Dienstag, 25. Oktober 2011

Heftiger Streit um Räume von ASTA-Copy

Seit zum Ende des Sommersemesters der studentische Kopierladen ASTA-Copy in Gebäude 9 geschlossen wurde, suchte die Studentenvertretung nach einer Nachfolgenutzung (LeuphanaWatch berichtete). Jetzt ist ein heftiger Streit mit der Leuphana Universität Lüneburg ausgebrochen, die in einer Nacht- und Nebelaktion die Schlösser der zum ASTA gehörenden Räume ausgetauscht hat. Die Studentenvertreter haben nun keinen Zugang mehr zu ihren eigenen Räumen. Heute am Vormittag informierte die Leuphana Universität Lüneburg die Hochschulöffentlichkeit in einer eMail über mystudy:
Sehr geehrte Studierende,
eine Gruppe von Studierenden hat in den letzten Tagen mit Unterstützung des AStA in den ehemaligen Räumen von AStA-Copy einen studentischen Cafébetrieb eingerichtet. Dies ist entgegen einer expliziten Absprache von mir mit Vertretern von AStA und StuPa, ohne Wissen der Hochschulleitung, ohne Zustimmung durch die Universität und ohne Genehmigung durch die Stadt Lüneburg geschehen. Die Hochschulleitung sieht sich aus einer Reihe von Gründen leider nicht in der Lage, diesen Betrieb zu genehmigen und die genannten Räume dafür zur Verfügung zu stellen. Das Café "PlanB" wird daher heute leider - anders als durch die Gruppe Studierender angekündigt - nicht öffnen können.

Die Hochschulleitung weiß um den Wunsch vieler Studierender nach zusätzlichen Aufenthalts- und Arbeitsräumen. Aus diesem Grund sind erst vor wenigen Monaten umfangreiche neue Arbeitsmöglichkeiten für Studierende in der Bibliothek eröffnet worden. Darüber hinaus gibt es ständige Überlegungen, wie weitere "Freiräume" und Angebote für Studierende geschaffen werden können. Ein nächster Schritt wird durch einen Erweiterungsbau für den Hochschulsport gelingen, der bereits vom Präsidium beschlossen worden ist und kurz vor dem Beginn der Baumaßnahmen steht. Hierdurch werden nicht nur weitere Sportmöglichkeiten, sondern auch zusätzliche Räumlichkeiten für studentische Initiativen geschaffen werden können. Darüber hinaus sollen aufgrund des großen Bedarfes zusätzliche Räumlichkeiten für studentische Initiativen und studentische Arbeitsmöglichkeiten im neuen Zentralgebäude entstehen. Hierfür ist mit dem "Studierendenzentrum" ein eigener Bauteil des neuen Gebäudes vorgesehen. Weitere Maßnahmen sind in Überlegung.

Wir bitten um Ihr Verständnis, dass die räumlichen Möglichkeiten auf dem Campus bis zur Fertigstellung des Zentralgebäudes noch begrenzt sein werden und hoffen auf Ihre Unterstützung der entsprechenden Baumaßnahmen.

Mit freundlichen Grüßen
[Name entfernt, LW]
Leitung Gebäudemanagement
Aus der Sicht der durch die Aktion der Leuphana Universität Lüneburg betroffenen Projektgruppe sieht die Lage freilich komplett anders aus. LeuphanaWatch zitiert ihre Stellungnahme vom heutigen Nachmittag:
Die Uni stellte uns heute Morgen vor vollendete Tatsachen indem sie über Nacht die Schlösser zu den ehemaligen Copy-Räumen ohne vorherige Rücksprache mit uns austauschte.

Seit einer Woche haben wir an PlanB, einem studentischen Freiraum von Studierenden für Studierende gearbeitet. Ohne kommerzielle Interessen und ehrenamtlich wurden die ehemaligen AStA-Copy-Räumlichkeiten von unserer offenen Projektgruppe unterschiedlichster Studiengänge gestaltet. Es handelt sich entgegen der Darstellung der Universität nicht um ein Cafe, sondern um einen Raum für studentischen Projekte wie z.B. Kunstausstellungen, dazu Raum für Freistunden und Gruppenarbeiten in gemütlicher Atmosphäre, wobei die Möglichkeit gegeben ist, gegen Spende Kaffee und auch kalte Getränke zu erhalten. Gegenüber dem AStA-Wohnzimmer ist nicht geplant regelmäßige Parties und Konzerte zu veranstalten.
Mit der Veranstaltung heute Abend wollen wir unser bisheriges Tun vorstellen, das Feedback von Studierenden aller Studiengänge einholen und daraus ein Konzept erstellen, was möglichst viele Studierenden an dieser Universität entspricht.

Es war uns von Anfang an klar, dass es eine weiterführende Nutzung durch studentische Gruppen geben soll und das wurde auch von der Verwaltungsseite nicht anderweitig kommuniziert. Wir befinden uns seit dem Beschluss über die Schließung von AStA-Copy in einem Prozess über die Weiternutzung der Räumlichkeiten. Das StuPa beschäftigt sich seit mehreren Sitzungen mit neuen Konzepten und der weiteren Vorgehensweise.

