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Samstag, 31. März 2012

TV 2.0 und Ballhaus: Fragen über Fragen

Vor rund einem Jahr fragte LeuphanaWatch nach Freundschaftsdiensten beim Fernsehen 2.0. Zuletzt war das Inkubatorprojekt bei uns etwas ins Hintertreffen geraten. Diesen Fehler möchten wir korrigieren und ein paar Fragen in den Raum stellen.

Wo ist Kenup und wo ist die Plattform für Studenten?
Vor vielen Monaten hieß es:
Keller sieht daher zwei für Medienunternehmen zentrale Forschungsfragen: Wie können Nutzer in die Produktion eingebunden werden? Und welche Geschäftsmodelle lassen sich entwickeln?
Mit dem Sender, der im Oktober (2010, LW) unter dem Namen Kenup starten soll, geht Keller dem nach. (1)
Auch für Studenten versprach Keller vollmundig:
Dafür wird eine Sendeplattform mit Studios und kompletter Technikausrüstung gebaut, die auch für studentische Projekte offen ist. (2)
Wo ist der Sender? Was ist mit der Plattform, die Keller im Interview mit der univativ versprochen hat? Und wo sind die Millionen, die in das Projekt fließen? Was ist damit bislang passiert?

Wo ist Projektleiter Michael Ballhaus und wo sind die angekündigten Projekte?
Gastprofessor Ballhaus wollte sehr aktiv werden:
"Prof. Ballhaus wird auf dem Gebiet der Nachhaltigkeitsforschung ein Projekt gemeinsam mit Wissenschaftlern der Leuphana vorantreiben. Seine im Jahr 2007 ins Leben gerufenen Umweltinitiative „The Future is now“ e.V. verfolgt das Ziel, mit Hilfe kurzer Filme breite Aufmerksamkeit für ein klimabewusstes Verhalten zu erreichen. Ein Team aus fünf Nachwuchswissenschaftlern der Leuphana wird ihn künftig dabei unterstützen, die Themen und Skripte für die Kurzfilme fachlich überprüfen und Vorschläge zur Umsetzung und Weiterentwicklung der Filmreihe entwickeln." (3)
War Michael Ballhaus jemals in Lüneburg, abgesehen vom Pressetermin? Lehrveranstaltungen macht er derzeit scheinbar nicht. Wo ist denn die Zusammenarbeit mit der Nachhaltigkeitsforschung? Haben die überhaupt schon mal was von Ballhaus gehört? Wo sind die neuen Verwertungsmodelle, wo die neuen Formate und Technologien. Das Projekt leitet Ballhaus doch nun schon seit über einem Jahr.
Und weiter: Wo sind die neuen Filme auf der Webseite www.the-future-is-now.de? Dort stehen seit einem Jahr die gleichen Filme zur Verfügung, teils aus dem Jahr 2008. Verändert hat sich seit dem rein gar nichts. Was hat das Projekt bitte mit der Region und der Förderung ihrer Wirtschaft zu tun?

Hat Michael Ballhaus überhaupt Zeit für "sein" Inkubatorprojekt?
Tatsache jedenfalls ist, dass Gast-Professor Ballhaus zugleich an 2 weiteren Universitäten beschäftigt ist. Das ist zumindest im Internet nachzulesen. Ballhaus hat, in Lüneburg hat davon nur niemand Kenntnis genommen, in München die Leitung einer Abteilung der Hochschule für Film und Fernsehen übernommen. Auf deren Webseite steht es schwarz auf weiß:
Zum Wintersemester 2010/ 2011 hat Prof. Ballhaus an der Hochschule für Fernsehen und Film München die Abteilungsleitung der Abt. VII, Kamera übernommen. (4)
Dazu kommen die Verpflichtungen an der Hamburg Media School, wo Ballhaus seit 2009 die Kameraabteilung des Studiengangs Film leitet.
Der bedeutendste und international erfolgreichste Kameramann Deutschlands, Michael Ballhaus, wird ab dem 1. Oktober 2009 die Kameraabteilung des Studiengangs Film an der HMS leiten. (5)
Ist es zeitlich überhaupt möglich, dass Ballhaus zusätzlich noch im Inkubator wirkt? Oder wollte sich die Leuphana Universität Lüneburg wieder einmal nur mit einem großen Namen schmücken?

Fungierte der Name Ballhaus aus Türöffner für Timon Beyes?
Sollte Michael Ballhaus tatsächlich gar nicht ernsthaft involviert sein (wie es den Anschein hat), dann wird es interessant: Timon Beyes leitet dann quasi allein das Moving Image Lab / Fernsehen 2.0 (6). Professor wurde er aber erst, als er das TV2.0 und die Millionen Forschungsgelder längst eingesackt hatte. Immerhin ist um das Fernsehen 2.0 mittlerweile ein ganzer Inkubatorschwerpunkt "Digitale Medien" (7) entstanden, das "Team" von Beyes hat beachtliche Größe (6). Erstaunlich, dass jemand ohne Professur so fantastisch ausgestattet wird. Vielleicht war dazu der Name Ballhaus nötig, um dem mit Sascha Spoun und Holm Keller gut bekannten Beyes ein millionenschweres Forschungsprojekt "genehmigen" zu können? Bei einem Promi wie Ballhaus entstehen vielleicht weniger Fragen. Ob es auch ohne Ballhaus für den Inkubator gereicht hätte?

LeuphanaWatch wartet auf Antworten.

Quellen:
(1) http://www.zeit.de/2010/30/Privat-TV-Lueneburg#comments
(2) http://www2.leuphana.de/univativ/?p=336
(3) http://www.leuphana.de/aktuell/leuphana-magazin/ballhaus-wilson.htm
(4) http://www.hff-muenchen.de/studium/3/abteilungsleiter/index.html
(5) http://www.hamburgmediaschool.com/newsundpresse/pressemitteilungen/mitteilungen/2009/06/MichaelBallhaus.php
(6) http://www.leuphana.de/inkubator/digitale-medien/moving-image-lab/team.html
(7) http://www.leuphana.de/inkubator/digitale-medien.html

Montag, 20. Februar 2012

Heiko Franken bald Leuphana-Vizepräsident?

