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Freitag, 30. März 2012

Leuphana-Denkerei: unter Freunden

Die Leuphana Universität Lüneburg kooperiert mit der Denkerei, dem Amt für Arbeit an unlösbaren Aufgaben und Maßnahmen der hohen Hand in Berlin. Die derzeit scheinbar recht einseitige Nutzenverteilung dieser Kooperation ist überaus pikant. Über den Kooperationsvertrag entschied allen Anschein nach das Präsidium. Senat und andere Gremien wurden erst nach Abschluss informiert (1). Vizepräsident Holm Keller soll eine entscheidende Rolle bei der Einfädelung des Deals gespielt haben (2). Und das, wo im Personal der Denkerei alte Bekannte von Keller anzutreffen sind! Es ist eine Konstellation, die für Gesprächsstoff sorgen könnte. Dabei ist es nicht der erste Fall, in dem personelle Überschneidungen ans Licht kommen.

Denkerei-Denker und Philosoph Peter Sloterdijk leitet die staatliche Hochschule für Gestaltung (HfG) in Karlsruhe (3). Diese ist mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) eng verbandelt, welches von Denkerei-Kollege Peter Weibel geleitet wird (4). Beide Personen sind keine Unbekannten, waren gemeinsam mit Vizepräsident Holm Keller bei der Bewerbung der Stadt Karlsruhe zur europäischen Kulturhauptstadt 2010 aktiv (5). Keller holte sie dann auch in die Berufungskommission für Daniel Libeskind an die Leuphana Universität Lüneburg, als zuverlässige Personen nötig waren (ohne Libeskind kein Audimax). Der ASTA schrieb dazu:
"Alle drei externen Mitglieder (dieser Berufungskommission, LW) haben schon mit Daniel Libeskind gemeinsame Projekte durchgeführt: Der Philosoph Peter Sloterdijk mit Spoun, Keller und Libeskind an der Uni St. Gallen. Peter Weibel mit Keller und Libeskind bei der Bewerbung von Karlsruhe zur Kulturhauptstadt 2010. (...) (6)"
Karlsruhe scheint die entscheidende Schnittstelle zu sein. An der HfG betrieb auch Daniel Libeskind ein "Research Studio" (7) und war dort Professor (8). Es erscheint wahrscheinlich, zumindest nicht ausgeschlossen, dass Keller aus seiner Zeit in Karlsruhe auch Ober-Denker Bazon Brock kennt. Der leitet dort einen Studiengang und bildet mit Sloterdijk und Weibel zusammen "Profi-Bürger" aus (9, 10). Auch Denkerei Mitgründer Wolfgang Ullrich hat eine Professur an der Hochschule in Karlsruhe (11).

Fast entsteht der Eindruck, ein paar untereinander bekannte Personen hätten sich gemeinsam mit ihrer Denkerei nach Berlin aufgemacht. Als Privatvergnügen quasi, alles selber und privat bezahlt (10). Aber warum dann die Kooperation mit der Leuphana Universität Lüneburg und nicht mit der Hochschule in Karlsruhe? Die hätte sich doch angeboten, wo das Spaß-Amt die Ergänzung eines ihrer Studiengänge sein soll. Vielleicht sieht man in Karlsruhe so viel Überschneidung zwischen öffentlichen Funktionen und privatem Vergnügen nicht so gern? Hinzu kommt, dass Bazon Brock nach eigener Aussage bislang immer nur Geld von "ein paar Freunden" bekommen hat (10). Die Leuphana Universität Lüneburg mit ihrer scheinbar indirekten finanziellen Unterstützung der Denkerei erwähnte Brock in einem Interview zur Eröffnung des Amtes nicht (10). Warum?

LeuphanaWatch fragt: Ist Bazon Brock da ein Fehler unterlaufen und er hat die Kooperation glatt vergessen (obwohl sie sogar an der Fassade in Berlin steht)? Vielleicht zählt die Leuphana Universität Lüneburg jetzt auch schon zum Freundeskreis? Oder wird die Unterstützung gar als persönlicher Beitrag von Holm Keller zum Projekt gewertet?

