Samstag, 12. Juni 2010

Leuphana-Kritik ist zurück

Irgendetwas scheint passiert zu sein. Sie sind wieder da. Die Kritiker. Nach langer Phase der Ruhe regt sich wieder vorsichtige Kritik auf dem Campus. Ganz unterschiedlich verpackt, in verschiedener Form, von mehreren Seiten.

Da tauchte die "Liste Leuphana" [1] auf, die einen fiktiven Wahlkampf für das Studierenden-Parlament führen wollte. Zunächst herrschte Unsicherheit, ob es sie tatsächlich gab. Dann war sie aber auf den Wahlzetteln nicht zu finden. Mit Hardcore-Leuphana-Unterstützung machte sie auf sich aufmerksam - und schuf sich viele Feinde. Dabei gab man lediglich in vielen Punkten die offizielle Linie der Universitätsleitung wieder, zugegebenermaßen etwas pointiert [2].

Einen ähnlich gelagerten Ansatz wählte vor kurzem die DGB-Hochschulgruppe Lüneburg [3]. Bei ihr war "exklusiv" eine "Sitzplatzreservierung für das neue Audimax" möglich [4]. First Class Comfort Sessel waren schon für 2199€ pro Monat zu mieten, normale Holzsitze für günstige 500€. "Jetzt zugreifen" warb man und reichte dazu Sekt und Kaviarhäppchen. Gratis waren nur "sozialer Abstieg / Existenzsorgen" zu bekommen. "Nicht mit uns" machte die DGB-Gruppe Mut und erklärte: Exklusivität, Zukunft, Karriere, Deutschlands Spitze. Sichere Dir jetzt Deinen Platz. Die erste Reihe sitzt im Lüneburger Audimax." Zahlreiche Studenten waren empört. Andere amüsierten sich, während ihnen ein kalter Schauer der Erkenntnis den Rücken hinunter lief. Die Kommerzialisierungs-Bestrebungen kamen ihnen sehr vertraut vor.

"10000 Studenten wären fatal" ließ Präsident Spoun am 29. Mai über die Landeszeitung verlauten und bestätigte damit letztlich doch, was er Jahre lang dementiert hatte. Die Universität solle nach einer kurzen Konsolidierung deutlich wachsen, hatte er 2007 in einem Vertrag mit der Stadt unterschrieben. Davon ist nun keine Rede mehr [5]. Während die große Politik gewohnt desinteressiert und abwartend reagiert, riefen Spouns Aussagen die Lüneburger Jusos auf den Plan. Sie forderten wieder mehr Studienplätze, um die negativen Folgen für Universität, kulturelles Leben und die ganze Region zu minimieren [6]. Sie sagten, was viele denken und wozu der Lüneburger ASTA schon früher Position bezogen hat.

Eine Renaissance der Kritik mag man erkennen und erleichtert auf die Nachrichten von morgen warten. In wie weit sich das allerdings auf den Kurs der Universität auswirkt, wird auch von der öffentlichen Resonanz abhängen. Und davon, wie die derzeitigen Senatswahlen ausgehen. Denn der jetzt gewählte Senat wird den nächsten Präsidenten wählen. Spätestens Anfang 2012 ist es soweit.

Quellen:
[1] http://www.liste-leuphana.de.tc
[2] http://www.liste-leuphana.de.tc (vgl. "Programm")
[3] Kontakt: hsg.lueneburg@dgb.de
[4] Flyer: Stark gegen den Ausverkauf der Hochschule"
[5] "10000 Studenten wären fatal", LZ vom 29. Mai 2010, Seite 10
[6] http://www.jusos-lueneburg.de/aktuelles/nachrichten/2010/127198.php

Samstag, 29. Mai 2010

Wer darf eigentlich Leuphana benutzen?

