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Mittwoch, 28. März 2012

Leuphana-Denkerei: einseitige Kooperation

Zum Jahresanfang berichtete LeuphanaWatch über die "Denkerei / Amt für Arbeit an unlösbaren Aufgaben und Maßnahmen der hohen Hand" und warf einige dringliche Fragen auf. Beantwortet sind sie nicht, aber es gibt neue. Sie rücken das Spaß-Amt nicht gerade in besseres Licht.

Im Dezember 2011 fand die Eröffnung statt, von der einige Bilder im Internet verfügbar sind (1). So zerren beispielsweise zwei Männer an einem verknoteten Seil. Ein dritter versucht mit einem Schwert das Seil zu durchtrennen. Ein Mann mit schwarzem Rollkragenpullover, Polizeimütze und (scheinbar?) einem umhängenden Holzkreuz filmt angestrengt (2). "Experimentelle Geschichtsschreibung" nennen das die "Denker vom Dienst". Ist es der wissenschaftliche Anspruch der Leuphana Universität Lüneburg? Immerhin geht sie in ihrer Denkerei einer weltbewegenden Frage nach: "Konnte Alexander der Große den gordischen Knoten mit einem Schwert durchschneiden?" (2) Anwesend sind auch einige "Größen" aus Lüneburg, wie die Fotos belegen (1).

Jeden Monat eine Veranstaltung, das scheint das Motto des "Amtes für Arbeit an unlösbaren Aufgaben und Maßnahmen der hohen Hand" zu sein. Januar: "Imaging Sciences" mit Ausstellung "Bombs and Candies." Handgranaten mit Bonbons. Februar: "literarische Aktion" im "Schaltjahr der Theorie-Geschichte". März: "Bewegungen gen Mitternacht" (3). Hat schon Personal der Leuphana Universität Lüneburg eine Veranstaltung angeboten? Bislang nicht. Werden die Veranstaltungen auf der offiziellen, leuphanisierten Webseite der Denkerei (4) beworben? Bislang nicht. Auch in mystudy finden sich keine Hinweise. Veranstaltungen der Denker vom Dienst in Lüneburg sind bislang ebenfalls unbekannt (5).

Es stellt sich dringend die Frage, welchen Nutzen die Leuphana Universität Lüneburg bislang von ihrer Kooperation mit der Berliner Denkerei am Oranienplatz hat. Da hilft es auch nicht, dass über mystudy auf die Januar-Veranstaltung in Berlin hingewiesen wurde (6). Kann eine eMail nur zwei Tage vor dem Termin der über zweihundert Kilometer entfernten Veranstaltung mehr als eine Alibifunktion erfüllen? Vielleicht mag der reiselustige Holm Keller kurzfristig in die Hauptstadt fliegen. Für alle Normalsterblichen ist nicht einmal mehr der Sparpreis der Bahn zu buchen.

Im Senat hieß es zu den Vorteilen für die Leuphana Universität Lüneburg im Herbst 2011:
"Die Kooperation (...) eröffnet (...) die Möglichkeit, in Veranstaltungen in der Bundeshauptstadt auf Arbeiten unserer Universität aufmerksam zu machen. Sie ermöglicht den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unserer Universität darüber hinaus, gemeinsame Forschungs- und Transferprojekte auf den Weg zu bringen. (7)"
Bislang ist davon nichts zu sehen. Welche Verpflichtungen die Leuphana Universität Lüneburg übernommen hat, wurde erst aus der Antwort auf eine darauf folgende Anfrage deutlich:
"(Name entfernt, LW) berichtet, dass er aus vertraulichen Quellen erfahren habe, dass im Rahmen der Eröffnung der Leuphana Repräsentanz „Die Denkerei“ in Berlin drei Stellen eingerichtet wurden und fragt in diesem Kontext an, ob diese Stellen durch die Leuphana Universität Lüneburg alimentiert werden?
P Spoun antwortet, dass die Leuphana Universität keine Stellen in der Denkerei einrichtet. Die Leuphana Universität zahlt für die Nutzung der Räumlichkeiten in Berlin keine Miete, übernimmt aber als Gegenleistung die Verwaltung der Drittmittel für das „Amt für Arbeit an unlösbaren Problemen und Maßnahmen der hohen Hand“. (8)"
Die Leuphana Universität Lüneburg richtet also keine Stellen in der Denkerei ein. Werden denn in Lüneburg neue Stellen nötig? Unbeantwortet! De facto erspart die Leuphana Universität Lüneburg jedenfalls der Denkerei wohl nicht unerhebliche Personalkosten. Und das Amt für Arbeit an unlösbaren Aufgaben hat anscheinend einen weiteren, ganz entscheidenden Vorteil.
"Allerdings gibt die Lüneburger Hochschule nicht nur ihren guten Namen (...), sondern auch steuersparende Anerkennung: Durch den "Anschluss an die Leuphana" sei "die Gemeinnützigkeit des Amtes bekundet", erklärte Bazon Brock auf einer Internetseite. (9)"
Die "Denker im Dienst" der Denkerei am Oranienplatz scheinen also auch noch kräftig Steuern zu sparen, wenn die Informationen der HAZ stimmen. Für sie sind die Vorteile der Kooperation also ziemlich greifbar. Das Gegenteil ist für die Leuphana Universität Lüneburg bislang der Fall.

Belege:
(1) http://www.bazonbrock.de/werke/detail/?id=2575 / Für Fotos auf den Pfeil in der unteren, rechten Ecke klicken.
(2) http://www.bazonbrock.de/werke/detail/?id=2575§id=2270#sect
(3) http://www.bazonbrock.de/arbeit-an-unloesbaren-problemen/
(4) http://www.leuphana.de/denkerei
(5) mystudy enthält dazu keinerlei Hinweise. Auf der Webseite (4) ist nichts vermerkt.
(6) eMail vom 24.01.2012 "[Newsletter "Präsidium"] Veranstaltung in der Denkerei: Imaging Sciences"
(7) Protokoll des Senats vom 16.11.2011, Punkt 3.7
(8) Protokoll des Senats vom 07.12.2011, Punkt 4.2
(9) "Lüneburg hebt ab. Universität Leuphana lässt künftig in Berlin denken - während zu Hause die Korruptionsprüfer anklopfen", Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ), 26./27.11.2011, Seite 1

Montag, 12. Dezember 2011

Akademisches Wahlergebnis ist da

Das Ergebnis der akademischen Wahlen an der Leuphana Universität Lüneburg ist da. Der späte Zeitpunkt liegt darin begründet, dass der Wahlausschuss das Ergebnis erst heute festgestellt hat. Es ist hier als ZIP-Datei herunterzuladen.

Im neuen Senat (Amtszeit ab 1.4.2012) gibt es bedeutende Veränderungen. So hat u.a. der profilierte Spoun/Keller-Kritiker Prof. Maset seinen Senatssitz verloren. Generell scheinen eher präsidiumsfreundliche Personen in den Senat gewählt worden zu sein. Am deutlichsten ist dies bei den Studenten sichtbar. Zu ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt hat die Liste der Fakultät Wirtschaft / Fachschaft BWL ("LEUPHANA gemeinsam gestalten!") die Mehrheit der studentischen Sitze errungen. Mit 1338 Stimmen siegte sie deutlich gegen die Nachfolgeliste von Eine Uni für alle ("AKUT - Alternativ Kritisch Unabhängig Transparent") mit 820 Stimmen. Somit besetzt die Fachschaft BWL 2 Plätze, AKUT nur noch einen. Allerdings bleibt dem Präsidium mit Senatorin Daniela S. seine schärfste Kritikerin erhalten. Sie wurde - nicht zum ersten Mal - wiedergewählt.

Eine ausführliche Analyse des Wahlergebnisses wird durch die Listen in der nächsten Zeit erfolgen müssen. Besonders die kritischen Studenten aus dem Senat müssen sich fragen, wie es zu dieser dramatischen Stimmenverschiebung kommen konnte. Erklärungsansätze kann es viele geben. Einige Gedanken:
  • die politische Ausrichtung wird grundsätzlich nicht geteilt, das Programm war zu "radikal"
  • der gefahrene harte Konfrontationskurs der letzten Amtszeit verschreckte Wähler (grundsätzlich oder weil unzureichend vermittelt)
  • der Listenname schreckte potenzielle Wähler der "Mitte" ab
  • erstmals gelang es der Wirtschaftsliste, auch vereinzelte Studenten anderer Fakultäten in ihre Liste einzugliedern
  • 'Kleinvieh macht auch Mist'; viele Kandidaten auf einer Liste ziehen viele Stimmen, weil man eher jemanden kennt - die Fachschaft mit klarem Vorteil
  • das Auslaufen der alten Studiengänge hat viele kritische Wähler wegfallen lassen
  • schlechterer Wahlkampf
Viele Gründe mag es geben. Der Kampf um die Deutungshoheit des Wahlergebnisses wird jedenfalls bald beginnen. Klar ist aber bereits jetzt: Die Opposition des Präsidenten hat einen schweren Schlag einstecken müssen. Nun bleiben als prominente Kritiker nur noch die wiedergewählte und frisch bestätigte Senatorin Daniela, der ASTA (wird allerdings bald neu gewählt, die Karten werden also neu gemischt) - und wir.

LeuphanaWatch verrät: Wir bleiben dran, denn nun sind wir nötiger denn je! Das zeigen auch die Zugriffszahlen.