Belege:
(1) Das legt das Protokoll des Senats vom 16.11.2011, Punkt 3.7 nahe.
(2) LeuphanaWatch dankt für den Hinweis. Keller trat auch bei der Eröffnung für die Leuphana Universität Lüneburg auf (siehe http://www.bazonbrock.de/werke/detail/?id=2575).
(3) http://de.wikipedia.org/wiki/Staatliche_Hochschule_f%C3%BCr_Gestaltung_Karlsruhe
(4) http://de.wikipedia.org/wiki/Zentrum_f%C3%BCr_Kunst_und_Medientechnologie
(5) http://www1.karlsruhe.de/Aktuell/News05/jury_2010.htm
(6) http://www.asta-lueneburg.de/fileadmin/images/asta2_0/sonderausgabe_campusentwicklung_online.pdf - Seite 32
(7) http://www.hfg-karlsruhe.de/features/daniel-libeskind-research-studio.html
(8) http://daniel-libeskind.com/daniel
(9) http://de.wikipedia.org/wiki/Bazon_Brock
(10) http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1622358/
(11) http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Ullrich_%28Kunsthistoriker%29

Sonntag, 18. März 2012

Neuer ASTA setzt auf Dialog, aber muss auch streiten

Die neuen Sprecher des ASTA (LeuphanaWatch berichtete) setzen auf eine "Strategie des Dialogs". Das berichtet die Landeszeitung (1). Insgesamt will der ASTA weniger nach außen wirken, sondern sich auf die Studenten fokussieren. Er will neue Aktive gewinnen, sich dabei insbesondere um Masterstudenten bemühen und auch in Volgershall und im Roten Feld präsent sein (1).
"Wir wollen uns als offen präsentieren, alle Studenten ansprechen und erklären, was der AStA ist und was er tut", sagt Tanja Mühle. (1)
Auch einige Themen benennt das neue Spitzentrio: mit dem Präsidium über einen achtsemestrigen Bachelor sprechen, am autoarmen Campus mitarbeiten, die Busanbindung verändern und an der Raumplanung der Leuphana Universität Lüneburg mitwirken (1). Der Fokus des neuen Personals scheint sehr klar: Mitarbeit, Gespräche, Kooperation. Das sieht auch die LZ:
Die neuen Studentenvertreter kündigen an: Sie setzen auf eine Strategie des Dialogs, sowohl mit den Studenten als auch mit der Hochschulleitung. Mit dem Uni-Präsidenten Sascha Spoun habe bereits ein konstruktives Gespräch stattgefunden, berichtet Kevin Kunze. Auch mit dem Ombudsmann des Präsidiums, Thies Reinck, wollen sich die Studentenvertreter intensiv austauschen. Der Akzent scheint auf Gesprächen zu liegen statt auf Grundsatzkritik. (1)
LeuphanaWatch denkt: Es ist sinnvoll, mit wichtigen Amtspersonen Gespräche zu führen. Nur so ist es auch möglich, neue Ideen in den Umlauf zu bringen und diese näher zu erläutern. Nur dürfen Gespräche nicht als inhaltliche Position angesehen werden, sondern als Mittel zum Zweck. Wichtig ist dabei, die eigenen Positionen unmissverständlich zu vertreten und für die eigenen Ziele einzutreten. Es dürfen nicht aus falscher Rücksicht auf eine wenig greifbare "Gesprächsatmosphäre" Abstriche an der eigenen Position erfolgen - oder Themen gar nicht erst angesprochen werden. Wenn Grundsatzkritik nötig ist, dann muss sie auch erfolgen. Gegen Kompromisse und gemeinsame Teilziele ist nichts einzuwenden, aber Kompromisse bedeuten immer Bewegung bei allen Gesprächspartnern. Es bleibt abzuwarten, ob eine solche Bewegung bei unterschiedlichen Auffassungen in zentralen Fragen auf Seiten des Präsidiums zu beobachten sein wird.

Dialog oder Konfrontation, in jedem Fall ist dem neuen ASTA eine ausgeprägte Streitkultur zu wünschen:
Streitkultur zu besitzen bedeutet: mit Worten und Medien den eigenen Standpunkt vertreten zu können, ohne dem Anderen abzusprechen, dass auch er einen abweichenden Standpunkt besitzt und besitzen darf. Streitkultur schließt ferner die Überzeugung ein, dass der Streit grundsätzlich Positives bzw. Bedeutendes hervorbringen kann, da er alte Normen und Fakten in Frage stellt und nach der Möglichkeit von Alternativen Ausschau hält, unabhängig davon wie nützlich oder angemessen das Bewährte auch ist. (2)
In einer demokratischen Gesellschaft haben Menschen verschiedene Meinungen, die Demokratie lebt von politischer Auseinandersetzung. Deshalb ist eine gesunde Streitkultur wichtig und wenn nötig sollte ein Streit auch geführt werden. Das muss keine Verschlechterung des Gesprächsklimas bedeuten, wenn alle beteiligten Parteien den Wert des Streits teilen. Es ist zu hoffen, dass die neuen ASTA Sprecher diese Erfahrung machen können. Tritt aber eine Ablehnung inhaltlichen Streits bzw. eine dadurch bedingte Klimaverschlechterung auf, dann heißt es Flagge zeigen und trotzdem Standpunkte vertreten. Auch wenn der angestrebte Dialog dadurch schwieriger oder unmöglich wird.