Seit Kurzem bevölkert eine "Liste Leuphana" das WWW [1]. Ihre Homepage erinnert stark an die Corporate Identity der Leuphana Universität Lüneburg, ebenso ihr Logo. Typische Fotos a la Leuphana schmücken die Startseite. Alles sehr bekannt, wenn auch nicht 100 Prozent identisch mit dem Auftritt der Universität.

Schon nach kurzer Zeit meldete sich im Gästebuch ein "Christian Brei" [2] und wies auf Folgendes hin:
Ich hoffe ihnen ist bewusst, dass die CI [Corporate Identity] der Leuphana nur mit Genehmigung der Universitätsleitung verwendet werden darf. [1]
Ob es sich tatsächlich um den Assistenten des Präsidenten handelt, kann von dieser Stelle aus nicht geklärt werden. Bald darauf fragte Nutzer "@Herrn Brei":
By the way, darf man/frau oder sonstwer, der in unserem hohen Hause studiert, arbeitet oder sonstwas macht die von der netten Agentur aus Hamburg pro bono produzierten Dinge nicht verwenden? Mit war mal so als hätte ich das gehört, oder müssen wir tatsächlich wenn wir was mit irgendwie Leuphana drauf oder drin immer bei ihnen um Erlaubnis fragen, lieber Herr Brei. Muss ich also immer wenn ich Leuphana sage, oder dem Herr Gott morgens und abends danke, dass es die Leuphana gibt vorher bei ihnen anrufen, ob ich das Wort Leuphana, ich glaube wohl eine geschützte Marke, in den Mund nehmen darf. Ich würde mich dann geschätzte 2.000 Mal am Tag bei ihnen melden. Das würd mich ja mal interessieren. [1]
Eine berechtigte Frage. Wer darf eigentlich Leuphana benutzen - und wofür?

Zunächst einmal wurde Leuphana von einer Werbeagentur pro bono erfunden, angeblich als antike Ortsbeschreibung von Lüneburg. Das stellte sich sehr schnell als Irrtum heraus [3]. Als die Begründung für Leuphana nicht mehr haltbar war, dachte sich die Universität etwas Neues aus: um die geographische Lage ging es gar nicht mehr, sondern um den Entdeckergeist des Menschen [4].

Die Rechte am Leuphana-Logo liegen bei der Leuphana Universität Lüneburg. Die Nutzung ist sehr klar geregelt:
Wesentlich für den Auftritt sowohl nach innen, als auch nach aussen ist das Leuphana Logo. Es besteht aus einer Bildmarke, einer Wortmarke und einem Zusatz. (...) Das Logo darf daher nur für dienstliche Zwecke der Leuphana und nur entsprechend den Gestaltungsleitlinien verwendet werden. Andere Verwendungen, Zusätze oder Veränderungen am Logo sind nicht gestattet und führen zum Verlust des von der Leuphana eingeräumten Verwendungsrechts. [5]
Damit das Logo richtig verwendet wird, gibt es einen umfassenden Leitfaden, der in unzähligen Details die Verwendung genau vorgibt [6]. Auch dort steht ausdrücklich nachzulesen, dass das Logo nur verwendet werden darf, wenn dies von der Universität freigegeben ist. Das ist für alle universitären Einrichtungen, Zwecke der Lehre, den AStA u.a. der Fall. Eine "Liste Leuphana" darf das Logo also ohne Zustimmung der Universität nicht verwenden, auch nicht verändert. Natürlich darf sie aber ein eigenes Logo kreieren, welches eine gewisse Ähnlichkeit aufweist. Das ist durch die Kunstfreiheit des Grundgesetzes gedeckt. Die Grenze zwischen einem veränderten Leuphana-Logo und einer eigenen Neuschöpfung ist wie immer fließend. Allerdings ist die Universität gut beraten, Aktivitäten ihrer Studenten in einem Graubereich zu tolerieren. Man stelle sich den Imageschaden bei einem Prozess gegen eigene Studenten vor, wegen einer Lapalie wie einer "Liste Leuphana". Hohn und Spott aus der ganzen Region wären dem Präsidium gewiss.

