Montag, 14. November 2011

Castor ruft, Anti-Atom-ASTA ist zurück

In einer eMail weist der ASTA auf eine Vorbereitungsveranstaltung zum Atommülltransport nach Gorleben in wenigen Wochen hin. Eingeladen sind alle Studenten.
!! Aktionstraining zum Castor !!

Atomausstieg, Atomtechnologie, Atommüll - sicher ist nur das Risiko!

Ende November rollt der Castor wieder mit hochradioaktivem Müll ins Wendland. Du spielst mit dem Gedanken, dich an gewaltfreien Protestaktionen zu beteiligen? Dann bereite dich gemeinsam mit uns in einem Aktionstraining darauf vor!

Wann? Sonntag, 20.11.11, 16-19.30
Wo? Gebäude 9, Stupa-Raum, Universität Lüneburg

Du willst dich intensiv vorbereiten? Oder nur mal reinschnuppern? Du suchst Anschluss oder Mitglieder für eine Bezugsgruppe? Du hast viel, wenig oder gar keine Aktionserfahrung?

In jedem Fall bist du beim Aktionstraining richtig!

Die Inhalte des Trainings:
Basisdemokratische Entscheidungsfindung und Organisation
Umgang mit Angst und Wut
Hinkommen zur Blockade
Verhalten bei polizeilicher Räumung
Rechtliche Fragen
Kennenlernen und Vernetzen

Wir freuen uns über deine Anmeldung oder ein spontanes Mitmachen!

Kontakt und Anmeldung:
Djamilah Akhzarati: djamilah@mtmedia.org

Eine Aktion des NOA-Referats der Uni Lüneburg, JANUN e.V. und des Castorplenums Lüneburg
Neben dem Aktionstraining soll es auch Busse nach Dannenberg zur Demonstration geben. Dazu aus einer weiteren eMail:
Wie ihr sicher alle wisst, wird in wenigen Wochen wieder ein Castorzug mit Atommüll durch Lüneburg nach Gorleben rollen. Die Endlagerfrage von Atommüll in Deutschland bleibt bei allen Fortschritten der Energiepolitik letztlich noch ungeklärt. Um den 1. Advent herum soll der Müll nun ins Wendland transportiert werden.

Da 2011 zum Castor eine Besetzung der ICE-Strecke geplant ist, ist nicht sicher, ob der Zug dieses Jahr von Norden oder Süden her Lüneburg über die Hauptverkehrsstrecke der Bahn erreicht. Auch in diesem Jahr soll wieder eine Auftaktkundgebung in Dannenberg stattfinden,
Sonnabend, 26.11.2011, 12:30 Uhr.
Wer also nicht in Wendisch Evern im Castor-Camp auf den Zug warten möchte, dem sei gesagt:
Aus Lüneburg fahren zahlreiche Busse zur Demo in Dannenberg.
Abfahrt am Bahnhof, 10:00 Uhr
Rückkehr aus Dannenberg ca. 17:00 Uhr

Es gibt seit dieser Woche Bustickets zur Tagesfahrt Castor-Demo im AStA-Büro zu den Zeiten des Bürodienstes zu erwerben (wochentags 10-14 Uhr).
Kosten: 5 Euro / Studierende und Erwerbslose, 10 Euro / andere Menschen

Lasst uns in Dannenberg zeigen, dass Leuphana voll dabei ist!
LeuphanaWatch freut sich: Der Anti-Atom-ASTA ist zurück!

Sonntag, 13. November 2011

Seine Majestät räumt auf (III)

Ein Märchen in mehreren Episoden

Es stand einmal vor langer Zeit eine königliche Bildungsstätte im kleinen Lande Leinenwiege. Der König selbst mit seinem leicht getönten Haar pflegte dort gewöhnlich zu residieren und mit der Wissenschaft Demokratie zu spielen. Und wie es sich für einen guten König gehört, sorgte er sich um die Zukunft seiner Bildungseinrichtung und wollte, dass sie einen viel versprechenden Weg in die Zukunft finden würde. So entschied seine Majestät eines Tages, dass etwas geschehen müsse. Der König berief den hohen Rat ein und fragte die Wissenschaftler nach ihren Meinungen in einer ebenso brisanten wie geheimen Angelegenheit. "Wir haben eure Meinungen gehört und werden sie in unsere Entscheidung einfließen lassen", verkündete Majestät und war zufrieden über den schönen Schein.

