gespenster, Ausgabe 13 "stabile Seitenlage", Winter 2012, S. 65 - 83
[3] Seite 67 f.
[4] Seite 71
[5] Seite 68
[6] Seite 66
[7] Seite 66 f.
[8] Seite 73

Freitag, 6. Januar 2012

"Denkerei" wirft Fragen auf

Ende des vergangenen Jahres wurde in Berlin das "Amt für Arbeit an unlösbaren Problemen und Maßnahmen der hohen Hand", kurz "Denkerei" aus der Taufe gehoben. Gegründet wurde es von diversen Künstlern respektive Wissenschaftlern, die sich als "Fachvorstände" für verschiedene Bereiche der Denkerei bezeichnen. Kooperationspartner der Einrichtung ist die Leuphana Universität Lüneburg. (1)

Eine deutsche Universität gründet ein vermeintliches "Amt" mit Spaßnamen in der Bundeshauptstadt - das kann wahrlich als Grund für Spott und Häme dienen! Die Reaktionen ließen dann auch nicht lange auf sich warten.
Lüneburg hebt ab
Universität Leuphana lässt künftig in Berlin denken - während zu Hause die Korruptionsprüfer anklopfen
titelte die Hannoversche Allgemeine Zeitung am 26./27.11. auf Seite 1. (2) Und Prof. Faulstich stellte in einem in der Landeszeitung am 14.11. abgedruckten Leserbrief unter dem Titel "Schaumschlägerei" klar:
Bitte denken Sie nicht, die Universität Lüneburg sei nun komplett von allen guten Geistern verlassen. (...) Auf den ersten Blick ist man versucht, (...) an einen verfrühten Faschingsscherz zu glauben. (3)
Tatsächlich drängen sich entsprechende Assoziationen auf. Spott und Häme sollten allerdings nicht den Blick auf das Wesentliche verstellen. Prof. Faulstich weist bereits mahnend darauf hin, dass "handfeste wissenschaftliche Arbeit, substantielle Forschung, seriöse Lehre" nicht durch "Polit-PR" zu ersetzen sind. (3)

Was macht also diese "Denkerei" und warum sollte die Leuphana Universität Lüneburg eine Kooperation eingehen?

Die Landeszeitung berichtet, dass durch verschiedene Kunst- und Kommunikationsformate eine gesellschaftliche Diskussion forciert werden soll über komplexe Probleme wie Euro-Krise oder Atommüllendlagerung im Dialog mit Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. (4) Durch die Arbeit der Denkerei sollen "Profibürger" ausgebildet werden. (5)

Gegenüber der Presse weist die Leuphana Universität Lüneburg darauf hin, dass die Kooperation mit dem "Amt" mit dem Spaßnamen wichtige Vorteile bringe:
Für die Leuphana ist die neue Diskursplattform ein ideales Forum, um im direkten Kontakt mit Politik und Forschungs-Institutionen auf ihre wissenschaftliche Arbeit aufmerksam zu machen. (6)
Auf der Webseite der "Denkerei" heißt es etwas ausführlicher:
Die Leuphana Universität Lüneburg knüpft an diese Gedanken (Diskussion über unlösbare Probleme, LW) im Rahmen der Kooperation an und kann künftig Diskursplattform und Räumlichkeiten mitnutzen, um ein weiteres Forum für die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit ihren Arbeiten zu etablieren und damit der Leuphana eine Stimme im politischen Berlin zu geben. Mit ihren Wissenschaftsinitiativen Kulturforschung, Nachhaltigkeitsforschung, Bildungsforschung und Unternehmerisches Handeln sowie den Schwerpunkten im Innovationsinkubator Digitale Medien, Nachhaltige Energie und Gesundheit adressiert die Leuphana zentrale Themenfelder für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts.

Die Leuphana wird im Rahmen dieser Kooperation mit eigenen Veranstaltungen in der Bundeshauptstadt auf ihre Initiativen aufmerksam machen. Die Gründer des Amts für Arbeit an unlösbaren Problemen sind im Gegenzug bereit, Lehr- und Diskussionsveranstaltungen an der Leuphana anzubieten. Die Kooperationspartner wollen außerdem gemeinsame Forschungs- und Transferprojekte auf den Weg bringen. (1)
Diese blumigen Ausführungen werfen zahlreiche Fragen auf:
  • Braucht eine niedersächsische Hochschule Räumlichkeiten in der Bundeshauptstadt?
  • Braucht eine niedersächsische Hochschule eine "Stimme im politischen Berlin"?
  • Welcher Art sollen die Veranstaltungen sein, welche die Leuphana Universität Lüneburg in der sog. "Denkerei" anbieten möchte?
  • Was dürfen wir uns unter gemeinsamen Forschungs- und Transferprojekten vorstellen?
  • Welcher Art und welchen Umfangs werden die Lehr- und Diskussionsveranstaltungen der "Amtsgründer" an der Leuphana Universität Lüneburg sein? Werden diese in Lüneburg oder in den Räumlichkeiten in Berlin stattfinden?
Besonders auffällig ist jedoch folgendes: Die Ausführungen suggerieren, die Leuphana Universität Lüneburg habe ausschließlich Vorteile (Räumlichkeiten, politischer Einfluss, gemeinsame Projekte u.a.). Im Text heißt es jedoch, "im Gegenzug" seinen die Gründer der Denkerei zu bestimmten Dingen bereit. Die Kernfrage dürfte also sein, wozu sich die Leuphana Universität Lüneburg genau verpflichtet hat. Sie gibt ihren Namen, zahlt jedoch nach Aussage der Pressestelle kein Geld für das Spaß-Amt. (7) Ist die Marke "Leuphana" so wertvoll, dass im Gegenzug dafür Räumlichkeiten und Dozentenleistung gewährt wird? Oder bestehen weitere Verpflichtungen?

Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob der mögliche Reputationsschaden durch die Verbindung mit einem "Amt für Arbeit an unlösbaren Problemen und Maßnahmen der hohen Hand" für die Leuphana Universität Lüneburg nicht schwerer wiegen muss, als die möglichen Vorteile.

LeuphanaWatch meint: Sollte die "Denkerei" nicht zeitnah durch wissenschaftlich fundierte Veranstaltungen überzeugen, ist die Reputation der Hochschule in Gefahr. Denn eine Universität zeichnet sich noch immer durch Forschung und Lehre aus und nicht durch PR-Coups und dubiose Kooperationen. Insbesondere die aufgeworfenen Fragen müssen beantwortet werden und der Kooperationsvertrag gehört veröffentlicht; das dürfte den überraschten Universitätsmitglieder zustehen - und es wird auch außerhalb der Campusgrenzen interessieren. Immerhin dürfte zumindest die argwöhnische Beobachtung der anderen niedersächsischen Universitäten sicher sein.

