Dienstag, 29. November 2011

Die Ökonomie des Kreativen

Heute ist es soweit: Das europäische Amt für Betrugsbekämpfung kommt zu uns, um die Verwendung der EU-Gelder zu prüfen. Doch greift eine Untersuchung der rechtmäßigen Nutzung regionaler Wirtschaftsförderung nicht viel zu kurz? Die viel wichtigeren Fragen wären doch: Wie passen einseitig ausgerichtete Mittel und eine akademische Einrichtung zusammen? Wie viel Zweckgebundenheit vertragen freiheitliche Wahrheitssuche und schöpferisches Wirken?

Aufschluss hierüber gibt ein Fundstück aus dem vermeintlich wohl freiesten Bereich: den Künsten. Wir wünschen Euch viel Spaß bei folgenden Ausschnitten aus einem Inkubator-Antrag:

Projekte mit der Kreativwirtschaft im Bereich der visuellen Kunst haben von der Besonderheit des Wertbildungsprozesses bzw. der Wertbildungskette der künstlerischen Produktion auszugehen. In der Literatur wird in diesem Zusammenhang der Begriff des ästhetischen oder auch symbolischen Werts, teilweise auch des symbolischem Kapitals gebraucht. Der ökonomische Wert der Kunst beruht typischerweise nicht auf dem Maß investierter Arbeit durch individuelle Künstler oder auf den Kosten für das eingesetzte Material, sondern vielmehr auf komplexen Bewertungsprozessen im Rahmen einer arbeitsteiligen Struktur mit zahlreichen Beteiligten. Im Prinzip ist es durchaus möglich, beispielsweise mit Materialkosten im Bereich von lediglich drei- oder vierstelligen monetären Größen und der individuellen Arbeitszeit eines Produzenten – eines Mikrounternehmers – , die sich auf weniger als eine Woche beläuft, Produkte zu generieren, die auf dem Markt – typischerweise mit Verzögerung – Preise etwa in sechsstelliger Höhe erzielen. Solche Effekte sind in der speziellen Ökonomie der Kunst schwer zu prognostizieren. Deshalb wird in der ökonomischen Literatur (vgl. z.B. Richard E. Caves, Creative Industries, Cambridge, Mass. Harvard University Press 2000) auch von der „nobody knows“-Eigenschaft symbolischer Güter ausgegangen.

Im Feld der Produktion von Unikaten, in „deep pocket markets“, entsprechen Preise dem Marktwert, im Gegensatz zum kulturellen Massenmarkt bzw. dem Markt von Multiples, in dem der Preis mit der Menge zu multiplizieren ist (vgl. Hans Abbig, The Exceptional Economy of the Arts, Amgsterdam University Press 2002). Im Kontext der im Rahmen des CVA-Projekts vor allem maßgeblich an der Herstellung von Unikaten orientierten künstlerischen Produktion ist von einer Konversion des ästhetischen Werts bzw. des über Bewertungsprozesse erworbenen symbolischen Kapitals in ökonomisches Kapitals bzw. in Preise, die sich am Markt erzielen lassen, auszugehen. Dabei geht es primär um ein entsprechendes Potential, da sich hohe Preise in einer Ökonomie des lange Zyklus, in dem der „time lag“ eine entscheidende Rolle spielt, typischerweise erst mit Verzögerung erzielen lassen. Eine solche Ökonomie ist für den Kunstmarkt charakteristisch. (vgl. Pierre Bourdieu, The Rules of Art. Stanford University Press 1996) [1]

Zur Einschätzung der Region Lüneburg und dessen nutzbares Potential für die Kreativwirtschaft schreiben die Autor_innen:
Die Erhöhung der internationalen Sichtbarkeit der führenden kreativwirtschaftichen Institutionen der Region in Verbindung mit einem entsprechenden künstlerischen Angebot und Kreativkapital erhöht deren Attraktivität und damit auch die der Region. Mit Hilfe von künstlerischer Produktion und Künstlern lassen sich Sichtbarkeitseffekte erzielen, die im Vergleich zu gängiger kommerzieller Werbung mit geringen Kosten und hoher geographischer Reichweite verbunden sind. Die Erhöhung der Sichtbarkeit macht die Region speziell für potentielle Investoren mit höherem kulturellen und ökonomischen Kapital bzw. für kreativwirtschaftliche Gruppen inkl. Symbolproduzenten, die für Wertbildungsprozesse entscheidend sind, interessanter. Der medial induzierte Tourismuszuwachs der jüngeren Zeit (der ARD „Rote Rosen“-Soap-Effekt in der Stadt Lüneburg) wird lediglich von sehr temporärer Dauer sein. Er stützt sich auf Gruppen mit bescheidenem kulturellen und ökonomischen Kapital, die nicht als Investoren in Frage kommen. Über die Maßnahme des CVA-Projekts ergeben sich potentiell Effekte im Sinne der Theorie der weichen Standortfaktoren wie des Konzepts des Optionsnutzen. Die Region hat im kulturellen Bereich jenseits von visueller Kunst (Musik, Theater, Literatur) lediglich schwache lokale und regionale Reichweiten aufzuweisen und kein erkennbares Entwicklungspotential weder für transregionale Sichtbarkeit noch für eine entsprechende Anziehungskraft für ökonomisch interessante externe Gruppen.

