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Donnerstag, 2. Februar 2012

STUPA: Lichtblick von Eklats überschattet

Sollte ein Watchblog für die Leuphana Universität Lüneburg so ausführlich über das Studentenparlament berichten? Seit Jahresbeginn dominiert das Thema unsere Beiträge und Kommentare. Wir finden: Ja, dass sollte es! Im vergangenen Frühjahr nahm die Auseinandersetzung um die Wiederwahl von Vizepräsident Holm Keller breiten Platz ein. Die aktuellen Auseinandersetzungen im Studentenparlament sind für die Zukunft von ähnlich gewichtiger Bedeutung.

Wie LeuphanaWatch berichtete, stehen sich zwei Blöcke gegenüber. Die politisch präsidiumsnahen Listen der Fachschaft BEM und des grünen autofreien Campus liefern sich einen heftigen politischen Stellvertreterkrieg mit der eher kritisch eingestellten Liste QuattroFAK und die Satireliste Leuphana. In mehreren Marathonsitzungen ist es mittlerweile gelungen, das Amt des Personalreferenten für den ASTA und einen der drei ASTA Sprecher zu besetzen. Die weiteren beiden ASTA Sprecherposten und das Amt des Finanzreferenten waren bis heute weiterhin offen.

Auf der heutigen Sitzung, die bereits am Abend endete, konnte nun überraschend eine zweite ASTA Sprecherin gewählt werden. Die mit knapper Mehrheit gewählte Kandidatin hatte zuvor angekündigt, für einen weiteren Wahlgang auf folgenden Sitzungen nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Zu den Listen QuattroFAK und Liste Leuphana muss sich trotz der festgefahrenen Fronten mindestens eine Stimme aus den Reihen der Gegenseite gesellt haben. Das berichten gut informierte Quellen aus dem Umfeld des STUPA. (1) Trotz dieses Lichtblicks muss bereits jetzt festgestellt werden, dass durch das kontinuierliche Flatratewählen der Reputation der Kandidaten ein Bärendienst erwiesen wurde. Diese starten bereits geschwächt in ihre Amtszeit. Das gilt umso mehr, als eine Diskussion über die politischen Ziele der Kandidaten erneut nicht erfolgt sein soll. Offenbar scheint allein die Zugehörigkeit zu einem der beiden Lager ausschlaggebend zu sein.

Überschattet wurde die Sitzung von mehreren Eklats. Wie Sitzungsteilnehmer berichten, soll es zum heftigen Streit zwischen Abgeordneten der Liste 3 Campi (Fachschaft BEM) und Aktiven des PlanB gekommen sein. Eine weitere Auseinandersetzung erfolgte zwischen Parlamentariern des grünen und autofreien Campus und dem kommissarisch amtierenden Finanzreferenten des ASTA. Nach einer Äußerung der Parlamentarier soll der Finanzreferent angekündigt haben, im Falle der Wahl des ASTA Sprecherkandidaten der grünen autofreien Liste seine kommissarische Tätigkeit mit sofortiger Wirkung einzustellen. Eine Zusammenarbeit sei nach den gefallenen Aussagen nicht mehr möglich. (2) Nach wie vor ist es dem Parlament nicht gelungen, für das seit Monaten kommissarisch verwaltete Finanzreferat einen Nachfolger zu wählen. Eine Arbeitsniederlegung des derzeitigen Finanzreferenten hätte somit den unmittelbaren Stillstand sämtlicher Finanzaktivitäten der Studentenschaft zur Folge.

Das giftige Klima der Sitzung scheint darüber hinaus wilde Blüten getrieben zu haben. So haben Palamentarier der Fachschaftsliste BEM gegenüber anwesenden Gästen Worte geäußert, welche von mehreren anwesenden Personen als sehr unfreundlich empfunden wurden.

[An dieser Stelle hatte LeuphanaWatch über die Aussage eines Parlamentariers der Fachschaft BEM berichtet. Der Zitierte sah darin eine nicht näher dargelegte "Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte" und setzte eine Frist zur Entfernung. Unserer expliziten Aufforderung kam er nicht nach, zur inhaltlichen Richtigkeit des veröffentlichten Zitats Stellung zu nehmen. Dennoch haben wir entschieden, als Geste des guten Willens auf die Bitte um Entfernung der benannten Textpassage einzugehen.
LeuphanaWatch, 17. Februar 2012]


Wie es angesichts der vergifteten Atmosphäre gelingen soll, einen dritten ASTA Sprecher zu wählen, bleibt vorerst das Geheimnis der Parlamentarier.