Kaum einen Monat später rief der König den hohen Rat erneut zusammen, um in einer weiteren Angelegenheit höchster Bedeutung zu beraten. Und so fragte Majestät die Wissenschaftler nach ihren Meinungen in dieser neuen, aber ebenso brisanten wie geheimen Angelegenheit. "Wir haben eure Meinungen gehört und werden sie in unsere Entscheidung einfließen lassen", verkündete Majestät und lächelte gönnerhaft.

Da packte den kleinen Dozenten Karl die Wut und er schlug mit der Faust auf den Ratstisch, dass dieser erzitterte, wie es auch die Ältesten nie zuvor gesehen hatten. "Majestät, Rat für Rat hört ihr uns an und verfahrt doch anders", rief der kleine Dozent mit hochrotem Kopf. Er schäumte und redete sich mit dem Mut der Verzweiflung mächtig in Rage. "Ihr spielt mit uns und macht euch über uns lustig. Letztlich tut ihr doch, was ihr wollt. Ihr habt den Rubikon überschritten, wir sind doch nicht in König Alexonder-Land."

So viel Angriffslust hatte Majestät für einen kurzen Moment überrumpelt und er ballte heimlich in der Tasche seines königlichen Gewandes die Faust. Schon bald aber hatte der König die Fassung zurückgewonnen, hauchte seinen Eisatem in den Ratssaal und sagte mit unterkühlter Stimme: "Das nehmen sie zurück, Dozent Karl." Mit diesem fremden König wollte Majestät nicht verglichen werden, denn er war ein ganz fieser Bursche.

Hilfesuchend blickte der kleine Dozent Karl zu den anderen Wissenschaftlern, aber alle starrten ihn entsetzt an. Da wusste der arme Karl, dass er nichts mehr zu verlieren hatte. Er nahm seinen Mut zusammen und beschloss dem König die Stirn zu bieten. "Sie haben Recht Majestät", sagte Karl mit fester Stimme, "es heißt nicht König Alexonder-Land, es heißt König Alexander-Land." Majestät tobte und hatte sichtlich Mühe, die Contenance zu wahren. Ein kleiner Dozent hatte ihn vorgeführt und dass konnte nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Ud so kam es, wie es kommen musste. Wer beim König nicht in Ungnade fallen wollte, durfte sich nicht mehr zusammen mit Dozent Karl blicken lassen. Schon bald nutzte seine Majestät das fortgeschrittene Alter des armen Karl, um ihn für immer von der Bildungsstätte im Lande Leinenwiege zu verbannen. Und so ging Karl der Aufrechte einsam aber ungebrochen hinaus in die weite Welt und schwor sich, nie wieder einen Gedanken an seine Heimat der letzten Jahrzehnte zu verschwenden.

Derweil saß Majestät in seinen gläsernen Gemächern und erfreute sich seiner Macht. Und wenn er nicht gestorben ist, dann regiert er wohl noch heute.

Übereinstimmungen oder Ähnlichkeiten mit realen Ereignissen sowie lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und vollkommen unbeabsichtigt. LeuphanaWatch dankt für die zahlreichen Anregungen unserer Leser, die maßgeblich zum Gesamtwerk beigetragen haben.

Freitag, 11. November 2011

Wahlkampf absurd

Nach der aufgeladenen Amtszeit 2011 verspricht der Wahlkampf für die neue Gremienwahl spannend zu werden. Dieses Jahr üben sich nicht nur die Studierenden in Grabenkämpfen, sondern auch die Professoren.