Im Rahmen der Ausstellungstätigkeit mit Hochkreativen der Preisverleihungen sowie des Gastprogramms mit besonders innovativen Produzenten werden Vertreter regionaler KMU (Inhaber, Manager) als Teil der regionalen ökonomischen Eliten gezielt angesprochen (Zielgruppe Netzwerk III). Zu den diagnostizierten Schwächen der Region zählt nicht zuletzt die geringe „Toleranz“ im Sinne des 3 T-Modells des Regionalökonomen Richard Florida. Geringe Toleranz meint in diesem Zusammenhang insbesondere auch ein geringes Maß an Toleranz gegenüber der Abweichung von ausgetretenen Pfaden und gegenüber dem Neuen, d.h. ein Defizit auf der Ebene des subjektiven Innovationspotentials, das auf Einstellungen, Mentalitäten und Habitus zurückzuführen ist. Von der Auseinandersetzung mit Produzenten, die der „Tradition des Neuen“ verpflichtet sind und dabei über Durchsetzungspotential auf einer internationalen Ebene verfügen, ist eine Verringerung dieser mentalen Innovationsbarrieren zu erwarten [1]

Haben bisher noch Einige an einer reinen Ökonomisierung von Bildung gezweifelt, so dürfte sie diese strategische Ausrichtung an reinen Kapitalkriterien erstaunen. Die Einstufung nach Kriterien des Marktes diskreditiert nicht nur die Region Lüneburg, sondern auch das, worum es hier doch eigentlich gehen sollte: Kultur und Künste.

LeuphanaWatch sagt: Die zweckgebundene, mit der Auflage der Wirtschaftsförderung verbundene Finanzierung von dem, was einmal Forschung und nicht nur Suche nach Vertriebswegen war, greift unzulässig in die Universität ein. Welche grundlegende Ausrichtung wird den Studierenden mit diesem absoluten Wert der Rentabilität als Wissenschaft verkauft?

[1] Textauszüge aus einem EU-Großprojektantrag, Teilmaßnahme „Projekte mit der Kreativitätswirtschaft“. LeuphanaWatch bedankt sich für den Hinweis per Mail.

Montag, 28. November 2011

Fachschaft BWL hat Förderverein

Die Fachschaft BWL mit dem neuen Namen hat einen eigenen Förderverein. Der trat als Veranstalter der "Welcome (back) @Leuphana" HörsaalgangParty öffentlich in Erscheinung (1). Es stellt sich die Frage, ob durch den Trick der Vereinsgründung lediglich die Möglichkeit genutzt wurde, ab sofort Spendenquittungen an die reichlich vorhandenen Sponsoren (u.a. KPMG) ausstellen zu können. Interessant dürfte der Verein besonders hinsichtlich der Verwendung studentischer Gelder werden. Während sämtliche Fachschaftsfinanzen vom Finanzreferenten des ASTA überwacht und kontrolliert werden (2), ist dieser für den Verein nicht zuständig. Die Preisfragen lauten also: Findet ein Geldtransfer zwischen Studentenschaft und dem Verein statt? Gibt es eine gemischte Finanzierung unter Beteiligung von Fachschaft und Verein bei Partys oder anderen Veranstaltungen?

Unabhängig davon irritiert der Vereinsname: "Förderverein der Fachschaft der Leuphana Uni LG e.V." (1). Wieder einmal vergisst die Fachschaft BWL, dass sie nicht die Fachschaft der Leuphana Universität Lüneburg ist. Sie mag sich fälschlicherweise so nennen, aber es gibt viele weitere Fachschaften. Etwas mehr Bescheidenheit wäre angebracht - bei der Fachschaftsbezeichnung wie beim Vereinsnamen.

(1) Flyer zur Hörsaalgangparty am 15.10.
(2) http://www.asta-lueneburg.de/referate/finanzreferat/
LeuphanaWatch dankt für den Beitrag, den wir in einer eMail erhalten haben.

Freitag, 25. November 2011

ASTA zur Hochschulpolitik in Niedersachsen

Für diesen Blog arbeiten Menschen und denen geht manchmal eine Nachricht unbeachtet durch. So ist es uns mit einer grundlegenden Stellungnahme des ASTA geschehen, die wir zur Diskussion nachreichen. Der Inhalt ist nach wie vor aktuell.
Stellungnahme des AStA der Universität Lüneburg zur aktuellen Hochschulpolitik in Niedersachsen

Studienfinanzierung
Immer mehr Kosten werden auf die Studierenden abgewälzt. Neben den Studiengebühren erlaubt die niedersächsische Politik den Universitäten Verwaltungskostenbeiträge zu erheben und die Unterfinanzierung der Studentenwerke sorgt dafür, dass diese den Studierenden ebenfalls tiefer in die Taschen greifen müssen. Der hohe finanzielle Druck sorgt für soziale Selektion und diskriminiert Studierende, welche aus finanziell benachteiligten Verhältnissen stammen. In Anbetracht der Tatsache, dass die allgemeinen Studiengebühren nur noch in Bayern und in Niedersachsen existieren, muss auch die politische Situation zu diesem Thema in diesen beiden Bundesländern neu bewertet werden. Wir fordern ein gebührenfreies Studium.

Hochschuldemokratie
Der AStA sieht das Modell der Stiftungsuniversität kritisch. Die Hoffnungen, dass sich die Universitäten durch private Gelder ein Stück weit selbst finanzieren könnten, hat sich nicht bewahrheitet. Gleichzeitig haben die Strukturen der Stiftungen zu einem Verlust an Demokratie durch eine Zentralisierung der Macht auf das Präsidium und zu einem Verlust an Kontrolle aufgrund der Intransparenz und der fehlenden universitären Anbindung von Stiftungsräten geführt. Hochschulen dürfen nicht der Spielball von privaten Interessen werden. Darüber hinaus sollte zumindest in jedem Stiftungsrat ein studentisches Mitglied vertreten sein. Vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur erwarten wir eine sinnvolle Kontrolle der Hochschulleitungen, die auch die Interessen der Studierenden berücksichtigt.