(1) LeuphanaWatch dankt für den Hinweis.
(2) LeuphanaWatch dankt für die zu diesen Ereignissen eingegangenen Berichte.

Freitag, 27. Januar 2012

Eilmeldung: STUPA-Nachtsitzung bringt keinen Durchbruch

Noch am Vormittag hatte LeuphanaWatch einen Einwurf an die Parlamentarier im Studentenparlament der Leuphana Universität Lüneburg veröffentlicht. Letztlich haben alle Aufrufe und Appelle an die Vernunft nichts genutzt. Das Kräftemessen im Studentenparlament geht unvermindert weiter.

Wie übereinstimmende Berichte bestätigen ist es zwar gelungen, das Amt des Personalreferenten im ASTA zu besetzen. Dies war möglich, nachdem einer der Bewerber seine Kandidatur zurückgezogen hatte. Allerdings konnte weder für das Amt des Finanzreferenten, noch für die Sprecher des ASTA eine mehrheitsfähige Lösung gefunden werden. [1] Nach wie vor stehen sich offenbar die Lager aus Fachschaft BEM / grüner autofreier Campus sowie QuattroFAK / Liste Leuphana gegenüber.

Die Sitzung soll nach sieben Stunden Sitzungsdauer gegen 1 Uhr in der Nacht beendet worden sein. Noch unbestätigten Gerüchten zur Folge sollen die Parlamentarier die Kandidaten für die ASTA-Sprecher gebeten haben, untereinander eine Lösung zu finden. Sollte dies zutreffen, hätte das Parlament seine Unfähigkeit zur Problemlösung und Entscheidungsfindung erklärt. In einem solchen Fall müsste die Möglichkeit von Neuwahlen ernsthaft in Betracht gezogen werden.

Quellen:
[1] LeuphanaWatch dankt für die Hinweise, die bei uns eingegangen sind.

Donnerstag, 19. Januar 2012

STUPA-Ergebnisse und 'Wie grün ist grün?'

Nach über zehnstündiger Sitzung vertagte sich das Studentenparlament der Leuphana Universität Lüneburg gegen 1 Uhr in der Nacht auf die nächste Woche. LeuphanaWatch hatte bereits gestern am späten Abend über die ungewöhnlich lange Sitzungsdauer berichtet. Der ASTA bestätigte mittlerweile unsere gestrige Meldung. Weiter gab er bekannt, dass weder das Amt des Personal-, noch des Finanzreferenten besetzt werden konnte. ASTA-Sprecher wurden ebenfalls nicht gewählt. Am nächsten Donnerstag soll nun ab 18 Uhr eine weitere Sitzung des Parlaments stattfinden. Auf den Leuphana-typisch inhaltsleeren Seiten des Studentenparlaments (LeuphanaWatch berichtete) unter www.leuphana.de/stupa finden sich keinerlei aktuelle Informationen.

LeuphanaWatch erreichte heute ein Beitrag aus scheinbar gut informierten Kreisen, den wir als Denkanstoß gerne veröffentlichen. Er dreht sich um die Frage

Wie grün ist grün?

Was bedeutet es eigentlich, wenn sich eine Liste „Grün“ nennt? Ist es eine Anlehnung an die Politik der Partei „Bündnis90/Die Grünen“? Geht es um das Einbringen von ökologischen Themen? Sind mit dem Wort „Grün“ wirklich Inhalte verknüpft oder ist es einfach „in“?
Schon im letzten StuPa konnte man eine Ernüchterung feststellen. Anträge in Sachen Öko oder Nachhaltigkeit wurden, wenn überhaupt, von QuattroFAK eingereicht, von der Liste „Grüner und Autofreier Campus“ kam in einem halben Jahr kein einziger Antrag – weder zu einem möglicherweise „grünen“ Thema, noch zu irgendeinem Anderen. Mitglieder der grünen Liste waren zwar an den schon seit Längerem laufenden Gesprächen über die Parkraumbewirtschaftung auf dem Campus anwesend, ein Engagement über die Sitzungen hinaus oder die Einbringung der Thematik ins StuPa gab es jedoch nicht.