Quellen:
(1) https://www.leuphana.de/denkerei/
(2) https://www.leuphana.de/fileadmin/user_upload/INTRANET/pressestelle/pressespiegel/2011ps/Pressespiegel_2011-11-26_11-28.pdf
(3) https://www.leuphana.de/fileadmin/user_upload/INTRANET/pressestelle/pressespiegel/2011ps/Pressespiegel_2011-11-12_11-14.pdf
(4) "Leuphana denkt mit in Berlin", LZ 11.11.2011, Seite 5
(5) http://www.berliner-zeitung.de/kultur/bazon-brock-weihnachtsgabe-vom-profi,10809150,11286400.html
(6) http://www.leuphana.de/aktuell/meldungen/ansicht/datum/2011/11/09/leuphana-startet-kooperation-in-berlin-1.html
(7) "Lüneburg hebt ab. Universität Leuphana lässt künftig in Berlin denken - während zu Hause die Korruptionsprüfer anklopfen", HAZ 26./27.11., Seite 1

Samstag, 3. Dezember 2011

Unimarketing und Realität

Das Universitätsmarketing ist nach Auffassung von Präsident Spoun von besonderer Bedeutung für die Leuphana Universität Lüneburg. Er schreibt:
"umso wichtiger ist die Funktion des Hochschulmarketings, mit klarer Stimme und eindeutigem Absender die Vision zu artikulieren ..." [1]
Aber wie funktioniert Marketing und wie stark ist der Realitätsbezug? LeuphanaWatch untersucht als Beispiel ein Bild aus der Broschüre "Das Otto Group Stipendienprogramm. Verstehen. Und handeln." [2]

Quelle: Broschüre "Das Otto Group Stipendienprogramm. Verstehen. Und handeln." [2] Seite 2/3, (c) Leuphana Universität Lüneburg

Was möchte dieses Foto dem Betrachter sagen? Es zeigt das Hörsaalfoyer im warmen Sonnenlicht des Vormittags und erzeugt eine angenehme, zum Aufenthalt einladende Atmosphäre. Der Effekt wird durch zwei sympathische Studentinnen im Vordergrund verstärkt, die offenbar in einem netten Gespräch sind und freundlich lächelnd ein positives Gefühl ausstrahlen. Hier kann man verweilen, hier ist eine positive Grundstimmung. Gleichzeitig entsteht nicht der Eindruck, als würde an der Leuphana Universität Lüneburg gefaulenzt. Im Bildhintergrund sind mehrere Personen zu sehen, die sich auf dem Weg in die Bibliothek befinden. Die Wissenschaft ist also im Gange und es wird geforscht und gelernt. Dies belastet jedoch nicht die positive Grundaussage durch die zurücktretende Erscheinung mit geringer Größe - aber nicht als Randnotiz - im Hintergrund.

Ganz entscheidend ist die Umgebung der anwesenden Personen. Von den Metallträgern der Decke hängen künstlerische Bilder in kräftigen Farben. Sie zeigen Kreativität und künstlerischen Elan. An den Säulen rechts und links hängen unzählige bunte Plakate. Sie stellen das studentische Leben dar, symbolisieren geradezu die Lebendigkeit und Vielfältigkeit im Gegensatz zum kalten Beton.

Kernaussage des Bildes: Die Leuphana Universität Lüneburg ist als Lernort sympathisch, kreativ, lebendig, jung, vielfältig und entspannt. Komm hierher, nehme die positive, freundliche Stimmung auf. Tritt in das Bild ein, gehöre dazu.

Das Bild des Hörsaalfoyers ist ein Meisterstück der Marketingabteilung [3]. Es zeigt die von Sascha Spoun geforderte Vision und kommuniziert sie klar und deutlich. Mit der Realität hat das wenig zu tun. Wer das Hörsaalfoyer betritt, genießt selten die warme Morgensonne. Im Sommer wäre das Bild eines Treibhauses angebracht. Bilder an der Decke sucht man vergeblich, genauso wie die vielen bunten Plakate an den Säulen. Es dominiert der Beton.

Warum zeigt die Broschüre nicht die Realität? Die Botschaft wäre vermutlich eine ganz andere. Ehrlicher wäre sie. Immerhin ist das Foto trotz vermutlich erfolgter grafischer Bearbeitung zumindest echt. Bevor die Leuphana Universität Lüneburg das seit einem Jahrzehnt erlaubte Plakatieren untersagte, gab es tatsächlich ein wesentlich bunteres Bild im Hörsaalfoyer. Die Deckenbilder waren ebenfalls vorhanden - sie wurden für einen kurzen Zeitraum extra für das besprochene Foto aufgehängt und verschwanden wenig später wieder.

LeuphanaWatch findet: Die Universitätsleitung sollte sich ein Vorbild an ihrer eigenen Marketing-Vision nehmen. Mit Plakaten und Bildern sieht das Hörsaalfoyer so viel ansprechender aus. Wenn die richtigen Entscheidungen getroffen werden, könnte die Marketingvision wieder einen Realitätsbezug erhalten.

Quellen:
[1] Brune / Seyfarth / Spoun: Hochschulmarketing in Zeiten von Blogs, Wikipedia und YouTube: Zur prozessanstoßenden Kommunikation für öffentliche Universitäten, in: Heuser / Spoun (Hrsg.): Virale Kommunikation - Möglichkeiten und Grenzen prozessanstoßenden Marketings. Nomos. [Leuphana Bibliothek: BWL 634.070], Seite 240
[2] http://www.leuphana.de/fileadmin/user_upload/college/otto_group/files/ottobroschuere_neuauflage_22.11.2010.pdf
[3] http://www.leuphana.de/ueber-leuphana/organisation/praesidium/universitaetsmarketing.html

Dienstag, 22. November 2011

Leuphana wird fünf

Auf den Tag genau vor fünf Jahren präsentierte Vizepräsident Holm Keller dem Senat das Konzept Leuphana Universität Lüneburg. LeuphanaWatch erinnert daran mit einem alten Beitrag der ASTA-Zeitung (Seite 2 f.), der zum ersten Geburtstag von Leuphana erschien und hier zitiert ist:

Ein Jahr danach: Wie die Uni ihren Namen bekam

„Stiftung Uni LG“, „Uni LG“, „Leuphana Uni LG“ oder doch „Leuphana“? Warum diese verschiedenen Bezeichnungen, warum sagen nicht alle „Leuphana“? Wir wagen einen Blick in die Historie, denn inzwischen ist „Leuphana“ ein Jahr alt.

Irgendwann im Sommer 2006 beginnt die Hamburger Agentur „Scholz & Friends“ im Auftrag der Unileitung, einen neuen Außenauftritt für die Uni Lüneburg zu entwickeln. Normalerweise arbeitet S&F für Kunden wie die Bundesregierung, die FAZ, Tchibo oder Siemens, hier ist sie aber für die kleine Uni in einem pro bono (‚für umsonst‘) Projekt tätig. S&F sucht aus anfangs 70 Ideen einen neuen Namen, für den dann ein komplettes PR-Paket geschnürt und an „peer groups“ ohne Beteiligung von Mitgliedern der Universität getestet wird. Logo, Layout, Anzeigen, Homepage-Prototyp, Broschüren und ein komplettes PR-Handbuch werden erstellt. Die Markenrechte und Internetdomains für den Namen werden gesichert.

Am 18. Oktober 2006 teilt der Präsident im Senat mit, dass ein Bestandteil der Neuausrichtung auch ein „neuer Außenauftritt“ der Universität sei. Der Senat horcht interessiert auf. Die europaweit renommierte Hamburger Agentur „Scholz & Friends“ unterstütze die Uni bei der Entwicklung. Auf einer Infoveranstaltung solle die Hochschulöffentlichkeit darüber informiert werden. Diese fällt später aus, da die Agenturvertreter kurzfristig absagen. Der Senat betont, dass nur die Uni selbst eine „extern entwickelte Marke mit Inhalt füllen kann“. Der Senat will die Außendarstellung diskutieren und fortentwickeln, erfährt aber vorerst nichts Genaues.