Montag, 5. Dezember 2011

Senatoren gehen zum OVG

Wichtige Neuigkeiten bzgl. der Klage gegen die Wiederbestellung von Holm Keller fasst der ASTA zusammen und kommentiert:
Eilantrag der stud. Senatoren vor dem Verwaltungsgericht abgewiesen
Der Präsident fühlt sich durch das Urteil bestätigt, die SenatorInnen ziehen vors Oberverwaltungsgericht

Nachdem im Mai der hauptamtliche Vizepräsident Holm Keller ohne Ausschreibung in einem längeren Wahlverfahren wiederbestellt wurde, hatten die studentischen SenatorInnen der Senatsliste "EINE Uni für ALLE" (EUfA) einen Eilantrag gegen die Senatsbeschlüsse eingereicht. Sie sehen den "Kompromiss", den Vizepräsidenten als Teilzeitbeamten einzustellen, als nicht verfassungskonform an und bemängeln diverse Fehler am Verfahren. Heute hat nun das Verwaltungsgericht entschieden und die Klage ohne eine inhaltliche/materielle Rechtsprüfung abgelehnt. Die Begründung des Gerichtes beruhte nach Aussage der Senatsliste darauf, dass eine Verletzung der Rechte der KlägerInnen nicht vorliegt.

Universitätspräsident Sascha Spoun begrüßte noch heute Abend die Entscheidung in einer Rundmail über MyStudy:
"Hochschulleitung und Stiftungsrat sehen sich durch den Gerichtsbeschluss in ihren Einschätzungen bestätigt, dass der Beschluss des Senats vom 6. Mai 2011 weder in verfahrensrechtlicher Hinsicht noch inhaltlich zu beanstanden ist."

Die Senatsliste EUfA beruft sich auf eine Rechtsauffassung des Wissenschaftsministeriums, wonach materielle Verstöße nicht auszuschließen seien:
"Wir sehen in dieser Rechtsauffassung eine Bestätigung unserer Kritik: Zwangsteilzeit für Beamt_innen ist verfassungswidrig. Der Senat aber hat eine Ernennung Holm Kellers vorgenommen und somit ein Beamtenverhältnis angestrebt. Der Senatsbeschluss zu Holm Keller ist demnach hinfällig und muss dem Senat erneut vorgelegt werden", so Daniela Steinert. "Hinsichtlich dieser Ausgangslage war es für uns selbstverständlich, vor das OVG zu ziehen, um die fehlerhaften Beschlüsse zu revidieren."

Auch der AStA hatte die Wiederbestellung des VP Keller im Sommer mit zahlreichen Aktionen kritisiert.

"Ich bin enttäuscht, dass das Gericht den Antrag nun abgelehnt hat, ohne die tatsächlichen Rechtsfragen zu erörtern. Wenn tatsächlich Rechte von SenatorInnen beschnitten wurden und die Entscheidung nicht rechtskonform ist, sehe ich die Gerichte in der Pflicht hier eine umfangreiche Rechtsprüfung durchzuführen." So Julian Frey, Sprecher des AStA. Ähnlich sieht das ganze Mathias Ahrens von der Senatsliste (EUfA):

"Wir bedauern es zutiefst, dass das Verwaltungsgericht zu dieser Entscheidung gekommen ist. Für uns ergeht aus der Begründung des Beschlusses kein ausreichender Schutz für die Rechte des Senates und der Hochschulöffentlichkeit. Wenn niemand gegen rechtswidrige Entscheidungen angehen kann, können die wenigen Rechte, die die Gremien überhaupt noch haben, nicht geschützt werden."

Steffen Riemenschneider, ebenfalls Sprecher des AStA, ergänzt:
"Wir können nun nur noch abwarten und hoffen, dass die RichterInnen am Oberverwaltungsgericht sich der Rechtsprüfung annehmen, damit wir endlich Klarheit bekommen. Wir halten es für unwahrscheinlich, dass das Ergebnis der Wiederbestellung rechtskonform ist. Wir haben von Anfang ein Verfahren mit öffentlicher Ausschreibung befürwortet. Da dies offenbar von der Hochschulleitung nicht erwünscht war, müssen nun alle Beteiligten mit den Konsequenzen umgehen."
Unterstützung haben die Senatoren von der Fachschaft Kuwi erhalten, welche die Klage einstimmig unterstützt.

LeuphanaWatch wünscht viel Erfolg beim OVG.

Sonntag, 4. Dezember 2011

Kritische Köpfe stärken, wählen gehen

Ab morgen wird gewählt, die Hochschulwahlen 2011 finden vom 5. - 7. Dezember statt. Alle Studenten der Leuphana Universität Lüneburg sind wahlberechtigt und können abstimmen über:
- Studentenparlament (StuPa)
- Fachgruppenvertretungen (FGV)
- Semesterticket
- Semesterticket Kultur
- Senat
- Fakultätsrat

Die Wahlbeteiligung ist an der Leuphana Universität Lüneburg traditionell hoch. Das sollte auch in diesem Jahr sein, damit die Studentenvertreter mit einem guten Ergebnis im Rücken offensiv für die Interessen ihrer Wähler auftreten können. Verschiedene Wahllisten, Kandidaten und Ticketvarianten stehen zur Auswahl. Eine Übersicht und zahlreiche weitere Informationen bietet der ASTA auf seiner Webseite zur Hochschulwahl. Eine Wahlzeitung mit dem Programm der verschiedenen Listen und Kandidaten ist beim ASTA zu finden.

LeuphanaWatch gibt traditionell keine Wahlempfehlung ab. Allerdings empfehlen wir einen Blick in die Wahlprogramme der Kandidaten, die mit kritischem Verstand gelesen und hinterfragt werden sollten. Und wir bitten euch wählen zu gehen. Hochglanzflyer mit Leuphana-Logo und kritiklose Lobhudelei haben selten Verbesserungen angestoßen. Stärkt kritische und unabhängige Köpfe, die auf Misstände und Probleme hinweisen. Nur so kann es in eurem Sinne Veränderungen geben.

Sonntag, 20. November 2011

Kandidaten für Senat / FAK-Räte stehen fest

Für die akademischen Wahlen im Dezember steht fest, wer für den Senat und die Fakultätsräte kandidiert und um Stimmen wirbt. Details zur Wahl und zu den Wahlvorschlägen gibt es auf der Webseite der Leuphana Universität Lüneburg.

http://myshare.leuphana.de/de701e774c0277718187eeec16a595e5

Die wichtigsten Erkenntnisse für Studenten bzgl. der Senatswahl:
Die Liste der Fachschaft BWL nennt sich in diesem Jahr "LEUPHANA gemeinsam gestalten".
Eine Uni für alle nennt sich "AKUT".

Samstag, 19. November 2011

Geht es noch peinlicher?

In den letzten Tagen hat sich ein wahrer Showdown über die eMailverteiler der Leuphana Universität Lüneburg ereignet. Die Kontrahenten: eine neue Professorin, die Fachschaft BWL und die Senatoren der Liste "Eine Uni fuer alle". LeuphanaWatch dokumentiert:

Auslöser war eine Pressemitteilung von "Eine Uni fuer alle" vom 1.11..

Am 17.11. sandte ein Mitglied der Fachschaft BWL folgende eMail über die Verteiler:
Liebe Kommilitonen,
heute wurden wir von Frau Prof. Dr. (Name zum Schutz der neuen Professorin entfernt, LW) gebeten, die unten stehende Nachricht zu verbreiten.

Gerne tue ich dies über diesen Weg. Ich teile die Meinung von Daniela Steinert (Senatsliste „Eine Uni für alle“/ „AKUT“) ausdrücklich nicht. Vielmehr sehe ich in den neuen Professoren und Dozenten, die an die Leuphana kommen eine Bereicherung für unsere Universität. Sie helfen den eingeschlagenen Weg der Neuausrichtung weiterzugehen und tragen zu einer Vielfalt an unserer Uni bei.

Frau (Name entfernt, LW) und viele andere würden sich bestimmt freuen, wenn ihr Euch bei Ihr meldet und eure Meinungen zu den neuen Mitgliedern der Leuphana weitergibt. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass Ihr alle gegen neue Meinungen und Herangehensweisen seid.

Viele Grüße

(Name des Mitglieds der Fachschaft BWL entfernt, LW)
(Senatsliste „Leuphana gemeinsam gestalten!“)

******
Mail von Frau (Name entfernt, LW):


Liebe Frau Steinert,
liebe Studierende,
vor drei Wochen habe ich mit viel Enthusiasmus meine Tätigkeit als Professorin für Kunstgeschichte an der Leuphana Universität aufgenommen. Ein am 1. November über myStudy verschicktes Schreiben, unterschrieben von der Senatsliste „Eine Uni für alle“, hat mich - und nicht nur mich, sondern auch andere neu berufene Kolleginnen und Kollegen – irritiert. Dort heißt es in einem Zitat von Ihnen, Frau Steinert, dass wir, also die neu Berufenen, der Universität schaden würden. Für diese infame Behauptung hätten ich und andere Angesprochene gerne eine Erklärung, und wir hoffen, dass dies im Modus einer kritischen Argumentation statt der Diffamierung möglich ist. Auch wüssten wir gern, ob die Studierenden insgesamt diese Einschätzung teilen, ob also Ihre Meinung Konsens ist oder nicht. Deshalb lade ich die Studierenden, im Namen auch anderer neu berufener Kolleginnen und Kollegen, herzlich zu einem Gespräch ein. Geeignet scheint mir ein Mittwochnachmittag zu sein, damit auch möglichst viele teilnehmen können.

Vor allem aber sollte es in diesem Gespräch um unsere zukünftige Zusammenarbeit gehen. Für einen Gesprächstermin schlage ich den 23. November, 14.00 – 15.00 Uhr vor, im Raum C5.326. Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele Studierende an diesem Gespräch teilnehmen würden.

Mit freundlichen Grüßen,
Prof. Dr. (Name entfernt, LW)
Am 18.11. folgte umgehend eine Erklärung der angegriffenen Senatorin:
Liebe Studierende,
zum Hintergrund der Email, die (Name entfernt, LW) (Nachrücker für den Senat, Senatsliste "Für Euch und unsere Uni - die Fachschaft"; Fachgruppenvertretung BWL) gesternabend weitergeleitet hat:

Das Schreiben von Frau (Name der Prof. entfernt, LW) an mich und die Studierenden ist bereits älter. Über drei Ecken und leider nicht von ihr persönlich wurde mir ihr Schreiben schon Anfang November zugetragen. Sie fragte einige neu berufene Kolleg_innen, ob diese eine solche öffentliche Veranstaltung ebenfalls begrüßen würden und schickte ihnen diesen Brief, den nun auch ihr erhalten habt. Offensichtlich läd sie allerdings als Einzige zu dem Treffen am 23. November ein.