Der Liste dürfte selbst sehr wohl klar sein, dass ihr schöner Name vor allem dem Stimmenfang dient und keinerlei politische Aussagekraft oder Interessenlage beinhaltet. Zusätzlich wurden wohl auch Plakate zur Hochschulwahl ohne Absprache an das Brett der grünen Hochschulgruppe gehängt. Wie viele Studierende dadurch den Eindruck bekommen haben, dass es einen Zusammenhang zwischen der grünen Hochschulgruppe und der Liste „Grüner und Autofreier Campus“ gibt und das ihr Wahlverhalten beeinflusst hat, ist unklar.

Nach der öffentlichen StuPa-Sitzung gestern kann man feststellen, dass die Liste „Grüner und Autofreier Campus“ eine Kooperation mit der Wirtschaftsliste „3 Campi eine Liste“ (Namen entfernt, LW) eingegangen ist, die in sämtlichen Personalentscheidungen zusammen abstimmen. Dabei wurden eindeutige Meinungsbilder von ReferentInnen und Mitarbeitern des AStA kommentarlos ignoriert. Zudem wurden in drei aufeinander folgenden Wahlgängen nur je eine von zwei möglichen Stimmen abgegeben, also zwei KandidatInnen aus taktischem Kalkül null Stimmen gegeben, die jedoch beide in der vorausgegangenen Diskussion von allen Listen als positiv und geeignet bewertet wurden.

Hinterzimmergemauschel, Kuhhandel und Realpolitik sind in der Verfassten Studierendenschaft angekommen. Das werden manche als einen Schritt in Richtung Demokratie bezeichnen, faktisch zerstört es das Vertrauen der Studierenden in die (Hochschul)Politik.

Fazit: Die Liste „Grüner und Autofreier Campus“ ist in etwa so grün wie die Liste „Leuphana“ Leuphana ist, es war nur nicht direkt offensichtlich. [1]

LeuphanaWatch freut sich auf eine interessante Woche.

[1] LeuphanaWatch dankt für den umfangreichen Beitrag.

Mittwoch, 18. Januar 2012

STUPA: Patt erzwingt beispiellose Marathonsitzung

Es ist ein bislang beispielloser Vorgang an der Leuphana Universität Lüneburg: nach mittlerweile neun Stunden Sitzung hat sich das Studentenparlament noch immer nicht über die Besetzung der wichtigsten Ämter in der Studentenschaft einigen können. Auf der heutigen Sitzung soll zum Beginn der neuen Amtszeit des Studentenparlaments der ASTA neu gewählt werden.

Begonnen hatte die Sitzung am Nachmittag gegen 14.30 Uhr und dauert zur Stunde (23:30) noch an. Wie aus informierten Kreisen verlautete [1], soll eine Pattsituation Grund der außergewöhnlich langen Sitzungsdauer sein. So konnten bislang offenbar weder für das Amt des Personalreferenten, noch für den Finanzreferenten und die Sprecher des ASTA tragfähige Mehrheiten erzieht werden. Es stehen anscheinend mit jeweils acht Stimmen die Blöcke QuattroFAK / Liste Leuphana und Fachschaft BWL / Grüner, autofreier Campus gegeneinander. Für die Wahl werden mindestens neun Ja-Stimmen benötigt. Keine der beiden Seiten verfügt derzeit über die notwendige Mehrheit.

LeuphanaWatch wird im Laufe des morgigen Tages berichten, sobald Ergebnisse vorliegen.

[1] LeuphanaWatch dankt für den wichtigen Hinweis.

Freitag, 11. November 2011

Wahlkampf absurd

Nach der aufgeladenen Amtszeit 2011 verspricht der Wahlkampf für die neue Gremienwahl spannend zu werden. Dieses Jahr üben sich nicht nur die Studierenden in Grabenkämpfen, sondern auch die Professoren.

