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Mittwoch, 16. November 2011

Absolventenfeier vs. Castor

Die diesjährige Graduiertenfeier der Leuphana Universität Lüneburg könnte ungünstiger nicht terminiert sein. Sie soll in genau zehn Tagen am 26.11. stattfinden [1] und damit an genau dem Wochenende, an dem ein Castor-Transport mit hochradioaktivem Atommüll im nahen Gorleben erwartet wird. Während also fast die ganze Region auf den Beinen ist, um an den geplanten Protesten und der ab 12:30 Uhr in Dannenberg stattfindenden Großkundgebung teilzunehmen [2], sollen Absolventen der Leuphana Universität Lüneburg als Gestalter der Zivilgesellschaft des 21. jahrhunderts strahlend ihre Urkunden entgegen nehmen. Dabei rufen in Lüneburg seit Wochen der ASTA und ein breites Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Umweltverbänden, Kirchen und weiteren Gruppen zur Teilnahme an den Protesten und der Großdemonstration auf.

Die Terminüberschneidung von Feier und Castorprotest hat innerhalb der Hochschule in den vergangenen Wochen zu Verstimmungen geführt. Dem Vernehmen nach sind Studenten und Professoren insbesondere aus der Fakultät Nachhaltigkeit ungehalten über die Terminauswahl durch das Präsidium. Die Fachschaft Umweltwissenschaften sah sich zu einer Stellungnahme veranlasst, nachdem sie über den universitären eMail-Verteiler für die Unterstützung der Absolventenfeier kritisiert worden war. Die Studentenvertreter schreiben:
Als Fachschaft werden wir uns natürlich bemühen, dass der dezentrale Teil für alle Absolventen so schön wie möglich wird. Wir stehen deswegen in Absprache mit dem Dekanat und sind bei den Sitzungen seitens der Universität dabei.
Was wir jedoch nicht beeinflussen können ist das Datum. Wir wissen um die Problematik bezüglich des Castorwochenendes und sind selber unglücklich mit der Wahl des Zeitpunktes. Dennoch sollten wir dem Präsidium hier keine Absicht unterstellen.

Es ist bisher nicht klar, wer von euch den Castorprotest der eigenen Zeugnisübergabe vorziehen würde – in jedem Fall arbeiten wir als Fachschaft dafür, dass eine Verabschiedung der Absolventen durch die Fak N an diesem Tag möglich sein wird.

Auch dem Dekanat und der Universität ist das Problem der Überschneidung bereits bekannt und sie sind nicht besonders erfreut darüber. Doch auch die Fakultät kann nichts an dem Termin ändern und von Seiten der Organisationsteams der Feier konnte der Termin – nach Bekanntgabe des Castortermins – auch nichts mehr verschoben werden.

Wir als Fachschaft hätten nun nur noch die Wahl, die Feier nicht zu unterstützen. Davon wollen wir allerdings Abstand nehmen, da wir für unsere Studierenden und auch für die Absolventen genau in solchen Fällen da sein sollten. (...)

Letztendlich möchten wir natürlich jedem überlassen seine Prioritäten selbst zu setzen.
Wir freuen uns darauf, bekannte Gesichter sowohl auf der Graduiertenfeier als auch bei den Castor-Aktionen zu sehen.

Engagiert euch!

Beste Grüße
eure Fachschaft Umwelt- und Nachhaltigkeitswissenschaften [3]
LeuphanaWatch denkt: Da hat das Präsidium schon die Landesvorsitzende der Hamburger Grünen (GAL) unten seinen Mitarbeitern [4] und schafft es trotzdem nicht, einen der wichtigsten Termine unserer Region rechtzeitig zu bemerken.

Belege
[1] http://www.leuphana.de/alumniportal/veranstaltungen/graduiertenfeier.html
[2] https://www.gorleben-castor.de/
[3] eMail über den Verteiler der Umwelt- und Nachhaltigkeitswissenschaften, 17.10., "Erklärung zur Graduiertenfeier"
[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Katharina_Fegebank

Sonntag, 21. August 2011

Leuphana Profs & Massentierhaltung

Die Dozenten der Leuphana Universität Lüneburg sitzen nicht im Elfenbeinturm. Das betonen sie gern und das haben sie mit ihren Unterschriften gegen ex-Verteidigungsminister Guttenberg und für einen schnellen Atomausstieg bewiesen. Ganz anders ist die Lage bei der Massentierhaltung. Einen "Appell für den Ausstieg aus der Massentierhaltung" hat bislang kaum eine Resonanz gefunden. Das von 498 deutschen Professoren unterzeichnete Dokument fordert den Ausstieg aus der Massentierhaltung und die Transformation zu einer sozial-ökologischen Landwirtschaft. Es wird ebenfalls von über 30000 Bundesbürgern unterstützt.