Auf ihren Brief hin habe ich am 08.11. geantwortet, um meine Aussage in den richtigen Kontext zu stellen und mich für das Missverständnis zu erklären und zu entschuldigen. Leider habe ich daraufhin keine Reaktion erhalten, auch nicht von Frau (Name entfernt, LW) selbst.

Dass jetzt der Brief von Frau (Name der Prof. entfernt, LW) an alle Studierenden verschickt wird, ist deshalb sehr befremdlich für mich, da Frau (Name der Prof. entfernt, LW) zu keinem Zeitpunkt den direkten Kontakt zu mir gesucht oder Interesse daran gezeigt hat, meine Entgegnungen zu ihrem Brief wahrzunehmen bzw. zu kommentieren. Auch hat sie den Termin, zu dem sie die Studierenden einläd, nicht versucht, mit mir abzusprechen, so dass ich ihr Interesse an einer tatsächlich klärenden Aussprache nicht erkennen kann.

Ich leite Euch hiermit mein Schreiben weiter, welches ich an Frau (Name der Prof. entfernt, LW) gerichtet habe. Darunter findet ihr außerdem die Pressemitteilung, auf die sich Frau (Name der Prof. entfernt, LW) bezieht. Wie bereits in diesem Schreiben angekündigt, werde ich mich an einem Treffen gerne beteiligen, wenn es sich um ein inhaltliches Treffen handelt. Bisher möchte Frau (Name der Prof. entfernt, LW) eine Erklärung meinerseits zu meiner Aussage und ein Treffen mit Studierenden, um zu erfahren, ob alle Studierenden diese meine vermeintliche Aussage teilen.
Meine Erklärung hat Frau (Name der Prof. entfernt, LW) bereits erhalten und ich wiederhole sie hiermit gerne noch einmal (siehe unten). Da ich die Aussage, die neu berufenen Professor_innen schaden der Universität, niemals geäußert habe, kann ich den Hintergrund und den Sinn ihres zweiten Anliegens allerdings nicht verstehen. Zu jeder inhaltlichen Diskussion bin ich gerne bereit. Derzeit entsteht allerdings aufgrund des Vorgehens von Frau Söntgen eher der Eindruck, als verfolge sie politische Interessen, die außerhalb der Klärung meiner Aussage liegen.

Abschließend möchte ich auch anmerken, dass es mich irritiert, dass Frau (Name der Prof. entfernt, LW) den Weg über (Name des Mitglieds der Fachschaft BWL entfernt, LW) wählt (und nicht z.B. über die zentrale studentische Exekutive - den AStA), um ihren Brief an die Studierenden zu verbreiten. Ausdrücklich distanzieren möchte ich mich davon, dass Herr (Name des Mitglieds der Fachschaft BWL entfernt, LW) diese Aufgabe, die ihm Frau (Name der Prof. entfernt, LW) übertragen hat, nutzt, um als bisher unbeteiligter Dritter seine Meinung kund zu tun und sich damit zu positionieren und zu profilieren. Sollte es sich bei dem angekündigten Treffen um eine sachliche Diskussion handeln, darf diese nicht im Vorfeld mit den politischen Differenzen zwischen den bisherigen politischen Akteur_innen verbunden und belastet werden.

Beste Grüße,
Daniela

**********
EMAIL VOM 8.011.2011

Liebe Frau (Name der Prof. entfernt, LW),
Liebe Neuberufene,
Liebe Studierende,

offensichtlich ist bei der Pressemitteilung der Senatsliste "EINE Uni fuer ALLE" (http://eineunifueralle.wordpress.com/2011/11/01/universitat-luneburg-war-niemals-pleite/) ein Missverstaendnis aufgetreten.
Meine Aussage, die externen Berufungskommissionen und das Vorgehen von Praesident Herrn Spoun haetten der Universitaet geschadet, bezieht sich auf den Einstellungsstop, den Herr Spoun von 2006 bis 2008 verlaengert hat und demnach bis 2009 keine Professor_innen eingestellt werden konnten. Dies tat er mit der Argumentation, die Universitaet sei herab gewirtschaftet und in den roten Zahlen. Aufgrund einer dieser Aussagen wurde damals gegen Herrn Spoun eine Klage eingereicht. Dass die Pleite der Institution tatsaechlich nicht der Wahrheit entsprach, können wir jetzt mit Jahresabschlussbilanzen belegen. Dass der Universitaet damit geschadet wurde - 3 Jahre lang Mangel in Lehre und Forschung, sowie in der Entwicklung von Fachbereichen und Forschungsfeldern, UEberbelastung der Lehrenden, etc. - das werden Ihnen auch viele der Menschen bestaetigen können, die damals ebenfalls bereits an der Universitaet waren.
Vor allem, weil mit der Einfuehrung des (Alt-)Bachelors sowie 2007 mit der uebereilten Einfuehrung des Leuphana-Bachelors insgesamt 3 bzw. 4 Studienabschluesse (je nachdem, ob Magister und Diplom als ein oder zwei Abschluesse zu rechnen sind) an der Universitaet parallel liefen, war die Arbeitsbelastung und Auslastung der Institution sehr hoch.

Meine Aussage beinhaltet darueber hinaus ebenfalls Kritik daran, dass die Fakultaeten aufgrund der externen Berufungskommissionen ihr Hoheitsrecht der Berufungen verloren haben und die Gestaltung der Studien- und Forschungsinhalte somit nicht von der Universitaet getragen, sondern vom Praesidium vorgenommen wurde. Auch haben die Studierenden ihre Stimme in den Kommmissionen verloren. Diese Neuberufungen aber beeinflussen sehr stark die Ausrichtung der Universitaet und sollten demnach auch von einer Gemeinschaft vorgenommen werden. Viele Profs initiierten damals eine Unterschriftenliste gegen diesen vehementen Eingriff in die Rechte der Fakultaeten, ueber eine Klage wurde lange diskutiert. Denn die flaechendeckende Einrichtung solcher Kommissionen ist vom Gesetz nicht gedeckt, eine juristische UEberpruefung - die dem Praesidenten nach seiner Aussage vom Ministerium vorlag - haben wir nie zu Gesicht bekommen.
Dass aber solch einseitige, von den Fakultaeten nicht getragene, Berufungen auch einseitige Interessen beruehren und eben nicht ausgewogen stattfinden (gerade transdisziplinaere Studiengaenge leben von den pluralistischen Perspektiven innerhalb der Fakultaeten - die Einsetzung von Kommissionen und die Berufungen muessen demnach auch innerhalb dieses Pluralismuses stattfinden), vor allem nicht innerhalb der Expertise vor Ort (welche die Uni, die Studiengaenge, die Beduerfnisse etc. kennen), ist eine kaum auszubleibende Folge. Dass dieses Vorgehen auch der universitaeren Gemeinschaft und die lange Zeit der Mangelwirtschaft den Lehrenden und den Studierenden geschadet hat, dies bleibt meine Aussage.

Ich bitte allerdings diejenigen um Verzeihung, die sich von meiner, möglicherweise durch einen unguenstigen Ausdruck missverstandene, direkte Aussage vor den Kopf gestoáen fuehlen. Diejenigen der neu berufenen Professor_innen, die mir bereits begegnet sind, mit mir vielleicht auch schon politisch diskutiert haben, werden hoffentlich bestaetigen können, dass ich ihnen niemals abschaetzig begegnet bin und niemanden verantwortlich mache fuer eine Situation an der Universitaet, die sie nicht beeinflussen konnten.

Bei einer Diskussionsrunde zu "externen Berufungskommissionen", "Neuberufungen" u.a. wuerde ich selbstverstaendlich auch zu meinen Vorbehalten und zu den Vorwuerfen, die ich Herrn Spoun mache, Stellung beziehen.

Mit freundlichen Grueßen,
Daniela Steinert
Wenige Stunden später erklaerte widerum das betroffene Mitglied der Fachschaft BWL:
Liebe Kommilitonen,
ich schreibe Euch erneut, da es mir wichtig ist Euch zu sagen, dass ich Daniela Steinert zu keinem Zeitpunkt persönlich zu nahe treten wollte.

Sollte dies so gewirkt haben, dann entschuldige ich mich dafür. In Ihrer Stellungnahme macht Daniela Steinert deutlich, dass die von Frau Prof. (Name entfernt, LW) getätigte Interpretation ihrer Aussagen nicht ihr gewollt waren.

Nichts destotrotz teile ich viele Aussagen aus der PM vom 01.11.2011 ausdrücklich nicht!

Dazu hier die Stellungnahme der Uni zu den mit Wiederlegungen der Vorwürfe der Liste „Eine Uni für alle“: http://myshare.leuphana.de/989e577cb753faf863217f2d574f2220

Aufgrund dieses Missverständnisses schlage ich dennoch weiter vor, dass Ihr Frau (Name entfernt, LW) (ENTFERNT@leuphana.de) mitteilt, dass es hier an der Uni viele Menschen gibt, die froh über die neu berufenden Dozenten sind. Ich persönlich halte sie nach wie vor für eine Bereicherung der Leuphana und hoffe, dass noch viele renommierte und qualifizierte Menschen an unsere Universität kommen.