Entgegen sonstiger Gepflogenheiten schlägt die Wahl der studentischen Gremien hohe Wellen. Bereits seit 2008 hat sich das Studierendenparlament weniger als konsensorientiertes Parlament aufgestellt, sondern in widerstreitenden parteinahen oder studiengangsspezifischen Listen Politik gemacht. Neu ist dieses Jahr, dass sich Studierende zu einer Liste formieren, die sehr an die "Leuphana Studierendenschaft" aus dem Jahr 2007 erinnern: Eine ominöse "Liste Leuphana" rüttelt die Universität auf. Sie schreibt auf ihrer Homepage:
"Brauchen wir als Studierende so viele eigene Räume? Braucht jede Fachgruppenvertretung eines Studiengangs ein eigenes Büro? Braucht es ein "Wohnzimmer" in dem Studierende nichts tun außer zu sitzen und Kaffee zu trinken (wofür Café 9 eigentlich da ist)?"

"In der optimalen Hochschule sind alle Studiengänge perfekt aufeinander abgestimmt, die klugen Köpfe befruchten sich gegenseitig und die Major und Minor greifen wie präzise geölte Zahnräder ineinander. Es muss jedoch diskutiert werden ob wirklich alle Studiengänge diese Anforderungen erfüllen und in das Konzept der Leuphana passen. Die Universität braucht Studiengänge mit hohem Forschungs- und Leistungsoutput, diese müssen wir fordern und fördern. Dazu gehören in erster Linie die Nachhaltigkeits-, Kultur- en sowie die Wirtschaftswissenschaften. Andere Studiengänge weisen in diesem Bereich Differenzen auf, die ihren Platz an der Universität in Frage stellen. Einer dieser Fälle ist das Lehramt.
Im Lehramtsstudium wird nicht Bildung vermittelt sondern für einen Beruf ausgebildet. Lehramt bringt keine Erkenntnisse, die in den Wissenspool auf unserem Campus einfließen können. Lehramtsstudierende werden niemals die nachhaltigen Entscheidungen eines Unternehmens beeinflussen, keine wissenschaftlichen Erfolge feiern, keine Nobelpreise gewinnen – sie passen, kurz gesagt, auf Kinder auf. Natürlich ist dies eine löbliche Aufgabe und ihnen gehört Ankerkennung gezollt. Aber passen sie zur Leuphana? Wir wollen uns als Liste dafür einsetzen, dass dieser Diskurs ehrlich und im Einverständnis aller Beteiligten geführt wird um eine für alle zufriedenstellende Lösung zu finden."
Wer näher hinsieht, bemerkt, dass es die "Liste Leuphana" bereits zur letzten Wahl gab, damals wie heute eine Kritik der bisherigen Linie des Präsidiums der Leuphana. So gelingt es der Liste, den Finger in die richtige Wunde zu legen: Wer erinnert sich nicht an Spouns Schlingerkurs in Sachen Lehramt? Lange hat es der Präsident kontinuierlich vermieden, zu Lehramt an der Leuphana Universität Lüneburg deutlich Stellung zu beziehen. Musste er im Rahmen einer studentischen Vollversammlung im Jahr 2010 die Akkreditierung des Lehramts vorantreiben, so fühlt er sich nun erneut dazu genötigt, zu reagieren. Am 10. November wurde folgende Stellungnahme des Präsidenten und der Dekanin an alle Mitarbeitenden der Universität verschickt:
"Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Studierende,

die sogenannte „Liste Leuphana“ hat folgende Ausführungen zur Stellung der Lehrerbildung an der Leuphana Universität verbreitet:
„Im Lehramtsstudium wird nicht Bildung vermittelt sondern für einen Beruf ausgebildet. Lehramt bringt keine Erkenntnisse, die in den Wissenspool auf unserem Campus einfließen können. Lehramtsstudierende werden niemals die nachhaltigen Entscheidungen eines Unternehmens beeinflussen, keine wissenschaftlichen Erfolge feiern, keine Nobelpreise gewinnen – sie passen, kurz gesagt, auf Kinder auf. Natürlich ist dies eine löbliche Aufgabe und ihnen gehört Ankerkennung gezollt. Aber passen sie zur Leuphana? Wir wollen uns als Liste dafür einsetzen, dass dieser Diskurs ehrlich und im Einverständnis aller Beteiligten geführt wird um eine für alle zufriedenstellende Lösung zu finden."