Aber wie sieht die Lage aus, wenn nur der Begriff "Leuphana" verwendet wird? Er ist als Wortmarke eingetragen [7]. Grundsätzlich besitzen Marken einen Schutz. Dieser ist allerdings beschränkt:
Der Markeninhaber hat gegen einen Verletzer einen Unterlassungsanspruch gegen die kennzeichenmäßige Benutzung der Marke, sofern das verwendete Zeichen mit der eingetragenen Marke identisch oder verwechselbar ähnlich ist und das Zeichen für identische oder ähnliche Dienstleistungen bzw. Waren verwendet wird, für die die Marke eingetragen ist (umgangssprachlich „Markenpiraterie“). [8]
Die Wortmarke "Leuphana" ist für fast alle Bereiche geschützt [7]. Allerdings kann auch ein Markenschutz nicht verhindern, dass in der Presseberichterstattung, wissenschaftlichen Texten, Kommentaren oder Gesprächen der geschützte Begriff genutzt wird. "@Herrn Brei" darf also jederzeit in Gesprächen mit Freund_innen oder in seinen/ihren Gebeten den Begriff "Leuphana" verwenden.

Gott sei Dank!

Quellen:
[1] http://www.liste-leuphana.de.tc/
[2] http://www.leuphana.de/organisation/zentraledienste/praesidiumsbuero.html
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Leuphana [mit weiteren Nachweisen]
[4] http://www.leuphana.de/aktuell/ueber-leuphana/der-name.html
[5] http://www.leuphana.de/aktuell/ueber-leuphana/das-logo.html
[6] http://www.leuphana.de/fileadmin/user_upload/INTRANET/hsmarketing/files/0903_gl_Leuphana_light2009_fin.pdf
[7] http://register.dpma.de/DPMAregister/marke/register/306638878/DE
[8] http://de.wikipedia.org/wiki/Wortmarke

Dienstag, 25. Mai 2010

Späte Einsicht

Fast ein Jahr ist die ARTotale nun vorbei. Die Startwoche 2009 der Leuphana Universität Lüneburg stand ganz im Zeichen der Urban Art, Künstler aus aller Welt wurden eingeflogen [1]. Auch ein Lüneburger war dabei: trica186, den die Hansestadt u.a. von den Verziehrungen der Eon Stromkästen kennt.  Bei der ARTotale hatte er die Disko "Garage" mit einem farbenfrohen Werk aufgewertet und damit die Lüneburger Graffitiszene vertreten [2].

Der aufgrund seines Engagements für Eon.Avacon in Lüneburg nicht ganz unumstrittene Künstler kommt nun zu einer überraschenden Erkenntnis:
"Da [bei der ARTotale] war ich der Quoten-Lüneburger", sagt Flechtner und lacht. [3]
Nicht wenige hatten im letzten Jahr exakt dieses zu bedenken gegeben. Gerade unter Studenten wurde der mangelnde lokale Bezug kritisch angemerkt. Nicht selten war zu hören, dass die ganze Nummer etwas abgehoben auf international getrimmt war und eigentlich kritische Kunst für Werbezwecke missbraucht würde. An der Mauer des MTV-Sportplatzes entstand daraufhin sogar ein Werk anderer Lüneburger Graffitikünstler, welches mit beißender Kritik an Leuphana von sich reden machte [4]. Auch trica186 sieht die ARTotale im Rückblick kritisch:
Wenn er die Gelegenheit zum Austausch mit anderen auch gerne wahrgenommen habe, viele Gemeinsamkeiten habe er zwischen sich und den Street-Art-Künstlern nicht entdecken können. (...) Dazu war die Aktion dem bodenständigen Sprayer dann doch ein wenig zu abgehoben. "Man darf nie vergessen, wo man herkommt", sagt Flechtner. Geburtsort der Graffiti-Kunst sein nun mal die Straße, ähnlich wie Rap-Musik. [3]
Eine späte Einsicht.