Nicht überall sind der inhaltliche Streit und die Kompromissuche akzeptiert: In autokratischen Systemen wird ein Streit um inhaltliche Positionen als "Schwächung der Gemeinschaft bzw. als Abweichung von akzeptierten und stabilisierenden Normen gewertet." (2) Damit dürfte sich eine Studentenvertretung aber keinesfalls arrangieren. Ihr kommt immerhin zu Gute, dass es in unserer Gesellschaft für streitbare Positionen weithin große Unterstützung quer durch die politischen Lager gibt. "Kuschelpolitik" steht nicht so hoch im Kurs, wie es manchmal den Anschein hat oder wie einige Menschen glauben oder glauben machen wollen. Das gilt gerade auch in Hochschulen, die um den richtigen Weg in die Zukunft ringen müssen. Zur Bedeutung von Kontroverse sagte vor Kurzem noch der CDU-Politiker Kurt Biedenkopf:
Gott sei Dank sagt mal jemand Dinge, die kontrovers sind. (...) Ohne Streit gibt es keinen Fortschritt. Ohne Streit gibt es keine Bewegung in der Gesellschaft. Ohne Streit gibt es auch keine Reformen. Also es muss gestritten werden und wir werden in den nächsten Jahren viel mehr streiten müssen als es uns lieb ist. (3)
In diesem Sinne wünscht LeuphanaWatch dem neuen ASTA viel Streit mit dem Präsidium.

(1) http://www.landeszeitung.de/lokales/lueneburg/news/artikel/trio-setzt-auf-strategie-des-dialogs/
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Streitkultur
(3) Zum Bundespräsidenten Gauck, in der Sendung "Maybrit Illner" am 15.03.12 ab Minute 40: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/414#/beitrag/video/1594906/maybrit-illner:-Gauck-for-President

Montag, 20. Februar 2012

Heiko Franken bald Leuphana-Vizepräsident?

Im Mai endet die Amtszeit von Präsident Sascha Spoun und dem hauptamtlichen Vizepräsidenten Holm Keller. Während Spoun im vergangenen Jahr für eine weitere Amtszeit wiedergewählt wurde, scheiterte Kellers Verlängerung zunächst (LeuphanaWatch berichtete). Nach einem unwürdigen Tauziehen sollte Keller als Vizepräsident in 50% Teilzeit wiederbestellt werden. Gegen diese Variante ist noch immer eine Klage beim Oberverwaltungsgericht Niedersachsen anhängig, die Entscheidung steht noch aus. In jedem Fall ist im Mai ein hauptamtlicher Vizepräsident in 50% Teilzeit zu besetzen - oder aber es ist bei einem Sieg der Senatoren vor dem OVG erneut über die gesamte Vollzeitstelle abzustimmen. In jedem Fall wird neues Personal benötigt.

In den vergangenen Wochen und Monaten häufen sich die Indizien, dass das Präsidium der Leuphana Universität Lüneburg den derzeitigen Geschäftsführer der Professional School, Heiko Franken, als neuen hauptamtlichen Vizepräsidenten aufbauen will.

Ein für die Öffentlichkeit sichtbares Indiz druckte die Lünepost am vergangenen Wochenende ab. In einem größtenteils wörtlich aus einer Pressemitteilung der Leuphana Universität Lüneburg (1) übernommenen Artikel zum Baubeginn des Audimax (2) darf sich neben Holm Keller auch Heiko Franken äußern:
Der Leiter der Professional School, Heiko Franken, ist zufrieden: "Ich habe ein gutes Gefühl." (2)
Es ist die einzige Ergänzung zur Pressemitteilung, welche die Lünepost vorgenommen hat. Inhaltlich hätte getrost auf sie verzichtet werden können, denn Neuigkeiten kann Heiko Franken nicht beitragen. Man könnte meinen, der Name hätte in der Öffentlichkeit platziert werden sollen. Denn warum kommt ausgerechnet der Geschäftsführer der Professional School zu Wort?