Präsidium und Dekanin der Fakultät Bildung weisen diese Vorwürfe scharf zurück. Bereits im Zuge der intensiven Diskussion und kritischer Abwägung aller Aspekte des Senats zur Entwicklungsplanung im Jahr 2008, wurden immer wieder Vermutungen und Vorwürfe geäußert, die Lehrerbildung passe nicht in das Leuphana Konzept und würde über kurz oder lang geschlossen werden. Teil der Entwicklungsplanung war die Implementierung von vier Wissenschaftsinitiativen, eine davon ist die Initiative Bildungsforschung. Zudem wurde die Neuaufstellung der Lehrerbildung von einer externen Expertenkommission begleitet. Für eine zukunftsorientierte Lehrerbildung strebt die Leuphana Universität folgende Ziele an:

1. Kompetenzen bündeln
In der Fakultät Bildung sind die notwendigen Ressourcen für das Lehramtsstudium gebündelt. Darüber hinaus verstärken die anderen drei Fakultäten in spezifischen Fachgebieten die Lehrerbildung sowohl in Forschung als auch Lehre, so dass die Leuphana insgesamt für ein hervorragendes Portfolio in der Lehrerbildung steht. In der Fakultät Bildung und den für die Lehrerbildung wichtigen Nachbardisziplinen sind bereits zehn neue Professorinnen und Professoren neu berufen worden. Mit dem Zielbild einer Ausstattung von insgesamt ca. 30 Professuren sind sowohl der Professionalisierungsbereich (Erziehungswissenschaften und Psychologie) als auch die Fachdidaktiken und Fachwissenschaften im Vergleich mit anderen Universitäten personell gut ausgestattet. Um die Idee einer gemeinsamen Wissenschaftsinitiative mit Leben zu füllen, wird intensiv an dem Forschungsschwerpunkt „Umgang mit Heterogenität in der Schule“ gearbeitet. Damit positioniert sich die Leuphana Universität Lüneburg sowohl in der Forschung als auch in der Lehre deutlich im aktuellen bildungswissenschaftlichen Diskurs.

2. Bildung statt Ausbildung
Das professionelle Handeln von Lehrerinnen und Lehrern erfordert neben sachlichfachlicher Expertise ein enormes Maß an Reflexionsfähigkeit und Weitsicht, welches dadurch angeregt und entwickelt wird, dass die beteiligten Disziplinen Erziehungswissenschaften, Psychologie, Fachdidaktiken und Fachwissenschaften – Forschung, Lehre und Praxis im Sinne einer handlungsorientierten Bildung auf fundiertem wissenschaftlichen Niveau miteinander verbinden. Über diese enge Verzahnung wird angestrebt, die Lehramtsstudierenden sowohl auf eine problemorientierte, Fachgrenzen überwindende Unterrichtsgestaltung vorzubereiten als auch deren lebenslange eigene Professionalisierung zu initiieren. Dabei geht die Lehrerbildung im Sinne des Bildungsideals der Leuphana Universität Lüneburg grundsätzlich über ein Konzept reiner Kompetenzentwicklung hinaus. Die Verzahnung von Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Erziehungswissenschaft/Psychologie zielt immer auch darauf ab, mit den Studierenden spezifische überfachliche Werthaltungen und Orientierungen als Deutungsmuster und Grundlage zu entwickeln, um zukünftige Herausforderungen aktiv gestalten zu können.

3. Theorie trifft Praxis
Die Ermöglichung frühzeitiger und kontinuierlicher Lehr- und Praxiserfahrungen innerhalb der Lehrerbildung sind ein wesentlicher Eckpfeiler an der Leuphana Universität Lüneburg. In den Fokus rückt somit eine konkrete Handlungsebene, die spezifische Wissensbedarfe und Bedingungsfelder ersichtlich werden lässt. Dies impliziert die Konzeption und Etablierung praxis- und problemorientierter Lehr-Lern-Arrangements und Methoden im hochschuldidaktischen Kontext. Mit der Stärkung dieser theoriebasierten Praxis- und Problemorientierung wird ein gewichtiger Schritt zur Entwicklung von beruflicher Professionalität in der universitären Lehramtsausbildung ermöglicht. Durch ein Partnernetzwerk aus Fakultät Bildung, Kompetenzzentrum für schulische Praxisstudien, umgebenden Schulen, der Landesschulbehörde sowie das demnächst zu gründende Kompetenzzentrum für Lehrerfortbildung wird über die reflexive Verzahnung von Theorie und Praxis ein national konkurrenzfähiges und internationalen Ansprüchen genügendes Profil aufgebaut und eine entsprechende Ausbildung, Bildung, Fort- und Weiterbildung professionell in Schule Agierender garantiert.