Im Mai endet die Amtszeit von Präsident Sascha Spoun und dem hauptamtlichen Vizepräsidenten Holm Keller. Während Spoun im vergangenen Jahr für eine weitere Amtszeit wiedergewählt wurde, scheiterte Kellers Verlängerung zunächst (LeuphanaWatch berichtete). Nach einem unwürdigen Tauziehen sollte Keller als Vizepräsident in 50% Teilzeit wiederbestellt werden. Gegen diese Variante ist noch immer eine Klage beim Oberverwaltungsgericht Niedersachsen anhängig, die Entscheidung steht noch aus. In jedem Fall ist im Mai ein hauptamtlicher Vizepräsident in 50% Teilzeit zu besetzen - oder aber es ist bei einem Sieg der Senatoren vor dem OVG erneut über die gesamte Vollzeitstelle abzustimmen. In jedem Fall wird neues Personal benötigt.

In den vergangenen Wochen und Monaten häufen sich die Indizien, dass das Präsidium der Leuphana Universität Lüneburg den derzeitigen Geschäftsführer der Professional School, Heiko Franken, als neuen hauptamtlichen Vizepräsidenten aufbauen will.

Ein für die Öffentlichkeit sichtbares Indiz druckte die Lünepost am vergangenen Wochenende ab. In einem größtenteils wörtlich aus einer Pressemitteilung der Leuphana Universität Lüneburg (1) übernommenen Artikel zum Baubeginn des Audimax (2) darf sich neben Holm Keller auch Heiko Franken äußern:
Der Leiter der Professional School, Heiko Franken, ist zufrieden: "Ich habe ein gutes Gefühl." (2)
Es ist die einzige Ergänzung zur Pressemitteilung, welche die Lünepost vorgenommen hat. Inhaltlich hätte getrost auf sie verzichtet werden können, denn Neuigkeiten kann Heiko Franken nicht beitragen. Man könnte meinen, der Name hätte in der Öffentlichkeit platziert werden sollen. Denn warum kommt ausgerechnet der Geschäftsführer der Professional School zu Wort?

Auf der gleichen Seite berichtet die Zeitung über ein erstes Projekt des Innovationsinkubators, welches jetzt abgeschlossen wurde. Wie der Bereich Campusentwicklung gehört auch der Inkubator zum Aufgabenbereich von Holm Keller, dem hauptberuflichen Vizepräsidenten für "Innovations-Inkubator und Universitätsentwicklung" (3). An dieser Stelle ist fast das gleiche Spiel zu beobachten. Erneut wird Heiko Franken als Experte präsentiert:
So ist das erste abgeschlossene Inkubator-Projekt wohl als erfolgreich zu bezeichnen, wie auch Heiko Franken von der Professional School betont: "Hier wurden vier neue Arbeitsplätze geschaffen - mal sehen, wie es mit den anderen rund 50 Projekten weitergeht..." (4)
Dieses Mal wird Franken sogar mit Bild abgedruckt, darunter noch einmal das Zitat in leicht anderer Formulierung. Zum Projektteam gehört der Geschäftsführer der Professional School aber offensichtlich nicht (5). Auch in der Pressemitteilung der Leuphana Universität Lüneburg kommt er nicht vor (6). Trotzdem darf er im Artikel quasi die Rolle des eigentlich zuständigen Holm Keller übernehmen und die Gesamtsicht für den Inkubator vertreten.

Wie aus Uni-Kreisen zu hören ist, fällt Heiko Franken bereits seit längerem durch seine anscheinend ungewöhnlich häufige Präsenz bei allgemeinen Veranstaltungen auf, z.B. in der Reihe "Leuphana auf dem Weg". Hinter vorgehaltener Hand wird heftig über mögliche Motivationen diskutiert. Beobachter vermuten, es ginge bereits darum Gesicht zu zeigen und ein Image als "Kandidat des Hauses" aufzubauen (7).

Als Unternehmensberater würde Heiko Franken jedenfalls gut zum Duo Spoun / Keller passen oder könnte Keller gar ersetzen. Seine langjährige Tätigkeit in herausragender Position bei der Boston Consulting Group würde in Ergänzung zum McKinsey-Manager Keller beide großen Unternehmensberatungen an die Leuphana Universität Lüneburg binden. Hinzu käme durch den ähnlichen beruflichen Background beider Personen eine vermutlich relativ unkomplizierte Zusammenarbeit. Das zeigte sich schon in der letzten Startwoche, wo Franken Teil des Lehrendenteams war, sein ehemaliger Arbeitgeber von zentraler Bedeutung (LeuphanaWatch berichtete). Möglicherweise könnte er die nächste Startwoche ganz von Keller übernehmen, der bei den Studenten nicht besonders gut ankam.

Sollte Heiko Franken Ambitionen als Vizepräsident hegen, ist darüber hinaus die Zeit auf seiner Seite. Nach einem Urteil des OVG in der Causa Keller wird in jedem Fall unabhängig vom Ausgang eine Stellenausschreibung nötig sein. Zeitlich wird das bis Mai sehr knapp, so dass sich die Zahl der Bewerbungen in Grenzen halten dürfte. Eine hausinterne Lösung bietet da vordergründig einen gewissen Charme. Ob sich die Leuphana Universität Lüneburg allerdings einen weiteren Unternehmensberater in der Leitungsebene installieren möchte, wird noch zu diskutieren sein.

LeuphanaWatch wird die Angelegenheit weiter im Auge behalten.

Quellen:
(1) http://www.leuphana.de/aktuell/archiv-startseiten-news/zulassungsbescheid-libeskind-bau.html
(2) "Audimax-Bau startet jetzt", Lünepost 18./19. Februar 2012, Seite 3
(3) http://www.leuphana.de/holm-keller.html
(4) "Neue Arbeitsplätze durch Uni-Inkubator", Lünepost 18./19. Februar, Seite 3
(5) http://www.leuphana.de/professional-school/wissenstransfer/forschung-entwicklung/im-inkubator/operations-excellence.html
(6) http://www.leuphana.de/aktuell/meldungen/ansicht/datum/2012/02/16/erstes-inkubator-projekt-erfolgreich-abgeschlossen.html
(7) LeuphanaWatch dankt für den Hinweis.

Dienstag, 29. November 2011

Die Ökonomie des Kreativen

Heute ist es soweit: Das europäische Amt für Betrugsbekämpfung kommt zu uns, um die Verwendung der EU-Gelder zu prüfen. Doch greift eine Untersuchung der rechtmäßigen Nutzung regionaler Wirtschaftsförderung nicht viel zu kurz? Die viel wichtigeren Fragen wären doch: Wie passen einseitig ausgerichtete Mittel und eine akademische Einrichtung zusammen? Wie viel Zweckgebundenheit vertragen freiheitliche Wahrheitssuche und schöpferisches Wirken?