Die externen Berufungskommissionen haben darüber hinaus den Prasidien die Möglichkeit gegeben, in eines der wichtigsten Rechte der Fakultäten einzugreifen und den Studierenden bei Berufungen das Stimmrecht zu nehmen. Wir fordern studentisches Stimmrecht bei allen Berufungsverfahren und eine strenge Kontrolle der Anwendung von externen Berufungskommissionen. Diese dürfen nicht die Regel sein, sondern nur in Fällen eingesetzt werden, in denen Fakultäten ohne hausexterne Berufungsmöglichkeiten handlungsunfähig sind.

Die Möglichkeit, PräsidentInnen ohne Ausschreibung direkt wieder zu bestellen, schwächt die Position des Senats und bietet den wichtigsten hochschulpolitischen AmtsträgerInnen die Möglichkeit, sich einem Wahlkampf zu entziehen. Damit geht ein wichtiger politischer Abstimmungsprozess um die besten und gewünschten Konzepte für die Hochschule verloren. Wir fordern diese Möglichkeit wieder aus dem niedersächsischem Hochschulgesetz (NHG) zu streichen.

Die forcierte Öffnung der Universitäten für Drittmittel, auch aus der Wirtschaft, haben zu einem zunehmenden Einfluss privater Interessen geführt, der im Widerspruch zur Freiheit von Forschung und Lehre steht.

Zwangsexmatrikulationen
Zum Ende des vergangenen Semesters wurden zahlreiche Studierende zwangsexmatrikuliert, da ihre Studiengänge ausliefen. Aus Sicht des AStA sollten alle Studierende die Möglichkeit haben, ihr Studium erfolgreich abzuschließen. Nur weil Studierende längere Zeit im Ausland verbringen, Kinder betreuen, oder mehrere Urlaubssemester, darf ihnen nicht die Möglichkeit eines Abschlusses genommen werden. Dies ist kein altes Problem, denn auch in naher Zukunft sind weitere Studiengangsreformen zu erwarten, dadurch werden vermehrt auch Studiengänge auslaufen. Wir fordern das Recht, ein begonnenes Studium auch nach unbegrenzter Zeit beenden zu können, in das NHG aufzunehmen. Ebenso dürfen zukünftig keine Ziel- und Leistungsvereinbarungen zwischen Universität und dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur geschlossen werden, die das endgültige Auslaufen von Studiengängen beinhalten.

Bachelor und Masterreformen
Die Schwierigkeiten des Bachelor-Master-Systems sind noch nicht erfolgversprechend angegangen. Die Mobilität der Studierenden konnte im Verhältnis zu den alten Abschlüssen bislang nicht erhöht werden. Die verschulten Systeme lassen an vielen Universitäten nur wenig Wahlmöglichkeiten. Des Weiteren ergeben sich oft Probleme mit dem Übergang zu Masterstudiengängen an anderen Universitäten. Wir fordern, den Reformprozess unter Einbeziehung der StudierendenvertreterInnen der AStA und der Landesastenkonferenz fortzusetzen. Bei Studiengängen, die nicht für das Modell geeignet sind, sollten andere Abschlüsse ernsthaft in Betracht gezogen werden (Bsp. Lehramt) und der vierjährige Bachelor muss flächendeckend diskutiert werden. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Masterplatzgarantie. Solange ein Masterplatz für eine Qualifizierung notwendig ist - und nicht, wie z.B. in den USA eine Vorstufe zur Promotion ist - muss jede Studierende einen Masterplatz erhalten.

Dienstag, 22. November 2011

Leuphana wird fünf

Auf den Tag genau vor fünf Jahren präsentierte Vizepräsident Holm Keller dem Senat das Konzept Leuphana Universität Lüneburg. LeuphanaWatch erinnert daran mit einem alten Beitrag der ASTA-Zeitung (Seite 2 f.), der zum ersten Geburtstag von Leuphana erschien und hier zitiert ist:

Ein Jahr danach: Wie die Uni ihren Namen bekam

„Stiftung Uni LG“, „Uni LG“, „Leuphana Uni LG“ oder doch „Leuphana“? Warum diese verschiedenen Bezeichnungen, warum sagen nicht alle „Leuphana“? Wir wagen einen Blick in die Historie, denn inzwischen ist „Leuphana“ ein Jahr alt.

Irgendwann im Sommer 2006 beginnt die Hamburger Agentur „Scholz & Friends“ im Auftrag der Unileitung, einen neuen Außenauftritt für die Uni Lüneburg zu entwickeln. Normalerweise arbeitet S&F für Kunden wie die Bundesregierung, die FAZ, Tchibo oder Siemens, hier ist sie aber für die kleine Uni in einem pro bono (‚für umsonst‘) Projekt tätig. S&F sucht aus anfangs 70 Ideen einen neuen Namen, für den dann ein komplettes PR-Paket geschnürt und an „peer groups“ ohne Beteiligung von Mitgliedern der Universität getestet wird. Logo, Layout, Anzeigen, Homepage-Prototyp, Broschüren und ein komplettes PR-Handbuch werden erstellt. Die Markenrechte und Internetdomains für den Namen werden gesichert.