4. Flexibilität durch innovative Studienangebote
Mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur werden derzeit die Möglichkeiten eines viersemestrigen Master of Education ausgelotet. Dieses Studienangebot eröffnet den Studierenden die Chance, mit einem Masterangebot in Educational Sciences entweder die schulbezogene Berufsperspektive zu vertiefen als auch ein verstärkt theoretisch-wissenschaftliches Programm zu wählen. Beide Wege, die viersemestrigen Master für das Lehramt an Grundschulen, an Haupt- und Realschulen sowie an Berufsbildenden als auch der Master in Bildungswissenschaften eröffnen den Studierenden den Weg zur späteren Promotion bei entsprechender persönlicher und fachlicher Eignung. Zudem besteht die Möglichkeit durch das integrative Konzept der Graduate School das Masterstudium mit einer Promotion zu verzahnen. Auf diesem Weg wird auch der akademischen Nachwuchs und damit die Forschung gefördert, die Qualität in der Lehramtsausbildung durch vertiefte wissenschaftliche Fundierung und Fachlichkeit erhöht sowie die Attraktivität der Leuphana Universität für Studierende gesteigert.
Eine erneute Diskussion um die Bedeutung der Lehrerbildung an unserer Universität erscheint uns gegenüber den vielen Kolleginnen und Kollegen, die mit großem Engagement und Einsatz an der Erreichung der oben formulierten Ziele arbeiten, unangemessen. Im laufenden Wahlkampf der akademischen Hochschulwahlen sind kontroverse Diskussionen wünschenswert, diese sollten aber auf einer sachlichen Ebene geführt werden.

Mit herzlichen Grüssen
(Namen entfernt)"
Es ist doch erstaunlich, dass es eine Liste für die studentischen Wahlen schafft, noch im Vorfeld der Wahlen eine solche Reaktion hervor zu rufen. LeuphanaWatch gratuliert den engagierten Studierenden und wünscht weiterhin viel Erfolg!

Auch auf der Seite der Professorenschaft aber zeigt sich das Ergebnis der Spounschen Politik: Entgegen bisheriger Gepflogenheiten, sich nach Fakultäten für den Senat aufstellen zu lassen, gibt es anstelle der bisherigen Listen (BiKuwi, Wirtschaft, Nachhaltigkeit) die Listen "BiKuwi", "Wirtschaft" und "Neuausrichtung". So mutiert die ehemalige Nachhaltigkeits-Liste zum Auffangbecken für all diejenigen, die unter dem Deckmantel der Neuausrichtung einen Wahlkampf mit Schlagworten antreten. Wer sollte sich schon gegen die Neuausrichtung aussprechen? Spannend wird, ob sich die Listen der Profs jetzt, wo sich politische Listen formieren, auch Wahlprogramme und politische Erklärungen abgeben oder ob die nächste Amtszeit der Gremium von einem primitiven Grabenkampf bestimmt wird: pro oder contra Präsidium.

Samstag, 12. Juni 2010

Leuphana-Kritik ist zurück

Irgendetwas scheint passiert zu sein. Sie sind wieder da. Die Kritiker. Nach langer Phase der Ruhe regt sich wieder vorsichtige Kritik auf dem Campus. Ganz unterschiedlich verpackt, in verschiedener Form, von mehreren Seiten.

Da tauchte die "Liste Leuphana" [1] auf, die einen fiktiven Wahlkampf für das Studierenden-Parlament führen wollte. Zunächst herrschte Unsicherheit, ob es sie tatsächlich gab. Dann war sie aber auf den Wahlzetteln nicht zu finden. Mit Hardcore-Leuphana-Unterstützung machte sie auf sich aufmerksam - und schuf sich viele Feinde. Dabei gab man lediglich in vielen Punkten die offizielle Linie der Universitätsleitung wieder, zugegebenermaßen etwas pointiert [2].