Entgegen sonstiger Gepflogenheiten schlägt die Wahl der studentischen Gremien hohe Wellen. Bereits seit 2008 hat sich das Studierendenparlament weniger als konsensorientiertes Parlament aufgestellt, sondern in widerstreitenden parteinahen oder studiengangsspezifischen Listen Politik gemacht. Neu ist dieses Jahr, dass sich Studierende zu einer Liste formieren, die sehr an die "Leuphana Studierendenschaft" aus dem Jahr 2007 erinnern: Eine ominöse "Liste Leuphana" rüttelt die Universität auf. Sie schreibt auf ihrer Homepage:
"Brauchen wir als Studierende so viele eigene Räume? Braucht jede Fachgruppenvertretung eines Studiengangs ein eigenes Büro? Braucht es ein "Wohnzimmer" in dem Studierende nichts tun außer zu sitzen und Kaffee zu trinken (wofür Café 9 eigentlich da ist)?"

"In der optimalen Hochschule sind alle Studiengänge perfekt aufeinander abgestimmt, die klugen Köpfe befruchten sich gegenseitig und die Major und Minor greifen wie präzise geölte Zahnräder ineinander. Es muss jedoch diskutiert werden ob wirklich alle Studiengänge diese Anforderungen erfüllen und in das Konzept der Leuphana passen. Die Universität braucht Studiengänge mit hohem Forschungs- und Leistungsoutput, diese müssen wir fordern und fördern. Dazu gehören in erster Linie die Nachhaltigkeits-, Kultur- en sowie die Wirtschaftswissenschaften. Andere Studiengänge weisen in diesem Bereich Differenzen auf, die ihren Platz an der Universität in Frage stellen. Einer dieser Fälle ist das Lehramt.
Im Lehramtsstudium wird nicht Bildung vermittelt sondern für einen Beruf ausgebildet. Lehramt bringt keine Erkenntnisse, die in den Wissenspool auf unserem Campus einfließen können. Lehramtsstudierende werden niemals die nachhaltigen Entscheidungen eines Unternehmens beeinflussen, keine wissenschaftlichen Erfolge feiern, keine Nobelpreise gewinnen – sie passen, kurz gesagt, auf Kinder auf. Natürlich ist dies eine löbliche Aufgabe und ihnen gehört Ankerkennung gezollt. Aber passen sie zur Leuphana? Wir wollen uns als Liste dafür einsetzen, dass dieser Diskurs ehrlich und im Einverständnis aller Beteiligten geführt wird um eine für alle zufriedenstellende Lösung zu finden."
Wer näher hinsieht, bemerkt, dass es die "Liste Leuphana" bereits zur letzten Wahl gab, damals wie heute eine Kritik der bisherigen Linie des Präsidiums der Leuphana. So gelingt es der Liste, den Finger in die richtige Wunde zu legen: Wer erinnert sich nicht an Spouns Schlingerkurs in Sachen Lehramt? Lange hat es der Präsident kontinuierlich vermieden, zu Lehramt an der Leuphana Universität Lüneburg deutlich Stellung zu beziehen. Musste er im Rahmen einer studentischen Vollversammlung im Jahr 2010 die Akkreditierung des Lehramts vorantreiben, so fühlt er sich nun erneut dazu genötigt, zu reagieren. Am 10. November wurde folgende Stellungnahme des Präsidenten und der Dekanin an alle Mitarbeitenden der Universität verschickt:
"Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Studierende,

die sogenannte „Liste Leuphana“ hat folgende Ausführungen zur Stellung der Lehrerbildung an der Leuphana Universität verbreitet:
„Im Lehramtsstudium wird nicht Bildung vermittelt sondern für einen Beruf ausgebildet. Lehramt bringt keine Erkenntnisse, die in den Wissenspool auf unserem Campus einfließen können. Lehramtsstudierende werden niemals die nachhaltigen Entscheidungen eines Unternehmens beeinflussen, keine wissenschaftlichen Erfolge feiern, keine Nobelpreise gewinnen – sie passen, kurz gesagt, auf Kinder auf. Natürlich ist dies eine löbliche Aufgabe und ihnen gehört Ankerkennung gezollt. Aber passen sie zur Leuphana? Wir wollen uns als Liste dafür einsetzen, dass dieser Diskurs ehrlich und im Einverständnis aller Beteiligten geführt wird um eine für alle zufriedenstellende Lösung zu finden."