Auf der gleichen Seite berichtet die Zeitung über ein erstes Projekt des Innovationsinkubators, welches jetzt abgeschlossen wurde. Wie der Bereich Campusentwicklung gehört auch der Inkubator zum Aufgabenbereich von Holm Keller, dem hauptberuflichen Vizepräsidenten für "Innovations-Inkubator und Universitätsentwicklung" (3). An dieser Stelle ist fast das gleiche Spiel zu beobachten. Erneut wird Heiko Franken als Experte präsentiert:
So ist das erste abgeschlossene Inkubator-Projekt wohl als erfolgreich zu bezeichnen, wie auch Heiko Franken von der Professional School betont: "Hier wurden vier neue Arbeitsplätze geschaffen - mal sehen, wie es mit den anderen rund 50 Projekten weitergeht..." (4)
Dieses Mal wird Franken sogar mit Bild abgedruckt, darunter noch einmal das Zitat in leicht anderer Formulierung. Zum Projektteam gehört der Geschäftsführer der Professional School aber offensichtlich nicht (5). Auch in der Pressemitteilung der Leuphana Universität Lüneburg kommt er nicht vor (6). Trotzdem darf er im Artikel quasi die Rolle des eigentlich zuständigen Holm Keller übernehmen und die Gesamtsicht für den Inkubator vertreten.

Wie aus Uni-Kreisen zu hören ist, fällt Heiko Franken bereits seit längerem durch seine anscheinend ungewöhnlich häufige Präsenz bei allgemeinen Veranstaltungen auf, z.B. in der Reihe "Leuphana auf dem Weg". Hinter vorgehaltener Hand wird heftig über mögliche Motivationen diskutiert. Beobachter vermuten, es ginge bereits darum Gesicht zu zeigen und ein Image als "Kandidat des Hauses" aufzubauen (7).

Als Unternehmensberater würde Heiko Franken jedenfalls gut zum Duo Spoun / Keller passen oder könnte Keller gar ersetzen. Seine langjährige Tätigkeit in herausragender Position bei der Boston Consulting Group würde in Ergänzung zum McKinsey-Manager Keller beide großen Unternehmensberatungen an die Leuphana Universität Lüneburg binden. Hinzu käme durch den ähnlichen beruflichen Background beider Personen eine vermutlich relativ unkomplizierte Zusammenarbeit. Das zeigte sich schon in der letzten Startwoche, wo Franken Teil des Lehrendenteams war, sein ehemaliger Arbeitgeber von zentraler Bedeutung (LeuphanaWatch berichtete). Möglicherweise könnte er die nächste Startwoche ganz von Keller übernehmen, der bei den Studenten nicht besonders gut ankam.

Sollte Heiko Franken Ambitionen als Vizepräsident hegen, ist darüber hinaus die Zeit auf seiner Seite. Nach einem Urteil des OVG in der Causa Keller wird in jedem Fall unabhängig vom Ausgang eine Stellenausschreibung nötig sein. Zeitlich wird das bis Mai sehr knapp, so dass sich die Zahl der Bewerbungen in Grenzen halten dürfte. Eine hausinterne Lösung bietet da vordergründig einen gewissen Charme. Ob sich die Leuphana Universität Lüneburg allerdings einen weiteren Unternehmensberater in der Leitungsebene installieren möchte, wird noch zu diskutieren sein.

LeuphanaWatch wird die Angelegenheit weiter im Auge behalten.

Quellen:
(1) http://www.leuphana.de/aktuell/archiv-startseiten-news/zulassungsbescheid-libeskind-bau.html
(2) "Audimax-Bau startet jetzt", Lünepost 18./19. Februar 2012, Seite 3
(3) http://www.leuphana.de/holm-keller.html
(4) "Neue Arbeitsplätze durch Uni-Inkubator", Lünepost 18./19. Februar, Seite 3
(5) http://www.leuphana.de/professional-school/wissenstransfer/forschung-entwicklung/im-inkubator/operations-excellence.html
(6) http://www.leuphana.de/aktuell/meldungen/ansicht/datum/2012/02/16/erstes-inkubator-projekt-erfolgreich-abgeschlossen.html
(7) LeuphanaWatch dankt für den Hinweis.

Montag, 12. Dezember 2011

Akademisches Wahlergebnis ist da

Das Ergebnis der akademischen Wahlen an der Leuphana Universität Lüneburg ist da. Der späte Zeitpunkt liegt darin begründet, dass der Wahlausschuss das Ergebnis erst heute festgestellt hat. Es ist hier als ZIP-Datei herunterzuladen.