Der seit Jahrzehnten bestehende Mietvertrag mit der Verfassten Studierendenschaft wurde nie offiziell gekündigt, es gab auch keine schriftliche Mitteilung, dass die Räumlichkeiten nicht mehr von der Verfassten Studierendenschaft genutzt werden können. Wir haben lediglich vor einer Woche mündlich den Hinweis auf eine eventuelle Nutzungsänderung bekommen.

Wir sind gerade dabei eine Lösung für das Problem zu finden. Wie, wo, in welchem Rahmen und ob die Vernissage heute Abend stattfindet ist noch nicht klar. Wenn wir aktuelle Infos haben werden wir sie auf unserer Facebook-Seite posten.

Die Projektgruppe PlanB
Soeben veröffentlichte die Projektgruppe in einer weiteren eMail, dass sie an ihrer für heute geplanten Veranstaltung festhalten will:
PlanB: Vernissage heute Abend findet statt!

Trotz oder gerade wegen der heutigen Ereignisse wollen wir nicht auf unsere Vernissage verzichten. Daher greift jetzt ab 19:00 Uhr Plan C: Wir verlegen uns für heute Abend ins AStA Wohnzimmer.

Wir möchten euch einladen, vorbei zu kommen und euch anzuschauen, was wir in der letzten Woche so gewerkelt haben. Wenn auch nicht im eigentlichen "PlanB" sondern nur auf unserer Fotowand. Wir wollen eure Meinung hören und einen Raum schaffen, in dem sich wirklich alle Studis aller Studiengänge wohlfühlen. Die Feedbackbox steht bereit, der Sekt ist gekühlt und die Projektgruppe PlanB freut sich über viele kreative Ideen und Anregungen, auch wenn der Raum bis auf weiteres nicht mehr uns Studis zur Verfügung steht.

Für euch organisiert:
Kunst an der Wand (Lüneburger Kunstschaffende)...
Kunst am Didgeridoo (Mearoa)...
Kunst hinter der Theke. (Sekt, Bier, Limo)...

Kommt vorbei und trinkt einen Sekt mit uns!

Bis nachher,
die Projektgruppe PlanB
LeuphanaWatch stellt fest: Die Äußerungen der Leuphana Universität Lüneburg wirken an den Haaren herbeigezogen. Seit rund 15 Jahren sind die betroffenen Räume vom ASTA genutzt. Den Studentenvertretern jetzt ohne Rücksprache und in einer Nacht- und Nebelaktion diese Räume wegzunehmen, ist ein Affront. Dies gilt umso mehr, da in den ehemaligen Räumlichkeiten von ASTA-Copy keine Politik betrieben werden sollte, sondern Freiraum für Studierende geschaffen werden sollte. Das will sogar das von der Wirtschaftsliste dominierte Studentenparlament. Wenn mit Raumnot argumentiert wird, ist das mehr als scheinheilig. Wer 5000qm am Standort Volgershall an das Jobcenter vermieten will [1][2], darf sich nicht auf Raumnot berufen, wenn es um 100qm ASTA-Räume geht - immerhin standen die Räume auch bislang nicht für andere Zwecke zur Verfügung. Gleichzeitig noch Werbung für das Audimax zu machen, ist nur peinlich. Was die Leuphana Universität Lüneburg aktuell veranstaltet, kann nur als feindseliger Akt gesehen werden. Herr Prof. (HSG) Dr. Sascha Spoun, wenn Sie Engagement wirklich fördern, dann treten Sie den Beweis an. Geben Sie die Räume umgehend wieder frei!

[1] http://www.lueneburg.de/desktopdefault.aspx/tabid-77/169_read-40468/
[2] Jobcenter zieht um in Uni-Gebäude, LZ 14.10.2011, S. 5
http://www.leuphana.de/fileadmin/user_upload/INTRANET/pressestelle/pressespiegel/2011ps/Pressespiegel_2011-10-13_10-14.pdf

Kommentare:

  1. habe es gestern über mystudy mitbekommen und finde wirklich, dass uns freiraum fehlt und lösungen, die erst in einigen jahren realisiert werden, interessieren doch nicht jetzt - die argumentation der unileitung wirkt auch mich schwach - finde, dass die sich damit selbst ins schlechte licht gerückt haben (was sie ja ohnehin ja schon tun, nur dieses mal so offensichtlich)

    selbst wenn die unileitung recht hätte, die form wie gegen die studierenden vorgegangen wurde, finde ich sehr bedenklich...

    ich bin froh, dass ich mein studium bald beenden werde und dann diese uni verlassen kann ...

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  2. ein uni-mitarbeiter26. Oktober 2011 um 12:20

    sehr schade für die studierenden und letztlich wirklich super frech. im gleichen atemzug den uni-bau aufgrund von raummangel zu propagieren und die bestehenden selbstorganisierten "freiräume" zu verschließen. gerade an einer uni sollte doch selbständiges handeln gefördert werden. jetzt wo es draußen wieder kalt wird, gibt es für die studierenden kaum angenehme räume, in denen ohne zwang zum konsum länger verweilt werden kann. schade, aber von dieser uni-leitung und ihrer politik ist leider nichts anderes zu erwarten. eigeninitiative wird eben nur dort belohnt, wo sie im einverständnis mit den mächtigen geschieht. die vielbeschworene kritische haltung der studierenden verkommt dabei zur bloßen floskel.