Aufschluss hierüber gibt ein Fundstück aus dem vermeintlich wohl freiesten Bereich: den Künsten. Wir wünschen Euch viel Spaß bei folgenden Ausschnitten aus einem Inkubator-Antrag:

Projekte mit der Kreativwirtschaft im Bereich der visuellen Kunst haben von der Besonderheit des Wertbildungsprozesses bzw. der Wertbildungskette der künstlerischen Produktion auszugehen. In der Literatur wird in diesem Zusammenhang der Begriff des ästhetischen oder auch symbolischen Werts, teilweise auch des symbolischem Kapitals gebraucht. Der ökonomische Wert der Kunst beruht typischerweise nicht auf dem Maß investierter Arbeit durch individuelle Künstler oder auf den Kosten für das eingesetzte Material, sondern vielmehr auf komplexen Bewertungsprozessen im Rahmen einer arbeitsteiligen Struktur mit zahlreichen Beteiligten. Im Prinzip ist es durchaus möglich, beispielsweise mit Materialkosten im Bereich von lediglich drei- oder vierstelligen monetären Größen und der individuellen Arbeitszeit eines Produzenten – eines Mikrounternehmers – , die sich auf weniger als eine Woche beläuft, Produkte zu generieren, die auf dem Markt – typischerweise mit Verzögerung – Preise etwa in sechsstelliger Höhe erzielen. Solche Effekte sind in der speziellen Ökonomie der Kunst schwer zu prognostizieren. Deshalb wird in der ökonomischen Literatur (vgl. z.B. Richard E. Caves, Creative Industries, Cambridge, Mass. Harvard University Press 2000) auch von der „nobody knows“-Eigenschaft symbolischer Güter ausgegangen.

Im Feld der Produktion von Unikaten, in „deep pocket markets“, entsprechen Preise dem Marktwert, im Gegensatz zum kulturellen Massenmarkt bzw. dem Markt von Multiples, in dem der Preis mit der Menge zu multiplizieren ist (vgl. Hans Abbig, The Exceptional Economy of the Arts, Amgsterdam University Press 2002). Im Kontext der im Rahmen des CVA-Projekts vor allem maßgeblich an der Herstellung von Unikaten orientierten künstlerischen Produktion ist von einer Konversion des ästhetischen Werts bzw. des über Bewertungsprozesse erworbenen symbolischen Kapitals in ökonomisches Kapitals bzw. in Preise, die sich am Markt erzielen lassen, auszugehen. Dabei geht es primär um ein entsprechendes Potential, da sich hohe Preise in einer Ökonomie des lange Zyklus, in dem der „time lag“ eine entscheidende Rolle spielt, typischerweise erst mit Verzögerung erzielen lassen. Eine solche Ökonomie ist für den Kunstmarkt charakteristisch. (vgl. Pierre Bourdieu, The Rules of Art. Stanford University Press 1996) [1]

Zur Einschätzung der Region Lüneburg und dessen nutzbares Potential für die Kreativwirtschaft schreiben die Autor_innen:
Die Erhöhung der internationalen Sichtbarkeit der führenden kreativwirtschaftichen Institutionen der Region in Verbindung mit einem entsprechenden künstlerischen Angebot und Kreativkapital erhöht deren Attraktivität und damit auch die der Region. Mit Hilfe von künstlerischer Produktion und Künstlern lassen sich Sichtbarkeitseffekte erzielen, die im Vergleich zu gängiger kommerzieller Werbung mit geringen Kosten und hoher geographischer Reichweite verbunden sind. Die Erhöhung der Sichtbarkeit macht die Region speziell für potentielle Investoren mit höherem kulturellen und ökonomischen Kapital bzw. für kreativwirtschaftliche Gruppen inkl. Symbolproduzenten, die für Wertbildungsprozesse entscheidend sind, interessanter. Der medial induzierte Tourismuszuwachs der jüngeren Zeit (der ARD „Rote Rosen“-Soap-Effekt in der Stadt Lüneburg) wird lediglich von sehr temporärer Dauer sein. Er stützt sich auf Gruppen mit bescheidenem kulturellen und ökonomischen Kapital, die nicht als Investoren in Frage kommen. Über die Maßnahme des CVA-Projekts ergeben sich potentiell Effekte im Sinne der Theorie der weichen Standortfaktoren wie des Konzepts des Optionsnutzen. Die Region hat im kulturellen Bereich jenseits von visueller Kunst (Musik, Theater, Literatur) lediglich schwache lokale und regionale Reichweiten aufzuweisen und kein erkennbares Entwicklungspotential weder für transregionale Sichtbarkeit noch für eine entsprechende Anziehungskraft für ökonomisch interessante externe Gruppen.

Im Rahmen der Ausstellungstätigkeit mit Hochkreativen der Preisverleihungen sowie des Gastprogramms mit besonders innovativen Produzenten werden Vertreter regionaler KMU (Inhaber, Manager) als Teil der regionalen ökonomischen Eliten gezielt angesprochen (Zielgruppe Netzwerk III). Zu den diagnostizierten Schwächen der Region zählt nicht zuletzt die geringe „Toleranz“ im Sinne des 3 T-Modells des Regionalökonomen Richard Florida. Geringe Toleranz meint in diesem Zusammenhang insbesondere auch ein geringes Maß an Toleranz gegenüber der Abweichung von ausgetretenen Pfaden und gegenüber dem Neuen, d.h. ein Defizit auf der Ebene des subjektiven Innovationspotentials, das auf Einstellungen, Mentalitäten und Habitus zurückzuführen ist. Von der Auseinandersetzung mit Produzenten, die der „Tradition des Neuen“ verpflichtet sind und dabei über Durchsetzungspotential auf einer internationalen Ebene verfügen, ist eine Verringerung dieser mentalen Innovationsbarrieren zu erwarten [1]

Haben bisher noch Einige an einer reinen Ökonomisierung von Bildung gezweifelt, so dürfte sie diese strategische Ausrichtung an reinen Kapitalkriterien erstaunen. Die Einstufung nach Kriterien des Marktes diskreditiert nicht nur die Region Lüneburg, sondern auch das, worum es hier doch eigentlich gehen sollte: Kultur und Künste.

LeuphanaWatch sagt: Die zweckgebundene, mit der Auflage der Wirtschaftsförderung verbundene Finanzierung von dem, was einmal Forschung und nicht nur Suche nach Vertriebswegen war, greift unzulässig in die Universität ein. Welche grundlegende Ausrichtung wird den Studierenden mit diesem absoluten Wert der Rentabilität als Wissenschaft verkauft?