Am 18. Oktober 2006 teilt der Präsident im Senat mit, dass ein Bestandteil der Neuausrichtung auch ein „neuer Außenauftritt“ der Universität sei. Der Senat horcht interessiert auf. Die europaweit renommierte Hamburger Agentur „Scholz & Friends“ unterstütze die Uni bei der Entwicklung. Auf einer Infoveranstaltung solle die Hochschulöffentlichkeit darüber informiert werden. Diese fällt später aus, da die Agenturvertreter kurzfristig absagen. Der Senat betont, dass nur die Uni selbst eine „extern entwickelte Marke mit Inhalt füllen kann“. Der Senat will die Außendarstellung diskutieren und fortentwickeln, erfährt aber vorerst nichts Genaues.

Im Zeitraum bis zur nächsten Senatssitzung kursieren wilde Gerüchte man hört etwas von „Leufania“ und dass auf der nächsten Sitzung ein neuer Name beschlossen werden soll. Der AStA fordert Aufklärung und kündigt an, ansonsten müssten sich alle Studierenden direkt im Senat informieren.

Zwei Stunden vor der Senatssitzung am 22. November kommt Vize Keller auf die AStA-Sitzung und stellt 70 Minuten lang den Außenauftritt „Leuphana“ (vermeintl. antike Ortsbezeichnung für LG) vor (vgl. „Das Leuphana-Konzept“). Das Ganze wiederholt sich wenig später im Senat, der ohne studentischen Großbesuch auskommt. Die „gebrochenen Kristallfarben“ verleiten einen Senator zu der Bemerkung, diese würden ja hervorragend zum vom Präsidium skizzierten Zustand der Uni passen. Der Senat diskutiert intensiv die Frage, ob die Uni überhaupt einen neuen Außenauftritt braucht, ob „Leuphana“ ein geeignetes Konzept sei und wie man es ggf. einführen könnte. Alternativen gibt es nicht – Leuphana oder nichts. Schließlich einigt man sich darauf, dass man einen neuen Außenauftritt einführen und dass dieser direkt für die gesamte Uni gelten sollte. Eine endgültige Entscheidung wird, sehr zum Missfallen von VP Keller, in den Dezember vertagt, um hochschulweit diskutieren zu können. Die Vorbereitung für „Leuphana“ geht weiter: Broschüren werden gedruckt, eine Webseite entwickelt. Dies ist nach Aussage von Herrn Keller nötig, um vor Weihnachten das Material veröffentlichen zu können – die „guten“ Studis würden da schon nach einer Uni suchen und diese Personen müsste man unbedingt erreichen.

Nach einer Infoveranstaltung und einem Workshop tagt am 13.12.06 der Senat erneut. Es werden die Anregungen und Gedanken zu „Leuphana“ diskutiert und die Vorschläge des Workshops beraten. Die Befürchtung wird geäußert, die Uni könnte den propagierten Erwartungen nicht gerecht werden. Vor allem besteht der Senat darauf, den ‚Zusatz’ „Universität Lüneburg“ unbedingt gleichwertig unter dem „Leuphana“ zu erhalten, wenn er auf Grund des bereits ausgegebenen Geldes Leuphana schon kaum noch ablehnen kann. Außerdem werden einige Änderungen gewünscht. Schließlich „begrüßt [der Senat] die Einführung und Umsetzung eines neuen Außenauftritts als ‚Leuphana Universität Lüneburg’“ mit 11:3:3 Stimmen.

Zwei Tage später berichtet die Landeszeitung erstmals über „Leuphana“, vor Weihnachten warten die „guten“ Studis erfolglos auf das Infomaterial der Uni. Statt dessen witzelt der halbe Campus über „Leufanta“ und „Leuphana – hört sich an wie ein Abführmittel“, die „univativ“ befasst sich mit dem „leicht esoterisch angehauchten Farbkonzept“.

Am 01.01.07 tritt ein neues Nds. Hochschulgesetz in Kraft. Während der Senat im Dezember nur zustimmen musste, hätte er jetzt für Leuphana die Grundordnung mit 2/3-Mehrheit ändern müssen. Das wahre Motiv für den Zeitdruck, der im letzten Jahr bestand?

Im Frühjahr entdeckt die LZ das Thema „Leuphana“ für sich, es gibt reihenweise Artikel und Leserbriefe. Die Mehrheit der Leser findet den Namen Leuphana für ungeeignet, es hagelt Kritik und Alternativvorschläge. Auch Ministerpräsident Wulff schaltet sich ein und lässt per SMS einen Vorschlag zum Unipräsidenten schicken. Oberbürgermeister Mädge ist auch nicht begeistert. Die „guten“ Studierenden warten nach wie vor auf das Infomaterial, was es plötzlich nicht mehr so eilig hat.

Am 10. Februar hält eine Leserin die Begründung für den Namen für „wackelig“. Das Leuphana des Ptolemäus liege irgendwo bei Hamburg oder in der Altmark oder in Meck.- Pomm. oder gar westlich des Rheins. Um sicher zu gehen, dass der Name auch auf die Uni passt, schlägt sie „Sascha-Spoun-Universität“ vor. Es folgen Kommentare wie „Schilda lässt grüßen“ und „Spounität Lüneburg“, bevor der bekannte Namensforscher Prof. Dr. Udolph aus Leipzig und der Sprachwissenschaftler Prof. Alpers aus Hamburg bestätigen: Leuphana hat mit Lüneburg nichts zu tun. Noch viel schlimmer: „Leuphana lag in Holland“!