Quellen:
[1] http://www.leuphana.de/artotale/urbanart/kuenstler.html
[2] http://www.leuphana.de/artotale/urbanart/kuenstler/liste/trica.html
[3] Lüneburger Rundschau im Hamburger Abendblatt vom 7. Mai 2010 (Seite 3)
[4] AStA Zeitung Nummer 23 (Seite 11)

Sonntag, 23. Mai 2010

Happy Meal an der Leuphana

Die Neuigkeiten auf Leuphana reißen nicht ab. Was die Landeszeitung verkündet, klingt wie eine kleine Revolution: "An der Lüneburger Universität gibt's jetzt im Hörsaal auch Verpflegung" [1]. Wie kommt es dazu und was darf man sich darunter vorstellen? Ein Buffet neben dem Rednerpult etwa? Erste Klasse-Service mit Bedienung am Platz? Nein. Eine typische Szene beschreibt unsere Lokalpresse:
Der Hörsaal liegt im Halbdunkeln, Abendstimmung an der Leuphana. Neben edlem Wissensdurst meldet sich auch ein profanes Bedürfnis zu Wort: Hunger. Eine neue Form der Lehrveranstaltung nimmt darauf Rücksicht. Zum ersten Mal findet an der Uni ein "Brown Bag"-Seminar statt. Es bietet Futter für den Geist und für den Magen. [1]
In den Tüten befinden sich laut LZ "zwei eher pappige Sandwiches mit Käse und Gurke zwischen den Weißbrotscheiben sowie eine Plastikflasche mit Wasser." Innovation pur. Noch nie haben Studenten ihr Frühstücksbrot mit in den Hörsaal gebracht. Oder einen Kaffee. Oder das Franzbrötchen von Bäcker Kruse. Aber zum Glück erfindet Leuphana alles neu. Ein Seminar mit braunen Tüten, anderswo eine Tradition. Das müssen wir nachmachen. Natürlich:
"Es ist eine angelsächsische Tradition, an die wir anknüpfen wollen", erklärt Dekan Prof. Dr. Thomas Wein. "Dort gibt es vor allem um die Mittagszeit eine braune Papiertüte mit Essen, während die Professoren aus dem Nähkästchen plaudern oder über Höhepunkte ihrer Forschung berichten." Ziel sei ein lockerer akademischer Austausch zum Lunch. [1]
Während einer Vorlesung. Aha. Apropos Mittagessen in der Tüte. Das kennen wir doch von irgendwo. Kein Wunder, dass "Student" im LZ-Leserforum den Vergleich zum Happy Meal einer großen Fast Food-Kette zieht. Und es sich nicht nehmen lässt, auf einen interessanten Zusammenhang hinzuweisen:
Angesichts der Tatsache, dass 64.5 % der erwachsenen Bevölkerung in den USA übergewichtig sind und dort jährlich 300'000 Todesfälle auf Fettleibigkeit (Adipositas) zurückzuführen sind, scheint mir der Import dieser Veranstaltungsform fraglich zu sein. [1]
Gast "Benjamin" weist noch auf eine andere Problematik hin:
Die Folie, in der das Sandwich eingewickelt ist, widerspricht darüber hinaus auch noch dem Nachhaltigkeitskonzept der Universität. [1]
So kennen wir die USA: Müllberge, Einwegverpackungen, Hochschulinnovationen. Gegen den Hunger könnte man alternativ ganz klassisch a la Lüneburg auch etwas anderes unternehmen: In die Biomensa gehen, einen saftigen Salat aufs Tablett stellen und sich neben den Professor zum Mensen setzen. Small talk und lockerer akademischer Austausch inbegriffen. Aber das wäre wenig innovativ. Dann lieber braune Tüten.