Im neuen Senat (Amtszeit ab 1.4.2012) gibt es bedeutende Veränderungen. So hat u.a. der profilierte Spoun/Keller-Kritiker Prof. Maset seinen Senatssitz verloren. Generell scheinen eher präsidiumsfreundliche Personen in den Senat gewählt worden zu sein. Am deutlichsten ist dies bei den Studenten sichtbar. Zu ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt hat die Liste der Fakultät Wirtschaft / Fachschaft BWL ("LEUPHANA gemeinsam gestalten!") die Mehrheit der studentischen Sitze errungen. Mit 1338 Stimmen siegte sie deutlich gegen die Nachfolgeliste von Eine Uni für alle ("AKUT - Alternativ Kritisch Unabhängig Transparent") mit 820 Stimmen. Somit besetzt die Fachschaft BWL 2 Plätze, AKUT nur noch einen. Allerdings bleibt dem Präsidium mit Senatorin Daniela S. seine schärfste Kritikerin erhalten. Sie wurde - nicht zum ersten Mal - wiedergewählt.

Eine ausführliche Analyse des Wahlergebnisses wird durch die Listen in der nächsten Zeit erfolgen müssen. Besonders die kritischen Studenten aus dem Senat müssen sich fragen, wie es zu dieser dramatischen Stimmenverschiebung kommen konnte. Erklärungsansätze kann es viele geben. Einige Gedanken:
  • die politische Ausrichtung wird grundsätzlich nicht geteilt, das Programm war zu "radikal"
  • der gefahrene harte Konfrontationskurs der letzten Amtszeit verschreckte Wähler (grundsätzlich oder weil unzureichend vermittelt)
  • der Listenname schreckte potenzielle Wähler der "Mitte" ab
  • erstmals gelang es der Wirtschaftsliste, auch vereinzelte Studenten anderer Fakultäten in ihre Liste einzugliedern
  • 'Kleinvieh macht auch Mist'; viele Kandidaten auf einer Liste ziehen viele Stimmen, weil man eher jemanden kennt - die Fachschaft mit klarem Vorteil
  • das Auslaufen der alten Studiengänge hat viele kritische Wähler wegfallen lassen
  • schlechterer Wahlkampf
Viele Gründe mag es geben. Der Kampf um die Deutungshoheit des Wahlergebnisses wird jedenfalls bald beginnen. Klar ist aber bereits jetzt: Die Opposition des Präsidenten hat einen schweren Schlag einstecken müssen. Nun bleiben als prominente Kritiker nur noch die wiedergewählte und frisch bestätigte Senatorin Daniela, der ASTA (wird allerdings bald neu gewählt, die Karten werden also neu gemischt) - und wir.

LeuphanaWatch verrät: Wir bleiben dran, denn nun sind wir nötiger denn je! Das zeigen auch die Zugriffszahlen.

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Wahlgeschenke für die Unterstützer?

Wahlkampfzeiten sind immer aufregend, aber kaum derart abstrus wie dieses Jahr. Nun mischt sich auch das Präsidium massiv in den Wahlkampf ein: Herr Spoun und Herr Keller machen deutlich, mit welcher Liste (die sowohl für das Studierendenparlament, den Fakultätsrat, wie für den Senat antritt) sie vorrangig zusammen arbeiten möchten.

Heute verschickte das Präsidium folgende Nachricht:

Liebe Studierende,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

schon länger ist bekannt, dass es auf dem Campus an einem vielseitigeren Café-Angebot mangelt. Es fehlt derzeit an Bereichen, die zum Verweilen einladen und an weiteren Möglichkeiten, in gemütlicher Atmosphäre und zu günstigen Preisen Kaffee, Kuchen und Snacks zu genießen.

Da sich diese Situation erst mit der Fertigstellung des Zentralgebäudes 2014 ändern würde, ist auf Initiative der Fachschaft Business, Economics & Management die Idee entstanden, in der Mensa eine zusätzliche Cafeteria einzurichten. Hierzu haben in den letzten Wochen Gespräche zwischen Hochschulleitung und Studentenwerk Ostniedersachsen stattgefunden. Wir freuen uns sehr, Sie bereits frühzeitig über ein erstes Ergebnis dieser Planungen informieren zu können. Eine Konzeptskizze finden Sie im Anhang.