Die Unileitung macht aus der Not eine Tugend und lässt sich eine neue Begründung für den Namen einfallen (vgl. „Was nicht passt wird passend gemacht“). Dann wird dieser am 20. März auch öffentlich im Foyer der Unibibliothek präsentiert. Aussagen des Präsidenten wie „Das Interessante ist zu Leuphana: von den Lüneburgern wird es nicht verwendet.“ oder „Es hat irgendwie was zu tun mit einem Ei. (...) Das Ei hat einen großen Vorteil: Wir wissen nicht, was rauskommt.“ erreichen Kultstatus in interessierten Studierendenkreisen. Am nächsten Tag folgt dann eine bundesweite Pressekonferenz in Berlin, auf der das „Leuphana“-Konzept der Presse vorgestellt wird. Die „guten“ Studierenden bekommen endlich ihre Infomaterialien. Der AStA organisiert in Berlin eine Demo, um auf die Namensfindung und die Seltsamkeiten hinzuweisen (Vgl. „Berechtigte Kritik“). Außerdem stellt er eine Pressemappe zusammen, die sich u.a. mit dem Namen Leuphana auseinandersetzt.

Seit dem 23. März [2007] heißt die Uni jetzt „Leuphana“ – ganz im Sinne des Senats, der „Universität Lüneburg“ unbedingt gleichgroß im Namen haben wollte.


Das Leuphana-Konzept
Ziel des Außenauftritts der Uni ist es, eine „Marke“ zu etablieren, die national und international wahrgenommen wird. Die Position der Universität im Wettbewerb der Hochschulen soll gestärkt werden. Die Marke soll die Attribute „anspruchsvoll“, „offen“, „vernetzt“, „lebendig“ und „zukunftsfähig“ transportieren und das Herz eines attraktiven Außenauftritts bilden. Der Begriff „Leuphana“ geht auf den griechischen Gelehrten Ptolemäus zurück, der die Region um Lüneburg so bezeichnete. Er ist international aussprechbar, war markenrechtlich noch zu haben und hat keine negativen Assoziationen. Über dem Schriftzug ist eine Grafik platziert, die wahlweise als Netzwerk, Würfel oder Kristall zu beschreiben ist. Sie soll deutlich machen, dass oft verschiedene Perspektiven nötig sind, um zu Erkenntnissen zu gelangen. Unter dem Schriftzug „Leuphana“ steht ein Zusatz, je nachdem um welchen Teil der Universität es sich handelt. Als Farben verwendet die Leuphana eine „eigenständig entwickelte Farbwelt“ aus „Naturfarben von Kristallen“.

Was nicht passt wird passend gemacht
Als wissenschaftlich nachgewiesen wurde, dass Leuphana mit Lüneburg wohl eher nicht gleichzusetzen sei, geriet die Namensbegründung ins Wanken. Die anerkannte Lokalisation in den Niederlanden drohte zu einer Blamage zu werden. Also zauberte man schleunigst eine neue Begründung aus dem Hut: Entscheidend seien gar nicht die genauen Fakten, sondern das Streben des Ptolemäus nach Wissen und seine Bereitschaft, scheinbar sichere Erkenntnisse in Frage zu stellen und weiterzuentwickeln. Seine Leidenschaft und Neugier seien auch heute noch „die wichtigsten Voraussetzungen für eine lebendige Wissenschaft“. „Diesem Geist entdeckenden Forschens und Lernens fühlt sich die Universität Lüneburg durch ihren Namen Leuphana verbunden.”


Berechtigte Kritik
Kritik am Prozess der Namensfindung: Die Mitglieder der Uni wurden erst zu einem sehr späten Zeitpunkt informiert und beteiligt, ihnen wurde eine fertige Lösung vorgesetzt. Diskussionsräume wurden durch vermeintlich hohen Zeitdruck stark begrenzt, Gestaltungsmöglichkeiten gab es de facto keine mehr bzw. sie begrenzten sich auf Schönheitskorrekturen. Als Wahlmöglichkeiten gab es nur „ja“ oder „ich stimme zu“. Eine echte demokratische Entscheidung war nicht möglich, der Prozess in den Augen vieler „einer Universität nicht würdig“. Kritik wird auch am Namen geübt: Er höre sich an wie ein Abführmittel, habe mit Lüneburg und der Geschichte der Lüneburger Uni nichts zu tun. Die Umdeutung der Unileitung sei einfach nur peinlich. Außerdem sei generell auf das „branding“ von Universitäten zu verzichten, denn diese seien keine Unternehmen. Zahlreiche andere große deutsche Universitäten machten deutlich, dass dies problemlos möglich sei. Diese Kritikpunkte sind ausschlaggebend dafür, dass viele Mitglieder der Uni den Begriff „Leuphana“ nicht verwenden – nicht aus Ablehnung von „Neuem“ oder von Personen, sondern um ein Zeichen zu setzen, dass eine Uni sich nicht alles gefallen lassen darf.

Ebenfalls sehr lesenswert ist ein Text, den der ASTA an Journalisten verteilte.

LeuphanaWatch gratuliert der Leuphana Universität Lüneburg. Sie hat ihren Weg konsequent fortgesetzt. Allein über die Richtung lässt sich streiten.