Quellen:
[1] http://www.landeszeitung.de/lokales/lueneburg/news/artikel/das-seminar-fuer-hungrige-studenten/

Samstag, 22. Mai 2010

Amtsblatt

Bei der neuen Ausgabe des Amtsblattes, es geht einzig um die Entgeltordnung des Allgemeinen Hochschulsportes, ist ja verständlich, dass selbige nicht beworben wird. Vergegenwärtig man sich jedoch die Bedeutung dieses Blattes insgesamt ist es verwunderlich, dass dieses erst nach einiger Suche auf der Homepage der Leuphana Universität Lüneburg gefunden werden kann. Der Hinweis, wann eine neue Ausgabe veröffentlicht wurde, nicht mehr an die Mitarbeiter gegeben wird. Sicherlich muss heute nicht jede neue Ausgabe des Amtblattes mit einem Postumlauf an jeden Mitarbeiter zur Kenntnisnahme geschickt werden. Ein Hinweis an zentraler Stelle auf der Startseite oder ein kurzes Rundmail könnte hier doch unkompliziert Abhilfe schaffen.
Für alle, welche etwa nach dem Begriff „Gazette“ gesucht haben oder erst gar nicht suchen möchten: Unter
http://www.leuphana.de/aktuell/amtsblatt.html
ist die Übersichtsseite mit allen Ausgaben zu finden.

Dienstag, 18. Mai 2010

Studiengebühren und ihre Verwendung

In Niedersachsen dürfen Studiengebühren nur zur Verbesserung der Lehre eingesetzt werden. Grundständige Lehre darf hingegen nicht finanziert werden. Jetzt ist es eine Auslegungssache, was grundständig ist und ab wann eine Verbesserung stattfindet. Führt etwa das Beheizen von Hörsälen zu einer Verbesserung der Lehre? Ganz ohne Frage können Studierende in einem beheizten Raum besser lernen als in einem unbeheizten. Aus diesem Grund fand eine bayerische Hochschule es als gerechtfertigt, selbige mit Studiengebühren zu bezahlen. Nun konnte sehr schnell festgestellt werden, dass auch schon in Vergangenheit die Hörsäle beheizt wurden. In diesem Fall also die Lehre nicht verbessert wurde. Vielmehr wurden Kosten, welche früher aus allgemeinen Haushaltsmitteln bezahlt wurden, auf Studiengebühren übertragen. Falls Vergleichmöglichkeiten vorhanden sind zwischen früher und heute kann eine Zweckentfremdung sehr einfach festgestellt werden.

Doch wie sieht es aus, wenn ein völlig neues Studienmodell aufgebaut wird? Es gar kein Vergleich zu einer Zeit vor Studiengebühren gibt? Könnte da nicht ein Studienmodell konzipiert werden, welches minimale Kosten in der grundständige Lehre verursacht? Hingegen im ganz großen Maße durch Studiengebühren verbessert werden könnte? Kann hier dann noch von einer Zweckentfremdung von Studiengebühren gesprochen werden? Aus rechtlicher Sicht natürlich nicht!

Wie sieht es an der Leuphana Universität Lüneburg aus?

Im Leuphana Semester, das erste gemeinsame Semester aller Studierende, ist die Logik folgende: Als grundständige Lehre wird eine Vorlesung mit einem Dozenten für alle 1200 Studierende angeboten. Diese Lehre wird dann dadurch verbessert, dass die Veranstaltung in etwa 40 Seminare je 30 Personen aufgeteilt wird. Die notwendigen 39 weiteren Dozenten können jetzt aus Studiengebühren bezahlt werden. Das ist rechtlich einwandfrei. Ein Vergleich in die Vergangenheit, ob denn früher schon die Veranstaltung aus 40 Seminaren bestand, ist leider nicht möglich. Es liegt jetzt im Auge des Betrachters, ob hier Studiengebühren zweckentfremdet werden.