Präsidium und Dekanin der Fakultät Bildung weisen diese Vorwürfe scharf zurück. Bereits im Zuge der intensiven Diskussion und kritischer Abwägung aller Aspekte des Senats zur Entwicklungsplanung im Jahr 2008, wurden immer wieder Vermutungen und Vorwürfe geäußert, die Lehrerbildung passe nicht in das Leuphana Konzept und würde über kurz oder lang geschlossen werden. Teil der Entwicklungsplanung war die Implementierung von vier Wissenschaftsinitiativen, eine davon ist die Initiative Bildungsforschung. Zudem wurde die Neuaufstellung der Lehrerbildung von einer externen Expertenkommission begleitet. Für eine zukunftsorientierte Lehrerbildung strebt die Leuphana Universität folgende Ziele an:

1. Kompetenzen bündeln
In der Fakultät Bildung sind die notwendigen Ressourcen für das Lehramtsstudium gebündelt. Darüber hinaus verstärken die anderen drei Fakultäten in spezifischen Fachgebieten die Lehrerbildung sowohl in Forschung als auch Lehre, so dass die Leuphana insgesamt für ein hervorragendes Portfolio in der Lehrerbildung steht. In der Fakultät Bildung und den für die Lehrerbildung wichtigen Nachbardisziplinen sind bereits zehn neue Professorinnen und Professoren neu berufen worden. Mit dem Zielbild einer Ausstattung von insgesamt ca. 30 Professuren sind sowohl der Professionalisierungsbereich (Erziehungswissenschaften und Psychologie) als auch die Fachdidaktiken und Fachwissenschaften im Vergleich mit anderen Universitäten personell gut ausgestattet. Um die Idee einer gemeinsamen Wissenschaftsinitiative mit Leben zu füllen, wird intensiv an dem Forschungsschwerpunkt „Umgang mit Heterogenität in der Schule“ gearbeitet. Damit positioniert sich die Leuphana Universität Lüneburg sowohl in der Forschung als auch in der Lehre deutlich im aktuellen bildungswissenschaftlichen Diskurs.

2. Bildung statt Ausbildung
Das professionelle Handeln von Lehrerinnen und Lehrern erfordert neben sachlichfachlicher Expertise ein enormes Maß an Reflexionsfähigkeit und Weitsicht, welches dadurch angeregt und entwickelt wird, dass die beteiligten Disziplinen Erziehungswissenschaften, Psychologie, Fachdidaktiken und Fachwissenschaften – Forschung, Lehre und Praxis im Sinne einer handlungsorientierten Bildung auf fundiertem wissenschaftlichen Niveau miteinander verbinden. Über diese enge Verzahnung wird angestrebt, die Lehramtsstudierenden sowohl auf eine problemorientierte, Fachgrenzen überwindende Unterrichtsgestaltung vorzubereiten als auch deren lebenslange eigene Professionalisierung zu initiieren. Dabei geht die Lehrerbildung im Sinne des Bildungsideals der Leuphana Universität Lüneburg grundsätzlich über ein Konzept reiner Kompetenzentwicklung hinaus. Die Verzahnung von Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Erziehungswissenschaft/Psychologie zielt immer auch darauf ab, mit den Studierenden spezifische überfachliche Werthaltungen und Orientierungen als Deutungsmuster und Grundlage zu entwickeln, um zukünftige Herausforderungen aktiv gestalten zu können.