Da es auch hier einige Missverständnisse gab noch die Fakten zu meiner Person:

(Name entfernt, LW), Master BD 3. Semester
FGV Master Business Development
Vertreter der aktuellen Senatsliste “Für Euch und unsere Uni -Die Fachschaft”
Kandidat der neuen Senatsliste (2012): „Leuphana gemeinsam gestalten!“

p.s. Ich wollte das einfach klarstellen, sorry dafür, dass ihr jetzt noch eine Mail dazu bekommen habt. Das nächste Mal werde ich das von meiner Seite direkt mit Daniela klären!
Was zwischen den letzten beiden eMails hinter den Kulissen abgelaufen ist, kann nur erahnt werden. Erstaunlich ist jedenfalls das Verhalten der Professorin. Sollte sie eine Nachricht verschicken wollen, warum dann über die Fachschaft BWL und nicht z.B. ihr Dekanat oder mzstudy oder den ASTA oder das Studentenparlament? Sollten die Ausführungen von Senatorin Steinert stimmen, wäre das Verhalten der neuen Professorin zudem sehr unprofessionell. Nachdem bereits eine Klarstellung in einer privaten eMail erfolgt ist, ist es mehr als peinlich, nach Wochen noch einmal mit den alten Vorwürfen Politik zu machen. Der Betroffenen vorher nicht einmal zu antworten ist beschämend. Nennt sich so etwas ab sofort "akademisches Niveau"?

LeuphanaWatch fragt: Disqualifiziert sich da gerade jemand selbst?

Unabhängig davon muss die Frage gestellt werden, ob Kritik an Berufungsverfahren ab sofort nicht mehr erlaubt ist, weil die Neuberufenen sich sonst gekränkt fühlen? Etwas Differenzierungsfähigkeit wäre angebracht. Peinlich, peinlich, dieses Schauspiel.

Freitag, 11. November 2011

Wahlkampf absurd

Nach der aufgeladenen Amtszeit 2011 verspricht der Wahlkampf für die neue Gremienwahl spannend zu werden. Dieses Jahr üben sich nicht nur die Studierenden in Grabenkämpfen, sondern auch die Professoren.

Entgegen sonstiger Gepflogenheiten schlägt die Wahl der studentischen Gremien hohe Wellen. Bereits seit 2008 hat sich das Studierendenparlament weniger als konsensorientiertes Parlament aufgestellt, sondern in widerstreitenden parteinahen oder studiengangsspezifischen Listen Politik gemacht. Neu ist dieses Jahr, dass sich Studierende zu einer Liste formieren, die sehr an die "Leuphana Studierendenschaft" aus dem Jahr 2007 erinnern: Eine ominöse "Liste Leuphana" rüttelt die Universität auf. Sie schreibt auf ihrer Homepage:
"Brauchen wir als Studierende so viele eigene Räume? Braucht jede Fachgruppenvertretung eines Studiengangs ein eigenes Büro? Braucht es ein "Wohnzimmer" in dem Studierende nichts tun außer zu sitzen und Kaffee zu trinken (wofür Café 9 eigentlich da ist)?"

"In der optimalen Hochschule sind alle Studiengänge perfekt aufeinander abgestimmt, die klugen Köpfe befruchten sich gegenseitig und die Major und Minor greifen wie präzise geölte Zahnräder ineinander. Es muss jedoch diskutiert werden ob wirklich alle Studiengänge diese Anforderungen erfüllen und in das Konzept der Leuphana passen. Die Universität braucht Studiengänge mit hohem Forschungs- und Leistungsoutput, diese müssen wir fordern und fördern. Dazu gehören in erster Linie die Nachhaltigkeits-, Kultur- en sowie die Wirtschaftswissenschaften. Andere Studiengänge weisen in diesem Bereich Differenzen auf, die ihren Platz an der Universität in Frage stellen. Einer dieser Fälle ist das Lehramt.
Im Lehramtsstudium wird nicht Bildung vermittelt sondern für einen Beruf ausgebildet. Lehramt bringt keine Erkenntnisse, die in den Wissenspool auf unserem Campus einfließen können. Lehramtsstudierende werden niemals die nachhaltigen Entscheidungen eines Unternehmens beeinflussen, keine wissenschaftlichen Erfolge feiern, keine Nobelpreise gewinnen – sie passen, kurz gesagt, auf Kinder auf. Natürlich ist dies eine löbliche Aufgabe und ihnen gehört Ankerkennung gezollt. Aber passen sie zur Leuphana? Wir wollen uns als Liste dafür einsetzen, dass dieser Diskurs ehrlich und im Einverständnis aller Beteiligten geführt wird um eine für alle zufriedenstellende Lösung zu finden."
Wer näher hinsieht, bemerkt, dass es die "Liste Leuphana" bereits zur letzten Wahl gab, damals wie heute eine Kritik der bisherigen Linie des Präsidiums der Leuphana. So gelingt es der Liste, den Finger in die richtige Wunde zu legen: Wer erinnert sich nicht an Spouns Schlingerkurs in Sachen Lehramt? Lange hat es der Präsident kontinuierlich vermieden, zu Lehramt an der Leuphana Universität Lüneburg deutlich Stellung zu beziehen. Musste er im Rahmen einer studentischen Vollversammlung im Jahr 2010 die Akkreditierung des Lehramts vorantreiben, so fühlt er sich nun erneut dazu genötigt, zu reagieren. Am 10. November wurde folgende Stellungnahme des Präsidenten und der Dekanin an alle Mitarbeitenden der Universität verschickt:
"Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Studierende,

die sogenannte „Liste Leuphana“ hat folgende Ausführungen zur Stellung der Lehrerbildung an der Leuphana Universität verbreitet:
„Im Lehramtsstudium wird nicht Bildung vermittelt sondern für einen Beruf ausgebildet. Lehramt bringt keine Erkenntnisse, die in den Wissenspool auf unserem Campus einfließen können. Lehramtsstudierende werden niemals die nachhaltigen Entscheidungen eines Unternehmens beeinflussen, keine wissenschaftlichen Erfolge feiern, keine Nobelpreise gewinnen – sie passen, kurz gesagt, auf Kinder auf. Natürlich ist dies eine löbliche Aufgabe und ihnen gehört Ankerkennung gezollt. Aber passen sie zur Leuphana? Wir wollen uns als Liste dafür einsetzen, dass dieser Diskurs ehrlich und im Einverständnis aller Beteiligten geführt wird um eine für alle zufriedenstellende Lösung zu finden."

Präsidium und Dekanin der Fakultät Bildung weisen diese Vorwürfe scharf zurück. Bereits im Zuge der intensiven Diskussion und kritischer Abwägung aller Aspekte des Senats zur Entwicklungsplanung im Jahr 2008, wurden immer wieder Vermutungen und Vorwürfe geäußert, die Lehrerbildung passe nicht in das Leuphana Konzept und würde über kurz oder lang geschlossen werden. Teil der Entwicklungsplanung war die Implementierung von vier Wissenschaftsinitiativen, eine davon ist die Initiative Bildungsforschung. Zudem wurde die Neuaufstellung der Lehrerbildung von einer externen Expertenkommission begleitet. Für eine zukunftsorientierte Lehrerbildung strebt die Leuphana Universität folgende Ziele an:

1. Kompetenzen bündeln
In der Fakultät Bildung sind die notwendigen Ressourcen für das Lehramtsstudium gebündelt. Darüber hinaus verstärken die anderen drei Fakultäten in spezifischen Fachgebieten die Lehrerbildung sowohl in Forschung als auch Lehre, so dass die Leuphana insgesamt für ein hervorragendes Portfolio in der Lehrerbildung steht. In der Fakultät Bildung und den für die Lehrerbildung wichtigen Nachbardisziplinen sind bereits zehn neue Professorinnen und Professoren neu berufen worden. Mit dem Zielbild einer Ausstattung von insgesamt ca. 30 Professuren sind sowohl der Professionalisierungsbereich (Erziehungswissenschaften und Psychologie) als auch die Fachdidaktiken und Fachwissenschaften im Vergleich mit anderen Universitäten personell gut ausgestattet. Um die Idee einer gemeinsamen Wissenschaftsinitiative mit Leben zu füllen, wird intensiv an dem Forschungsschwerpunkt „Umgang mit Heterogenität in der Schule“ gearbeitet. Damit positioniert sich die Leuphana Universität Lüneburg sowohl in der Forschung als auch in der Lehre deutlich im aktuellen bildungswissenschaftlichen Diskurs.

2. Bildung statt Ausbildung
Das professionelle Handeln von Lehrerinnen und Lehrern erfordert neben sachlichfachlicher Expertise ein enormes Maß an Reflexionsfähigkeit und Weitsicht, welches dadurch angeregt und entwickelt wird, dass die beteiligten Disziplinen Erziehungswissenschaften, Psychologie, Fachdidaktiken und Fachwissenschaften – Forschung, Lehre und Praxis im Sinne einer handlungsorientierten Bildung auf fundiertem wissenschaftlichen Niveau miteinander verbinden. Über diese enge Verzahnung wird angestrebt, die Lehramtsstudierenden sowohl auf eine problemorientierte, Fachgrenzen überwindende Unterrichtsgestaltung vorzubereiten als auch deren lebenslange eigene Professionalisierung zu initiieren. Dabei geht die Lehrerbildung im Sinne des Bildungsideals der Leuphana Universität Lüneburg grundsätzlich über ein Konzept reiner Kompetenzentwicklung hinaus. Die Verzahnung von Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Erziehungswissenschaft/Psychologie zielt immer auch darauf ab, mit den Studierenden spezifische überfachliche Werthaltungen und Orientierungen als Deutungsmuster und Grundlage zu entwickeln, um zukünftige Herausforderungen aktiv gestalten zu können.