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  3. @ LeuphanaWatch: Bitte können die heute publizierten Mails des Präsidiums und des StuPa zu diesem Thema dann noch hier ergänzt werden?
    Da hier ja Leute auch nachträglich noch lesen, wäre es nur fair (und "Transparent"), wenn nicht nur geschimpft, sondern auch über Ergebnisse berichtet würde.

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  4. Ergebnisse, schnell zusammengefasst:

    - Nachdem der Verfassten Studierendenschaft in einer Nacht- und Nebelaktion die Räume entwendet wurden, hat
    - das StuPa den eigenen Zeitungsartikel in der LZ zensiert (bitte ganz harmlos schreiben und der Herr Brei darf nochmal drüber lesen - kein Witz!)
    - gab es heute morgen eine peinliche Kriecherei vor den Uni-Verantwortlichen,
    - hat man einen faulen Deal gemacht, der nur nach außen hin wie ein Kompromiss aussieht: Die Studierendenschaft bekommt diese Räume in Geb 9 wieder (bis Ende Dezember gibt es eine Versuchsphase als Freiraum und angeblich soll vertraglich festgehalten werden, dass die Studis die Räume anschließend auch behalten), dafür verlieren die Studis zukünftig in Gebäude 3 Räume. Während wir also als Studierende seit Jahrzehnten die Räumlichkeiten in Geb 9 nutzen und demnach Nutzungs- und Gewohnheitsrechte haben, behaupten wir, wir hätten einen Kompromiss mit "Dialog auf Augenhöhe" geschlossen, weil wir einen Raum verloren haben und
    - die Uni nun ernsthaft damit wirbt, sie hätte nun - mit Rückgabe der Räume - den bereits lange eingeforderten zusätzlichen Raum für Studierende ermöglicht (es wurde eine entsprechende mystudy-Email verschickt, in der Folgendes steht: "Mit der gefundenen Lösung erhalten die Studierenden an der Leuphana die Möglichkeit, schon lange gewünschte zusätzliche Räume für studentische Nutzungen, z.B. als Arbeits- und Aufenthaltsräume bzw. als Freiraum für studentische Initiativen nutzen zu können.").
    - Als wäre das noch nicht lächerlich genug, feiern das nun die StuPa-Listen als fairen und konstruktiven Deal (bis auf QuattroFak, die etwas kritischer sind), während der DSI in Gebäude 3 wohl bald mit Raumproblemen zu kämpfen hat.

    Na Prost, das ist wirklich das, was ich mir unter einer gemeinsamen Zusammenarbeit auf Augenhöhe vorstelle und unter einer kritischen Studierendenschaft, die ihre Rechte kennt und mich vertritt!

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  5. Oh man, ihr vom LeuphanaWatch-Blog seid unglaublich komisch.
    Denkt doch einmal nach: NATÜRLICH kann man nicht einfach ein Café auf dem Unigelände bzw. in Unigebäuden aufmachen ohne, dass man davor mit irgendjemandem uniseitig gesprochen hat.
    Denkt doch bitte mal allein an die Hygienerichtlinien. Rein rechtlich DARF da gar kein Kaffee ausgeschenkt werden ohne, dass es genehmigt ist.

    Leider seht ihr die Welt immer nur aus eurer Perspektive und scheitert immer wieder daran einfache Konventionen als gegeben und notwendig anzusehen.

    Allein die Tatsache, dass ihr euch jetzt darüber beschwert, dass die Uni nach so einer Aktion einschreitet zeigt, wie wenig ihr das Ganze seht. Anstatt dankbar zu sein, dass die Uni euch überhaupt Raum bietet (und damit meine ich jetzt nicht jenen neuen Raum), meckert ihr, wenn ihr nicht noch in den Räumen der Uni machen könnt, was ihr wollt.

    Stellt euch vor, jemand lässt euch kostenlos bzw. meinetwegen auch für einen geringen Pauschalbetrag bei ihm wohnen und ihr fangt dann plötzlich damit an einfach einen Raum komplett umzubauen und dort Tätigkeiten nachzugehen, die z.T. gewerblichen Tätigkeiten schon sehr nahe kommen (jaa, ich weiss, wenn man für den Kaffee eine Spende zahlt, ist das kein Verkauf etc...)...was meint ihr wohl, wie sich der Vermieter dann fühlt?!


    Ihr ruft immer zu absoluter Demokratie, Gleichheit und Transparenz auf, seid aber leider selber sehr verbohrt, dickköpfig und häufig einseitig. Das ist auch der Grund, warum jede Form des "Extremismus", egal ob rechts oder links, nicht funktioniert und in einer Demokratie grundsätzlich nicht beachtet werden sollte. Ich möchte damit nicht sagen, dass ihr (linke) Extremisten seid, aber die Tendenz geht schon in die Richtung.
    Also bitte mehr Objektivität und "out-of-the-box"-thinking.

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