Einen ähnlich gelagerten Ansatz wählte vor kurzem die DGB-Hochschulgruppe Lüneburg [3]. Bei ihr war "exklusiv" eine "Sitzplatzreservierung für das neue Audimax" möglich [4]. First Class Comfort Sessel waren schon für 2199€ pro Monat zu mieten, normale Holzsitze für günstige 500€. "Jetzt zugreifen" warb man und reichte dazu Sekt und Kaviarhäppchen. Gratis waren nur "sozialer Abstieg / Existenzsorgen" zu bekommen. "Nicht mit uns" machte die DGB-Gruppe Mut und erklärte: Exklusivität, Zukunft, Karriere, Deutschlands Spitze. Sichere Dir jetzt Deinen Platz. Die erste Reihe sitzt im Lüneburger Audimax." Zahlreiche Studenten waren empört. Andere amüsierten sich, während ihnen ein kalter Schauer der Erkenntnis den Rücken hinunter lief. Die Kommerzialisierungs-Bestrebungen kamen ihnen sehr vertraut vor.

"10000 Studenten wären fatal" ließ Präsident Spoun am 29. Mai über die Landeszeitung verlauten und bestätigte damit letztlich doch, was er Jahre lang dementiert hatte. Die Universität solle nach einer kurzen Konsolidierung deutlich wachsen, hatte er 2007 in einem Vertrag mit der Stadt unterschrieben. Davon ist nun keine Rede mehr [5]. Während die große Politik gewohnt desinteressiert und abwartend reagiert, riefen Spouns Aussagen die Lüneburger Jusos auf den Plan. Sie forderten wieder mehr Studienplätze, um die negativen Folgen für Universität, kulturelles Leben und die ganze Region zu minimieren [6]. Sie sagten, was viele denken und wozu der Lüneburger ASTA schon früher Position bezogen hat.

Eine Renaissance der Kritik mag man erkennen und erleichtert auf die Nachrichten von morgen warten. In wie weit sich das allerdings auf den Kurs der Universität auswirkt, wird auch von der öffentlichen Resonanz abhängen. Und davon, wie die derzeitigen Senatswahlen ausgehen. Denn der jetzt gewählte Senat wird den nächsten Präsidenten wählen. Spätestens Anfang 2012 ist es soweit.

Quellen:
[1] http://www.liste-leuphana.de.tc
[2] http://www.liste-leuphana.de.tc (vgl. "Programm")
[3] Kontakt: hsg.lueneburg@dgb.de
[4] Flyer: Stark gegen den Ausverkauf der Hochschule"
[5] "10000 Studenten wären fatal", LZ vom 29. Mai 2010, Seite 10
[6] http://www.jusos-lueneburg.de/aktuelles/nachrichten/2010/127198.php

Samstag, 29. Mai 2010

Wer darf eigentlich Leuphana benutzen?

Seit Kurzem bevölkert eine "Liste Leuphana" das WWW [1]. Ihre Homepage erinnert stark an die Corporate Identity der Leuphana Universität Lüneburg, ebenso ihr Logo. Typische Fotos a la Leuphana schmücken die Startseite. Alles sehr bekannt, wenn auch nicht 100 Prozent identisch mit dem Auftritt der Universität.

Schon nach kurzer Zeit meldete sich im Gästebuch ein "Christian Brei" [2] und wies auf Folgendes hin:
Ich hoffe ihnen ist bewusst, dass die CI [Corporate Identity] der Leuphana nur mit Genehmigung der Universitätsleitung verwendet werden darf. [1]
Ob es sich tatsächlich um den Assistenten des Präsidenten handelt, kann von dieser Stelle aus nicht geklärt werden. Bald darauf fragte Nutzer "@Herrn Brei":
By the way, darf man/frau oder sonstwer, der in unserem hohen Hause studiert, arbeitet oder sonstwas macht die von der netten Agentur aus Hamburg pro bono produzierten Dinge nicht verwenden? Mit war mal so als hätte ich das gehört, oder müssen wir tatsächlich wenn wir was mit irgendwie Leuphana drauf oder drin immer bei ihnen um Erlaubnis fragen, lieber Herr Brei. Muss ich also immer wenn ich Leuphana sage, oder dem Herr Gott morgens und abends danke, dass es die Leuphana gibt vorher bei ihnen anrufen, ob ich das Wort Leuphana, ich glaube wohl eine geschützte Marke, in den Mund nehmen darf. Ich würde mich dann geschätzte 2.000 Mal am Tag bei ihnen melden. Das würd mich ja mal interessieren. [1]
Eine berechtigte Frage. Wer darf eigentlich Leuphana benutzen - und wofür?