Sonntag, 20. November 2011

Kandidaten für Senat / FAK-Räte stehen fest

Für die akademischen Wahlen im Dezember steht fest, wer für den Senat und die Fakultätsräte kandidiert und um Stimmen wirbt. Details zur Wahl und zu den Wahlvorschlägen gibt es auf der Webseite der Leuphana Universität Lüneburg.

http://myshare.leuphana.de/de701e774c0277718187eeec16a595e5

Die wichtigsten Erkenntnisse für Studenten bzgl. der Senatswahl:
Die Liste der Fachschaft BWL nennt sich in diesem Jahr "LEUPHANA gemeinsam gestalten".
Eine Uni für alle nennt sich "AKUT".

Samstag, 19. November 2011

Geht es noch peinlicher?

In den letzten Tagen hat sich ein wahrer Showdown über die eMailverteiler der Leuphana Universität Lüneburg ereignet. Die Kontrahenten: eine neue Professorin, die Fachschaft BWL und die Senatoren der Liste "Eine Uni fuer alle". LeuphanaWatch dokumentiert:

Auslöser war eine Pressemitteilung von "Eine Uni fuer alle" vom 1.11..

Am 17.11. sandte ein Mitglied der Fachschaft BWL folgende eMail über die Verteiler:
Liebe Kommilitonen,
heute wurden wir von Frau Prof. Dr. (Name zum Schutz der neuen Professorin entfernt, LW) gebeten, die unten stehende Nachricht zu verbreiten.

Gerne tue ich dies über diesen Weg. Ich teile die Meinung von Daniela Steinert (Senatsliste „Eine Uni für alle“/ „AKUT“) ausdrücklich nicht. Vielmehr sehe ich in den neuen Professoren und Dozenten, die an die Leuphana kommen eine Bereicherung für unsere Universität. Sie helfen den eingeschlagenen Weg der Neuausrichtung weiterzugehen und tragen zu einer Vielfalt an unserer Uni bei.

Frau (Name entfernt, LW) und viele andere würden sich bestimmt freuen, wenn ihr Euch bei Ihr meldet und eure Meinungen zu den neuen Mitgliedern der Leuphana weitergibt. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass Ihr alle gegen neue Meinungen und Herangehensweisen seid.

Viele Grüße

(Name des Mitglieds der Fachschaft BWL entfernt, LW)
(Senatsliste „Leuphana gemeinsam gestalten!“)

******
Mail von Frau (Name entfernt, LW):


Liebe Frau Steinert,
liebe Studierende,
vor drei Wochen habe ich mit viel Enthusiasmus meine Tätigkeit als Professorin für Kunstgeschichte an der Leuphana Universität aufgenommen. Ein am 1. November über myStudy verschicktes Schreiben, unterschrieben von der Senatsliste „Eine Uni für alle“, hat mich - und nicht nur mich, sondern auch andere neu berufene Kolleginnen und Kollegen – irritiert. Dort heißt es in einem Zitat von Ihnen, Frau Steinert, dass wir, also die neu Berufenen, der Universität schaden würden. Für diese infame Behauptung hätten ich und andere Angesprochene gerne eine Erklärung, und wir hoffen, dass dies im Modus einer kritischen Argumentation statt der Diffamierung möglich ist. Auch wüssten wir gern, ob die Studierenden insgesamt diese Einschätzung teilen, ob also Ihre Meinung Konsens ist oder nicht. Deshalb lade ich die Studierenden, im Namen auch anderer neu berufener Kolleginnen und Kollegen, herzlich zu einem Gespräch ein. Geeignet scheint mir ein Mittwochnachmittag zu sein, damit auch möglichst viele teilnehmen können.

Vor allem aber sollte es in diesem Gespräch um unsere zukünftige Zusammenarbeit gehen. Für einen Gesprächstermin schlage ich den 23. November, 14.00 – 15.00 Uhr vor, im Raum C5.326. Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele Studierende an diesem Gespräch teilnehmen würden.

Mit freundlichen Grüßen,
Prof. Dr. (Name entfernt, LW)
Am 18.11. folgte umgehend eine Erklärung der angegriffenen Senatorin:
Liebe Studierende,
zum Hintergrund der Email, die (Name entfernt, LW) (Nachrücker für den Senat, Senatsliste "Für Euch und unsere Uni - die Fachschaft"; Fachgruppenvertretung BWL) gesternabend weitergeleitet hat:

Das Schreiben von Frau (Name der Prof. entfernt, LW) an mich und die Studierenden ist bereits älter. Über drei Ecken und leider nicht von ihr persönlich wurde mir ihr Schreiben schon Anfang November zugetragen. Sie fragte einige neu berufene Kolleg_innen, ob diese eine solche öffentliche Veranstaltung ebenfalls begrüßen würden und schickte ihnen diesen Brief, den nun auch ihr erhalten habt. Offensichtlich läd sie allerdings als Einzige zu dem Treffen am 23. November ein.

Auf ihren Brief hin habe ich am 08.11. geantwortet, um meine Aussage in den richtigen Kontext zu stellen und mich für das Missverständnis zu erklären und zu entschuldigen. Leider habe ich daraufhin keine Reaktion erhalten, auch nicht von Frau (Name entfernt, LW) selbst.

Dass jetzt der Brief von Frau (Name der Prof. entfernt, LW) an alle Studierenden verschickt wird, ist deshalb sehr befremdlich für mich, da Frau (Name der Prof. entfernt, LW) zu keinem Zeitpunkt den direkten Kontakt zu mir gesucht oder Interesse daran gezeigt hat, meine Entgegnungen zu ihrem Brief wahrzunehmen bzw. zu kommentieren. Auch hat sie den Termin, zu dem sie die Studierenden einläd, nicht versucht, mit mir abzusprechen, so dass ich ihr Interesse an einer tatsächlich klärenden Aussprache nicht erkennen kann.