[1] Textauszüge aus einem EU-Großprojektantrag, Teilmaßnahme „Projekte mit der Kreativitätswirtschaft“. LeuphanaWatch bedankt sich für den Hinweis per Mail.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Wirtschaft kritisiert Innovationsinkubator

Der EU-Innovationsinkubator der Leuphana Universität Lüneburg steht unter heftigem Beschuss. Die regionale Wirtschaft und die Wirtschaftsförderer sind sauer, denn viele merken nichts von den Millionen aus Brüssel. Deren Zweckbestimmung ist jedoch die regionale Wirtschaftsförderung im ehemaligen Regierungsbezirk Lüneburg. Die Kritik der Wirtschaft ist für die Leuphana Universität Lüneburg besonders brisant, da im Falle einer Zweckentfremdung von EU-Fördermitteln deren Rückzahlung drohen könnte.

Das Hamburger Abendblatt zitiert aus einem ihm vorliegenden Sitzungsprotokoll:
„Die Wirtschaftsförderer sehen mit Sorge, dass die Leitung des Inkubators die Einbindung der kommunalen Ebenen anscheinend nicht als einen wesentlichen Erfolgsfaktor für das Gelingen des Inkubators ansieht“ [1]
Dazu passt, dass nach Aussagen aus der region bekannt ist, dass mehr große oder überregionale Unternehmen im Inkubator beteiligt sind. Die Teilnehmer bemängeln laut Hamburger Abendblatt weiter, dass es mittlerweile massive Vertrauensprobleme zwischen regionaler Wirtschaft und der Leitungsebene des Inkubator gebe. Dieser wird ausdrücklich vorgehalten, sie sei an einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe nicht interessiert. [1] Die Leitung des Inkubators liegt bei Vizepräsident Holm Keller [2], dessen illustre Leuphana-Karriere mit den Äußerungen der Wirtschaftsvertreter um einen Kritikpunkt reicher sein dürfte.

Bei der Landesregierung soll bereits ein vertraulicher Beschwerdebrief der Landkreise Rotenburg und Osterholz vorliegen. Nach Aussagen der Wirtschaftsförderung aus Osterholz hätten die dortigen Unternehmen vom Innovationsinkubator der Leuphana Universität Lüneburg bislang nichts gemerkt. Im Landkreis Harburg ist die Lage ähnlich. Bei der Wirtschaftsförderung im Landkreis Stade ist der Inkubator gar gänzlich unbekannt. [1]

Die Linken haben jetzt eine Anfrage im Landtag gestellt, da ihrer Auffassung nach die Zielgruppe des EU-Großprojekts nicht wie erhofft profitiert. [1]

Das Hamburger Abendblatt kommentiert:
"Der Unmut über den Innovations-Inkubator in der Region ist nachvollziehbar. Hier werden scheinbar Millionen aus Brüssel in ein Projekt gesteckt, bei dem die Zielgruppe offenbar leer ausgeht. Andere Projekte, die viel näher an ihrer Zielgruppe arbeiten und in kürzerer Zeit greifbarere Ergebnisse präsentieren können, müssen um jeden Cent kämpfen, wenn denn überhaupt Geld aus Brüssel fließt. Beim näheren Hinsehen drängt sich der Gedanke auf, der Innovations-Inkubator könnte ein Prestige-Objekt der Leuphana sein, für das die EU verdammt tief in die Tasche greift." [3]
LeuphanaWatch hat eine Idee, wohin die Millionen fließen könnten. Bereits zuvor berichteten wir über das Projekt Fernsehen 2.0, welches von Timon Beyes, einem Bekannten des Vizepräsidenten Holm Keller und des Präsidenten Sascha Spoun, geleitet wird. Auf dem Campus kursieren zahlreiche Gerüchte darüber, dass in Kürze weitere Mittel in das Projekt gepumpt werden sollen. Bereits jetzt ist die Ausstattung im Vergleich zu anderen mehr als üppig.

[1] Hamburger Abendblatt, 18.10., "Inkubator steht in der Kritik"
http://www.abendblatt.de/region/lueneburg/article2062914/Inkubator-steht-in-der-Kritik.html
[2] http://www.leuphana.de/ueber-leuphana/organisation/praesidium.html
[3] Hamburger Abendblatt, 18.10.,"Der Unmut ist berechtigt. Kommentar"
http://www.abendblatt.de/region/lueneburg/article2062913/Der-Unmut-ist-berechtigt.html

Dienstag, 11. Oktober 2011

Dreharbeiten in der Bibliothek

Am heutigen Vormittag fanden Dreharbeiten in der Bibliothek der Leuphana Universität Lüneburg auf dem Campus statt. Offenbar wurden Interviews aufgrund der Gesundheitsgespräche [1] geführt, sehr zur Überraschung der anwesenden Studenten. Die Meinung von Betroffenen:
die Bibliothek ist in den Ecken von Kamerateams besetzt. ...
Schön.
Wir wurden nicht informiert, nur von den Plätzen vertrieben... "Du sitzt im Bild".
Kann Spoun nicht sein tolles Gebäude 10 für solche Aktivitäten hergeben?

Ich will in Ruhe arbeiten, was jedoch nicht möglich ist.
Mir fehlen Informationen und Hinweise, wo ich mich denn nun aufhalten kann....
Eigentlich sollte es doch auch andere Orte geben, an denen man Interviews führen kann, aber in der Bib ist es ja so schön ruhig ... [2]
Ich fand die Art einfach nur unmöglich...
Erst als die Filmaufnahmen beendet waren, konnte ich meinen "alten" Platz wieder einnehmen...
und alles nur, damit die Herrn in schicken Anzügen interviewt werden können...
Kein Hinweis, nichts... [3]
LeuphanaWatch meint: Ein Vorabhinweis wäre schön. Das mag nicht immer möglich sein. "Du sitzt im Bild" geht aber gar nicht. Eine Bibliothek ist zum Arbeiten da. Wenn dort Dreharbeiten stattfinden, dann müssen sie Rücksicht auf die anwesenden Personen nehmen. Wenn Studenten ihren Arbeitsplatz räumen sollen, darf eine gewisse Freundlichkeit und Höflichkeit bei der Kommunikation erwartet werden. Hier scheinen wohl einige Personen vergessen zu haben, das Film und Show an einer Universität nicht alles sind. Respekt ist angebracht, liebe Damen und Herren vom Fernsehen. Sie sind hier zu Gast.

Quellen:
[1] http://www.leuphana.de/aktuell/termine/ansicht/datum/2011/10/11/expertenkonferenz-leuphana-gesundheitsgespraeche.html
[2] & [3] Entnommen aus eMails vom heutigen Vormittag. LeuphanaWatch dankt herzlich für die Nachrichten.