Im Zeitraum bis zur nächsten Senatssitzung kursieren wilde Gerüchte man hört etwas von „Leufania“ und dass auf der nächsten Sitzung ein neuer Name beschlossen werden soll. Der AStA fordert Aufklärung und kündigt an, ansonsten müssten sich alle Studierenden direkt im Senat informieren.

Zwei Stunden vor der Senatssitzung am 22. November kommt Vize Keller auf die AStA-Sitzung und stellt 70 Minuten lang den Außenauftritt „Leuphana“ (vermeintl. antike Ortsbezeichnung für LG) vor (vgl. „Das Leuphana-Konzept“). Das Ganze wiederholt sich wenig später im Senat, der ohne studentischen Großbesuch auskommt. Die „gebrochenen Kristallfarben“ verleiten einen Senator zu der Bemerkung, diese würden ja hervorragend zum vom Präsidium skizzierten Zustand der Uni passen. Der Senat diskutiert intensiv die Frage, ob die Uni überhaupt einen neuen Außenauftritt braucht, ob „Leuphana“ ein geeignetes Konzept sei und wie man es ggf. einführen könnte. Alternativen gibt es nicht – Leuphana oder nichts. Schließlich einigt man sich darauf, dass man einen neuen Außenauftritt einführen und dass dieser direkt für die gesamte Uni gelten sollte. Eine endgültige Entscheidung wird, sehr zum Missfallen von VP Keller, in den Dezember vertagt, um hochschulweit diskutieren zu können. Die Vorbereitung für „Leuphana“ geht weiter: Broschüren werden gedruckt, eine Webseite entwickelt. Dies ist nach Aussage von Herrn Keller nötig, um vor Weihnachten das Material veröffentlichen zu können – die „guten“ Studis würden da schon nach einer Uni suchen und diese Personen müsste man unbedingt erreichen.

Nach einer Infoveranstaltung und einem Workshop tagt am 13.12.06 der Senat erneut. Es werden die Anregungen und Gedanken zu „Leuphana“ diskutiert und die Vorschläge des Workshops beraten. Die Befürchtung wird geäußert, die Uni könnte den propagierten Erwartungen nicht gerecht werden. Vor allem besteht der Senat darauf, den ‚Zusatz’ „Universität Lüneburg“ unbedingt gleichwertig unter dem „Leuphana“ zu erhalten, wenn er auf Grund des bereits ausgegebenen Geldes Leuphana schon kaum noch ablehnen kann. Außerdem werden einige Änderungen gewünscht. Schließlich „begrüßt [der Senat] die Einführung und Umsetzung eines neuen Außenauftritts als ‚Leuphana Universität Lüneburg’“ mit 11:3:3 Stimmen.

Zwei Tage später berichtet die Landeszeitung erstmals über „Leuphana“, vor Weihnachten warten die „guten“ Studis erfolglos auf das Infomaterial der Uni. Statt dessen witzelt der halbe Campus über „Leufanta“ und „Leuphana – hört sich an wie ein Abführmittel“, die „univativ“ befasst sich mit dem „leicht esoterisch angehauchten Farbkonzept“.

Am 01.01.07 tritt ein neues Nds. Hochschulgesetz in Kraft. Während der Senat im Dezember nur zustimmen musste, hätte er jetzt für Leuphana die Grundordnung mit 2/3-Mehrheit ändern müssen. Das wahre Motiv für den Zeitdruck, der im letzten Jahr bestand?

Im Frühjahr entdeckt die LZ das Thema „Leuphana“ für sich, es gibt reihenweise Artikel und Leserbriefe. Die Mehrheit der Leser findet den Namen Leuphana für ungeeignet, es hagelt Kritik und Alternativvorschläge. Auch Ministerpräsident Wulff schaltet sich ein und lässt per SMS einen Vorschlag zum Unipräsidenten schicken. Oberbürgermeister Mädge ist auch nicht begeistert. Die „guten“ Studierenden warten nach wie vor auf das Infomaterial, was es plötzlich nicht mehr so eilig hat.

Am 10. Februar hält eine Leserin die Begründung für den Namen für „wackelig“. Das Leuphana des Ptolemäus liege irgendwo bei Hamburg oder in der Altmark oder in Meck.- Pomm. oder gar westlich des Rheins. Um sicher zu gehen, dass der Name auch auf die Uni passt, schlägt sie „Sascha-Spoun-Universität“ vor. Es folgen Kommentare wie „Schilda lässt grüßen“ und „Spounität Lüneburg“, bevor der bekannte Namensforscher Prof. Dr. Udolph aus Leipzig und der Sprachwissenschaftler Prof. Alpers aus Hamburg bestätigen: Leuphana hat mit Lüneburg nichts zu tun. Noch viel schlimmer: „Leuphana lag in Holland“!

Die Unileitung macht aus der Not eine Tugend und lässt sich eine neue Begründung für den Namen einfallen (vgl. „Was nicht passt wird passend gemacht“). Dann wird dieser am 20. März auch öffentlich im Foyer der Unibibliothek präsentiert. Aussagen des Präsidenten wie „Das Interessante ist zu Leuphana: von den Lüneburgern wird es nicht verwendet.“ oder „Es hat irgendwie was zu tun mit einem Ei. (...) Das Ei hat einen großen Vorteil: Wir wissen nicht, was rauskommt.“ erreichen Kultstatus in interessierten Studierendenkreisen. Am nächsten Tag folgt dann eine bundesweite Pressekonferenz in Berlin, auf der das „Leuphana“-Konzept der Presse vorgestellt wird. Die „guten“ Studierenden bekommen endlich ihre Infomaterialien. Der AStA organisiert in Berlin eine Demo, um auf die Namensfindung und die Seltsamkeiten hinzuweisen (Vgl. „Berechtigte Kritik“). Außerdem stellt er eine Pressemappe zusammen, die sich u.a. mit dem Namen Leuphana auseinandersetzt.

Seit dem 23. März [2007] heißt die Uni jetzt „Leuphana“ – ganz im Sinne des Senats, der „Universität Lüneburg“ unbedingt gleichgroß im Namen haben wollte.


Das Leuphana-Konzept
Ziel des Außenauftritts der Uni ist es, eine „Marke“ zu etablieren, die national und international wahrgenommen wird. Die Position der Universität im Wettbewerb der Hochschulen soll gestärkt werden. Die Marke soll die Attribute „anspruchsvoll“, „offen“, „vernetzt“, „lebendig“ und „zukunftsfähig“ transportieren und das Herz eines attraktiven Außenauftritts bilden. Der Begriff „Leuphana“ geht auf den griechischen Gelehrten Ptolemäus zurück, der die Region um Lüneburg so bezeichnete. Er ist international aussprechbar, war markenrechtlich noch zu haben und hat keine negativen Assoziationen. Über dem Schriftzug ist eine Grafik platziert, die wahlweise als Netzwerk, Würfel oder Kristall zu beschreiben ist. Sie soll deutlich machen, dass oft verschiedene Perspektiven nötig sind, um zu Erkenntnissen zu gelangen. Unter dem Schriftzug „Leuphana“ steht ein Zusatz, je nachdem um welchen Teil der Universität es sich handelt. Als Farben verwendet die Leuphana eine „eigenständig entwickelte Farbwelt“ aus „Naturfarben von Kristallen“.