Ich leite Euch hiermit mein Schreiben weiter, welches ich an Frau (Name der Prof. entfernt, LW) gerichtet habe. Darunter findet ihr außerdem die Pressemitteilung, auf die sich Frau (Name der Prof. entfernt, LW) bezieht. Wie bereits in diesem Schreiben angekündigt, werde ich mich an einem Treffen gerne beteiligen, wenn es sich um ein inhaltliches Treffen handelt. Bisher möchte Frau (Name der Prof. entfernt, LW) eine Erklärung meinerseits zu meiner Aussage und ein Treffen mit Studierenden, um zu erfahren, ob alle Studierenden diese meine vermeintliche Aussage teilen.
Meine Erklärung hat Frau (Name der Prof. entfernt, LW) bereits erhalten und ich wiederhole sie hiermit gerne noch einmal (siehe unten). Da ich die Aussage, die neu berufenen Professor_innen schaden der Universität, niemals geäußert habe, kann ich den Hintergrund und den Sinn ihres zweiten Anliegens allerdings nicht verstehen. Zu jeder inhaltlichen Diskussion bin ich gerne bereit. Derzeit entsteht allerdings aufgrund des Vorgehens von Frau Söntgen eher der Eindruck, als verfolge sie politische Interessen, die außerhalb der Klärung meiner Aussage liegen.

Abschließend möchte ich auch anmerken, dass es mich irritiert, dass Frau (Name der Prof. entfernt, LW) den Weg über (Name des Mitglieds der Fachschaft BWL entfernt, LW) wählt (und nicht z.B. über die zentrale studentische Exekutive - den AStA), um ihren Brief an die Studierenden zu verbreiten. Ausdrücklich distanzieren möchte ich mich davon, dass Herr (Name des Mitglieds der Fachschaft BWL entfernt, LW) diese Aufgabe, die ihm Frau (Name der Prof. entfernt, LW) übertragen hat, nutzt, um als bisher unbeteiligter Dritter seine Meinung kund zu tun und sich damit zu positionieren und zu profilieren. Sollte es sich bei dem angekündigten Treffen um eine sachliche Diskussion handeln, darf diese nicht im Vorfeld mit den politischen Differenzen zwischen den bisherigen politischen Akteur_innen verbunden und belastet werden.

Beste Grüße,
Daniela

**********
EMAIL VOM 8.011.2011

Liebe Frau (Name der Prof. entfernt, LW),
Liebe Neuberufene,
Liebe Studierende,

offensichtlich ist bei der Pressemitteilung der Senatsliste "EINE Uni fuer ALLE" (http://eineunifueralle.wordpress.com/2011/11/01/universitat-luneburg-war-niemals-pleite/) ein Missverstaendnis aufgetreten.
Meine Aussage, die externen Berufungskommissionen und das Vorgehen von Praesident Herrn Spoun haetten der Universitaet geschadet, bezieht sich auf den Einstellungsstop, den Herr Spoun von 2006 bis 2008 verlaengert hat und demnach bis 2009 keine Professor_innen eingestellt werden konnten. Dies tat er mit der Argumentation, die Universitaet sei herab gewirtschaftet und in den roten Zahlen. Aufgrund einer dieser Aussagen wurde damals gegen Herrn Spoun eine Klage eingereicht. Dass die Pleite der Institution tatsaechlich nicht der Wahrheit entsprach, können wir jetzt mit Jahresabschlussbilanzen belegen. Dass der Universitaet damit geschadet wurde - 3 Jahre lang Mangel in Lehre und Forschung, sowie in der Entwicklung von Fachbereichen und Forschungsfeldern, UEberbelastung der Lehrenden, etc. - das werden Ihnen auch viele der Menschen bestaetigen können, die damals ebenfalls bereits an der Universitaet waren.
Vor allem, weil mit der Einfuehrung des (Alt-)Bachelors sowie 2007 mit der uebereilten Einfuehrung des Leuphana-Bachelors insgesamt 3 bzw. 4 Studienabschluesse (je nachdem, ob Magister und Diplom als ein oder zwei Abschluesse zu rechnen sind) an der Universitaet parallel liefen, war die Arbeitsbelastung und Auslastung der Institution sehr hoch.

Meine Aussage beinhaltet darueber hinaus ebenfalls Kritik daran, dass die Fakultaeten aufgrund der externen Berufungskommissionen ihr Hoheitsrecht der Berufungen verloren haben und die Gestaltung der Studien- und Forschungsinhalte somit nicht von der Universitaet getragen, sondern vom Praesidium vorgenommen wurde. Auch haben die Studierenden ihre Stimme in den Kommmissionen verloren. Diese Neuberufungen aber beeinflussen sehr stark die Ausrichtung der Universitaet und sollten demnach auch von einer Gemeinschaft vorgenommen werden. Viele Profs initiierten damals eine Unterschriftenliste gegen diesen vehementen Eingriff in die Rechte der Fakultaeten, ueber eine Klage wurde lange diskutiert. Denn die flaechendeckende Einrichtung solcher Kommissionen ist vom Gesetz nicht gedeckt, eine juristische UEberpruefung - die dem Praesidenten nach seiner Aussage vom Ministerium vorlag - haben wir nie zu Gesicht bekommen.
Dass aber solch einseitige, von den Fakultaeten nicht getragene, Berufungen auch einseitige Interessen beruehren und eben nicht ausgewogen stattfinden (gerade transdisziplinaere Studiengaenge leben von den pluralistischen Perspektiven innerhalb der Fakultaeten - die Einsetzung von Kommissionen und die Berufungen muessen demnach auch innerhalb dieses Pluralismuses stattfinden), vor allem nicht innerhalb der Expertise vor Ort (welche die Uni, die Studiengaenge, die Beduerfnisse etc. kennen), ist eine kaum auszubleibende Folge. Dass dieses Vorgehen auch der universitaeren Gemeinschaft und die lange Zeit der Mangelwirtschaft den Lehrenden und den Studierenden geschadet hat, dies bleibt meine Aussage.