Mittwoch, 7. September 2011

Innovationsinkubator: Da ist was faul!

Vor Monaten stellte sich LeuphanaWatch die Frage, wie viel Lüneburg im Innovationsinkubator steckt. Das Ergebnis war: wenig. Besonders hielten wir ein Projekt unter Beobachtung und mussten bald die Frage nach Freundschaftsdiensten beim Fernsehen 2.0 stellen. Mittlerweile werden es immer mehr "Kompetenztandems", in denen Lüneburger Forscher mit internationalen Partnern zusammenarbeiten. Zeit für eine neue Recherche.

Aktuell finden sich acht Tandems auf der Webseite der Leuphana Universität Lüneburg (1). Diese bilden die Kernstücke des Inkubators und sind besonders finanziell ausgestattet. LeuphanaWatch betrachtet das Führungspersonal:

Vernetzte Versorgung I
Versorgung psychisch erkrankter Menschen (2)
Wissenschaftl. Leitung: Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Wulf Rössler (Univ. Zürich)
Internat. Partner: Prof. Dr. med. Anke Bramesfeld (MH Hannover)

Vernetzte Versorgung II
Versorgungsstrukturen für Menschen mit Diabetes und offenen Wunden (3)
Wissenschaftl. Leitung: Prof. Dr. Thomas Wein (Dekan Fak. Wirtschaft) / Prof. Dr. Ursula Weisenfeld (Leuphana)
Internat. Partner: Prof. Dr. Peter Zweifel (ETH Zürich)

Internetbasierte Gesundheitsinterventionen
Reduzierung gesundheitsschädlichen Verhaltens über Internetberatung (4)
Wissenschaftl. Leitung: Prof. Dr. Bernhard Sieland (Leuphana) / Prof. Dr. Burkhardt Funk (Vizepräsident)
Internat. Partner: unbekannt

Return to work
Prävention und Behandlung von Berufskrankheiten (5)
Wissenschaftl. Leitung: Prof. Dr. Dr. Nils Ole Oermann (Vizepräsident) / Prof. Dr. Swen Malte John (Univ. Osnabrück) / Prof. Dr. Axel Ekkernkamp (Univ. Greifswald) / Prof. Dr. Björn Maier (Duale Hochschule Baden-Württemberg Mannheim).
Internat. Partner: Patricia Weinert (Genf/Berlin) / Dr. Debra Hopkins (University of Copenhagen) / Markus Steiner, MSc (University of Aberdeen)

Ambulante Reha-Kette
Ambulante Nachsorge für Schlaganfall (6)
Wissenschaftl. Leitung: Prof. Dr. Volker Dietz (Gastprof. Leuphana)
Internat. Partner: unbekannt

Fernsehen 2.0
TV im Internet (7)
Wissenschaftl. Leitung: Prof. Michael Ballhaus (Gastprof. Leuphana)
Internat. Partner: Prof. Dr. Timon Beyes (zuvor Uni St. Gallen; aktuell ??)

Biokerosin
Plattform für nachhaltige Biokerosinproduktion (8)
Wissenschaftl. Leitung: Prof. Dr. Stefan Schaltegger (bis 2010 Vizepräsident) / Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein (Leuphana)
Internat. Partner: Prof. Dr. Robert Bailis (Yale University) / Prof. Dr. Roger Burritt (University of South Australia)

Thermische Batterie
Entwicklung eines Wärmespeichers (9)
Wissenschaftl. Leitung: Prof. Dr. Wolfgang Ruck (Dekan Fak. Nachhaltigkeit)
Internat. Partner: Prof. Mohammed Farid (University of Auckland)

Fällt etwas auf?

In drei Kompetenztandems ist kein Lüneburger Forscher auf höchster Ebene beteiligt.
In zwei Tandems liegt die wissenschaftliche Leitung bei Dekanen der Leuphana Universität Lüneburg.
In drei Tandems sind derzeitige Vizepräsidenten (2) oder ehemalige Vizepräsidenten (1) führend.
"Normale" Lüneburger Profs. gibt es genau drei.

Da ist was faul im Innovationsinkubator!

Wer nah an den Fleischtöpfen sitzt, hat offenbar deutlich bessere Chancen auf die Forschungsmillionen der EU. Und warum kommen mehr als 1/3 der Tandems ohne Lüneburger Wissenschaftler auf höchster Ebene aus? Wer sind diese externen Personen in diesen Tandems und warum fließt dorthin so viel Geld?

Sollte nicht die Universität vom Geldsegen aus Brüssel profitieren?



(1) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems.html
(2) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/vernetzte-versorgung-i.html
(3) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/vernetzte-versorgung-ii.html
(4) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/internettherapie.html
(5) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/return-to-work.html
(6) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/ambulante-reha-kette.html
(7) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/fernsehen.html
(8) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/biokerosin.html
(9) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/thermische-batterie.html

Freitag, 22. Juli 2011

Innovationsinkubator hat Imagefilm

Der Innovationsinkubator der Leuphana Universität Lüneburg hat jetzt einen eigenen Imagefilm. (1) Am Ende stellt sich darin das Projekt Fernsehen 2.0 vor. Es hat bisher eine Papierschnitt-Animation entwickelt. Die wurde gleich an einem Erklärungsfilm für den Leuphana-Bachelor ausprobiert. (2)

Beide Filme sind durchaus interessant. Für alle, die lieber etwas lesen, stellt die Leuphana Universität Lüneburg eine Übersicht über alle Inkubatorprojekte online. (3)

(1) http://www.youtube.com/user/LeuphanaUni#p/f/3/fSWIYjBmlSc
(2) http://www.youtube.com/user/LeuphanaUni#p/f/2/5VQD_4-sfhU
(3) http://www.leuphana.de/inkubator/alle-projekte.html

Freitag, 18. März 2011

Freundschaftsdienste beim Fernsehen 2.0?

Vor Kurzem berichteten wir über die Frage, wie viel Lüneburg im Innovationsinkubator steckt. In diesem Zusammenhang stellten wir fest, dass das Kompetenz-Tandem "Fernsehen 2.0" von externen Wissenschaftlern geleitet wird. Ursprüngliche Idee war, dass von den EU-Millionen Wissenschaftler aus Lüneburg profitieren. Nicht einmal die Kooperationspartner kommen aus der Region. Grund genug, das Fernsehen 2.0 unter die Lupe zu nehmen.

Das Kompetenz-Tandem wird geleitet von Gastprofessor Michael Ballhaus und dem internationalen Gastwissenschaftler Dr. Timon Beyes. Wer sind diese Menschen und wieso bekommen sie ein Tandem geschenkt?