Was nicht passt wird passend gemacht
Als wissenschaftlich nachgewiesen wurde, dass Leuphana mit Lüneburg wohl eher nicht gleichzusetzen sei, geriet die Namensbegründung ins Wanken. Die anerkannte Lokalisation in den Niederlanden drohte zu einer Blamage zu werden. Also zauberte man schleunigst eine neue Begründung aus dem Hut: Entscheidend seien gar nicht die genauen Fakten, sondern das Streben des Ptolemäus nach Wissen und seine Bereitschaft, scheinbar sichere Erkenntnisse in Frage zu stellen und weiterzuentwickeln. Seine Leidenschaft und Neugier seien auch heute noch „die wichtigsten Voraussetzungen für eine lebendige Wissenschaft“. „Diesem Geist entdeckenden Forschens und Lernens fühlt sich die Universität Lüneburg durch ihren Namen Leuphana verbunden.”


Berechtigte Kritik
Kritik am Prozess der Namensfindung: Die Mitglieder der Uni wurden erst zu einem sehr späten Zeitpunkt informiert und beteiligt, ihnen wurde eine fertige Lösung vorgesetzt. Diskussionsräume wurden durch vermeintlich hohen Zeitdruck stark begrenzt, Gestaltungsmöglichkeiten gab es de facto keine mehr bzw. sie begrenzten sich auf Schönheitskorrekturen. Als Wahlmöglichkeiten gab es nur „ja“ oder „ich stimme zu“. Eine echte demokratische Entscheidung war nicht möglich, der Prozess in den Augen vieler „einer Universität nicht würdig“. Kritik wird auch am Namen geübt: Er höre sich an wie ein Abführmittel, habe mit Lüneburg und der Geschichte der Lüneburger Uni nichts zu tun. Die Umdeutung der Unileitung sei einfach nur peinlich. Außerdem sei generell auf das „branding“ von Universitäten zu verzichten, denn diese seien keine Unternehmen. Zahlreiche andere große deutsche Universitäten machten deutlich, dass dies problemlos möglich sei. Diese Kritikpunkte sind ausschlaggebend dafür, dass viele Mitglieder der Uni den Begriff „Leuphana“ nicht verwenden – nicht aus Ablehnung von „Neuem“ oder von Personen, sondern um ein Zeichen zu setzen, dass eine Uni sich nicht alles gefallen lassen darf.

Ebenfalls sehr lesenswert ist ein Text, den der ASTA an Journalisten verteilte.

LeuphanaWatch gratuliert der Leuphana Universität Lüneburg. Sie hat ihren Weg konsequent fortgesetzt. Allein über die Richtung lässt sich streiten.

Samstag, 29. Oktober 2011

Erstsemesterfilme sehenswert

Am ersten Tag der diesjährigen Startwoche wurden von den Erstsemestern kurze "Lüneburg Slam"-Filme gedreht. Die Leuphana Universität Lüneburg erklärt:
Bei einem Slam geht es um die packende und direkte Präsentation eines Themas - der Lüneburg Slam ist ein Wettbewerb im Vortragen und findet im Rahmen der Leuphana Startwoche für 1.200 Erstsemester statt. Einen Tag lang setzen sich die Studienanfänger am 6. Oktober 2011 mit einer Frage zur Geschichte, Kultur, Wissenschaft oder Gesellschaft Lüneburgs auseinander. Fähigkeiten im Recherchieren, Diskutieren und Hinterfragen werden strapaziert. Anschliessend wird eine kreative Antwort auf die jedem Team zugeteilte Frage gegeben: Die gewonnenen Erkenntnisse und Ideen werden von den Gruppen in Form einer zweiminütigen freien Performance dargeboten, als Filmclip festgehalten und hier veröffentlicht. Let's slam! (1)
Die Filme der Erstsemester sind durchaus sehenswert. Besonders empfehlenswert scheint ein Beitrag, der sich durch geschickte Anspielungen mit der Leuphana Universität Lüneburg auseinandersetzt. Der Film der Gruppe A5 ist beim Portal youtube anzuschauen. Dort finden sich auch die weiteren Filme.

(1) http://www.youtube.com/watch?v=rgJZ0q27Fho
LeuphanaWatch dankt für den Hinweis.

Neues von ASTA-Copy bzw. PlanB

Eine wahre Stellungnahmenflut ging in den letzten Stunden durch die eMailverteiler unserer Hochschule. Eine Dokumentation:

Hochschulleitung:
Liebe Studierende, liebe Universitätsmitglieder,

wir freuen uns, Ihnen heute mitteilen zu können, dass die Hochschulleitung nach einstimmigem Beschluss bzw. nach entsprechender Initiative des Studierendenparlaments eine Kompromisslösung bzgl. der Nutzung der ehemaligen Räume von AStA-Copy in Gebäude 9 anbieten kann. Vorgestern hatte sich herausgestellt, dass in diesen Räumen ohne Genehmigung durch das Gebäudemanagement der Universität und sogar entgegen expliziter Absprachen eine studentische Projektgruppe das "PlanB" - zunächst als studentisches Café, später als studentischer Freiraum bezeichnet - eingerichtet hat und in dieser Woche eröffnen wollte. Das Gebäudemanagement hatte daraufhin zur Klärung der Situation zunächst eine Sperrung der Räume veranlasst.

Mit der gefundenen Lösung erhalten die Studierenden an der Leuphana die Möglichkeit, schon lange gewünschte zusätzliche Räume für studentische Nutzungen, z.B. als Arbeits- und Aufenthaltsräume bzw. als Freiraum für studentische Initiativen nutzen zu können. Am Campus stehen damit zukünftig insgesamt rund 500 qm Bürofläche nur für rein studentische Aktivitäten und Initiativen zur Verfügung - das entspricht insgesamt fast einer ganzen Etage eines der typischen Gebäude auf dem Campus.

Konkret sieht die gefundene Lösung folgenden Vorschlag vor:
1. Das Studierendenparlament hat sich für die Verbesserung bzw. die Einrichtung zusätzlicher Caféangebote auf dem Campus ausgesprochen. Die Hochschulleitung hat zugesagt, diese Bemühungen zu unterstützen und zeitnah entsprechende Gespräche und Überlegungen zu initiieren.
2. Die Hochschulleitung hat zugesagt, dass das Studierendenparlament einen der ehemaligen AStA-Copy-Räume in Gebäude 9 (9.101) zunächst als Pilotprojekt bis zum 31.12.2011 für einen studentischen "Freiraum" durch die Projektgruppe des Projektes "PlanB" nutzen kann. Der Raum kann z.B. als Arbeits-, Aufenthalts- oder Projektraum genutzt werden, lediglich eine Nutzung für einen Cafébetrieb ist ohne die dafür notwendigen Genehmigungen leider nicht möglich. Diese Pilotphase soll im Dezember gemeinsam evaluiert werden. Bei positivem Ergebnis der Evaluation besteht die Möglichkeit, den Raum in Gebäude 9 bis auf weiteres weiter zu nutzen. Nach Ablauf der Pilotphase soll die Projektgruppe in eine "gefasste" Verantwortung übergehen, z.B. im Rahmen einer studentischen Initiative unter dem Dach des Dachverbandes der Studierendeninitiativen (D.S.I.).
3. Die Hochschulleitung sagt dem Studierendenparlament darüber hinaus zu, dass der zweite ehemalige AStA-Copy-Raum (9.118) als Erweiterungsfläche für studentische Initiativen (in Verantwortung des D.S.I. bzw. des Dachverbandes der politischen Initiativen D.P.I.) ab sofort bis auf weiteres genutzt werden kann.
4. Die Hochschulleitung behält sich im Gegenzug vor, die bisherigen Räumlichkeiten des Hochschulsports in Gebäude 3, die nach Fertigstellung eines bereits beschlossenen Erweiterungsbaus für den Hochschulsport (Halle 21) im Jahr 2012 bzw. 2013 frei werden, für andere Nutzungen einzuplanen. Bisher waren diese freiwerdenden Räume in Gebäude 3 als Erweiterungsfläche für studentische Initiativen vorgesehen. Diese Erweiterung kann nun bereits vorzeitig in Gebäude 9 realisiert werden.