Ich bitte allerdings diejenigen um Verzeihung, die sich von meiner, möglicherweise durch einen unguenstigen Ausdruck missverstandene, direkte Aussage vor den Kopf gestoáen fuehlen. Diejenigen der neu berufenen Professor_innen, die mir bereits begegnet sind, mit mir vielleicht auch schon politisch diskutiert haben, werden hoffentlich bestaetigen können, dass ich ihnen niemals abschaetzig begegnet bin und niemanden verantwortlich mache fuer eine Situation an der Universitaet, die sie nicht beeinflussen konnten.

Bei einer Diskussionsrunde zu "externen Berufungskommissionen", "Neuberufungen" u.a. wuerde ich selbstverstaendlich auch zu meinen Vorbehalten und zu den Vorwuerfen, die ich Herrn Spoun mache, Stellung beziehen.

Mit freundlichen Grueßen,
Daniela Steinert
Wenige Stunden später erklaerte widerum das betroffene Mitglied der Fachschaft BWL:
Liebe Kommilitonen,
ich schreibe Euch erneut, da es mir wichtig ist Euch zu sagen, dass ich Daniela Steinert zu keinem Zeitpunkt persönlich zu nahe treten wollte.

Sollte dies so gewirkt haben, dann entschuldige ich mich dafür. In Ihrer Stellungnahme macht Daniela Steinert deutlich, dass die von Frau Prof. (Name entfernt, LW) getätigte Interpretation ihrer Aussagen nicht ihr gewollt waren.

Nichts destotrotz teile ich viele Aussagen aus der PM vom 01.11.2011 ausdrücklich nicht!

Dazu hier die Stellungnahme der Uni zu den mit Wiederlegungen der Vorwürfe der Liste „Eine Uni für alle“: http://myshare.leuphana.de/989e577cb753faf863217f2d574f2220

Aufgrund dieses Missverständnisses schlage ich dennoch weiter vor, dass Ihr Frau (Name entfernt, LW) (ENTFERNT@leuphana.de) mitteilt, dass es hier an der Uni viele Menschen gibt, die froh über die neu berufenden Dozenten sind. Ich persönlich halte sie nach wie vor für eine Bereicherung der Leuphana und hoffe, dass noch viele renommierte und qualifizierte Menschen an unsere Universität kommen.

Da es auch hier einige Missverständnisse gab noch die Fakten zu meiner Person:

(Name entfernt, LW), Master BD 3. Semester
FGV Master Business Development
Vertreter der aktuellen Senatsliste “Für Euch und unsere Uni -Die Fachschaft”
Kandidat der neuen Senatsliste (2012): „Leuphana gemeinsam gestalten!“

p.s. Ich wollte das einfach klarstellen, sorry dafür, dass ihr jetzt noch eine Mail dazu bekommen habt. Das nächste Mal werde ich das von meiner Seite direkt mit Daniela klären!
Was zwischen den letzten beiden eMails hinter den Kulissen abgelaufen ist, kann nur erahnt werden. Erstaunlich ist jedenfalls das Verhalten der Professorin. Sollte sie eine Nachricht verschicken wollen, warum dann über die Fachschaft BWL und nicht z.B. ihr Dekanat oder mzstudy oder den ASTA oder das Studentenparlament? Sollten die Ausführungen von Senatorin Steinert stimmen, wäre das Verhalten der neuen Professorin zudem sehr unprofessionell. Nachdem bereits eine Klarstellung in einer privaten eMail erfolgt ist, ist es mehr als peinlich, nach Wochen noch einmal mit den alten Vorwürfen Politik zu machen. Der Betroffenen vorher nicht einmal zu antworten ist beschämend. Nennt sich so etwas ab sofort "akademisches Niveau"?

LeuphanaWatch fragt: Disqualifiziert sich da gerade jemand selbst?

Unabhängig davon muss die Frage gestellt werden, ob Kritik an Berufungsverfahren ab sofort nicht mehr erlaubt ist, weil die Neuberufenen sich sonst gekränkt fühlen? Etwas Differenzierungsfähigkeit wäre angebracht. Peinlich, peinlich, dieses Schauspiel.

Freitag, 18. November 2011

Eilmeldung: EU-Korruptionsbekämpfer kommen!

Es ist eine Nachricht, die erneut für erhebliche Unruhe sorgen wird: die obersten Korruptiosbekämpfer der EU (OLAF) kommen für eine Untersuchung an die Leuphana Universität Lüneburg! Es geht nach Informationen des NDR um Auftragsvergaben im Zusammenhang mit dem Audimax. Ebenfalls im Visier ist die Firma Rheinzink. Bereits der Landesrechnungshof hatte die Zusammenarbeit mit Rheinzink bemängelt.

Ausführliche Informationen bei den Kollegen des NDR.