Die Überlegungen sehen vor, eine Cafeteria im vorderen Bereich der Mensa neu einzurichten. In dieser Cafeteria sollen Frühstück, Mittagessen (Bio-Mensa), Abendessen sowie durchgängig eine erweiterte Auswahl z.B. an Snacks, Getränken, Kaffeespezialitäten und Obst angeboten werden. Die Öffnungszeiten sollen verlängert werden; vorgesehen ist ein durchgehender Betrieb im Zeitraum von 8 bis 20 Uhr, je nach Bedarf ggf. sogar bis 21 Uhr.

Die Gestaltung der Cafeteria sieht einen gemütlichen Lounge-Bereich an der vorderen und der seitlichen Fensterfront der Mensa vor. In diesem Bereich sollen großzügige Sitzgelegenheiten mit Sofas und Lounge-Tischen entstehen. In der Mitte der Cafeteria wären Tische mit Einzelstühlen vorgesehen. Insgesamt sollen 74 Sitzplätze geschaffen werden.

Die Cafeteria selbst soll mit einer Multifunktionstheke ausgestattet werden, die je nach Bedarf als Bar- oder als Speiseausgabe verwendet werden kann. Nach derzeitigem Planungsstand würde die Cafeteria die bisherigen Ausgabestellen der Bio-Mensa und der Abend-Mensa ersetzen. Als Ausstattung ist u.a. eine neue, professionelle Siebträgerkaffeemaschine vorgesehen. Damit kann eine deutliche Verbesserung des Kaffeeangebotes in der Mensa zu günstigen Preisen erreicht werden. Die Preisgestaltung soll sich an den üblichen Preisen des Studentenwerks orientieren.

Das Präsidium hat sich bereits dafür ausgesprochen, den vorliegenden Konzeptentwurf weiterzuentwickeln und in die Planungen der Campusentwicklung zu integrieren. In den nächsten Wochen finden daher weitere Gespräche statt, um die inhaltliche und bauliche Planung weiter auszugestalten. Das Präsidium möchte alle Universitätsmitglieder einladen, ihre Meinungen und Ideen einzubringen. Anmerkungen, Wünsche und Hinweise zu den Planungen können Sie gerne an Herrn Müller in der Stabsstelle Campusentwicklung richten (thomas.mueller@leuphana.de).

Über eine erfolgreiche Umsetzung der neuen Cafeteria – ggf. schon zum nächsten Frühjahr – freuen wir uns.

Mit herzlichen Grüßen
Sascha Spoun
Holm Keller

Konzept Cafeteria: http://myshare.leuphana.de/380548c3b2ee26586fced0aba31fec81
Verantwortlich für diesen Newsletter: Hochschulleitung

Da tauscht zunächst die Universität in einer Nacht- und Nebelaktion die Schlösser der AStA-Räume aus, weil sie erfahren, dass Studierende einen Freiraum öffnen wollen auch mit der Option, dort Getränke anzubieten. Nun positioniert sich das Präsidium erneut als diejenigen, die neuen Raum schaffen möchten und eröffnet sogar ein eigenes Cafè. Nicht vergessen werden darf hier, dass die Mensa in der Mittagszeit bereits jetzt vollständig belegt und auch außerhalb der Stoßzeiten oft als Lese- und Lernraum wahrgenommen wird. Auch mit Sofas und neuer Einteilung wird die Mensa weder größer, noch anderweitig neue Fläche geschaffen.

Aus dem Brief geht hervor, dass die Gremien der Verfassten Studierendenschaft, die nicht bestimmte Studiengänge, sondern alle Studierenden vertreten - Studierendenparlament und AStA - vom Präsidium nicht beteiligt wurden. Offensichtlich hat auch die Fachschaft Business, Economics & Management eine solche gemeinsame Initiative von Studierenden und Präsidium nicht in das Studierendenparlament getragen (obwohl sie als Liste im Parlament vertreten sind). Die Detailplanung, die bereits vorgenommen wurden, macht deutlich, dass weitere Partizipationsmöglichkeiten nicht vorgesehen sind. Angesichts dieses Arbeitsstandes mutet es sehr unpassend an, dass die Fachschaft Business, Economics & Management heute auf dem studentischen Markt der Möglichkeiten Fragebögen zu einem solchen Cafè verteilt hat, die den Eindruck suggerieren, hier sei es noch möglich, über Grundsätze mit zu entscheiden.

