Dienstag, 26. Juli 2011

Leuphana-Semester: Lehrangebot II

LeuphanaWatch berichtete, dass zahlreiche Veranstaltungen im Leuphana-Semester von Lehrbeauftragten durchgeführt werden. Dies kann Probleme mit der Anbindung an das weitere Studium schaffen. Interessant ist, dass Lehraufträge sehr einfach aus Studiengebühren finanziert werden können. Das gilt auch für SHK-Verträge. Bei Professorenstellen ist das sehr viel schwieriger. Wie viele dieser Veranstaltungen im Leuphana-Semester sind also aus Studiengebühren finanziert? LeuphanaWatch hat das Senatspapier [1] gesichtet.

Im Modul "Wissenschaft macht Geschichte" werden 76 Seminare angeboten, von denen 62 externe Lehraufträge sind. Hinzu kommen 6 interne Lehraufträge von Dozenten, die über ihre Lehrverpflichtung hinaus diese Veranstaltungen gegen Geld anbieten. 68 Seminare oder 89,5% aller Veranstaltungen könnten also prinzipiell aus Studiengebühren finanziert sein.

Im Modul "Wissenschaft nutzt Methoden" sind in...
  • "Forschungsmethoden für alle" von 35 Seminaren 24 Lehraufträge. 68% aller Veranstaltungen könnten also aus Studiengebühren finanziert sein.
  • "Statistik für alle" von 8 Dozenten-Tutorien 6 durch Lehraufträge organisiert. Das sind 75%, die aus Studiengebühren finanziert werden können.
  • "Statistik für alle" 42 Tutorien von studentischen Hilfskräften (SHKs) angeleitet, die alle aus Studiengebühren finanziert werden können.
Im Modul "Wissenschaft trägt Verantwortung" sind von 68 Veranstaltungen 35 externe Lehraufträge und 17,5 interne Lehraufträge. Insgesamt sind es 52,5 Veranstaltungen oder 77%, die aus Studiengebühren finanziert werden können.

Wie viele dieser Veranstaltungen werden nun tatsächlich aus Studiengebühren finanziert? Darüber schweigt sich die Unterlage aus. Passiert das aus gutem Grund? Laut Gesetz dürfen Studiengebühren nur zur Ergänzung oder Vertiefung des erforderlichen Lehrangebots eingesetzt werden (§ 11 (2) Hochschulgesetz). Aber gibt es im Leuphana-Semester überhaupt ausreichend Lehrangebot, was vertieft oder ergänzt werden kann?

[1] http://www.leuphana.de/intranet/gremien/senat.html - 13.7.11 TOP 10
LeuphanaWatch dankt für den Hinweis auf dieses Thema.

Kommentare:

  1. Das Leuphana-Semster durch Ringvorlesungen ersetzen und im ersten Semester gleich mehr Fachlichlkeit anbieten. Keine Angst, als Bachelor ist man von vom „Fachidioten“ noch weit entfernt. Das Leuphana Semester (ein Oberstufe II–Semester) mit wenig professoraler Lehre schafft doch mehr Probleme und ist auch offensichtlich eine Fehlverwendung von Studiengebühren. Man sollte dann schon im ersten Semester mit den Profs diskutieren und sich nicht mit den Lehrbeauftragten und Tutoren, in prekären Vertragsverhältnissen und von Studiengebühren finanziert, begnügen!

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  2. Ringvorlesungen sind in Geschichte und Verantwortung doch schon vorhanden. Hier können dann ca. 600 Studierende mit einem Prof. diskutieren. Bis die Studierende kapieren, dass man auch gleich daheim bleiben kann. Dann verbessert sich das Betreuungsverhältniss. In Geschichte ist das nach Weihnachten immer sehr schön zu sehen;-)

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  3. So sieht übrigens eine der wenigen Ausschreibungen für das Leuphana-Semester aus: http:/www.mm.wiwi.uni-due.de/uploads/media/Ausschreibung_Gesundheitsmentoren_Leuphana_Universitaet.pdf

    Der Rest wird unter der Hand an Freunde und Bekannte vergeben: vor allem die Inkubatoren netzwerken so fleißig. Da könnt ihr mal genauer hinschauen!

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  4. Der Link zur Ausschreibung Gesundheitsmentoren gekürzt http://goo.gl/hwUu4

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  5. Ich kann die Frage nach der Menge der aus Stud.Geb. finanzierten Veranstaltungen nur so beantworten, wie der Präsident es im Senat tat: Ein "großer Teil." Genauere Angaben auf meine Frage machte der Präsident nicht.