3. Theorie trifft Praxis
Die Ermöglichung frühzeitiger und kontinuierlicher Lehr- und Praxiserfahrungen innerhalb der Lehrerbildung sind ein wesentlicher Eckpfeiler an der Leuphana Universität Lüneburg. In den Fokus rückt somit eine konkrete Handlungsebene, die spezifische Wissensbedarfe und Bedingungsfelder ersichtlich werden lässt. Dies impliziert die Konzeption und Etablierung praxis- und problemorientierter Lehr-Lern-Arrangements und Methoden im hochschuldidaktischen Kontext. Mit der Stärkung dieser theoriebasierten Praxis- und Problemorientierung wird ein gewichtiger Schritt zur Entwicklung von beruflicher Professionalität in der universitären Lehramtsausbildung ermöglicht. Durch ein Partnernetzwerk aus Fakultät Bildung, Kompetenzzentrum für schulische Praxisstudien, umgebenden Schulen, der Landesschulbehörde sowie das demnächst zu gründende Kompetenzzentrum für Lehrerfortbildung wird über die reflexive Verzahnung von Theorie und Praxis ein national konkurrenzfähiges und internationalen Ansprüchen genügendes Profil aufgebaut und eine entsprechende Ausbildung, Bildung, Fort- und Weiterbildung professionell in Schule Agierender garantiert.

4. Flexibilität durch innovative Studienangebote
Mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur werden derzeit die Möglichkeiten eines viersemestrigen Master of Education ausgelotet. Dieses Studienangebot eröffnet den Studierenden die Chance, mit einem Masterangebot in Educational Sciences entweder die schulbezogene Berufsperspektive zu vertiefen als auch ein verstärkt theoretisch-wissenschaftliches Programm zu wählen. Beide Wege, die viersemestrigen Master für das Lehramt an Grundschulen, an Haupt- und Realschulen sowie an Berufsbildenden als auch der Master in Bildungswissenschaften eröffnen den Studierenden den Weg zur späteren Promotion bei entsprechender persönlicher und fachlicher Eignung. Zudem besteht die Möglichkeit durch das integrative Konzept der Graduate School das Masterstudium mit einer Promotion zu verzahnen. Auf diesem Weg wird auch der akademischen Nachwuchs und damit die Forschung gefördert, die Qualität in der Lehramtsausbildung durch vertiefte wissenschaftliche Fundierung und Fachlichkeit erhöht sowie die Attraktivität der Leuphana Universität für Studierende gesteigert.
Eine erneute Diskussion um die Bedeutung der Lehrerbildung an unserer Universität erscheint uns gegenüber den vielen Kolleginnen und Kollegen, die mit großem Engagement und Einsatz an der Erreichung der oben formulierten Ziele arbeiten, unangemessen. Im laufenden Wahlkampf der akademischen Hochschulwahlen sind kontroverse Diskussionen wünschenswert, diese sollten aber auf einer sachlichen Ebene geführt werden.

Mit herzlichen Grüssen
(Namen entfernt)"
Es ist doch erstaunlich, dass es eine Liste für die studentischen Wahlen schafft, noch im Vorfeld der Wahlen eine solche Reaktion hervor zu rufen. LeuphanaWatch gratuliert den engagierten Studierenden und wünscht weiterhin viel Erfolg!

Auch auf der Seite der Professorenschaft aber zeigt sich das Ergebnis der Spounschen Politik: Entgegen bisheriger Gepflogenheiten, sich nach Fakultäten für den Senat aufstellen zu lassen, gibt es anstelle der bisherigen Listen (BiKuwi, Wirtschaft, Nachhaltigkeit) die Listen "BiKuwi", "Wirtschaft" und "Neuausrichtung". So mutiert die ehemalige Nachhaltigkeits-Liste zum Auffangbecken für all diejenigen, die unter dem Deckmantel der Neuausrichtung einen Wahlkampf mit Schlagworten antreten. Wer sollte sich schon gegen die Neuausrichtung aussprechen? Spannend wird, ob sich die Listen der Profs jetzt, wo sich politische Listen formieren, auch Wahlprogramme und politische Erklärungen abgeben oder ob die nächste Amtszeit der Gremium von einem primitiven Grabenkampf bestimmt wird: pro oder contra Präsidium.