3. Theorie trifft Praxis
Die Ermöglichung frühzeitiger und kontinuierlicher Lehr- und Praxiserfahrungen innerhalb der Lehrerbildung sind ein wesentlicher Eckpfeiler an der Leuphana Universität Lüneburg. In den Fokus rückt somit eine konkrete Handlungsebene, die spezifische Wissensbedarfe und Bedingungsfelder ersichtlich werden lässt. Dies impliziert die Konzeption und Etablierung praxis- und problemorientierter Lehr-Lern-Arrangements und Methoden im hochschuldidaktischen Kontext. Mit der Stärkung dieser theoriebasierten Praxis- und Problemorientierung wird ein gewichtiger Schritt zur Entwicklung von beruflicher Professionalität in der universitären Lehramtsausbildung ermöglicht. Durch ein Partnernetzwerk aus Fakultät Bildung, Kompetenzzentrum für schulische Praxisstudien, umgebenden Schulen, der Landesschulbehörde sowie das demnächst zu gründende Kompetenzzentrum für Lehrerfortbildung wird über die reflexive Verzahnung von Theorie und Praxis ein national konkurrenzfähiges und internationalen Ansprüchen genügendes Profil aufgebaut und eine entsprechende Ausbildung, Bildung, Fort- und Weiterbildung professionell in Schule Agierender garantiert.

4. Flexibilität durch innovative Studienangebote
Mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur werden derzeit die Möglichkeiten eines viersemestrigen Master of Education ausgelotet. Dieses Studienangebot eröffnet den Studierenden die Chance, mit einem Masterangebot in Educational Sciences entweder die schulbezogene Berufsperspektive zu vertiefen als auch ein verstärkt theoretisch-wissenschaftliches Programm zu wählen. Beide Wege, die viersemestrigen Master für das Lehramt an Grundschulen, an Haupt- und Realschulen sowie an Berufsbildenden als auch der Master in Bildungswissenschaften eröffnen den Studierenden den Weg zur späteren Promotion bei entsprechender persönlicher und fachlicher Eignung. Zudem besteht die Möglichkeit durch das integrative Konzept der Graduate School das Masterstudium mit einer Promotion zu verzahnen. Auf diesem Weg wird auch der akademischen Nachwuchs und damit die Forschung gefördert, die Qualität in der Lehramtsausbildung durch vertiefte wissenschaftliche Fundierung und Fachlichkeit erhöht sowie die Attraktivität der Leuphana Universität für Studierende gesteigert.
Eine erneute Diskussion um die Bedeutung der Lehrerbildung an unserer Universität erscheint uns gegenüber den vielen Kolleginnen und Kollegen, die mit großem Engagement und Einsatz an der Erreichung der oben formulierten Ziele arbeiten, unangemessen. Im laufenden Wahlkampf der akademischen Hochschulwahlen sind kontroverse Diskussionen wünschenswert, diese sollten aber auf einer sachlichen Ebene geführt werden.

Mit herzlichen Grüssen
(Namen entfernt)"
Es ist doch erstaunlich, dass es eine Liste für die studentischen Wahlen schafft, noch im Vorfeld der Wahlen eine solche Reaktion hervor zu rufen. LeuphanaWatch gratuliert den engagierten Studierenden und wünscht weiterhin viel Erfolg!

Auch auf der Seite der Professorenschaft aber zeigt sich das Ergebnis der Spounschen Politik: Entgegen bisheriger Gepflogenheiten, sich nach Fakultäten für den Senat aufstellen zu lassen, gibt es anstelle der bisherigen Listen (BiKuwi, Wirtschaft, Nachhaltigkeit) die Listen "BiKuwi", "Wirtschaft" und "Neuausrichtung". So mutiert die ehemalige Nachhaltigkeits-Liste zum Auffangbecken für all diejenigen, die unter dem Deckmantel der Neuausrichtung einen Wahlkampf mit Schlagworten antreten. Wer sollte sich schon gegen die Neuausrichtung aussprechen? Spannend wird, ob sich die Listen der Profs jetzt, wo sich politische Listen formieren, auch Wahlprogramme und politische Erklärungen abgeben oder ob die nächste Amtszeit der Gremium von einem primitiven Grabenkampf bestimmt wird: pro oder contra Präsidium.

Montag, 31. Oktober 2011

Ministerin Wanka stellt sich der Öffentlichkeit

Am Mittwoch kommt Ministerin Wanka an die Leuphana Universität Lüneburg. Bereits im Vorfeld ist das ihr vermutlich eher unangenehme Thema Studiengebühren auf dem Campus thematisiert worden (LeuphanaWatch berichtete). Wie der ASTA nun ankündigte, wird sich die Ministerin am 2.11. um 17:15 Uhr in Hörsaal 1 in einer öffentlichen Veranstaltung der Diskussion stellen.

Die Veranstaltung dürfte interessant bis hitzig werden, denn das Thema Studiengebühren wird sicherlich entschieden angesprochen werden. Der ASTA beteiligt sich derzeit an einer niedersachsenweiten Unterschriftenaktion zur Abschaffung der Gebühren, die neben Studenten in unserem Bundesland bald nur noch jene in Bayern zahlen müssen. Beinahe amüsant mutet es da an, wenn die Ministerin in einem Brief an alle Studienanfänger auf die guten Studienbedingungen in Niedersachsen und die (vermeintlich) maßgebliche Mitbestimmung der Studenten bei der Verwendung der Studiengebühren hinweist. (1) Andere Bundesländer schaffen ihre Studienbedingungen, ohne auf sozial unverträgliche Gebühren zurückzugreifen. Aber das verschweigt die Ministerin wohl im Wissen um die Wirkung dieser Tatsache.

Dem Vernehmen nach wird sich die Ministerin zusätzlich in einer gesonderten Veranstaltung mit den Senatoren zum Gedankenaustausch treffen. Themen gäbe es freilich auch dort genug.

(1) Brief der Ministerin an alle Studienanfänger zum Wintersemester 2011 / 2012, ohne Datum

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Studentenparlament ist jetzt auch Leuphana (III)

Das Studentenparlament ist jetzt endgültig auch Leuphana Universität Lüneburg. Unter
http://www.leuphana.de/stupa
finden sich die neuen Webseiten des studentischen Gremiums.
Anbiedern an den Präsidenten?
Quelle: http://www.leuphana.de/stupa

Die optische Anpassung an das Corporate Design der Leuphana Universität Lüneburg drückt sich im gesamten Stil der Seiten aus. Sogar die Leuphana-typischen nichts-sagenden und uniformen Bilder haben ihren Eingang in die Seite der Studentenvertretung gefunden. Das führt zu absurden Kombinationen. So ist dem Thema Hochschulwahlen ein Bild einer Schülerin beim Bachelor-Informationstag zugeordnet. Zur Rubrik "Ausschüsse und Vorsitz" wird eine Bebilderung aus der Konferenzwoche des Leuphana-Semesters für passend gehalten. So nimmt sich studentische Selbstverwaltung ernst!

Auf andere Weise absurd ist das Foto auf der Unterseite mit der Selbstbeschreibung des Studentenparlaments (1). Es zeigt die als erbitterte Gegnerin des Präsidenten bekannte Senatorin Daniela Steinert (2) auf einer Mahnwache des Studentenparlaments im Sommer 2008, die unter dem Motto "Sie verlassen den demokratischen Sektor" stand und sich gegen einen Bericht der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsens und die vom Präsidium betriebene Schließung des Studiengangs Sozialpädagogik richtete (3).
Ein Bild aus besseren Tagen: Studentenparlament gegen Spoun
Quelle: per eMail erhalten

Dass ausgerechnet ein Bild von Senatorin Daniela Steinert und einer Demonstration gegen die Vorhaben von Präsident Sascha Spoun als Bebilderung für die Webseiten des aktuellen Studentenparlaments herhalten muss, dürfte allen abgebildeten Personen kaum recht sein. Selten hat sich ein Studentenparlament in den Augen langjähriger Betrachter derart unterwürfig an die Leitung der Leuphana Universität Lüneburg heran geworfen, wie es das aktuelle tut (4). Damit endet eine lange Tradition der kritischen Distanz zwischen Präsidium und Studentenvertretung. Sehr hat die interessierte Öffentlichkeit in den letzten Monaten kritische Stellungnahmen des Parlaments vermisst, wenn es um die Zumutungen geht, die das Präsidium der Leuphana Universität Lüneburg am laufenden Band produziert.

Man möchte meinen, die abgebildeten Personen rufen zu hören: Schämt ihr euch denn gar nicht? Wir wollen das Gegenteil von euch und ihr nehmt uns als Bild auf eure Webseite?

Nachweise:
(1) http://www.leuphana.de/stupa/ueber-das-studierendenparlament.html
(2) http://eineunifueralle.wordpress.com
(3) http://www.asta-lueneburg.de/fileadmin/images/asta2_0/ausgabe14.pdf
(4) LeuphanaWatch dankt für die Einschätzung.

Freitag, 14. Oktober 2011

Audimax-Dossier auf dem Prüfstand

Lücken in der Audimax-Finanzierung und Korruptionsverdacht gegen Vizepräsident Holm Keller. Das konnte das Präsidium nicht auf sich sitzen lassen und sah sich nach massivem Medienrummel zu einer Stellungnahme genötigt (LeuphanaWatch berichtete). Das so genannte "Audimax-Dossier" (1) ging ausführlich auf verschiedene Kritikpunkte ein und versuchte sie zu entkräften.

Knapp einen Monat nach Veröffentlichung des Dossiers haben sich der ASTA und die Senatoren der Liste "Eine Uni für alle" die Ausführungen zur Brust genommen. Der ASTA resümiert:
Es wird deutlich, dass die Kritikpunkte des LRH-Berichtes nicht entkräftet werden konnten. Neben der Tatsache, dass die Finanzierung nach wie vor nicht gesichert ist, steht Holm Keller im Konflikt mit der Antikorruptionsrichtlinie des Landes. Auch der sehr geringe Umfang der Lehrtätigkeiten von Prof. Daniel Liebeskind werden beleuchtet. Quelle: ASTA
Die lesenswerte Antwort des ASTA und der Senatoren auf das Uni-Dossier ist hier zu finden.

Die Leuphana Universität Lüneburg sieht natürlich alles anders. Nach Meinung des Pressesprechers kann die 'Widerlegung' die Argumentation des Präsidiums nicht entkräften. Dies und mehr berichtet die Landeszeitung unter dem Titel "Papierkrieg ums Zentralgebäude". Kommentatoren merkten bereits an, dass die Argumentation des Pressesprechers problematisch sei und dieser besser geschwiegen hätte.