Dieser Lösungsvorschlag liegt dem Studierendenparlament nun zu einer abschließenden Beratung vor. Wir danken dem StuPa ausdrücklich für seine konstruktive und vermittelnde Initiative, die in einem konkreten Konfliktfall zu einem guten Lösungsvorschlag geführt hat und darüber hinaus nach unserer Einschätzung auch langfristig zu einer für die Studierenden deutlich besseren räumlichen Situation führt.

Mit herzlichen Grüßen,
(Namen entfernt)
Studentenparlamentsvorsitz:
Liebe Studis und Interessierte,

Die Studierendenschaft und Universitätsleitung ziehen an einem Strang für
mehr Vielfalt an der Leuphana. Nach Gesprächen heute Morgen steht fest:
PlanB kann in den Probebetrieb gehen und die ehemaligen AStA-Copy Räume
bleiben den Studierenden erhalten.

Anfang dieser Woche traten Auseinandersetzungen um die Eröffnung eines
studentischen Freiraumes, auch fälschlicherweise als Café angekündigt, in
Gebäude Neun auf. Die Einladung zur Eröffnung wurde in Teilen der
Hochschulöffentlichkeit mit Verwunderung aufgenommen. Der Planungsprozess
für die Kaffee-Initiative ist nicht eindeutig kommuniziert worden, woraufhin
die Unileitung die Nutzung der Räume vorübergehend untersagt hat. Die
gestrige stark besuchte und leidenschaftliche Debatte im Stupa hat ergeben,
dass Fehler auf verschiedenen Seiten zu diesem Konflikt geführt haben. Heute
morgen haben sich Studierendenparlament (StuPa), AStA und die Projektgruppe
mit dem Präsidium getroffen um die Nutzung der Räume zu besprechen. Als
Ergebnis kann ein Probebetrieb für diesen Freiraum als PlanB bis Dezember
durchgeführt werden. Zum Start können verschlossene Getränke angeboten
werden. Da noch rechtlicher Klärungsbedarf besteht, können vorerst kein
Kaffee oder Tee angeboten werden. Am Ende der Pilotphase soll eine
Evaluation das Angebot bewerten und eine Verlängerung der Nutzung am Bedarf
ermöglicht werden. Die Etablierung eines Cafés wird jedoch weiterhin im Auge
behalten und Möglichkeiten ausgearbeitet. Das Präsidium zeigte sich von der
Arbeit und dem Engagement der Projektgruppe sehr beeindruckt. Das StuPa
fördert die Initiative weiterhin und ruft die Projektgruppe hiermit dazu
auf, die Arbeit an der Konzept-Ausarbeitung voranzutreiben. Die Räume sind
für weitere Umbauten wieder zugänglich. In der StuPa-Sitzung am kommenden
Mittwoch wird gemeinsam mit der Projektgruppe dann über den Eröffnungstermin
entschieden. Alle Studierenden sind hiermit aufgerufen sich an dem Projekt
zu beteiligen und herzlich eingeladen im Gebäude 9 im ersten Stock
vorbeizukommen.
Fachschaft BWL:
Liebe Kommilitonen,

Wir danken allen Listen des StuPas! Räume bleiben der Studierendenschaft erhalten!

Mit Einstimmigkeit hat sich das StuPa gestern für den Erhalt der ehemaligen Asta Copy-Räume für die Studierendenschaft ausgesprochen. Im Gegensatz zur üblichen Vorgehensweise des AStA und der Senatsliste „Eine Uni für Alle“, sich zuerst an die Presse zu wenden oder mit einer Klage zu drohen, hat sich das StuPa für den konstruktiven Weg entschieden, nämlich das Gespräch mit dem Präsidium gesucht.

Hier sieht man, dass das StuPa bei Einstimmigkeit aller Listen und dem ehrlichen Willen auf Verhandlung, konstruktiv und auf Augenhöhe mit dem Präsidium kommunizieren kann.

Das Ergebnis: Die Räume sind für die Studierenden gesichert! Es wurde eine klare Verbesserung für DSI und StuPa erreicht: Aus den ehemaligen Kopierräumen werden Freiräume für die Studierendenschaft und für Initiative(n) geschaffen.

Wir hoffen in diesem Sinne auch in Zukunft auf einen konstruktiven Umgang miteinander an unserer Leuphana Universität.

Wir blicken voraus auf die nächsten Wahlen und wünschen uns weiterhin ein so konstruktives, gut besuchtes und kommunikatives Studierendenparlament. So können wir für die Studierendenschaft viel erreichen vor allem, wenn wir alle an einem Strang ziehen. Ganz so, wie es das Motto unserer StuPa Liste „Gemeinsam mehr erreichen“ will!

Dank an alle, auch besonders das PlanB Team für die geleistete Arbeit und allen anderen vielen Dank für die Beteiligung an den Diskussionen und schließlich denen die damals bei der Befragung teilgenommen haben wie diese Räume weiter genutzt werden sollten. Denn das Feedback der Studierenden ist uns in diesem Prozess wichtig.

Wir wünschen uns für die Zukunft Alternative zum Angebot von Campus e.V. (Cafe 9) und freuen uns über alle Eure Vorschläge dazu!

Eure Liste „Fakultät Wirtschaft -3 Campi, eine Liste- Gemeinsam mehr erreichen.
StuPa-Liste G-a-Campus:
Liebe Hochschulöffentlichkeit,

wir begrüßen den heute erreichten Kompromiss, der die Weiterführung des Projekts PlanB ermöglicht. Ausdrücklich weisen wir darauf hin, dass dieses Ergebnis eine gemeinsame Anstrengung des StuPa (dies betrifft alle Listen und TeilnehmerInnen), dem AStA, der Projektgruppe und dem Präsidium gewesen ist. Wir wollen hiermit deutlich machen, wie sinnvoll eine gemeinsame und konstruktive Zusammenarbeit ist, um studentische Belange erfolgsversprechend umzusetzen.

Eure Grüne und Autofreie Liste im StuPa.
StuPa-Liste QuattroFAK:
Liebe Kommilitoninnen,

auch die Liste QuattroFAK begrüßt die vorläufige Einigung mit dem Präsidium und dankt dem Team von PlanB, dem AStA und dem StuPa-Vorsitz für die offenbar gelungene Verhandlung.