Michael Ballhaus ist ein bekannter Kameramann, wie Wikipedia zu berichten weiß. Vizepräsident Holm Keller holte ihn zunächst für die Startwoche 2009 als Jurymitglied an die Leuphana Universität Lüneburg, um ihn im März 2010 zum Gastprofessor zu machen. Von einer Tätigkeit in Sachen Fernsehen 2.0 war in der Pressemitteilung der Universität noch nicht die Rede. Schon im Oktober 2010 war das anders, der Mann aus dem "illustren Bekanntenkreis Holm Kellers"(1) konnte sich ein finanziell gut gepolstertes Tandem an Land ziehen.
Wir fragen uns, ob sich die Leuphana Universität Lüneburg mit einem großen Namen schmücken will, oder ob hier alte Bekannte ein Auskommen erhalten.

Dr. Timon Beyes ist als internationaler Gastwissenschaftler dabei. Die Homepage weiß:
Vor „Fernsehen 2.0“ war der Soziologe und Betriebswirt als Senior Lecturer an der Universität St. Gallen, Schweiz, tätig. Letzte Buchveröffentlichungen: „Parcitypate: Art and Urban Space“ (mit Sophie-Thérèse Krempl and Amelie Deuflhard; Niggli, 2009), „Finden und Erfinden: Die Entstehung des Neuen“ (mit J. Mittelstraß; Berlin University Press 2009); in Vorbereitung: „Anstand“ (mit J. Metelmann; Berlin University Press 2011). (2)
Was die Homepage der Leuphana Universität Lüneburg nicht für wichtig hält ist Folgendes:
Dr. Timon Beyes studierte erst BWL in St. Gallen. Dann arbeitete er gemeinsam mit Universitätspräsident Sascha Spoun an der Neukonzeption der Lehre der dortigen Hochschule (Prototyp für das Leuphana Studienmodell) (3). Damit nicht genug. Beyes war in St. Gallen für die Betreuung von Haniel-Stipendiaten zuständig und organisierte die Haniel seminars (4). Zur Haniel Stiftung unterhält auch Sascha Spoun enge Verbindungen. Auch Holm Keller und Stararchitekt Daniel Libeskind sind für Beyes keine Unbekannten. Gemeinsam mit Keller, Spoun und Libeskind schrieb er das Buch "die Stadt als Perspektive" (5).

Ballhaus und Beyes, zwei Menschen, die gute Verbindungen zur Führungsetage dieser Universität haben. Beide kommen sie neu nach Lüneburg und haben wenig später optimal ausgestattete Stellen und ein gigantisches Forschungsbudget. Ihr Kompetenz-Tandem umfasst sagenhafte dreieinhalb Jahre Projektlaufzeit, 26 wissenschaftliche Mitarbeiter(innen), vier Doktorand(inn)en, zwei Postdoktorand(inn)en (6). Für das Projekt steht ein Budget von rund 6 Mio. Euro zur Verfügung (7).

Im Vergleich dazu muten die Budgets der anderen Tandems geradezu mikrig an:
Vernetze Versorgung: 10 wiss. Mitarbeiter (8)
Biokerosin: 2,7 Mio. Euro (9)
Internetbasierte Interventionen: keine Angaben

Wir resümieren:
  • Beim Führungspersonal hat das Fernsehen 2.0 nichts mit der Universität zu tun.
  • Die Kooperationspartner sind allesamt nicht aus dem Konvergenzgebiet, das von der EU gefördert wird.
  • Viele Lüneburger Professoren würden sich über ein Kompetenz-Tandem für ihre Forschung sehr freuen.
Trotzdem wird das Projekt Fernsehen 2.0 massiv und deutlich stärker als andere Tandems gefördert.

Versorgen Präsident Spoun und Vizepräsident Keller hier alte Freunde?


Quellen:
(1) univativ Nr. 63 - Seite 24; http://www2.leuphana.de/univativ/?page_id=44
(2) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/fernsehen/team-fernsehen-20.html
(3) http://www.prisma-hsg.ch/heft/details/1322
(4) http://www.haniel.de/irj/go/km/docs/haniel_documents/hcw/public/stiftung/Kooperationen/Interview%20Timon%20Beyes_d.pdf
(5) http://www.amazon.de/Stadt-Perspektive-Konstruktion-urbaner-Räume/dp/3775718028
(6) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/fernsehen.html
(7) http://www.zeit.de/2010/30/Privat-TV-Lueneburg?page=1
(8) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/vernetzte-versorgung.html
(9) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/biokerosin.html

Montag, 7. März 2011

Wie viel Lüneburg ist im Innovationsinkubator?

Der Innovationsinkubator ist die Zukunftschance für die Leuphana Universität Lüneburg. Viel Geld steckt darin und es wird in eine ganze Reihe von Projekten und Maßnahmen gesteckt. Darunter befinden sich als Kernelement mehrere sogenannte "Kompetenztandems":
Kompetenztandems sind Projekte zur forschungsbasierten Geschäfts-entwicklung. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Leuphana und regionale Unternehmen arbeiten gemeinsam daran, innovative Geschäftsideen innerhalb von bis zu drei Jahren zur Marktreife zu entwickeln. Fragestellungen aus der Praxis können so umsetzungsorientiert gelöst und anschließend wirtschaftlich verwertet werden. (1)
Im Intranet der Leuphana Universität Lüneburg gibt es eine entscheidende Information, die von der Homepage verschwunden ist:
Innerhalb des Großprojektes Innovations-Inkubator bieten die Kompetenztandems Professorinnen und Professoren der Leuphana Universität die Möglichkeit, eigene Forschungsvorhaben anwendungsorientiert umzusetzen.
Gemeinsam mit Kooperationspartnern aus der Wirtschaft und internationalen Forschungspartnern können innovative Geschäftsideen innerhalb von bis zu drei Jahren zur Marktreife entwickelt werden. Die wissenschaftliche Leitung der mit durchschnittlich 2,1 Mio. Euro geförderten Projekte liegt bei den Lehrstuhlinhaberinnen und Lehrstuhlinhabern der Leuphana. (2)
In einem Kompetenztandem arbeiten demnach Wissenschaftler aus Lüneburg mit internationalen Partnern und regionalen Unternehmen zusammen. Die Leitung liegt bei einem Lüneburger Professor.

Ist das wirklich so?