Mittwoch, 9. November 2011

Seine Majestät räumt auf (II)

Ein Märchen in mehreren Episoden

Es stand einmal vor langer Zeit eine königliche Bildungsstätte im kleinen Lande Leinenwiege. Der König selbst mit seinem krausen Haar pflegte dort gewöhnlich zu residieren und der Wissenschaft in die Arbeit hineinzuregieren. Und wie es sich für einen guten König gehört, sorgte er sich um die Zukunft seiner Bildungseinrichtung und wollte, dass sie den richtigen Wissenschaftlern eine Heimat bieten würde. So entschied seine Majestät eines Tages, dass etwas geschehen müsse. Die Herren Wissenschaftler beriefen selbst nach Gutdünken ihre Nachfolger und der König konnte wenig dagegen tun. "Ab sofort wird Majestät nur noch angemessene Wissenschaftler für diese Bildungsstätte passieren lassen", verkündete Majestät und ließ zur Tat schreiten.

Als die Wissenschaftler der kleinen Bildungsstätte die Neuigkeiten hörten, da wurden sie rasend vor Wut. Sie überlegten hin und her und entschieden, vorerst nichts zu tun. Und so kam es, wie es kommen musste. Eines Tages schickte eine Gruppe von Wissenschaftlern der geheimnisvollen Künste einen Vorschlag für die Berufung an den König. Die Wissenschaftler freuten sich, denn sie hatten eine Idealbesetzung entdeckt und zusätzlich noch einen Reservekandidaten vorschlagen können.

Und so kam es, dass Majestät die zwei vorgeschlagenen Herren zu sich in seinen Glaspalast einlud, um seine Wahl zu treffen. Zuerst erschien der erste Kandidat der Wissenschaftler. "Ich bin belesen, im Lande wohl bekannt und ein Großmeister meines Faches", sprach der ehrwürdige Meister. "Meine Schüler lieben mich." Der König aber verdrehte die Augen und sprach: "Wie kann ich einen Herrn einstellen, der mir unsympathisch ist und langweilig obendrein?" Und so erschien der zweite Kandidat zur Audienz seiner Majestät. Mit geschwinden, wippenden Schritten ging er auf den König zu, kniete vor ihm nieder und sagte: "Ich habe in der Wissenschaft noch nicht viel vorzuweisen, aber ich bin jung, dynamisch und werde eurem Hause sicher große Ehre machen." Da klatschte seine Majestät in die Hände und dachte sich im Stillen: "Der ist wie ich."

Als der ehrwürdige Meister über die Wahl des Königs informiert wurde, wandte er sich hilfesuchend an die Wissenschaftler, die ihn ausgewählt hatten. Die waren einmal mehr außer sich vor Wut und bebten vor Zorn. Sie überlegten lange hin und her und entschieden, vorerst nichts zu tun.

Derweil saß Majestät in seinen gläsernen Gemächern und erfreute sich seiner Macht. Und wenn er nicht gestorben ist, dann regiert er wohl noch heute.

Übereinstimmungen oder Ähnlichkeiten mit realen Ereignissen sowie lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und vollkommen unbeabsichtigt. LeuphanaWatch dankt für die zahlreichen Anregungen unserer Leser, die maßgeblich zum Gesamtwerk beigetragen haben.

Samstag, 5. November 2011

Absolventenjahrbuch absurd

Erstmals soll es in diesem Jahr ein Absolventenjahrbuch an der Leuphana Universität Lüneburg geben. Alle Absolventen können sich darin eintragen und ein Teil davon werden. Das Marketing schildert die Vorteile wie folgt:
Ihre Vorteile auf einen Blick:
- Sie haben eine schöne Erinnerung an die Studienzeit
- Sie präsentieren sich frühzeitig attraktiven Arbeitgebern
- Sie erreichen hochinteressante, potenzielle Arbeitgeber aus allen Branchen und Bereichen
- Das Absolventenbuch ermöglicht es Ihnen, mit Kommilitoninnen und Kommilitonen in Kontakt zu bleiben
- Sie nutzen eine effiziente Ergänzung zu kostenintensiven Initiativ-Bewerbungen [1]
Moment, Initiativ-Bewerbung und Präsentation bei Arbeitgebern? Eine interessante Aussage. Die Marketingabteilung führt aus:
Sie erhalten so nicht nur ein Jahrbuch ihres Abschlusssemesters, sondern können auch einen effizienten Bewerbungskanal für Ihre berufliche Zukunft nutzen, der von immer mehr Unternehmen und Organisationen zum gezielten Recruiting von Berufseinsteigerinnen und -einsteigern genutzt wird. [1]
Immer mehr Unternehmen nutzen also das Jahrbuch zum Recruiting. Eine erstaunliche Aussage, wo dieses doch erstmalig erscheint. Aber sicherlich ist das nur missverständlich formuliert und im Allgemeinen bei Jahrbüchern so. Klar, dass die Fachschaft BWL bei so viel Arbeitsmarktorientierung jubelt und das Jahrbuch gleich empfiehlt. [2] Jetzt bitten wir nur noch um die Beantwortung einer Frage: Als Absolvent im Bereich Lehramt GHR und LBS nutzt mir das was?