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  6. Viel spannender ist ja die Frage, wie viel Geld im System ist aber gar nicht in die Lehre geht. Alle diese Backoffice-Leute in diesen ganzen Teams, die da immer und überall irgendwas organisieren ohne das man weiß was. Arbeitgeberbrutto heißt das bei BerufsanfängerInnen etwa 40000 €, geht bei Berufserfahrenen bis 50000 € auf jede Stelle.(http://oeffentlicher-dienst.info/tv-l/). Hat schon mal jemand nachgezählt, wie viele von denen hier inzwischen am Studium rumorganisieren? Und weiß jemand, aus was für Mitteln die bezahlt werden? Wäre ja ein interessanter Gedanke: Wasserkopf in die Produktion äääh in die Lehre!

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  7. Da sollte man eine Kommission einsetzen, die einen detaillierten Rechenschaftsbericht fordert und ggf. prüfen lässt.

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  8. Ja, eine große Kommission mit 50 Mitgliedern. Da wollen doch bestimmt einige Senatoren mitmachen. Kommissionen sind ja immer gut.

    Also auch diesmal wieder: nur Gerüchte auf dieser Seite, keine Fakten. Meldet euch wieder, wenn ihr wisst, aus welchen Mitteln was bezahlt wird. Das wäre dann mal interessant.

    Lehraufträge werden übrigens auch aus Inkubator-Mitteln bezahlt. Aber dagegen hat hier ja bestimmt auch irgendwer was.

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  9. Na, wer fürchtet sich hier vor Transparenz? Gerüchte halten sich so lange, bis Transparenz hergestellt ist. Warum gibt es eigentlich keinen Rechenschaftsbericht bezüglich des Aufkommens und der detaillierten Verwendung der Studiengebühren? Muss das erst der Landesrechnungshof anmahnen?

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  10. Zu der Nebelkerze „Lehraufträge werden auch aus Inkubator-Mitteln bezahlt“: ja, aber nur, dass sich damit Profs von der Lehre freikaufen können. Statt zu lehren wird dann "inkubiert" und die Studenten bekommen irgend einen Lehrbeauftragten und nicht den Prof zu Gesicht – finanziert aus den Inkubatormitteln. Das sind keine zusätzlichen Mittel! Ganz im Gegenteil – noch mehr Lehrbeauftragte und noch weniger Profs in der Lehre!

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  11. Das stimmt leider nicht, was 12:41 Uhr da geschrieben hat. Es wird - wie so oft hier - nicht zwischen "es kommt mal vor" und "es wird systematisch so gehandhabt" unterschieden.

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  12. Leider ist das schon systematisch, dass durch die Projektarbeit der Professoren deren Lehre teilweise substituiert wird. Leider. Damit geht der Inkubator zu Lasten der professoralen Lehre. Eine weitere Statistik, die man sich mal ansehen kann.

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  13. Okay, dann will ich die Zahlen sehen: wie viele Leuphana-Profs haben sich über den Inkubator von der Lehre "frei gekauft"? Wenn es mehr als 15 sind (das sind dann gut 10% aller Profs) gebe ich dir Recht. Wenn es unter 10% sind, finde ich die Rede von "systematisch" etwas voreilig. Ich habe auch kein Problem damit, dir Recht zu geben. Das wäre ja dann wirklich ein Problem.

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  14. Zahlen? Gerne. Sehr einfach: mehr als 15% der Profs, die ein Inkubatorprojekt durchführen nutzen die Möglichkeit, sich von der Lehre freizukaufen. Systematisch sind dafür im Inkubator Mittel vorgesehen und budgetiert. Der Inkubator führt dazu, dass Profs statt Lehrveranstaltungen durchführen in Inkubatorprojekten eingebunden sind und dafür Lehrbeauftragte etc. die ursprünglich von den Profs angebotenen Lehrveranstaltungen halten. Dies machen bisher mehr als 80% der Profs, die ein Inkubatorprojekt leiten. Diese Zahl zu verwässern und auf alle Profs der Leuphana Universität Lüneburg zu beziehen und damit als „nicht systematisch darzustellen“ ist eine weitere Nebelkerze, denn die Mittel für das „Freikaufen“ sind im Inkubator budgetiert und damit systematisch! Quintessenz: Noch mehr Lehre an der Leuphana wird durch Lehrbeauftragte etc. abgewickelt. Die hieraus resultierenden Probleme sind ein Teil dieser Diskussion hier. Also keine Einzelfälle.