LeuphanaWatch findet: Es ist Zeit für eine Debatte im Senat.

(1) http://www.leuphana.de/campusentwicklung/projektentwicklung/stellungnahme-zentralgebaeude.html

Dienstag, 6. September 2011

Senatoren klagen weiter

Eigentlich wollte der Stiftungsrat Vizepräsident Holm Keller in diesen Tagen für eine neue Amtszeit wiederbestellen. Daraus wird wohl erstmal nichts. Nicht nur, dass eine Wiederbestellung angesichts des im Raum stehenden Korruptionsverdachts ein fatales Zeichen mit gewaltigem Schadenspotential für den Ruf der Leuphana Universität Lüneburg wäre. Es dürften zusätzlich juristische Gründe dagegen sprechen.

Die Senatoren der Liste "eine uni für alle" haben erneut einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht eingereicht. Entsprechende Informationen wurden per eMail verteilt und sind auf den Seiten der Studenten nachzulesen. In einer Pressemitteilung heißt es:
„Vor mehreren Monaten haben wir den Stiftungsrat und das Wissenschaftsministerium um rechtliche Prüfung unserer Bedenken gebeten. Jetzt haben uns Stiftungsrat und Wissenschaftsministerium ohne inhaltliche Begründung lediglich mitgeteilt, dass Herr Keller für eine weitere Amtszeit ernannt werden soll,“ so Senatorin Daniela Steinert. „Inhaltsleere Mitteilungen sind vollkommen fehl am Platz. Wir empfinden es als eine Frechheit, wie von Stiftungsrat und Ministerium mit unserem Anliegen umgegangen wird. Es handelt sich um einen Rechtsstreit mit Präzedenzfallcharakter für ganz Niedersachsen. Daher beschreiten wir zur Klärung erneut den Rechtsweg.“ Pressemitteilung
Die Senatoren hoffen, mit diesem erneuten Antrag Erfolg zu haben. Andernfalls wollen sie das Oberverwaltungsgericht anrufen.

Ein Zwischenstand über das rechtliche Vorgehen geben die Studenten ebenfalls und treten Gerüchten über immense Gerichtskosten entgegen:
An der Uni kursieren offenbar bewusst gestreute Falschinformationen über die bislang entstandenen Kosten. Aber keine Sorge, denn angebliche Kosten von 2.500, 5.000 oder gar 10.000 Euro entsprechen nicht der Realität.
Weitere Details lassen sich auf den Seiten der Senatsliste nachlesen.

Donnerstag, 1. September 2011

Stiftungsrat will Keller ernennen

In der letzten Woche tagte streng geheim der Stiftungsrat. LeuphanaWatch entdeckte durch Zufall eine kleine Meldung im Intranet. Die Leuphana Universität Lüneburg gibt dort bekannt:
Stiftungsrat ebnet den Weg für Spoun und Keller
25. August 2011 Rechtsaufsichtliche Prüfung ergibt: Grünes Licht für Ernennung

Der Stiftungsrat der Leuphana Universität Lüneburg hat heute die Weichen für eine zweite Amtsperiode der Hochschulspitze endgültig gestellt. Das oberste Entscheidungsgremium der Hochschule sprach sich erwartungsgemäß für die erneute Ernennung von Universitätspräsident Sacha Spoun und des hauptberuflichen Vizepräsidenten Holm Keller aus. Der Stiftungsrat folgte damit der Empfehlung des Senats, wonach eine Wiederbestellung ohne erneute Ausschreibung erfolgen soll. Spoun und Keller können nun ihre Arbeit bis Ende Mai 2020 fortführen. Keller wird der Universität dabei allerdings nur noch mit der Hälfte seiner Arbeitszeit zur Verfügung stehen.

Der Stiftungsrat hatte sich intensiv mit dem Ergebnis der rechtsaufsichtlichen Prüfung der Beschlüsse des Senats vom 6. Mai beschäftigt. Dies war notwendig geworden, nachdem zwei studentische Senatsmitglieder und ihre Stellvertreter Zweifel an der Rechtmäßigkeit einer erneuten Bestellung des hauptberuflichen Vizepräsidenten angemeldet und eine entsprechende Überprüfung durch den Stiftungsrat und das Wissenschaftsministerium gefordert hatten. Diese hat ergeben, dass auf Basis der Senatsentscheidung eine Ernennung von Spoun und Keller jetzt erfolgen kann. Dieses Ergebnis wird auch durch eine Entscheidung des Lüneburger Verwaltungsgerichts gestützt. Der Stiftungsratsvorsitzende Dr. Volker Meyer-Guckel erhielt vom Gremium das Mandat, die Ernennung nach Ablauf einer Woche vorzunehmen.

Gleichzeitig beschloss der Stiftungsrat die Einrichtung einer Findungskommission. Sie soll nun einen Kandidaten suchen, der sich mit Keller die Position des hauptberuflichen Vizepräsidenten teilt. (1)
Eine Reaktion der Studenten aus dem Senat steht noch aus. In der Landeszeitung hieß es, man wolle auf dem eingeschlagenen Weg weitermachen und die Klage fortführen. (2) Wir dürfen gespannt sein.

(1) http://www.leuphana.de/intranet/aktuell/ansicht/datum/2011/08/25/stiftungsrat-ebnet-den-weg-fuer-spoun-und-keller.html
(2) LZ 26. Aug. 2011 Seite 5

Sonntag, 31. Juli 2011

Etappensieg für Keller?

Das verwaltungsgerichtliche Eilverfahren der Studenten aus dem Senat gegen die Wahl von Holm Keller ist beendet. Das berichtete gestern die Landeszeitung. Beide Seiten hätten das Verfahren für erledigt erklärt. Zahlen müssen die Studenten, denn sie hätten keinen Erfolg gehabt. In ihrem Bericht gibt die LZ Statements der jubelnden Leuphana Universität Lüneburg und der Studenten um Daniela Steinert wieder. In Kurzform:
Uni-Sprecher Henning Zühlsdorff:
"Der Gerichtsbeschluss bestätigt die Auffassung der Universitätsleitung, dass es im Zusammenhang mit der Senatsentscheidung nicht zu Rechtsverstößen gekommen ist." laut LZ
Die Kläger:
- Weil der Stiftungsrat uns nicht zusagen wollte, die Amtsurkunde an Herrn Keller zunächst nicht zu übergeben und die Angelegenheit rechtlich zu prüfen, mussten wir einen Eilantrag bei Gericht einreichen.
- Die gute Nachricht: Die kurzfristigen Ziele des Eilantrags sind erreicht: Der Stiftungsrat musste nun zusagen, dass er sich am 25. August der Frage widmen wird, ob die Senatsentscheidung zu Holm Keller rechtmäßig ist und dass er im Anschluss an eine solche Prüfung die Amtsurkunde für eine bestimmte Zeit nicht übergeben wird – um weiteren Spielraum zu lassen, um mit einem weiteren Eilantrag gegen die Benennung vorgehen zu können. laut Webseite
Das Gericht begründet seine Entscheidung laut Hamburger Abendblatt damit, dass der Senat für die Besetzung der Stelle des Vizepräsidenten nur ein Vorschlagsrecht hat, der Stiftungsrat über die Besetzung der Stelle entscheidet. Wenn er will, könnte der Stiftungsrat unabhängig vom Vorschlag des Senats über die Stellenbesetzung entscheiden. Die Senatoren könnten nicht in die Befugnisse des Stiftungsrats eingreifen, scheitern deshalb und müssen die Verfahrenskosten zahlen.

Samstag, 9. Juli 2011

Spendensammlung für Klage gegen Keller

Die Senatoren von "Eine Uni für alle" sammeln seit Kurzem Spenden zur Finanzierung ihrer Klage gegen die Wiederwahl von Holm Keller. Das haben sie in einer eMail über Verteiler der Universität bekannt gegeben. Den Spendenaufruf kann man online auf den Seiten der Senatsliste nachlesen. Darin heißt es u.a.:
„Wir denken, dass die Ergebnisse dieses Verfahrens für die gesamte Hochschule und somit für alle ihre Mitglieder relevant und wichtig sind. Die Klage sollte demnach von so vielen Menschen wie möglich getragen werden. Wir freuen uns über jede finanzielle Unterstützung – unabhängig von der Höhe des Beitrags!“, fügt Daniela Steinert, studentische Senatorin, hinzu. „Alle Spenderinnen und Spender bleiben selbstverständlich anonym!“
Das genaue Spendenprozedere und die Kontodaten für Überweisungen können hier eingesehen werden. Wenn das Verfahren gewonnen wird oder Geld übrig bleibt, wird das zurücküberwiesen oder gespendet.
In einer Meldung von Freitag wird berichtet, dass bereits 3000 Euro zusammengekommen sein sollen. Von einer "sensationellen Unterstützung" sprechen die Senatoren. Weitere Spenden werden trotzdem erbeten, weil im schlimmsten Fall bis zu 10000 Euro benötigt werden.

LeuphanaWatch hofft, dass genug Geld zusammen kommt. Spenden für den wirklich guten Zweck!

Freitag, 17. Juni 2011

Generalabrechnung mit dem System Spoun

Im Mai entdeckte Die Zeit "Risse hinter schöner Fassade" an unserer Leuphana Universität Lüneburg. Seit gestern ist ein Riss nicht mehr zu übersehen: Die Studenten aus dem Senat haben ihre Klage gegen die Wiederwahl von Holm Keller begründet.