[1] http://www.leuphana.de/alumniportal/veranstaltungen/graduiertenfeier/absolventenbuch-2011.html
[2] http://www.leuphana.de/fsfb2.html
LeuphanaWatch dankt für den Hinweis und die treffliche Frageformulierung.

Freitag, 4. November 2011

Leuphana schickt Wirtschaftsprüfer gg. LRH

Bereits vor einigen Tagen hat die Leitung der Leuphana Universität Lüneburg die Landeszeitung informiert: angeblich sei die Finanzierung des geplanten Zentralgebäudes gesichert. Die LZ schreibt:
"Die Uni-Spitze hat es jetzt schriftlich: Die Finanzierung des Zentralgebäudes ist gesichert. So steht es zumindest in einem Gutachten, das die BRL Treuhand aus Hamburg vorlegt. Die Wirtschaftsprüfer haben die Finanzierungsplanung des Libeskind-Baus unter die Lupe genommen - im Auftrag der Leuphana."
Die Leitung der Leuphana Universität Lüneburg hat nach den Querelen rund um den Bericht des Landesrechnungshofes (LRH) zum Gegenschlag ausgeholt und versucht, den Landesrechnungshof nun auf peinliche Art und Weise blosszustellen. So besagt die Pressemitteilung der Universität (1) nicht nur, dass der Landesrechnungshof irrt, sondern legt auch nahe, dass dieser nicht unabhängig genug sei, um die Finanzierungspläne korrekt zu bewerten:

„Wir haben für diese unabhängige Prüfung ganz bewusst ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen gewählt, das vorher in keinerlei Beziehung zur Leuphana gestanden hat. Uns war eine Gesamtschau von außen bei der Detailprüfung des Finanzierungskonzeptes besonders wichtig“, erläutert Dr. Volker Meyer-Guckel, Vorsitzender des Stiftungsrats der Universität. Auf diesem Wege könne die notwendige Objektivität der Begutachtung gewährleistet werden. Und weiter: „Das Ergebnis der Prüfung bestätigt erneut die vorliegende Planung. Es gibt uns und damit auch den Steuerzahlern zusätzliche Sicherheit.“

Vorgestern kam die Ministerin an die Universität. Ob sie ihren Ärger über das Gebaren der Hochschulleitung weiterhin im Zaum halten und sich derart öffentlich vorführen lassen wird, wird die Zeit zeigen. Bisher hat sie sich bedingungslos hinter die Universitätsleitung gestellt - wie lange aber kann sie sich das noch leisten, ohne ihr Gesicht zu verlieren? In der LZ waren keine kritischen Anmerkungen zu finden (2).

Wie unabhängig und verlässlich sind die Aussagen eines Wirtschaftsprüferunternehmens? Im Gegensatz zum Landesrechnungshof werden sie direkt von der Universität bezahlt und sagen wohl in der Hoffnung auf Folgeaufträge im Zweifel wohl eher das, was der Kunde auch hören möchte, als dies eine staatliche Einrichtung tun mag, die den Umgang mit Staatsgeldern prüft.