Samstag, 15. Mai 2010

Rettung unter freiem Himmel

Verschlafen zum Frühstück, Kaffee aufsetzen, Landeszeitung lesen. Was für ein Morgen...
Die Lüneburger Universität erfindet sich neu. Das gilt nicht mehr nur für Studienmodell und Name, sondern auch für das Gelände. Der Stiftungsrat hat jetzt einen weltweiten Wettbewerb für Landschaftsplaner ausgerufen. (LZ vom 6.5.2010)
Es wird also mal wieder alles anders, neu und besser auf Leuphana. Und was das bedeutet, wird uns auch gleich mit erzählt.
Damit ist die Zeit für die oft verschlammten Wasserläufe zwischen den Gebäuden gezählt, ein neues Konzept soll her. (LZ vom 6.5.2010)
Na Gott sei Dank, endlich sollen diese ganzen Wasserläufe und der Schlamm zwischen den Gebäuden weg. Dann können wir das Gelände wieder trockenen Fußes begehen.

Was will man uns hier sagen? Der Campus ist verwahrlost, ungepflegt, in schlechtem Zustand. Die derzeitige Situation wird (wieder einmal) bewusst negativ dargestellt. Damit wir einen Wunsch nach Veränderungen entwickeln, der dann sofort aufgegriffen werden kann. Denn die Rettung naht. In Person von Holm Keller. Wie immer plant er Großes und weiß genau, was die Provinz benötigt:
Ziel der Neugestaltung des Leuphana Campus ist es, die Außenanlagen sowohl ästhetisch als auch im Hinblick auf die Bedürfnisse der Nutzer weiterzuentwickeln und mit der geplanten Libeskind-Gebäudegruppe in Einklang zu bringen. [1]
Na endlich. Jemand, der das Heft des Handelns in die Hand nimmt und internationalen Glamour bringt. Denn schließlich soll "im Zusammenspiel von baugeschichtlichen Zeugnissen (gemeint sind die oft erwähnten "faschistischen Bauten") und moderner Spitzenarchitektur ein einzigartiger Campus entstehen". [2]

Nun also erstmal ein Wettbewerb, natürlich mit internationaler Weltklasse-Besetzung. Und gemanagt von Büro "Phase Eins", welches z.B. auch die Neugestaltung des Landtages in Hannover bearbeitet [3]. In diesem Wettbewerb wird dann letztlich eine Jury über die Gewinner entscheiden. Sie ist durchaus prominent besetzt: Da wäre Daniel Libeskind höchstpersönlich natürlich, es geht ja auch um seinen "Masterplan". Dann die Amerikanerin Martha Schwartz, Stichpunkte Harvard, gemeinsame Projekte mit Libeskind, Internationalität hoch drei [4]. Und nicht zuletzt Tobias Micke aus Berlin, Landschaftsarchitekt mit durchaus ausgefallenen Ideen [5]. "Namen, die unter Landschaftsplanern Gewicht haben," fachliche Schwergewichte also, wie uns die LZ lokalpatriotisch erläutert. Was können wir uns freuen, der Himmel meint es bei dieser prominenten Besetzung gut mit uns!

Es gibt jedoch noch mehr Prominenz, was die Lokalpresse und die Universität seltsamerweise noch nicht als weiteres Qualitätsmerkmal bekannt gegeben haben: Der Jury wird auch Holm Keller - Allround-Genie, Dramaturg, Unternehmensberater, Bauunternehmer, Vizepräsident - angehören. Um das zu erfahren, muss man ins Amtsblatt der fernen EU schauen [6]. Soviel Keller auf einmal wäre dann für die Region vielleicht doch etwas zu viel gewesen...

Quellen:
[1] http://www.leuphana.de/aktuell/meldungen/ansicht/datum/2010/05/05/leuphana-umbau-geht-in-die-naechste-runde.html
[2] LZ vom 6.5.2010
[3] http://www.phase1.de/projects_leuphana_home.htm
[4] http://www.marthaschwartz.com/index.html
[5] http://www.strauma.com/pages/de/startseite.php
[6] http://ted.europa.eu/udl?uri=TED:NOTICE:135046-2010:TEXT:DE:HTML&src=0