Auf der Homepage der Leuphana Universität Lüneburg sind bislang 4 Tandems zu finden:

Bei dem Tandem Biokerosin (3) ist alles wie es sein soll. Es wird von Lüneburger Professoren geleitet. Die anderen Tandems weisen Besonderheiten auf:

Internetbasierte Gesundheitsinterventionen
wird geleitet von den Lüneburger Professoren Sieland und Funk.
Kooperationspartner aus der Wirtschaft ist die in der Schweiz angesiedelte makora AG. Sie soll ihren deutschen Firmensitz im Konvergenzgebiet ansiedeln. (4)
LeuphanaWatch fragt: Wird sie hier auch Steuern zahlen und Menschen anstellen oder nur pro forma ein Briefkastenbüro unterhalten?

Vernetzte Versorgung
wird geleitet von Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Wulf Rössler und einer internationalen wissenschaftlichen Partnerin. Wirtschaftspartner ist ein Unternehmen aus Seevetal / Hittfeld (5)
LeuphanaWatch fragt: Wer ist Prof. Rössler? Den findet man weder im Uni-Telefonbuch, noch in mystudy.

Fernsehen 2.0
wird geleitet von Gastprofessor Michael Ballhaus und dem internationalen Gastwissenschaftler Dr. Timon Beyes. (6)
Kooperationspartner aus der Wirtschaft sind Google, Hamburg 1, ein deutscher und ein amerikanischer Medienverlag. (7)
LeuphanaWatch fragt: Wo ist hier der Lüneburger Professor, der das Projekt leitet? "In Anbindung an das Institut für Kultur und Ästhetik Digitaler Medien" ist eine schöne Formulierung, aber dieses Projekt wird von externem Führungspersonal betrieben. Hilft das der Universtät? Und nebenbei: Die Unternehmen sind aber nicht gerade aus dem Fördergebiet der EU. Da fließen EU-Subventionen in amerikanische Unternehmen. Ob das im Sinne der Förderung ist?


Quellen:
(1) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems.html
(2) http://www.leuphana.de/intranet/inkubator-intranet/kompetenztandems.html
(3) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/biokerosin.html
(4) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/internettherapie.html
(5) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/vernetzte-versorgung.html
(6) http://www.leuphana.de/inkubator/inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/fernsehen/team-fernsehen-20.html
(7) http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/article4814792/Wie-Lueneburg-das-Fernsehen-neu-erfindet.html
http://www.zeit.de/2010/30/Privat-TV-Lueneburg?page=2

Montag, 3. Januar 2011

Zwischenbilanz: Leuphana auf dem Weg

Die Leuphana Universität Lüneburg ist auf dem Weg (LeuphanaWatch berichtete). Eine Zwischenbilanz:

Die Auftaktveranstaltung mit Präsident Spoun war gut besucht, auch wenn Hörsaal 4 nicht komplett gefüllt war. Gezeigt wurde eine Werbepräsentation, in der die Errungenschaften der letzten Jahre betont und vor der grauen Vorzeit hervorgehoben wurden. Die Region Lüneburg wurde als Wissenschaftswüste dargestellt, es gibt keine außeruniversitäre Forschung weit und breit. Die ehemalige GKSS in Geesthacht wurde da mal eben unterschlagen, die Metropolregion Hamburg schien weit weg. Ob diese Veranstaltung Werbung sei fragten wir und können jetzt selbst antworten: Der Wahlkampf für die nächste Präsidentenwahl hat begonnen.

Aus dem Publikum gab es erstaunlich kritische Fragen. Ein Herr von der Stadt fragte zum Innovationsinkubator, ein Alumni wünschte sich mehr Engagement der Leuphana für ihre Alumni. Eine Sozialpädagigin sprach noch einmal die Schließung der Sozialpädagogik an und fragte, wie das zu regionaler Verantwortung passt. Mehrere Studenten baten Herrn Spoun und einen kritischen Blick zurück und Aussagen dazu, was nicht optimal gelaufen sei. Der wahlkämpfende Spoun wich den Fragen geschickt aus. Direkt nach seinem größten Fehler antwortete er, er habe zu wenig Urlaub gemacht.

In der Folgeveranstaltung stellte der Dekan der Fakultät Nachhaltigkeit diese vor. Professor Ruck berichtete unter anderem über Forschungsprojekte, lobte das von ihm energieoptimierte Zentralgebäude. Unterstützt wurde er bei der Veranstaltungen von einigen Kollegen aus der Fakultät. Im Anschluss an die Veranstaltung gab es nur wenige Fragen, denn es waren lediglich eine Hand voll interessierte Personen gekommen. Trotzdem war der Hörsaal gut gefüllt. Vizepräsident Oermann hatte eine seiner zeitgleich stattfindenden Veranstaltungen ausfallen lassen und die Studenten statt dessen zu "Leuphana auf dem Weg" zwangsverpflichtet. Aus diesen Reihen kam dann auch die interessante Frage, ob sich die Fakultät auf ein Verständnis von Nachhaltigkeit geeinigt habe. Teilnehmer berichteten, dass die Antwort des Dekans äußerst vage und oberflächlich blieb. Vielleicht waren nicht nur die Studenten froh, dass es danach vorbei war.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Neue Finanzlücke beim Audimax

Holm Keller, der Leuphana Universität Lüneburg ihr liebster Vizepräsident, hat aber auch Pech. Sein Audimax steht schon so lange als Modell in seinem Schrank, aber er kriegt das Geld für den Bau einfach nicht zusammen.

Ein ganz wichtiger Baustein ist die EU, von der sich die Universität einen großen Beitrag für das Zentralgebäude erhofft.
Für den Bau des Forschungszentrums, in dem der Innovations-Inkubator untergebracht sein wird, fließt ein Anteil der EU-Förderung von ca. 19 Millionen Euro in die Finanzierung des neuen Zentralgebäudes ein. [1]
Gut gebrüllt Leuphana, aber anscheinend leider falsch. Wir enthüllen nach einem anonymen Hinweis exklusiv, dass die EU nicht die beantragten 19 Mio Euro, sondern nur rund 14 Mio Euro für das Zentralgebäude zur Verfügung stellt. Fünf Millionen Euro weniger für das Audimax und fünf Mio Euro mehr, die Keller irgendwo ausgraben muss.

LeuphanaWatch weiß: Wenn das Wörtchen "wenn" nicht wär', wär'n wir alle Millionär.