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  15. Das die Kommunikation zwischen Lehrbeauftragten und der Universität manchmal nicht so richtig funktioniert war doch letzte Woche bei der Klausur im Master LBS SozPäd sehr sichtbar. Hier war nicht klar, wer die Klausur stellen soll. 50 Studierende durften 45 Minuten nach Presseberichten im Hörsaal warten auf irgendeinen Verantwortlichen von der Leuphana. Dann die Nachricht: Es gibt keine Klausur. Diese gibt es erst diese Woche. Einige Studierende können damit erst eine Woche später in die Heimat fahren oder ein Praktikum oder Ferienjob annehmen. Das ist wohl die verbindliche Planung der Leuphana!

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  16. Na ja, dass das Sozialpädagogiklehramt mal wieder vorne und hinten nicht funktioniert, liegt aber nicht an Leuphana!

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  17. @Anonym 31. Juli 2011 09:29
    Was ist denn genau "Leuphana"? Spoun, Keller, das Präsidium oder der Wasserkopf in Gebäude 10? Vielleicht auch die Schools?
    Wer entscheidet denn, ob wenn es was Hervorragendes gibt es der Erfolg der Leuphana oder von irgendeinem Institut oder Fachbereich ist? Wer trifft diese Entscheidung, wenn etwas Mal so richtig der Griff ins Klo war?

    Ich habe einen Vorschlag: Immer, wenn es sehr gut war ist es der persönliche Erfolg von Herrn Spoun und der Neuausrichtung der Leuphana. Immer wenn es Probleme gibt liegt das entweder am Land Niedersachsen, den ewig Gestrigen bzw. es ist menschliches Versagen von irgendeiner unteren Ebene, vermutlich der studentische Hilfskraft.

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  18. Ich will hier einfach mal aus der Reihe tanzen und ein Plädoyer FÜR die großflächige Beschäftigung von Lehrbeauftragten halten. Denn die Forderung nach Prof-Betreuung scheint mir doch an den Realitäten vorbeizugehen:

    a) Die Profs sind die Spitze einer Mitarbeiterpyramide, die sie zunächst einmal selber durchlaufen haben müssen. Es ist in Zeiten der Massenuniversität einfach nicht machbar, jüngere Studenten in erster Linie von dieser Gruppe unterrichten zu lassen. Zudem muss man dafür sorgen, dass die unterprofessorale Ebene der Pyramide ausgelastet wird - aus Gründen der Nachwuchssicherung, aber auch aus ökonomischen Gründen einer nachhaltigen Behandlung von Humanressourcen.

    b) Eine Betreuung durch den Herrn Prof. selber ist für Studierende keineswegs immer angenehm. Das soziale Gefälle ist enorm, und die meisten Studierenden entsprechen ganz einfach nicht dem, was man sich vor 35 Jahren unter Studierenden so vorgestellt hat (in politisch-moralischer und intellektueller Hinsicht; daher ja auch das Leuphana-Semester)- und je näher der Kontakt zum Prof,desto stärker tritt dies hervor.

    c) Das Rufen nach dem Prof gleicht dem Ruf nach dem Chefarzt und beruht auch auf naiven Vorstellungen von der Qualität universitärer Lehrveranstaltungen. Didaktische Kompetenzen und Lust am Erklären spielen bei der Berufung zum Prof keine Rolle. Lehrbeauftragte sind als Praktiker, Schullehrer, Journalisten oft viel mehr um ihr Publikum bemüht, weil sie viel stärker von ihm abhängig sind.

    d)Gerade in den an der Uni Lüneburg vertretenen Fächern (inkl. Wirtschaft) sind Querdenker meist eine Bereicherung und auch nicht unbedingt weniger kompetent als die Profs - schon weil es außerhalb der Naturwissenschaften nicht so sehr um den Zugang zu Experimenten und Mitarbeitern geht.

    e) Die Studierenden sollten als Bereicherung erfahren, von Leuten unterrichtet zu werden, die ihnen sozial und altersmäßig ähnlicher sind, die dankbar sind für ihre prekäre Beschäftigung, und die immerhin einen Bildungsstand erreicht haben, der sicherlich zur Unterrichtung von 22-Jährigen befähigt, die davon Jahre entfernt sind.

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