Dennoch darf nicht übersehen werden, dass nur eine vorläufige Lösung bis Dezember gefunden wurde. So ist die Raumnutzung bis Dezember natürlich ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung, nämlich des Dauerbetriebes von PlanB, eine 100%ige Garantie gibt es allerdings nicht.

Wir dürfen auch nicht die vollkommen unverhältnismäßige Reaktion seitens des Präsidiums vergessen, einfach kommentarlos die Schlösser auszutauschen und so die verfasste Studierendenschaft aus ihren eigenen Räumen auszusperren. Wir sehen zwar, dass eine Intervention seitens des Präsidiums auch ihre Berechtigung hatte, jedoch den Zeitpunkt und die Art und Weise der Aktion empfinden wir als äußerst aggressives und unangebrachtes Verhalten das weder einen Dialog zwischen Studierendenschaft und Präsidium noch die zukünftige Zusammenarbeit fördert.

Auch wenn unsere Liste ebenfalls das Gespräch mit dem Präsidium befürwortet hat, so hat das Ergebnis der Verhandlung nichts damit zu tun von der „üblichen Vorgehensweise des AStA und der Senatsliste „Eine Uni für Alle“, sich zuerst an die Presse zu wenden oder mit einer Klage zu drohen“ abzusehen. Hier sich selbst einen „Erfolg“ auf die Fahne schreiben zu wollen ist inhaltlich inkorrekt und liefert einen falschen Eindruck vom tatsächlichen Geschehen in der StuPa Sitzung. Die Presse war informiert und in der LZ erschien am 27.10.2011 ein Artikel zu dem Thema. Die von der Liste „Fakultät Wirtschaft -3 Campi, eine Liste“ getroffene Aussage, ist also vollkommen unsinnig.

Wir, die Liste QuattroFAK, hören aber jetzt nicht auf damit für den studentischen Freiraum an der Universität einzutreten. Wir werden uns nicht zurücklehnen und uns selbstzufrieden auf die Schulter klopfen, sondern die Entwicklungen in Sachen PlanB weiterhin scharf beobachten und notfalls einschreiten. Wir werden weiterhin für eine Vergrößerung des Studentischen Freiraumes und für ein reichhaltigeres Angebot für Studierende einsetzen. Besonders in einem Semester mit der bisher höchsten Zahl an Erstsemestern ist es keine Option studentischen Freiraum aufzugeben um für Büros Platz zu machen.
Wer sich mit QuattroFAK für mehr Freiraum für Engagement und Arbeit, sowie für eine zufriedenstellende Hochschulpolitik einsetzen möchte, ist herzlich zu unserem Infoabend zur neuen Listen- und Programmbildung am 1.11. um 18 Uhr im AStA-Wohnzimmer eingeladen
Die anderen sind zufrieden, wir fangen erst an!

Mit freundlichen Grüßen

QuattroFAK – Alles wird gut!
Kritisch dazu die Projektgruppe PlanB:
Anmerkung der Projektgruppe PlanB zu den gestrigen Stellungnahmen:

Alle brüsten sich mit PlanB: Die StuPa-Listen, die Unileitung. Dabei
sind es vor allem die vielen engagierten und motivierten Studis, die
PlanB konzipiert und gestaltet haben, die sich in Gesprächen mit Uni und
StuPa dafür eingesetzt haben, dass wir weitermachen können, auch
entgegen massiver Kritik und Ablehnung in den Reihen oben genannter
Institutionen. Auch wenn unsere Idee letztendlich überzeugt hat,
sprechen wir uns dagegen aus instrumentalisiert zu werden. Sowohl von
den einzelnen StuPa-Listen zum Wahlkampf als auch von der Uni für die
eigene PR. Wenn wir die seit Jahrzehnten studentisch verwalteten und
genutzten Räume behalten können ist es fragwürdig damit zu werben, dass
man die so lange von der Studierendenschaft geforderten Räume nun
endlich geschaffen hat.
Wir sehen uns weiterhin als eigenständige Projektgruppe, die weder vom
AStA noch vom StuPa oder der Uni bevormundet werden möchte, sondern
eigenverantwortliches Handeln befürwortet. Natürlich streben wir eine
produktive Kooperation mit allen genannten Institutionen an. Uns ist
bewusst, dass man gemeinsam handelnd am besten seine Ziele erreichen
kann. Daher wollen wir konsensorientiert arbeiten und unser Tun mit
allen Beteiligten kontinuierlich rückkoppeln und evaluieren.

In dem momentanen Stellungsnahmewahn droht unsere Initiative
unterzugehen. Es besteht die Gefahr, dass die großartige Motivation und
Begeisterung für das Projekt PlanB, die so viele Studis zusammengebracht
hat, gehemmt wird.

Daher bitten wir mit dieser Stellungnahme alle Beteiligten ihr Vorgehen
zu reflektieren, von weiteren Instrumentalisierungen jedweder Art
abzusehen.

Euer PlanB-Team

LeuphanaWatch denkt: Jeder wills gewesen sein. So ein Gehampel! Und welche toller Deal. In Geb. 3 zugesagte Bereiche verlieren und in Geb. 9 weniger dazu gewinnen. Verhandelt so ruhig weiter, ihr Verhandlunsexperten. Solange ihr damit zufrieden seid, ist ja alles gut.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Studentenparlament ist jetzt auch Leuphana (III)

Das Studentenparlament ist jetzt endgültig auch Leuphana Universität Lüneburg. Unter
http://www.leuphana.de/stupa
finden sich die neuen Webseiten des studentischen Gremiums.
Anbiedern an den Präsidenten?
Quelle: http://www.leuphana.de/stupa

Die optische Anpassung an das Corporate Design der Leuphana Universität Lüneburg drückt sich im gesamten Stil der Seiten aus. Sogar die Leuphana-typischen nichts-sagenden und uniformen Bilder haben ihren Eingang in die Seite der Studentenvertretung gefunden. Das führt zu absurden Kombinationen. So ist dem Thema Hochschulwahlen ein Bild einer Schülerin beim Bachelor-Informationstag zugeordnet. Zur Rubrik "Ausschüsse und Vorsitz" wird eine Bebilderung aus der Konferenzwoche des Leuphana-Semesters für passend gehalten. So nimmt sich studentische Selbstverwaltung ernst!

Auf andere Weise absurd ist das Foto auf der Unterseite mit der Selbstbeschreibung des Studentenparlaments (1). Es zeigt die als erbitterte Gegnerin des Präsidenten bekannte Senatorin Daniela Steinert (2) auf einer Mahnwache des Studentenparlaments im Sommer 2008, die unter dem Motto "Sie verlassen den demokratischen Sektor" stand und sich gegen einen Bericht der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsens und die vom Präsidium betriebene Schließung des Studiengangs Sozialpädagogik richtete (3).
Ein Bild aus besseren Tagen: Studentenparlament gegen Spoun
Quelle: per eMail erhalten

Dass ausgerechnet ein Bild von Senatorin Daniela Steinert und einer Demonstration gegen die Vorhaben von Präsident Sascha Spoun als Bebilderung für die Webseiten des aktuellen Studentenparlaments herhalten muss, dürfte allen abgebildeten Personen kaum recht sein. Selten hat sich ein Studentenparlament in den Augen langjähriger Betrachter derart unterwürfig an die Leitung der Leuphana Universität Lüneburg heran geworfen, wie es das aktuelle tut (4). Damit endet eine lange Tradition der kritischen Distanz zwischen Präsidium und Studentenvertretung. Sehr hat die interessierte Öffentlichkeit in den letzten Monaten kritische Stellungnahmen des Parlaments vermisst, wenn es um die Zumutungen geht, die das Präsidium der Leuphana Universität Lüneburg am laufenden Band produziert.