Auf 22 (in Worten: Zweiundzwanzig!) Seiten findet sich eine Generalabrechnung mit dem 'System Spoun' und den Entwicklungen der letzten Jahre an der Lüneburger Hochschule. LeuphanaWatch hat für euch in das Dokument von historischer Bedeutung reingelesen. Eine Übersicht:
  • In großer Ausführlichkeit wird der Fall Soziale Arbeit / Sozialpädagogik und die „Neuausrichtung“ noch einmal aufgerollt. Mit dem Hinweis auf die fehlende inhaltliche Begründung für die Schließung und das erschreckende Vorgehen der Führungsetage wird der Finger präzise und zielstrebig in alte Wunden gelegt. Das Zitat aus einem der Öffentlichkeit bislang unbekannten Dokument kann beinahe wasserdicht belegen, dass Präsident Spoun den betroffenen Studenten damals nicht die Wahrheit über die Zukunft ihres Studiengangs sagte.
  • Unter dem Stichwort "externe Berufungskommissionen" rechnen die Studenten mit den Neuberufungen der Leuphana Universität Lüneburg ab. Sie halten die Verfahren allesamt für unrechtmäßig. Prominentestes Beispiel: Stararchitekt Libeskind.
  • Etwas kurz kommt ein für alle Studenten sehr wichtiges Thema: Wie entsteht eine Prüfungsordnung und wer entscheidet über die Inhalte. Belegpunkte, Maluspunkte, Prüfungsflut - wer ist dafür verantwortlich?
  • Anschließend werden die Erkenntnisse aus den Beispielen zusammengeführt und zu einem Gesamtbild verdichtet. Der Präsident bekommt dabei sein Fett weg, es ist gar von einer "präsidialen Diktatur" die Rede. Spoun dürfte 'not amused' sein.
  • Abschließend wir der derzeitige Verfahrensstand zusammengefasst - mit interessanten neuen Details aus den Sitzungen.
Dieser Text ist mehr als ein Tritt vor's Schienbein, es ist die große Abrechnung. In Wertungsfragen streitbar, aber sehr lesenswert!

LeuphanaWatch meint: Jetzt kommt Grundsätzliches auf den Tisch. Es war auch an der Zeit. Noch herrscht die Ruhe vor dem Sturm, aber es wird stürmen - gewaltig.

Samstag, 11. Juni 2011

Eilmeldung: Senatoren klagen gegen Kellers Wiederwahl

Wie heute in der Nacht über die eMailverteiler der Universität bekannt gegeben wurde, klagen mehrere Senatoren gegen die umstrittene Wiederwahl von Vizepräsident Holm Keller. Die Liste "Eine Uni für alle" erläutert dazu:
Das skandalöse und undemokratische Verfahren um die Wiederbestellung des hauptamtlichen Vizepräsidenten Holm Keller an der Universität Lüneburg hat ein rechtliches Nachspiel. Mitglieder des Senats haben nun die Kanzlei Sellmann. Blume. Wiemann. aus Lüneburg beauftragt.
Die Kanzlei hat die Rechtsaufsicht eingeschaltet und Klage beim Verwaltungsgericht Lüneburg erhoben. Damit soll die Ernennung von Herrn Keller auf Basis des vorliegenden Senatsbeschlusses vom 06. Mai 2011 verhindert werden. Die Beschwerdeführer_innen halten den vom Senat beschlossenen präsidialen Vorschlag eines Teilzeitamtes für Vizepräsident Holm Keller für verfassungswidrig und beanstanden zahlreiche Rechtsverstöße im Vorfeld der Senatsentscheidung.
Details können auf den neuen Seiten der Senatoren nachgelesen werden. Dort kündigen die Studenten außerdem an, in Kürze detaillierter Auskunft zu geben.

Interessant ist: Eine Klage kostet potentiell viel Geld. Anscheinend gibt es aber genug Unterstützer:
Wir möchten uns hiermit ganz herzlich bei all denjenigen bedanken, die uns finanzielle Sicherheiten für diese juristischen Schritte zugesagt haben!
Außerdem bedanken wir uns bei unseren Mitstreiter_innen und bei den vielen Menschen, die uns inhaltlich den Rücken stärken!
LeuphanaWatch gratuliert zu dem mutigen Schritt der aufrechten Senatoren, wünscht viel Erfolg und wird am Thema dranbleiben. Es stehen heiße Diskussionen bevor.

Samstag, 7. Mai 2011

Die Arroganz der Macht

Kommentar

Gestern schwieg LeuphanaWatch und gönnte Holm Keller seinen Phyrrussieg. Auch heute schenken wir ihm noch einmal großzügig die erste halbe Stunde des Tages. Keller darf Vizepräsident der Leuphana Universität Lüneburg bleiben, wenn auch in Teilzeit. Zur Seite gestellt bekommt er einen zweiten hauptamtlichen Vizepräsidenten, der ebenfalls in Teilzeit eingestellt werden soll. Der soll sich um interne Universitätsangelegenheiten kümmern. [1]

Die Facebookgruppe Spoun4President feiert und hier auf LeuphanaWatch melden sich ebenfalls Unterstützer zu Wort. Das kann jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass gestern fast alle verloren haben.

Der ASTA und seine Freunde haben verloren, die Holm Keller umbedingt aus der Uni jagen wollten. Sie hatten noch einmal sämtliche Schandtaten von Keller in ihrer ASTA Zeitung 'The Holm Files' ausgebreitet. Sie forderten einen öffentlichen Prozess und eine Ausschreibung der Stelle. Noch vor kurzem riefen sie dazu auf, das Ergebnis des Senat vom 6.4. anzuerkennen - ohne Erfolg. Das befürchtete Flatrate-Wählen konnte nicht verhindert werden.

Verloren hat ebenfalls der Senat. In einem unwürdigen Schauspiel ließen sich die Senatoren wie an einem Ring in der Nase durch die Manege ziehen. Nach einem kurzen Aufbäumen Anfang April knickten letztlich zu viele ein. Es reichte dafür die Aussage, dass der Präsident es nur mit Keller machen wollte. Man sah sich offenbar außer Stande, diesem Sandkastengehabe etwas entgegen zu setzen. Von einer "Selbstaufgabe der akademischen Selbstverwaltung" spricht ein ehemaliger Präsident - zu Recht. Der Senat wird in Zukunft noch einen schlechteren Stand haben. Ein Hinweis auf den möglichen Rücktritt des Präsidenten wird als Disziplinierungsmaßnahme ausreichen.

Verloren hat die gesamte Universität. Kellers nächster Skandal wird ihr zu schaffen machen, denn niemand kann mehr behaupten, nicht gewarnt gewesen zu sein. Durch das wochenlange Hickhack um die Wiederwahl, diesen einmaligen Vorgang in der deutschen Hochschullandschaft, ist das Ansehen schwer getroffen. Rückgradtloses Abstimmungsverhalten der Senatsmitglieder tut sein Übriges. Die akademische Selbstverwaltung hat ihre Kapitulation unterzeichnet. Es kann doch niemand mehr verstehen, was dort hinter verschlossenen Türen vor sich gegangen ist.

Verloren hat auch Holm Keller. Er schaffte seine Wiederwahl nicht aus eigener Kraft und musste von seinem Freund Sascha gerettet werden. Es ist sonnenklar: Kaum jemand hält Keller für eine gute Besetzung des Amtes, man wählte ihn nur weil Sascha Spoun seine Zukunft daran knüpfte. Wie LeuphanaWatch erfuhr, drohte Spoun am gestrigen Tag erneut mit sofortigem Rücktritt und konnte nur dadurch Keller ins Ziel retten. [2] Dessen Gegner werden bei nächster Gelegenheit nun noch verbissener zuschlagen.

Keller ist trotz allem der einzige Gewinner. In der Vergangenheit war er selten am Campus und regelmäßig mit dem Vorwurf konfrontiert, er kümmere sich nicht um seine Kernaufgaben. Jetzt ist das kein Problem mehr. Für lästige Verwaltungsaufgaben bekommt er eine Aushilfe, die sich "Vizepräsident in 50% Teilzeit" nennen darf. [2] Wenn Keller wieder einmal nicht anwesend ist, kann er auf seine Teilzeitstelle verweisen. Nebenbei hat er noch mehr Zeit als zuvor, sich um seine ertragreichen Nebentätigkeiten zu kümmern. Und ob Keller in Zukunft nur noch 50% seines Gehalts verdienen wird, darf getrost bezweifelt werden. Niemand wird es überprüfen können, blieb doch die Höhe trotz durchsickernder Zahlen bislang offiziell geheim.

Als der größte Verlierer des (gestrigen) Tages wird jedoch Präsident Dr. Sascha Spoun in die Geschichtsbücher eingehen. Vordergründig hat er sich durchsetzen können: Er selbst wurde sofort wiederbestätigt und er verhalf auch Keller zur Wiederwahl. Sein Ziel hat er erreicht.

Es stellt sich allein die Frage nach dem Preis. In selbstherrlicher Art und Weise setzte er sich mit der Neuausrichtung gleich und befeuerte die Angst vor dem Untergang. Nur er - einem Messias gleich - könnte das abwenden, denn ohne ihn gäbe es die völlige Ungewissheit. Der Präsident schürte durch sein Verhalten die Angst, ja die blanke Panik, vor dem Wertverfall des Studienabschlusses, dem Wegfall des Arbeitsplatzes, dem Verlust der Universität als Ganzes. Er hätte dem entgegentreten können, aber er tat es nicht. Statt dessen nutzte er die Situation aus.

Spoun hat sein gesamtes politisches Gewicht in die Waagschale geworfen - weil er es musste. Er nahm nach massivem Druck die Wahl am 27. April an, nur um eineinhalb Wochen später scheinbar erneut mit dem sofortigen Rücktritt zu drohen. Die Rücktrittsdrohung als taktisches Maneuver ist bekannt. Eine Wahl aus strategischen Gründen kurzzeitig anzunehmen und wenige Tage später wieder mit Rücktritt zu drohen zeugt von Schwäche oder einer unfassbaren Arroganz der Macht.