Zunächst einmal wurde Leuphana von einer Werbeagentur pro bono erfunden, angeblich als antike Ortsbeschreibung von Lüneburg. Das stellte sich sehr schnell als Irrtum heraus [3]. Als die Begründung für Leuphana nicht mehr haltbar war, dachte sich die Universität etwas Neues aus: um die geographische Lage ging es gar nicht mehr, sondern um den Entdeckergeist des Menschen [4].

Die Rechte am Leuphana-Logo liegen bei der Leuphana Universität Lüneburg. Die Nutzung ist sehr klar geregelt:
Wesentlich für den Auftritt sowohl nach innen, als auch nach aussen ist das Leuphana Logo. Es besteht aus einer Bildmarke, einer Wortmarke und einem Zusatz. (...) Das Logo darf daher nur für dienstliche Zwecke der Leuphana und nur entsprechend den Gestaltungsleitlinien verwendet werden. Andere Verwendungen, Zusätze oder Veränderungen am Logo sind nicht gestattet und führen zum Verlust des von der Leuphana eingeräumten Verwendungsrechts. [5]
Damit das Logo richtig verwendet wird, gibt es einen umfassenden Leitfaden, der in unzähligen Details die Verwendung genau vorgibt [6]. Auch dort steht ausdrücklich nachzulesen, dass das Logo nur verwendet werden darf, wenn dies von der Universität freigegeben ist. Das ist für alle universitären Einrichtungen, Zwecke der Lehre, den AStA u.a. der Fall. Eine "Liste Leuphana" darf das Logo also ohne Zustimmung der Universität nicht verwenden, auch nicht verändert. Natürlich darf sie aber ein eigenes Logo kreieren, welches eine gewisse Ähnlichkeit aufweist. Das ist durch die Kunstfreiheit des Grundgesetzes gedeckt. Die Grenze zwischen einem veränderten Leuphana-Logo und einer eigenen Neuschöpfung ist wie immer fließend. Allerdings ist die Universität gut beraten, Aktivitäten ihrer Studenten in einem Graubereich zu tolerieren. Man stelle sich den Imageschaden bei einem Prozess gegen eigene Studenten vor, wegen einer Lapalie wie einer "Liste Leuphana". Hohn und Spott aus der ganzen Region wären dem Präsidium gewiss.

Aber wie sieht die Lage aus, wenn nur der Begriff "Leuphana" verwendet wird? Er ist als Wortmarke eingetragen [7]. Grundsätzlich besitzen Marken einen Schutz. Dieser ist allerdings beschränkt:
Der Markeninhaber hat gegen einen Verletzer einen Unterlassungsanspruch gegen die kennzeichenmäßige Benutzung der Marke, sofern das verwendete Zeichen mit der eingetragenen Marke identisch oder verwechselbar ähnlich ist und das Zeichen für identische oder ähnliche Dienstleistungen bzw. Waren verwendet wird, für die die Marke eingetragen ist (umgangssprachlich „Markenpiraterie“). [8]
Die Wortmarke "Leuphana" ist für fast alle Bereiche geschützt [7]. Allerdings kann auch ein Markenschutz nicht verhindern, dass in der Presseberichterstattung, wissenschaftlichen Texten, Kommentaren oder Gesprächen der geschützte Begriff genutzt wird. "@Herrn Brei" darf also jederzeit in Gesprächen mit Freund_innen oder in seinen/ihren Gebeten den Begriff "Leuphana" verwenden.

Gott sei Dank!

Quellen:
[1] http://www.liste-leuphana.de.tc/
[2] http://www.leuphana.de/organisation/zentraledienste/praesidiumsbuero.html
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Leuphana [mit weiteren Nachweisen]
[4] http://www.leuphana.de/aktuell/ueber-leuphana/der-name.html
[5] http://www.leuphana.de/aktuell/ueber-leuphana/das-logo.html
[6] http://www.leuphana.de/fileadmin/user_upload/INTRANET/hsmarketing/files/0903_gl_Leuphana_light2009_fin.pdf
[7] http://register.dpma.de/DPMAregister/marke/register/306638878/DE
[8] http://de.wikipedia.org/wiki/Wortmarke