Von Lüneburger Professoren der Nachhaltigkeits- wissenschaften ist weit und breit keine Spur. Liegt das daran, dass die Landwirtschaft an der Leuphana Universität Lüneburg kein Thema ist? Ist das Thema an unseren Zukunftsgestaltern vorbeigegangen? Während die ganze Fakultät Nachhaltigkeit friedlich schlummert, ist ein Kulturwissenschaftler dabei: Prof. Dr. Michael Schefczyk.

LeuphanaWatch meint: Werden die Uwis nachziehen?

Wir danken für den freundlichen Themenhinweis.

Mittwoch, 13. Juli 2011

Leuphana am Ziel?

Die Veranstaltungsreihe "Leuphana auf dem Weg" ist für dieses Semester beendet. Auf einer Abschlussveranstaltung am 5.7. diskutierten die Dekane der Fakultäten über "Zukunftsperspektiven einer Universität in Bewegung." [1] Es soll eine langweilige Werbeveranstaltung gewesen sein, wie Besucher berichten. Man sei auf einem guten Weg lautete das Fazit und natürlich könne und müsse man noch mehr zwischen den Fakultäten kooperieren. [2]

Interessant sei es dann doch noch geworden, nachdem Professoren der Nachhaltigkeit gegen die Fakultät Wirtschaft stichelten. Der Dekan hätte deutlich unmotiviert ausgesehen und wie auf einem Zwangstermin gewirkt. Einzig die Fragen anwesender Studenten hätten für eine Erkenntnis gesorgt: Alle Dekane waren sich einig, dass Komplementärstudium und Leuphana-Semester kaum eine Anbindung an das restliche Studium hätten. Außerdem gäbe es zu viele Lehraufträge in diesen Bereichen, so dass die Anbindung an die Dozenten der Universität fehlen würde. Gleichzeitig wurde vor einer neuen Strukturdebatte gewarnt, man müsse sich nun endlich um Inhalte kümmern. [2]

Interessant zu lesen ist auch der Bericht der Landeszeitung.

LeuphanaWatch stellt fest: Was für eine vernichtende Kritik - Keine Verbindung zum restlichen Studium, offenbar starker Nachholbedarf bei inhaltlichen Fragen, zu viele Lehraufträge, akademisches Präkariat. Kann eine Analyse des Kernstücks unseres Leuphana Bachelors verheerender ausfallen?

[1] http://www.leuphana.de/aktuell/leuphana-magazin/oeffentliche-veranstaltungsreihe.html
[2] Wir danken für den Hinweis.

Mittwoch, 6. Juli 2011

Leuphana-Profs für schnellen Atomausstieg

Im letzten Herbst hatte sich das Präsidium der Leuphana Universität Lüneburg noch geweigert, einen Appell gegen den Castortransport nach Gorleben zu unterzeichnen, obwohl der Senat genau das gefordert hatte. Der ASTA war damals empört:
Leuphana - Nachhaltigkeit nur ein Wort?
Senat beschließt "Rote Karte" für Castor und Atomkraft - Präsidium leider nicht.

Mit Bedauern wurde von NOA zur Kenntnis genommen, dass das Präsidium sich gegen den Aufruf des "Bündnis gegen den Castor 2010" entschieden hat. Durch einen Senatsbeschluss mit nur einer Gegenstimme war das Präsidium aufgefordert worden, den Aufruf zu unterzeichnen und damit die energiepolitische Wende zu unterstützen.
Schade, Leuphana! War wohl nix mit Vorreiterrolle, gesellschaftlicher Verantwortung und Nachhaltigkeit!
Jetzt sind mehrere Professoren der Leuphana Universität Lüneburg selbst aktiv geworden. In einem offenen Brief von Greenpeace fordern sie von der Bundesregierung einen schnelleren Atomausstieg und einen Verzicht auf neue Kohlekraftwerke. Unterzeichnet haben die Professoren Faasch, Michelsen, Plewig, Ruck und Stoltenberg aus der Fakultät Nachhaltigkeit.

In den nächsten Tagen soll ein umfassendes Positionspapier der Fakultät veröffentlicht werden. Das kündigt die Landeszeitung heute an.