Interessant ist auch die (Nicht)-Rolle des Studentenwerkes, immerhin hat es die Hoheit über die Mensa inne und soll nun einem Cafè weichen. Als Holm Keller das letzte Mal im Zusammenhang mit dem Zentralgebäude von einem solchen Cafè sprach, war dies dem Studentenwerk nicht bekannt. Damals wurden Pläne öffentlich, die die Essensversorgung im Zentralgebäude betrafen. Auch hier war von 100% Bio die Rede und von studentischen Räumen. Bereits damals war das Studentenwerk nicht beteiligt worden, nun geht es ihnen auch noch an die eigenen Räume.

LeuphanaWatch denkt:
Lässt sich die Fachgruppe Business, Economics & Management vom Präsidium für eine alte Idee instrumentalisieren, um dieser den Anschein studentischer Legitimation zu geben? Das Präsidium arbeitet mit ihrem Vorgehen gezielt an der Spaltung und Polarisierung der Studierenden. Dass eine einzelne Fachschaft jetzt der vorrangige Ansprechpartner für das Präsidium wird, zeigt, dass sich Spoun und Keller im Wahlkampf klar positionieren möchten. Die Fachschaft Business, Economics & Management hingegen scheinen sich nicht dafür zu schade zu sein, sich vom Präsidium nach Belieben instrumentalisieren zu lassen (bereits eindrücklich bewiesen bei der Aktion "Spoun4President"). Dass sie dabei den Kodex verletzen, bei Angelegenheiten, die alle betreffen, auch alle (Studierende, Mitarbeitende etc.) mit ein zu beziehen, stört sie dabei nicht.

Mittwoch, 16. November 2011

Absolventenfeier vs. Castor

Die diesjährige Graduiertenfeier der Leuphana Universität Lüneburg könnte ungünstiger nicht terminiert sein. Sie soll in genau zehn Tagen am 26.11. stattfinden [1] und damit an genau dem Wochenende, an dem ein Castor-Transport mit hochradioaktivem Atommüll im nahen Gorleben erwartet wird. Während also fast die ganze Region auf den Beinen ist, um an den geplanten Protesten und der ab 12:30 Uhr in Dannenberg stattfindenden Großkundgebung teilzunehmen [2], sollen Absolventen der Leuphana Universität Lüneburg als Gestalter der Zivilgesellschaft des 21. jahrhunderts strahlend ihre Urkunden entgegen nehmen. Dabei rufen in Lüneburg seit Wochen der ASTA und ein breites Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Umweltverbänden, Kirchen und weiteren Gruppen zur Teilnahme an den Protesten und der Großdemonstration auf.

Die Terminüberschneidung von Feier und Castorprotest hat innerhalb der Hochschule in den vergangenen Wochen zu Verstimmungen geführt. Dem Vernehmen nach sind Studenten und Professoren insbesondere aus der Fakultät Nachhaltigkeit ungehalten über die Terminauswahl durch das Präsidium. Die Fachschaft Umweltwissenschaften sah sich zu einer Stellungnahme veranlasst, nachdem sie über den universitären eMail-Verteiler für die Unterstützung der Absolventenfeier kritisiert worden war. Die Studentenvertreter schreiben:
Als Fachschaft werden wir uns natürlich bemühen, dass der dezentrale Teil für alle Absolventen so schön wie möglich wird. Wir stehen deswegen in Absprache mit dem Dekanat und sind bei den Sitzungen seitens der Universität dabei.
Was wir jedoch nicht beeinflussen können ist das Datum. Wir wissen um die Problematik bezüglich des Castorwochenendes und sind selber unglücklich mit der Wahl des Zeitpunktes. Dennoch sollten wir dem Präsidium hier keine Absicht unterstellen.

Es ist bisher nicht klar, wer von euch den Castorprotest der eigenen Zeugnisübergabe vorziehen würde – in jedem Fall arbeiten wir als Fachschaft dafür, dass eine Verabschiedung der Absolventen durch die Fak N an diesem Tag möglich sein wird.

Auch dem Dekanat und der Universität ist das Problem der Überschneidung bereits bekannt und sie sind nicht besonders erfreut darüber. Doch auch die Fakultät kann nichts an dem Termin ändern und von Seiten der Organisationsteams der Feier konnte der Termin – nach Bekanntgabe des Castortermins – auch nichts mehr verschoben werden.

Wir als Fachschaft hätten nun nur noch die Wahl, die Feier nicht zu unterstützen. Davon wollen wir allerdings Abstand nehmen, da wir für unsere Studierenden und auch für die Absolventen genau in solchen Fällen da sein sollten. (...)

Letztendlich möchten wir natürlich jedem überlassen seine Prioritäten selbst zu setzen.
Wir freuen uns darauf, bekannte Gesichter sowohl auf der Graduiertenfeier als auch bei den Castor-Aktionen zu sehen.