Man möchte meinen, die abgebildeten Personen rufen zu hören: Schämt ihr euch denn gar nicht? Wir wollen das Gegenteil von euch und ihr nehmt uns als Bild auf eure Webseite?

Nachweise:
(1) http://www.leuphana.de/stupa/ueber-das-studierendenparlament.html
(2) http://eineunifueralle.wordpress.com
(3) http://www.asta-lueneburg.de/fileadmin/images/asta2_0/ausgabe14.pdf
(4) LeuphanaWatch dankt für die Einschätzung.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Startwoche 2011: ein Erfahrungsbericht

Ich selbst bin Ersti und obwohl ich hier "aus der Gegend" komme, waren mir die Probleme und Sachverhalte, welche ihr [LeuphanaWatch, LW] behandelt, gerade einmal ansatzweise klar.

Von dem was man so hier und da mal hört, war ich schon nicht sonderlich begeistert über die Unileitung und deren Geschäfte, maß dem aber offensichtlich zu wenig Bedeutung bei.
Von der Startwoche an sich war ich schon im Vorfeld ebenso wenig begeistert, ging allerdings nicht von einer solchen Propagandaveranstaltung im Sinne der "Global Player" aus.
Ich war offen gestanden schockiert, als mir mehr und mehr klar wurde, was da eigentlich abläuft, wer mich da eigentlich auf "wissenschaftliche Arbeit" behauptet vorzubereiten, was für eine Ideologie da vertreten wird und so weiter und so fort.
Nachdem es ein wenig in mir gegrummelt hatte (ich wollte nicht als Querschläger auffallen), mehrten sich aber schon am ersten Tag die kritischen Stimmen innerhalb meiner Gruppe und "Kohorte".

Neben den kleinen persönlichen Eigenheiten des Herrn Keller (respektieren fremder Redezeiten, Englisch etc.) fiel mir besonders auf, dass er auf kritische, von starken Applaus begleitete Beiträge im Plenum zwar zunächst augenscheinlich gelassen reagierte, sich aber mit seinem treuen Begleiter von McKinsey & BCG immer weiter in Ausreden, Gegenfragen und nervöse Ablenkungen flüchtete.

Entgegen meiner Befürchtungen und ersten Eindrücke hat ja nun tatsächlich ein recht revolutionärer Vorschlag gesiegt (im Prinzip geht es ja um die Abschaffung der Krankenkassen an sich), was ich zunächst nicht für möglich gehalten hätte.

Trotz der unerwarteten Freiheit muss man aber dennoch beachten, welche Firmen und Konzerne sich in der Startwoche präsentieren und natürlich auch profilieren konnten. Anstatt wissenschaftlicher Arbeit, kam es hier mehr zu Wirtschafts- und Politikverhandlungen, die tatsächliche Analyse (was man meiner Meinung nach als wissenschaftlich werten und somit mehr gewichten sollte), entfiel auf eine sehr begrenzte Zeit. Zudem erinnerte die Veranstaltung leicht an meinen Politikunterricht der letzten Jahre, in welchem einem zwar die Probleme des deutschen und europäischen Systems aufgezeigt wurden, gleichzeitig aber bedeutet wurde, dass das System nicht perfekt, dennoch aber das bestmögliche sei, was sich für mich stark nach Suggestion anfühlt, sodass man gar nicht erst auf "dumme Gedanken" kommt.
Ebenso störend finde ich, dass die Verstrickungen der Unileitung mit den diversen Firmen wie McKinsey und BCG durch diese großzügige Förderung einfach legitimiert wurden. Trotz vieler kritischer Nachfragen und Diskussionen unter uns Erstis sind es immernoch viel zu viele, denen diese Verhältnisse entweder nicht klar oder sogar egal sind, denn "wir profitieren ja davon". Die Investitionen der Firmen scheinen sich also jetzt schon ausgezahlt zu haben, die Indoktrination durch BCG und Co sind perfekt, ihr Image wunderbar poliert und mit der Referenz der Leuphana kann man sich nun international schmücken, die möglichen Folgen möge sich jeder selbst ausmalen.

In allem muss ich sagen, dass die Idee der Startwoche im Prinzip eine sehr gute war, da das Themenfeld ein riesiges Diskussions- und Forschungspotential hat. Dass die Startwoche aber von Managern statt Professoren geleitet wird, macht ein neutrales Arbeiten fast unmöglich. In einer interdisziplinären Startwoche sollten diese Menschen meiner Meinung nach keine derart tragende Rolle spielen, wenn man sich der Illusion hingeben möchte, auf ein Studium und nicht die Karriere in der BCG vorbereitet zu werden.

Wenn schon das penibel gepflegte Coorporate Design der Leuphana durchbrochen wird und Wissenschaftler an der Uni in den Hintergrund treten, läuft so einiges falsch wie ich finde!

LeuphanaWatch dankt für den Beitrag, den wir per eMail erhalten haben.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Kapitulation einer Universität

Die Startwoche der Leuphana Universität Lüneburg behandelt ein sicherlich interessantes und wichtiges Thema. Vermutlich wird sie vielen Studenten aufregende Tage bereiten und die inhaltliche Arbeit Spaß machen. 'Gesundheit!' ist gleichzeitig aber auch die endgültige Machtübernahme der Unternehmensberater an der Leuphana Universität Lüneburg. Sie haben erst hinter den Kulissen und später immer offensiver eine öffentliche Bildungsinstitution nahezu vollständig unter ihre Kontrolle gebracht (LeuphanaWatch berichtete). Die Startwoche 2011 ist ihr Triumpfzug, bei dem die Macht öffentlich zur Schau gestellt wird.

Bereits gestern schrieb LeuphanaWatch über einen Brandbrief des ASTA an die Studenten. Darin wiesen die Studentenvertreter auf die wesentliche Rolle der Unternehmensberatung BostonConsultingGroup in der diesjährigen Startwoche hin. Wir haben recherchiert.