Quelle:
[1] http://www.leuphana.de/campusentwicklung/projektentwicklung/eu-grossprojekt.html

Dienstag, 7. Dezember 2010

Leuphana-Fernsehen 2.0

Innovativ ist sie, die Leuphana Universität Lüneburg. In ihrem "Innovationsinkubator" (1) (LeuphanaWatch berichtete) brütet sie Ideen aus, wie z.B. diese: Internetuser schauen auf einer youtube-ähnlichen Plattform online fern und bezahlen dafür freiwillig Geld. "Fernsehen 2.0" nennt sich diese Idee und Leuphana hält sie für so genial, dass dafür extra ein millionenschweres so genanntes "Kompetenztandem" (2) im Inkubator brüten darf (die Kollegen der LeuphanancialTimes berichteten)

Das Projekt, über dem gebrütet wird, beschreibt sich so:
Im Forschungsprojekt „Fernsehen 2.0“ im Rahmen des EU-Großprojektes Innovations-Inkubator wird eine audiovisuelle Online-Plattform eingerichtet, die Produktionsprozesse, Rezipientenverhalten und kreativwirtschaftliche Geschäftsmodelle im Bereich nutzer-generiertes Video untersucht. (3)
Es werden also Geschäftsmodelle gesucht, Geld soll verdient werden. Das Geschäftsmodell hört sich kompliziert an, ist aber einfach: mit online-Videos Geld verdienen:
Wirtschaftliches Ziel des Kompetenztandems „Fernsehen 2.0“ ist der Aufbau eines KMU im Konvergenzgebiet, das die erforschten Modelle zur Aggregation, Produktion, Lizenzierung und Distribution von Video-Content im World Wide Web umsetzt. Parallel sind Vernetzungseffekte mit KMU in der Region und darüber hinaus zu erwarten, die vom Angebot eines Internet-Fernsehsenders und der korrespondierenden Produktionsinfrastruktur Gebrauch machen wollen. (3)
Eine Frage wird erlaubt sein: Wer bezahlt im Internet freiwillig Geld für Filme, die bei Youtube kostenfrei zu sehen sind? Wer bezahlt, wenn er bei den Internetportalen der Öffentlich-rechtlichen vieles sehen kann, was mit seiner GEZ-Gebühr produziert wurde? Es darf bezweifelt werden, ob sich mit Filmchen Geld verdienen lässt.

Noch etwas anderes ist wichtig: Ziel von vielen Aktivitäten im www ist es, Inhalte kostenfrei verfügbar zu machen. Open-Source, creative commons und viele andere machen vor, wie die digitale Welt aussehen könnte, ohne überall Kommerz ausleben zu müssen. Der freie Informationszugang für alle Menschen ist das Idealbild. Menschen generieren Inhalte, um sie möglichst vielen Menschen zu zeigen. Menschen helfen einander, weil sie es gerne tun.

"Fernsehen 2.0" und Leuphana haben ein etwas anderes Ziel: online mit Inhalten möglichst viel echtes Geld verdienen.

LeuphanaWatch erkennt: Was für ein Fortschritt für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts!


Quellen:
(1) http://www.leuphana.de/inkubator/ueber-den-inkubator.html
(2) http://www.leuphana.de/inkubator/ueber-den-inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems.html
(3) http://www.leuphana.de/inkubator/ueber-den-inkubator/teilmassnahmen/kompetenztandems/fernsehen.html

Sonntag, 9. Mai 2010

Der 100 Millionen-Inkubator


„Innovationsinkubator“, was ist das eigentlich? Unter einem Inkubator können sich die meisten Menschen noch etwas vorstellen, Ein technisches Gerät, betrieben mit einer bestimmten Temperatur, z.B. als Brutschrank für Babys, zur Geflügelzucht oder für Zellexperimente. [1] Ein “Innovationsinkubator” müsste demnach eine Apparatur zum Ausbrüten von Innovationen sein. Da diese aber bislang noch von Menschen und nicht von Maschinen hervorgerufen werden, muss es sich also um etwas anderes handeln. Eine Brutstätte für Innovationen im übertragenen Sinne.

Und der Lüneburger Innovationsinkubator hat es in sich, wie Leuphana weiß:

Mit dem Innovations-Inkubator haben die Leuphana und das Land Niedersachsen ein europaweit einmaliges Vorhaben entwickelt, das mit einem Investitionsvolumen von ca.100 MIO € eine Initialzündung für die regionale Wirtschaftsentwicklung durch innovative Forschungskooperationen, zukunftsweisende Bildungsmaßnahmen sowie Infrastrukturmaßnahmen setzen wird. Gefördert wird der Innovations-Inkubator durch Mittel aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) sowie durch das Land Niedersachsen. [2]
100 Mio. Euro, eine gigantische Summe für eine arme Universität. Dementsprechend jubelten die Universitätsleitung und die Regionalpresse gleich mit.

Leuphana knackt EU-Jackpot. Fast 100 Millionen Euro Förderung für Uni als Wachstumskern der Wirtschaft in der Region. (LZ am 18.8.2009) 
100 Millionen Euro für die Leuphana-Uni (LG kompakt am 19.8.2009)
 98 Millionen für die Lüneburger Uni! (Lünepost am 19.8.2009) 
Moment! 100 Millionen oder 98 Millionen? Kein Unterschied bei der großen Summe könnte man meinen. Und dann die Überraschung:

Leuphana: 66 Millionen Euro von der EU (LG Rundschau 19.8.2009)
66 Millionen? Ist Holm Keller, der gefeierte Held, doch kein „100 Millionen Dollar Mann“? Ein nüchterner Blick auf die Zahlen zeigt die Realität.

Den größten Anteil von rund 64 Millionen Euro steuert die EU aus ihrem Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) bei. Es ist der höchste Förderbetrag, der jemals einer Universität in Europa zur Regionalentwicklung zugesprochen wurde. Weitere 22 Millionen Euro steuert das Land Niedersachsen bei, 12,5 Millionen Euro kommen direkt von der Leuphana Universität. [3]
Man addiere: 64 EU-Millionen + 22 Niedersachsen-Millionen macht nach Adam Riese 86 Millionen Förderung. Von 100 Millionen kann also keine Rede sein. Um auf diese Summe auch nur annähernd zu kommen, muss die Universität einen Eigenanteil von rund 12,5 Millionen erwirtschaften. Wo der genau herkommen soll, wurde bisher leider noch nicht verraten. Aus Studiengebühren oder regulären Haushaltsmitteln soll es jedenfalls nicht sein. Welche Alternativen gibt es und was sind deren Konsequenzen?

Eine wunderbare Rechercheaufgabe für alle Journalist_innen.

Quellen:
[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Inkubator
[2] http://www.leuphana.de/inkubator.html
[3] http://www.leuphana.de/inkubator/aktuell/ansicht/datum/2009/08/17/rekordfoerderung-fuer-die-leuphana-staerkt-region-lueneburg.html