Engagiert euch!

Beste Grüße
eure Fachschaft Umwelt- und Nachhaltigkeitswissenschaften [3]
LeuphanaWatch denkt: Da hat das Präsidium schon die Landesvorsitzende der Hamburger Grünen (GAL) unten seinen Mitarbeitern [4] und schafft es trotzdem nicht, einen der wichtigsten Termine unserer Region rechtzeitig zu bemerken.

Belege
[1] http://www.leuphana.de/alumniportal/veranstaltungen/graduiertenfeier.html
[2] https://www.gorleben-castor.de/
[3] eMail über den Verteiler der Umwelt- und Nachhaltigkeitswissenschaften, 17.10., "Erklärung zur Graduiertenfeier"
[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Katharina_Fegebank

Mittwoch, 6. Juli 2011

Leuphana-Profs für schnellen Atomausstieg

Im letzten Herbst hatte sich das Präsidium der Leuphana Universität Lüneburg noch geweigert, einen Appell gegen den Castortransport nach Gorleben zu unterzeichnen, obwohl der Senat genau das gefordert hatte. Der ASTA war damals empört:
Leuphana - Nachhaltigkeit nur ein Wort?
Senat beschließt "Rote Karte" für Castor und Atomkraft - Präsidium leider nicht.

Mit Bedauern wurde von NOA zur Kenntnis genommen, dass das Präsidium sich gegen den Aufruf des "Bündnis gegen den Castor 2010" entschieden hat. Durch einen Senatsbeschluss mit nur einer Gegenstimme war das Präsidium aufgefordert worden, den Aufruf zu unterzeichnen und damit die energiepolitische Wende zu unterstützen.
Schade, Leuphana! War wohl nix mit Vorreiterrolle, gesellschaftlicher Verantwortung und Nachhaltigkeit!
Jetzt sind mehrere Professoren der Leuphana Universität Lüneburg selbst aktiv geworden. In einem offenen Brief von Greenpeace fordern sie von der Bundesregierung einen schnelleren Atomausstieg und einen Verzicht auf neue Kohlekraftwerke. Unterzeichnet haben die Professoren Faasch, Michelsen, Plewig, Ruck und Stoltenberg aus der Fakultät Nachhaltigkeit.

In den nächsten Tagen soll ein umfassendes Positionspapier der Fakultät veröffentlicht werden. Das kündigt die Landeszeitung heute an.

Sonntag, 19. Juni 2011

Lichtblick an der Leuphana

Ein Lichtblick für die Leuphana Universität Lüneburg: Ab 2012 bezieht die Universität Ökostrom vom gleichnamigen Unternehmen aus Hamburg. Der Preis steigt dadurch lediglich um 5%. (1)

Seit 2009 hatten die Studenten, allen voran die Gruppe Campus.gruen für einen Wechsel des Stromanbieters getrommelt. Dazu waren zusammen mit dem ASTA Unterschriften gesammelt worden.

Mit Lichtblick hat die Universität einen der wenigen echten Ökostromanbieter gewählt. Ab nächstem Jahr ist die Leuphana Universität Lüneburg dann gänzlich unabhängig vom lokalen Atomstromkonzern e.on/Avacon.

LeuphanaWatch meint: Da dürfte sogar der Anti-Atom-ASTA einmal applaudieren.

(1) http://www.leuphana.de/aktuell/meldungen/ansicht/datum/2011/06/16/-253340022c.html

Wir danken für den Themenhinweis.

Sonntag, 15. Mai 2011

Präsident sucht Studenten für Workshop

Der derzeitige Präsident sucht in einer eMail über mystudy Studenten, die an einem Workshop teilnehmen.
Studierende für die Teilnahme am kommenden Präsidiums-Studierenden-Workshop 2011 gesucht!

Am Freitag, den 08. Juli 2011 (13.00 Uhr bis 18.30 Uhr), lädt Präsident Sascha Spoun ein zu einem Präsidiums-Studierenden-Workshop mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener studentischer Gruppen sowie mit interessierten Studierenden, die bisher noch nicht in akademischen Gremien tätig sind.

Weitere Informationen: http://myshare.leuphana.de/71e91c7188e0d1c3fb6c774a3b5515d8

Anmeldungen bis 24.06.2011
Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung und einen spannenden Workshop-Tag!
Thies Reinck
LeuphanaWatch meint: Es winken sicherlich Einstiegschancen in lebenslaufoptimierende Netzwerke.