Das Team der Lehrenden besteht vollständig und ausschließlich aus Unternehmensberatern:

Holm Keller
1996 - 2002 McKinsey & Company (1)
2002 - 2006 Bertelsmann AG (1)
min. bis 2008 McKinsey & Company (parallel zur Vizepräsidentschaft) (2)

Heiko Franken
12 Jahre Partner und Geschäftsführer der BostonConsultingGroup (1)

Dr. Carsten Siebert
1999 - 2004 Mc Kinsey & Company (1)

Dr. Matthias Afting
2000 - 2006(?) McKinsey & Company (1)

Unter den sog. "Experten" befinden sich mindestens vier Personen, die aktuell bei der BostonConsultingGroup beschäftigt sind:

Dr. Markus Peterseim

Partner & Managing Director, Mitglied der Praxisgruppe Health Care und Corporate Development der Boston Consulting Group (3)

Elisabeth Hansson

Partner & Managing Director der Boston Consulting Group Schweden (3)

Graham Rich
Director of Health Services der Boston Consulting Group UK (3)

Marcel Thom
Principal der Boston Consulting Group Schweiz (3)

Wie viele weitere Experten bereits entscheidende Positionen bei den großen Unternehmensberatungen inne gehabt haben, konnten wir aufgrund der hohen Zahl von Personen nicht überprüfen. In der Bewertungskommission für die Vorschläge zur Verbesserung des Gesundheitswesens besetzen Unternehmensberater jedenfalls gleich zwei von fünf Plätzen:

Dr. Axel Heinemann
"Seit 1993 arbeitet Dr. Axel Heinemann bei der Boston Consulting Group. Aktuell ist er Senior Partner und geschäftsführender Direktor und leitet die deutsche und schweizerische Praxisgruppe Health Care." (4)

Prof. Dr. Jürgen Kluge

1999 - 2006 Leiter der Unternehmensberatung McKinsey & Company Deutschland (4) In diesem Zeitraum befasste er sich u.a. mit dem deutschen Bildungssystem (5)

Damit nicht genug. Als Förderer der Startwoche taucht die BCG ebenfalls auf. (6) Was dem Fass den Boden ausschlägt, ist folgendes: Alle Erstsemester bekamen ein Heft mit dem Titel "Das deutsche Gesundheitssystem" überreicht. In bestem BostonConsulting-Grün gehalten "informieren" die Unternehmensberater alle Erstsemester. Auf der Titelseite prangt in fetten Buchstaben "BCG", weiter unten "TheBostonConsultingGroup". Neben der Abkürzung ist ein Leuphana-Logo. Beim Umblättern stößt Student auf ein Selbstportrait der BCG und eine Auflistung der Autoren. Es handelt es sich bei Nicolas Busch, Bianca Drebber (ehem. Mitarbeiterin Dr. Wuggenig (7) & WHK im Präsidium (8)), Ninon Latzitis, Felix Wagner und Christian Zischek um Mitarbeiter der BCG. Wenige Seiten weiter begrüßen der Vorsitzende der Geschäftsführung der BostonConsultingGroup Christian Veith und Vizepräsident und McKinsey-Berater Holm Keller die Studenten. Auf jeder der folgenden Seiten findet sich am unteren Rand der Schriftzug "TheBostonConsultingGroup". (9)

Wer die Marketingabteilung der Leuphana Universität Lüneburg kennt, muss sich wundern. Wo peinlich genau auf die Einhaltung des Corporate Designs geachtet wird, ist plötzlich ein grünes Heft kein Problem? Es scheint, als stünde der ein oder andere über dem (Marketing-)Gesetz.

LeuphanaWatch fasst zusammen: Unternehmensberater, soweit das Auge reicht. Designvorgaben der Leuphana Universität Lüneburg vollkommen unwichtig. Die Startwoche ist fest in den Händen von McKinsey und BostonConsultingGroup. Es ist die Bankrotterklärung einer öffentlichen Universität, die ihre Erstsemester den Denkmustern und Weltbildern dieser Unternehmen überlässt. Noch schlimmer ist freilich, dass der andernorts erwartbare Aufschrei der Wissenschaftsgemeinschaft scheinbar ausbleibt. Es ist die Kapitulation einer öffentlichen Universität. Noch nie haben wir das "Universität Lüneburg" hinter Leuphana so dick und so dringend durchstreichen müssen, wie in diesen Tagen. Was hier passiert ist das Assessment Center respektive die Kaderschmiede eines Wirtschaftszweiges und nicht mehr Universität. Es ist Leuphana Universität Lüneburg in Perfektion.

Quellen:
(1) http://www.leuphana.de/no_cache/college/bachelor/leuphana-semester/startwoche/lehrende-team.html
(2) http://www.asta-lueneburg.de/fileadmin/images/asta2_0/sonderausgabe_holm_keller_online_teil2.pdf (Seite 34)
(3) http://www.leuphana.de/no_cache/college/bachelor/leuphana-semester/startwoche/experten.html
(4) http://www.leuphana.de/college/bachelor/leuphana-semester/startwoche/experten/bewertungskommission.html
(5) http://de.wikipedia.org/wiki/Jürgen_Kluge
(6) http://www.leuphana.de/no_cache/college/bachelor/leuphana-semester/startwoche/foerderer.html
(7) Abzuleiten aus http://www.turia.at/pdf/inh_translate1.pdf (Seite 2)
(8) Autorin des Dokuments www.naw.din.de/.../N1555_Anmeldung_ %20Nitrat%20Ringversuch%202009_05.doc ist "Wissenschaftliche Hilfskraft Präsidiumsbüro / Bianca Drebber".
(9) Wir danken allen Einsendern für ihre Hinweise und das umfangreiche Belegmaterial.

Montag, 10. Oktober 2011

Josef Lange kommt!

Am 11. Oktober kommt Josef Lange, Staatssekretär im Wissenschaftsministerium, an die Leuphana Universität Lüneburg. Hier wird er ein Parkhaus, eine handvoll Hausmeisterräumlichkeiten und die ASTA-Fahrradwerkstatt neben der Mensa einweihen.

Selten hat ein Staatssekretär eine so wichtige Aufgabe wahrgenommen. Aber warum kommt Lange wirklich nach Lüneburg? Der in der Hochschulbranche erfahrene Mann (1) ist eng mit der Leuphana Universität Lüneburg verknüpft. Er gilt als einer der wichtigsten Unterstützer des Kurses von Sascha Spoun und Holm Keller.

So präsentiert Lange das Leuphana-Konzept als Musterbeispiel des Landes Niedersachsen auf Konferenzen (2). Er springt als Landesvertreter ein, wenn "Prominente" benötigt werden, so z. B. beim Essaywettbewerb 2009 (3). Entscheidend ist Langes Engagement für bedeutende politische Weichenstellungen, bei denen er teilweise in erster Reihe, teilweise hinter den Kulissen tätig ist. Beispielsweise sitzt Josef Lange in der Strukturkommission, welche die Millionen des Innovationsinkubators verteilt (4). Oder er erscheint in Lüneburg, um Vizepräsident Holm Keller aus der Patsche zu helfen (5). Im Stiftungsrat soll Lange in der Vergangenheit mit schöner Unregelmäßigkeit erschienen sein, wenn Entscheidungen auf der Kippe standen und Spoun und Keller Unterstützung brauchten.

Wenn Josef Lange nun zur Eröffnung eines Parkhauses und ein paar anderer Räume extra nach Lüneburg kommt, bedeutet das vor allem eins: Symbolik. Die Botschaft wird lauten: es tut sich was beim Audimax, das Projekt hat längst begonnen. Finanzielle Zweifel und Korruptionsverdacht hin oder her, es ist nichts mehr zu stoppen. Diese Botschaft scheint offenbar nötig.

Quellen:
(1) http://www.mwk.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=6272&article_id=19099&_psmand=19
(2) http://www.fachportal-paedagogik.de/fis_bildung/suche/fis_set.html?FId=870463
(3) http://www.leuphana.de/college/bachelor/leuphana-semester/essaywettbewerb/archiv-essaywettbewerbe/essaywettbewerb-2009.html
(4) http://idw-online.de/pages/de/news366882
(5) (Seite 30 ff.) http://www.asta-lueneburg.de/fileadmin/images/asta2_0/sonderausgabe_holm_keller_online_teil2.pdf