Spoun zwang die gesamte Universität grundlos in eine Zerreißprobe und richtete damit schweren Flurschaden an. Das Verhalten des Präsidenten ist beschämend und peinlich. Das Wohl der Universität scheint egal, Hauptsache mit dem Kopf durch die Wand. Dabei wäre es ein Leichtes gewesen, die Situation zu entschärfen. Spoun hat es nicht getan. Statt dessen steht er als derjenige da, der es ohne Holm Keller nicht kann. Sein Studienmodell scheint die Universität nicht gut aufzustellen, denn ohne Kellers Netzwerke ist sie nicht überlebensfähig. Wie sonst kann das Verhalten des Präsidenten gedeutet werden? Damit schmälert Spoun überflüssigerweise das Erreichte und seine eigene Leistung. Er befeuert die Bedenken all jener, die von einer großen Blase sprechen, die irgendwann platzen wird.

Für den Moment hat Sascha Spoun sich durchgesetzt. Mittel- und langfristig könnte ihn das noch teuer zu stehen kommen. Sascha Spoun und Holm Keller sind angeschlagener denn je.


[1] http://www.leuphana.de/aktuell/meldungen/ansicht/datum/2011/05/06/spoun-und-keller-bleiben-im-amt.html
[2] Wir danken für den Hinweis.

Freitag, 6. Mai 2011

Keller wiedergewählt

Holm Keller, der hauptamtliche Vizepräsident der Leuphana Universität Lüneburg wurde auf der heutigen Senatssitzung wiedergewählt. (1) Zwölf Senatoren stimmten für ihn, sieben dagegen. (2)

LeuphanaWatch gönnt Holm Keller seinen Phyrrussieg und wird zur Feier des Tages bis morgen schweigen.


Quellen:
(1) http://www.leuphana.de/aktuell/meldungen/ansicht/datum/2011/05/06/spoun-und-keller-bleiben-im-amt.html
(2) http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/heide/leuphana149.html

Donnerstag, 5. Mai 2011

Alt-Präsident meldet sich zu Wort

Der ehemalige Präsident der Universität Lüneburg hat sich in einem offenen Brief an die Senatoren gewandt. Das eindrucksvolle Dokument wurde über eMailverteiler verschickt. Wir geben es unkommentiert wieder, denn der Inhalt spricht für sich selbst.

Offener Brief an die Mitglieder des Senats der Universität Lüneburg

Sehr geehrte Damen und Herren,

Mit wachsender Besorgnis sehe ich die Vorgänge zwischen der Hochschulleitung und dem Senat seit jenem Senatsvotum vom 6. April.

Die meisten von Ihnen kennen mich nicht. Ich bin Alt-Rektor und Emeritus dieser Universität und habe – zusammen mit anderen - viele Jahre für die nachhaltige (!) Entwicklung und Stabilisierung der Hochschule gearbeitet (und auch gekämpft). Auch wenn man sich aus den Querelen der Nachfolgenden heraushalten sollte, sehe ich mich nun doch veranlassst, den Senat direkt anzusprechen, statt einen Leserbrief zu schreiben, weil es m.E. um mehr geht als um eine (wenn auch nicht irgend eine) interne Personalie, die nur die sichtbare Spitze eines Eisberges sein dürfte.

Es ist eigentlich nicht zu fassen, wie die Hochschulleitung mit dem Senat umgeht, was sie der Institution zumutet und in welcher Weise Verfahren missachtet, ja verachtet, werden. Unglaubwürdigkeit ist die Folge. Aus meiner Sicht mangelt es der Hochschulleitung an Respekt für die ihr anvertraute Hochschule. Ich kann mir im Grunde kaum vorstellen, dass ein Senat diese Art des Umgangs hinnehmen könnte, selbst diejenigen nicht, die die Neuausrichtung mittragen. Hier zeigt sich aber auch, was passieren kann, wenn ein System so strukturiert wird, dass Machtausübung faktisch ohne Kontrolle möglich ist, wie das hier der Fall ist. „Checks and balances“, das Ursystem von Gewaltenteilung, ein europäisches Erbe der politischen Aufklärung, wird hier, nicht erst seit April 2011, außer Kraft gesetzt. Das ist nicht die humanistische Universität für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts - "Prunksätze des Zeitgeistes" (Ludwig Marcuse) - , sondern das Gegenteil davon. (Vertreten denn am Ende nur noch die Studentenvertreter die Prinzipien akademischer Freiheit und legitimierter Verfahren?)

Gerade die Mitglieder einer wissenschaftlichen Hochschule, die doch dem kritischen Geist verpflichtet sind (ja, das sind sie, denn davon lebt letztlich die Universität), gerade sie müssten doch die grundsätzliche Bedeutung dessen sehen, was hier geschieht. Wenn der Senat am Freitag so abstimmen sollte, wie die Hochschulleitung es sich wünscht, käme das in meinen Augen einer Selbstaufgabe der akademischen Selbstverwaltung gleich. Und außerdem: Den Geist der Universität macht nicht ein Gebäude aus, sondern die Haltung und das Tun derer, die dort Wissenschaft betreiben, lehren und studieren – und die Träger der akademischen Selbstverwaltung sind.

Nun tun Sie, was Sie in ihrer Verantwortung für die Universität für richtig halten – möge es das Richtige sein.

In diesem Sinne grüßt Sie

Helmut de Rudder,

den Sie getrost für einen Ewig-Gestrigen halten mögen.

Dienstag, 3. Mai 2011

Koalitionen auf Zeit

Kommentar

Vergleicht man die aktuelle Position der Universität mit der Diskussion bei der Neuausrichtung im Sommersemester 2008 muss ein verwunderliches Phänomen festgestellt werden: Studierende und Dozenten positionieren sich inzwischen entgegengesetzt.
Damals waren die Fronten in etwa klar. Aus jenen Bereichen, welche von der Schließung ihrer Studiengänge betroffen waren ist der größte Widerstand gekommen. Sowohl von den Dozenten wie den Studierenden. Es betraf insbesondere die Sozialpädagogik, die naturwissenschaftliche Bereiche der Lehrerbildung wie der Umweltwissenschaften. Auch am Standort Suderburg herrschte Unzufriedenheit. Hingegen waren die Ingenieure aus Volgershall wie die Wirtschaftswissenschaften die stärkste Stütze des Präsidiums.

Heute ist die Situation völlig anders. Zu den stärksten Befürwortern gehören Studierende der Wirtschaftswissenschaften wie Dozenten der Nachhaltigkeitswissenschaften. Hingegen ist der Widerstand beim AStA-Umfeld geblieben. Hier sind Studierende der Umweltwissenschaften nach wie vor Überproportional stark vertreten. Zu den kritischen Stimmen sind inzwischen auch Dozenten der Wirtschaftswissenschaften hinzugekommen. Es muss bezweifelt werden, dass die Unterstützer einer sofortigen Wiederwahl von Holm Keller wie auch der Gegner tatsächlich gemeinsame Ziele haben. Vielmehr bilden sich Koalitionen, welche ganz unterschiedliche Ziele verfolgen. Diese jedoch besser erreichbar sehen mit oder ohne Holm Keller auf der Position als Vizepräsident.

Geht es um mehr oder weniger Elite? Ist eine humanistische Ausbildung heute vollkommen durchdrungen vom Gedanken der Nachhaltigkeit oder ist das Modul „Wissenschaft trägt Verantwortung“ die maximale Zumutung, sich mit einer derartigen modischen Ideologie zu beschäftigen?

Wo soll mit Sascha Spoun und Holm Keller die Universität in vier Jahren stehen? Welchen Ruf werden die Absolventen dieser Universität dann haben? Werden sich die Dozenten zukünftig andere Studierende aussuchen? Bzw. wie bewerten es die Studierende, dass ihre Dozenten sich ihrer Positionierung nicht anschließen?

Ohne Frage droht jedoch der aktuelle Diskurs einen deutlich langfristigeren Vertrauensschaden an dieser Universität zu hinterlassen. Spaltet das Thema eben nicht, wie damals bei der Neuausrichtung, verschiedene Bereiche der Universität sondern trifft viele einzelne Lehrveranstaltungen, in welche Dozenten und Studierende eine konträre Position zum Thema Wiederwahl haben.

Unabhängig, wie das Präsidium am Ende aussehen wird: Durch die überaus heftig geführten Meinungsbildungsprozessen droht ein tiefer Riss durch diese Universität. Dieser wird jedoch nicht um die tatsächliche Inhalte der Universität geführt sondern nur um die Köpfe, welche eine Rolle einnehmen.

Egal, wer am Ende Vizepräsident ist: Die Frage, ob an der Leuphana eine zukünftige Elite ausgebildet werden soll, welche die Welt verändern wird und/oder die Leuphana für eine Nachhaltige Entwicklung, auch in der Betriebswirtschaftslehre, steht, ist damit nach wie vor völlig offen.

Die Koalitionäre werden nach der Wahl jedoch feststellen, dass sie völlig unterschiedliche Ziele verfolgen. Ein gemeinsames Umsetzen gleicher Ideen mit den derzeitigen Partnern kaum möglich sein werden. Denn ein gemeinsames Programm verfolgt weder die Koalitionäre der einen, noch der anderen Seite.

Vielleicht wird es Zeit, dass der AStA sich zu dem Studienmodell der Leuphana positioniert. Sich dann vielleicht auch mit dem Namen des Studienmodells identifizieren kann. Andererseits sollten sich die nach ihrer eigenen Lehrphilosophie am Wettbewerb orientierten Betriebswirte fragen, wie sie aus sich selbst hinaus aus dem durchschnittlichen Mittelmass hinaus kommen. Hier bedarf es doch tatsächlich zuerst ein qualitatives Wachstum damit im Anschluss auch ein quantitatives Wachstum wieder erfolgen kann. Ein Biotopschutz mag ja für Orchideenfächer gelten, bestimmt jedoch nicht für die BWL.

Bei sonstiger guten Reputation ist Lüneburg weder von dem gut vernetzten Finanzjongleur abhängig bzw. stürzt mit, falls selbiger sich dann doch verhoben haben sollte.