LeuphanaWatch denkt: Im Für und Wider zwischen Staat und Wirtschaft kann man den Einrichtungen, die zur Regulierung und Überprüfung der gewählten Vertreter dienen, mehr vertrauen als kapitalorientierten Branchen. Ein Privatunternehmen als vermeintlich unabhängigen und interesselosen Dritten ins Rennen zu schicken, ist nicht nur dem Ministerium gegenüber unverschähmt, sondern wirft viele weitere Fragen über die Kritikfähigkeit und die Ausrichtung des Präsidiums auf. Wer nur Staatsferne predigt und sich im Gegenzug dem privatwirtschatlichen Sektor unkritisch anbiedert, sollte doch eher eine Firma, aber keine Hochschule leiten.

(1) http://www.idw-online.de/pages/de/news448663
(2) http://www.landeszeitung.de/lokales/hochschule/news/artikel/ministerin-spuert-aufbruchstimmung/

Donnerstag, 3. November 2011

Seine Majestät räumt auf (I)

Ein Märchen in mehreren Episoden

Es stand einmal vor langer Zeit eine königliche Bildungsstätte im kleinen Lande Leinenwiege. Der König selbst mit seinem wallenden Haar pflegte dort gewöhnlich zu residieren und der Wissenschaft bei der Arbeit zuzuschauen. Und wie es sich für einen guten König gehört, sorgte er sich um die Zukunft seiner Bildungseinrichtung und wollte, dass sie die schönste, berühmteste und angesehenste der ganzen Welt werden sollte. So entschied seine Majestät eines Tages, dass etwas geschehen müsse. Das bunte Wirrwarr der Wissenschaftler in den vielen Häusern der Bildungsstätte sollte fein säuberlich sortiert werden. "Da werden die Herren viel besser und profilierter arbeiten können", verkündete Majestät und ließ zur Tat schreiten.

Es war an einem grauen Wintertag, als der kleine Dozent Walter erfuhr, dass er mit seinem ganzen Arbeitszimmer in ein anderes Haus umziehen sollte. So packte er seine sieben Sachen in eine Kiste und meldete dem königlichen Umzugsdienst einen Schreibtisch, einen Schrank, ein Sofa und eine Kiste zum Transport. Als der König die Liste zur Genehmigung sah, da packte ihn das Grauen. Nur zu gut erinnerte er sich an das alte, blaue Sofa, das zwar für Gemütlichkeit, aber nicht für seine Ästhetik bekannt war. So verbot er dem Dozenten Walter, sein Sofa in das neue Arbeitszimmer mitzunehmen.

Der arme Dozent Walter war ganz verzweifelt. "Du hast mir lange Jahre so gute Dienste erwiesen", sagte er zu seinem Sofa, "aber was soll ich denn tun? Wenn Majestät befiehlt, dann muss ich folgen." Als das alte Sofa das hörte, wurde es wütend. Es nahm seinen ganzen Mut zusammen und schrie so laut es konnte: "Majestät soll sich um die Wissenschaft bemühen. Wo kommen wir denn hin, wenn Herr König jetzt schon Büroeinrichtung vorschreibt? Außerdem ist es wissenschaftlich bewiesen, dass zwischenzeitliche Entspannung die Effektivität der Arbeit erheblich steigert. Von meiner ausgeprägten Vernetzungsförderung möchte ich gar nicht sprechen." Da wurde Dozent Walter ganz schweigsam, starrte lange an das gehängte Bildnis seiner Majestät an der Wand und sagte schließlich: "Ach mein liebes, altes Sofa. Wärest du nur nicht blau, sondern leuchtend dunkelrot in den Leinenwiegeschen Königsfarben. Dann hätte Majestät vielleicht eine Ausnahme gemacht."

Derweil saß Majestät in seinen gläsernen Gemächern und erfreute sich seiner Macht. Und wenn er nicht gestorben ist, dann regiert er wohl noch heute.


Übereinstimmungen oder Ähnlichkeiten mit realen Ereignissen sowie lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und vollkommen unbeabsichtigt. LeuphanaWatch dankt für die zahlreichen Anregungen unserer Leser, die maßgeblich zum Gesamtwerk beigetragen haben.